Kategorie | NSDAP / Blutzeuge, sog. NSDAP / SA <Sturmabteilung> |
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Geburt | 20.11.1901, Legden |
Tod | 19.04.1928, Haltern, Krankenhaus |
Info | SA-Mann in Haltern-Sythen, seinem Vater zufolge "Blutzeuge". Nach NS-Angaben, die Gerwart zum 17-Jährigen stilisierten, obgleich er zum Zeitpunkt seines Todes 26 Jahre alt war, habe Gerwert, Müller von Beruf, schon 1926 über einen guten Kontakt zur NSDAP und zur SA verfügt, sodass diese ihn zum Träger der SA-Fahne auf dem Gauparteitag ernannt hätten. Verschiedene Versionen seines Todes: u. a. am 10.04.1928 in Sythen nach NS-Angaben auf dem Heimweg von einer Versammlung von vier Kommunisten überfallen und "erschlagen" (SA-Verordnungsblatt, Halbmast, S. 30; Der Weg zum Nationalsozialismus, S. 107) bzw. bei einer politisch motivierten Wirtshausschlägerei nach mehreren Wochen Krankenlager bei seinen Eltern wenige Tage nach seiner Krankenhaus-Einlieferung am 20.04.1928 (Busch, S. 117, dort auch 19.04.) verstorben. Am 01.02.1933 Benennung des Sturms 12/13 (Dülmen) nach Gerwert, 15.04.1934 Grundsteinlegung für das Gerwert-Denkmal vor dem Dülmener Gymnasium am Nonnenwall (nicht vollendet), Straßenbenennung (vormals Sixtusstraße), 1943 Eintrag in die "Ehrenliste der Blutopfer der Bewegung", Denkmal in München ("Der letzte Appell. Bernh. Gerwert"). Der Vater erklärte nach 1945 jedoch in der Halterner Zeitung, "daß mein Sohn Bernhard zu Unrecht als sogenannter Blutzeuge galt. Er ist nach gerichtsärztlichen Gutachten an Blindarmentzündung gestorben. Den Ehrensold von 70 Mark monatlich habe ich somit widerrechtlich erhalten. Die diesbezüglichen Schikanen gegen Johann Dransmann aus Sythen waren ebenso zu Unrecht" (Prohl, Straßen erhalten ihre alten Namen wieder, S. 128). |
Quellen | BArch NS 26/308 [Sterbedatum: 10.04.1928, "von Marxisten erschlagen"]. - Anon., Gau Westfalen, in: Die Ruhmeshalle der SA., SS. und HJ., des früheren Stahlhelms und der für das Dritte Reich gefallenen Parteigenossen, Fürstenwalde/Spree [1933], S. 106f.; O. Bickhove-Swiderski, Dülmen unterm Hakenkreuz, S. 256f. [Sterbedatum: 19.04.1928, S. 257: Abb. Denkmal); A.-K. Busch, Blutzeugen. Ein Beitrag zur Praxis politischer Konflikte in der Weimarer Republik, 2., überarb. u. erw. Aufl., [S.l.] 2010, S. 117 (wissenschaftlich ungesichert, mit sich widersprechenden Todesdaten) [Geburtsdatum: 22.11.1912, Sterbedatum: 19. sowie 20.04.1928, was besser zur !]; Halbmast. Ein Heldenbuch der SA und SS. Den Toten der NSDAP zum Gedächtnis. Erste Folge [mehr nicht erschienen; Sterbedatum: 10.04.1928], Berlin 1932, S. 30; Hauptkulturamt in der Reichspropagandaleitung der NSDAP (Hg.), Ich kämpfe, München 1943, S. 44; Kalender der Deutschen Arbeit 1936, Berlin [1935], S. 23 [Sterbedatum: 10.04.1920]; Heinz Prohl, Straßen erhalten ihre alten Namen wieder, in: Verein für Altertumskunde und Heimatpflege Haltern e. V. (Hg.), Stunde Null und Neubeginn 1944-1946. Zeitzeugen berichten über das Ende des Zweiten Weltkriegs in Haltern, Haltern 1995, S. 127f.; Boris Spernol (Hg.), Haltern und der Nationalsozialismus. Ereignisse und Erinnerung, Haltern 2006, S. 25f.; Verein zur Erinnerungskultur und der Geschichte der Stadt Haltern, Haltern in Westf. 1933-1945; Sarah Thieme, Nationalsozialistischer Märtyrerkult, Frankfurt a. M. 2017, S. 497f.; Weberstedt/Langner, Gedenkhalle für die Gefallenen des Dritten Reiches, S. 70f. |
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URL dieser Seite: https://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/nstopo/strnam/Begriff_517_Orte.html / Stand: 11.4.2019
Zitierweise:
Marcus Weidner, Die Straßenbenennungspraxis in Westfalen und Lippe während des Nationalsozialismus. Datenbank der Straßenbenennungen 1933-1945, Münster 2013ff. <https://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/nstopo/strnam/Begriff_517_Orte.html> (Stand: 11.4.2019)