Projekte > Erinnerungskultur in Ostwestfalen-Lippe / Denkmäler und Mahnmale




Polizei und Honoratioren bei der Einweihung des Kriegerdenkmals in Gütersloh 1896 (Ausschnitt) / Foto: Stadtarchiv Gütersloh, BB 14100
 
 
 

1. Einleitung

 
 
 
In dieser Präsentation von Denkmälern und Mahnmalen geht es um Orte des Gedenkens an die Opfer der Kriege des 19./20. Jahrhunderts und der nationalsozialistischen Diktatur, also um Formen der öffentlichen, kollektiven Trauer. Diese ergänzt Formen privater, individueller Trauer, wie sie in Gedenkkreuzen zur Erinnerung an Gefallene auf Familiengrabstätten auf Friedhöfen zum Ausdruck kommt. Denn gedacht wird - öffentlich wie privat - Menschen, deren Leben gewaltsam abgebrochen wurde, die ihr Leben nicht so wie gehofft zu Ende leben durften.

Auch über die Erinnerung an Gefallene und Opfer der nationalsozialistischen Diktatur hinaus ist Gedenken ein zentrales Element unserer Kultur, das einen eigenen Wertekanon schafft. Öffentliches und privates Gedenken beschäftigen sich mit der Frage nach dem Sinn des Sterbens. In der privaten Erfahrung des Sterbens dominiert oft eine Krankheit, ein Zufall, ein Unglücksfall oder ein nicht beeinflussbarer Eingriff von außen, der sinnlos war, aber als unvermeidlich hingenommen werden muss. Die Trauer bleibt privat und erreicht nur selten den öffentlichen Raum.

Anders ist es bei der kollektiven Trauer um Kriegstote. Sie versucht gerade in öffentlicher Inszenierung, dem Sterben der Gefallenen dadurch im Nachhinein einen Sinn zu geben, dass es zur Opfertat für die Überlebenden erklärt wird. Dabei werden beide, Gefallenen wie Überlebende, zu Opfern stilisiert. Diese Trauer hat auch die Funktion, das Geschehene für die Hinterbliebenen erträglich zu machen und gleichzeitig durch Symbole und Gesten davon abzulenken, dass es nicht unvermeidlich war. Die Frage nach einer Verantwortlichkeit wird gar nicht mehr gestellt.

Ein Weiteres stellt das Gedenken an Menschen dar, die absichtlich von der Gesellschaft „ausgesondert“ und ermordet wurden. Dazu zählen die Morde an Minderheiten und an Häftlingen der Konzentrationslager, dazu zählt auch die "Vernichtung durch Arbeit“, der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern ausgesetzt waren. Auch diese Tode waren keine unvermeidlichen Unglücksfälle, sondern Ergebnis politischer Entscheidungen. Ein öffentliches Gedenken ist in diesen Fällen immer auch Mahnung an die Gesellschaft, aus der die Täter kamen. Es schafft Unruhe und kann auch ablehnende Reaktionen der Bevölkerung provozieren.

Die Denkmäler und Mahnmale, um die es hier geht, stehen im öffentlichen Raum. An ihnen können die verschiedenen Formen der Trauerarbeit und ihre Veränderungen im Wechsel der Generationen abgelesen werden. Bei Kriegerdenkmälern lässt sich etwa eine Verschiebung von der Verherrlichung des Kriegstodes hin zum Appell, den Frieden zu wahren, feststellen. Eines aber scheint für alle diese Mahnmale zu gelten: Dass sie heute nur geringe Aufmerksamkeit hervorrufen und nur begrenzt wahrgenommen werden. Sie sind aber in Wirklichkeit wichtige Zeugnisse für die Mentalität der gesellschaftlichen Kräfte, die sie gestaltet und verändert haben. Man muss sie durch Fragen zum "Sprechen“ bringen:
  • Mit welchem Ziel und von wem werden Denkmäler und Mahnmale im Einzelfall errichtet?
  • Wie wird das Gedenken formal inszeniert?
  • Wie verändern sich die Formen des Gedenkens?
  • Wie wird mit Mahnmalen umgegangen - werden sie abgerissen, an andere Stellen gebracht, im Detail verändert, mit neuen Texten versehen?
  • Welche Bedeutung haben Denkmäler und Mahnmale aus früherer Zeit für die Gegenwart - sind sie mehr als Zeugen vergangenen Denkens?
Weitere Ressourcen im Internet-Portal "Westfälische Geschichte" zur Geschichte von Denkmälern, u. a.:
Krieg und Militär | Nationalismus, Patriotismus, Landesherren |
Nationalsozialismus |


Materialien für den Schulunterricht:
Arnold Vogt,  Krieg und Gewalt in der Denkmalskunst, Münster 1994



Ein Kooperationsprojekt des Internet-Portals "Westfälische Geschichte" mit:

