Die ''Route der Industriekultur'' im Ruhrgebiet

01.01.2007 Hans-Werner Wehling

Abb. 1: Ankerpunkte und Panoramen der "Route der Industriekultur" im östlichen Ruhrgebiet (Entwurf: H.-W. Wehling, Quelle: RVR 2004)
Der Strukturwandel des Ruhrgebiets hat imposante Zeugen der Montanindustrie und zahlreiche andere industrielle Bauten zurückgelassen. Lange Zeit ist es der Bevölkerung, der Politik und den Medien der Region schwer gefallen, diese baulichen Zeugen als industriekulturelles Erbe zu akzeptieren. Zunehmend wird dieses Erbe des Industriezeitalters jedoch als identitätsbildender Standortfaktor und wirtschaftliches Potenzial begriffen. Zahlreiche Industriedenkmäler haben sich zu Orten von Kunst und Kultur, zu Stätten musealer Erinnerung entwickelt, andere sind Bestandteile neuer Gewerbe- und Landschaftsparkprojekte geworden.

Industriekulturelle Standorte für den Regional-, Event- und Erlebnistourismus zu nutzen, ist seit der Internationalen Bauausstellung Emscher Park (IBA, 1989-1999, s. Beitrag Wehling) Zielsetzung der regionalen Strukturpolitik.

Die vom Regionalverband Ruhr (RVR) realisierte "Route der Industriekultur" (Abb. 1) verbindet durch eine insgesamt rund 400 km lange Straßenroute herausragende Orte der Industriekultur miteinander: 25 sogenannte Ankerpunkte (davon 16 im westfälischen Teil), 14 (10) außergewöhnliche Aussichtspunkte (Panoramen) und 13 (8) bedeutende Siedlungen. Das zentrale Besucherzentrum der Route befindet sich auf der Zeche Zollverein 12 in Essen.
Abb. 2: Altes Schiffshebewerk Henrichenburg (Foto: H.-W. Wehling)

Die Ankerpunkte im westfälischen Teil der "Route der Industriekultur" sind:

► Die 8900 m2 große Jahrhunderthalle in Bochum, die 1903 für den Bochumer Verein errichtet wurde und heute für vielfältige Kunst- und Kulturveranstaltungen genutzt wird,
► das Deutsche Bergbau-Museum in Bochum mit einem unterirdischen Anschauungsbergwerk von 2,5 km Streckenlänge,
► das Umspannwerk (1928) in Recklinghausen mit dem Museum "Strom und Leben",
► der Chemiepark Marl,
► das Alte Schiffshebewerk Henrichenburg (1898), das heute einer der dezentralen Standorte des LWL-Industriemuseums ist (Abb. 2),

Abb. 3: Zeche Zollern II/IV, Dortmund (Foto: H.-W. Wehling)

► die Jugendstilzeche Zollern II/IV (1898) in Dortmund, seit 1969 unter Denkmalschutz und heute Zentrale des LWL-Industriemuseums (Abb.3),
► die Zentralkokerei Hansa in Dortmund, die für die Rationalisierungsmaßnahmen im regionalen Bergbau der 1920er Jahre steht,
► die Deutsche Arbeitsschutzausstellung (DASA) in Dortmund,
► der Maximilianpark in Hamm, der 1984 auf einem ehemaligen Zechengelände als Landesgartenschau entstand,
► die 1859 in Unna gebaute Lindenbrauerei, die zu einem Kunst- und Kulturzentrum umgestaltet wurde,
► der Hohenhof in Hagen, eine 1906 bis 1908 von Henry van de Velde für die Familie Osthaus als "Gesamtkunstwerk" gebaute Jugendstilvilla,
► das vom LWL (Landschaftsverband Westfalen-Lippe) betriebene Freilichtmuseum in Hagen,
► die Zeche Nachtigall und das Muttental, die als dezentraler Standort des LWL-Industriemuseums den frühen Ruhrbergbau repräsentieren,
► die von 1854 bis 1987 betriebene Henrichshütte in Hattingen, ebenfalls einer der Standorte des LWL-Industriemuseums,
► das Eisenbahnmuseum in Bochum-Dahlhausen mit seinen über 180 Fahrzeugen aus der Zeit von 1853 bis 1964,
► der Nordsternpark in Gelsenkirchen, der 1997 unter Einbeziehung ehemaliger Zechenanlagen als Wohn-, Gewerbe- und Landschaftspark geschaffen wurde.

Abb. 4: Tetraeder, Bottrop (Foto: M. Knorr, Stadt Bottrop)

Die 10 westfälischen Panoramen, die einen Überblick über die Industrielandschaft ermöglichen und die z.T. mit aufgesetzten Skulpturen zu den Standorten der regionalen Landmarken-Kunst gehören, sind:

► Halde Hoppenbruch, Herten (70 m ü. NN),
► Halde Schwerin, Castrop-Rauxel, mit der begehbaren Plastik "Sonnenuhr" von Jan Bormann,
► Hohensyburg, Dortmund, mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal (1902),
► Fernsehturm Florian, Dortmund, Wahrzeichen der Bundesgartenschau von 1959,
► Halde Großes Holz, Bergkamen (148 m ü. NN),
► Berger-Denkmal auf dem Hohenstein, Witten,
► Tetraeder auf der 60 m hohen Halde Prosper, Bottrop (Abb. 4),
► Kissinger Höhe, Hamm-Herringen, eine von 1974 bis 1998 in Terrassen geschüttete und anschließend mit Wanderwegen erschlossene Halde,
► Halde Rheinelbe, Gelsenkirchen-Ückendorf mit der Skulptur "Himmelsleiter" von Herman Prigann,
► Halde Rungenberg, Gelsenkirchen-Buer, mit der Lichtplastik "Nachtzeichen".

Über die Hauptroute hinaus veranschaulichen und vertiefen im westfälischen Teil 19 Themenrouten mit zahlreichen weiteren Standorten der Industriekultur die Vielfalt der industriellen Kulturlandschaft des Ruhrgebiets. Viele Objekte repräsentieren dabei nicht nur Facetten der regionalen Geschichte, sondern zeigen auch die Möglichkeiten neuer Nutzungen auf.

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Weiterführende Literatur/Quellen

Erstveröffentlichung 2007