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Hauptarchiv der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel


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Die Beteiligten des Arbeitskreises "Erinnerungskultur in Ostwestfalen-Lippe“ stellen in ihrem zweiten Internet-Projekt Beispiele aus ihren Gemeinden sowie eigene Erfahrungen im Umgang mit ihnen vor. Sie werden in Einzeldokumenten, Abbildungen, Zeitungsberichten und mit erklärenden Begleittexten präsentiert. Diese Vorstellung im Internet kann Ortsbesichtigungen und weitere Recherchen in den Archiven und Museen nicht ersetzen.
Arbeitskreis "Erinnerungskultur in Ostwestfalen-Lippe":
 Nationalsozialismus in Ostwestfalen-Lippe
 
 
Auf allgemeine Hinweise zur Nutzung eines Archivs durch Gruppen von Schülerinnen und Schülern wird an dieser Stelle ebenso verzichtet wie auf archivdidaktische Hinweise. Informationen dazu finden sich im Rahmen des Internetportals "Westfälische Geschichte" an anderer Stelle.
 
 
 
 
 
 

2. Projekte

 
 
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3. Literaturauswahl

 
 
 

3.1 Allgemein

 
 
 
Abshoff, Fritz
Deutschlands Ruhm und Stolz. Unsere hervorragendsten vaterländischen Denkmäler in Wort und Bild. Berlin 1904

Bach, Martin
Studien zur Geschichte des deutschen Kriegerdenkmals in Westfalen und Lippe. Frankfurt u. a. 1985

Behrenbeck, Sabine
Heldenkult oder Friedensmahnung? Kriegerdenkmale nach beiden Weltkriegen. In: Niedhart, Gottfried u. Dieter Riesenberger (Hg.): Lernen aus dem Krieg? Deutsche Nachkriegszeiten 1918 und 1945. München 1992

Eschebach, Insa
Öffentliches Gedenken. Deutsche Erinnerungskulturen seit der Weimarer Republik. Frankfurt u. a. 2005

Hammerbacher, Hans Wilhelm
Deutsche Gedenkstätten und Ehrenmale. Heusenstamm 1976

Koselleck, Reinhar
Kriegerdenkmale als Identitätsstiftungen der Überlebenden. In: Odo Marquard u. Karlheinz Stierle (Hg.): Identität. München 1979, S. 255-276 (Poetik und Hermeneutik 8).

Koselleck, Reinhart / Michael Jeismann (Hg.)
Der Politische Totenkult. Kriegerdenkmäler in der Moderne. München 1994

Lange, W.
Deutsche Heldenhaine. Leipzig 1915

Schneider, Gerhard
Kriegerdenkmäler. Didaktisch-methodische Bemerkungen zum Unterricht im 9. bis 13. Schuljahr. In: Kunst und Unterricht, 1979, H. 58, S. 32-37

Speitkamp, Winfried (Hg.)
Denkmalsturz. Zur Konfliktgeschichte politischer Symbolik. Göttingen 1997

Vogelsang, Reinhard
Denkmäler der Kaiserzeit. In: Stilversuchungen. Historismus im 19. Jahrhundert. Bielefeld 1991, S. 68-76.
 
 
 
 
 
 

3.2 Lippe

 
 
 
Böttcher, Friedrich
Denkmäler in Barntrup. Erinnerungen gegen ein Vergessen. Barntrup 1993 (Barntruper Geschichte(n), 4)

Neumann-Hofer, Otto
Ein Wort zum Denkmalsbau in Detmold.
In: Lippische Landes-Zeitung v. 18.12.1930

Osterhagen, Jürgen
Das Ehrenmal besteht 50 Jahre. In: Oerlinghauser Zeitung v. 12.8.1980, S. 1.

Otto, Gustav
Eindrücke bei einem Kriegsgräberbesuch. Ehemalige Soldaten ehren das Andenken der Toten des Infanterie-Regiments Nr. 55, in: Lippische Landes-Zeitung v. 15.11.1958

Ruppert, Andreas
Kriegerdenkmäler in Detmold. In: Rosenland - Zeitschrift für lippische Geschichte, 2 (2005), S. 2-18
(online verfügbar: http://www.rosenland-lippe.de/rosenland-02-51.pdf)

Vierzig Jahre 98er-Denkmal in Horn, in: Der Stadtbote, Nr. 46 (1965), S. 13.

Wiemann, Heinz
Ihren tapferen Söhnen. Das Kriegerehrenmal in Schlangen, in: Der Gemeindebote, 33/1969, S. 5-9.
 
 
 
 
 
 

3.3 Gütersloh

 
 
 
Grimm, Stephan
Der Seminar-Gedenkstein. Ein Denkmal, das kaum einer mehr kennt. In: Heimatjahrbuch Kreis Gütersloh 2008, Gütersloh 2007.

Möller, Eckhard
Das Mahnmal an der Apostelkirche in Gütersloh - Ein Beispiel für Trauerarbeit in den 50er Jahren. In: Gütersloher Beiträge zur Heimat- und Landeskunde 46/47, Januar 1996.

Westheider, Rolf (mit Michael Jeismann)
Bürger und Soldaten. Deutsche und französische Kriegerdenkmä¬ler zum Ersten Weltkrieg, in: Gewalt - Krieg - Erinnerung (= Geschichtswerkstatt, H. 16), Hamburg 1988, S. 6-15.

Westheider, Rolf
Krieg, Einheit und Denkmal. Beispiele politischer Symbolik in Minden-Ravensberg, in: Joachim Meynert u.a. (Hgg.), Unter Pickelhaube und Zylinder. Das östliche Westfalen im Zeitalter des Wilhelminismus 1888 bis 1914, Bielefeld 1991, S. 487-502.

Westheider, Rolf
Ein Souvenir im Großformat. Das Kriegerdenkmal von Borgholz¬hausen, in: Gütersloher Beiträge zur Heimat- und Landeskunde, H. 34/35, 1992, S. 707-712.

Westheider, Rolf
"Für König und Vaterland". Kriegerdenkmäler in Ostwestfalen (= Westfalen im Bild, Reihe: Kulturdenkmale in Westfalen, H. 6), Münster 1993.

Westheider, Rolf
Kein Platz für die Leichen. Bestattungsprobleme in Versmold um 1800, in: Jahrbuch für Westfälische Kirchengeschichte 87, 1993, S. 137-143.

Westheider, Rolf
Zur Erinnerung an die Erinnerung. Ein Denkmal in Borgholzhausen aus dem Jahre 1909, in: Der Minden-Ravensberger 66, 1994, S. 48-50.

Westheider, Rolf
Altstoff der Geschichte oder notwendige Erinnerungsobjekte? Denkmäler von gestern in der politischen Landschaft von heute, in: Deutsche Nationaldenkmale 1790 - 1990, hg. vom Sekretariat für kulturelle Zusammenarbeit Nordrhein-Westfalen, Bielefeld 1993, S. 128-135.

Westheider, Rolf (mit Michael Jeismann)
Wofür stirbt der Bürger? Nationaler Totenkult und Staatsbürgertum in Deutschland und Frankreich seit der Französischen Revolution, in: Reinhart Koselleck u. M. Jeismann (Hgg.), Der politische Totenkult. Kriegerdenkmäler in der Moderne, München 1994, S. 23-50.

Westheider, Rolf
Im Gegenwind der Geschichte. Das Kriegerdenkmal von Borgholzhausen, in: Friedhof und Denkmal 42, H. 2, Kassel 1997, S. 39-44.

Westheider, Rolf
”Juden waren etwas anderes”. Einleitende Anmerkungen zu dem Versuch, etwas Untergründiges darstellbar zu machen, in: Volker Beckmann, Jüdische Bürger im Amt Versmold. Deutsch-jüdische Geschichte im westlichen Ravensberger Land, Bielefeld 1998, S. 7-18.

Westheider, Rolf
Zufall oder Bedeutung? Der 9. November in der deutschen Geschichte. Gedenkveranstaltung der Stadt Versmold zum Volkstrauertag, 15. November 1998 (=Veröff. d. Stadtarchivs Versmold, H. 1), Versmold 1998.

Westheider, Rolf
Zwei Jahrhundertgeschichten: Vom Synagogenbau und von der Errichtung eines Mahnmals, in: Heimatjahrbuch Kreis Gütersloh 2002, S. 152-159.

Westheider, Rolf
Zwei Kriege, ein Denkmal. Die Bielefelder Sondererinnerung des Kriegsgefangenenschicksals, in: Johannes Altenberend (Hg.), Ein Haus für die Geschichte. Festschrift für Reinhard Vogelsang, Bielefeld 2004, S. 467-487.

Westheider, Rolf
Triumph - Verdrängung - Leid. Gütersloher Denkmäler und die Kriege des 19. und 20. Jahrhunderts (= Heimatkundliche Beiträge der Volksbank Gütersloh, H. 14), Gütersloh 2006.
 
 
 
 
 
 

3.4 Harsewinkel

 
 
 
Möller, Eckhard
Im Gedenken an die Toten. Vom Kriegerdenkmal zum Ehrenmal und Mahnmal. In: Heimatjahrbuch Kreis Gütersloh 2008, Gütersloh 2007

Möller, Eckhard
Das Kriegerdenkmal in Greffen. Ein Zeugnis der Zeitgeschichte. In: Heimatjahrbuch Kreis Gütersloh 2010, Gütersloh 2009.
 
 




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