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M�nster, Domplatz: NS-'Schandpfahl', Mai 1933 / Foto: Stadtarchiv M�nster, Fotosammlung 5162









Christine Witte

10. Mai 1933 -
Die "Aktion wider den undeutschen Geist" -
Nationalsozialistische B�cherverbrennungen

Am 10.05.1933 kam es, nur wenige Monate nach der sog. Machtergreifung der Nationalsozialisten, in 22 deutschen Universit�tsst�dten im Rahmen der 'Aktion wider den undeutschen Geist' zu �ffentlichen Verbrennungen von B�chern j�discher, marxistischer und pazifistischer Schriftsteller. Die Aktion ging nicht von der Parteispitze oder dem erst kurz zuvor gegr�ndeten Propagandaministerium aus, sondern war systematisch von der Deutschen Studentenschaft geplant und durchgef�hrt worden. Auch an einigen Orten in Westfalen wurden im Rahmen oder in Nachahmung der studentischen Aktionen �ffentliche B�cherverbrennungen veranstaltet.
 
 

Die Deutsche Studentenschaft und die "Aktion wider den undeutschen Geist"

Studentische Verbindungen und das nationalsozialistische Gedankengut

 
 
 
Die Deutsche Studentenschaft war 1919 als Zusammenschluss und �berparteilicher Dachverband der Allgemeinen Studentenaussch�sse (AStA) aller deutschen Hochschulen gegr�ndet worden. Von 1920 bis 1926 genoss die Deutsche Studentenschaft staatliche Anerkennung, die sie allerdings infolge einer Auseinandersetzung mit dem preu�ischen Kultusminister wieder verlor. Als Konkurrenz zur Deutschen Studentenschaft formierte sich 1926 der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund (NSDStB). Dieser schaffte es, schon vor der Macht�bernahme der Nationalsozialisten auf fast allen Ebenen in der Deutschen Studentenschaft eine kaum mehr anfechtbare Vorherrschaft einzunehmen und den studentischen Dachverband zu einer autorit�r gef�hrten Organisation umzubilden. Bereits Ende der 20er und Anfang der 30er Jahre steigerte sich der Stimmenanteil des NSDStB in den Allgemeinen Studentenaussch�ssen enorm. Die AStA-Wahlen 1931 brachten dem NSDStB mit 44,4 % der Stimmen endg�ltig den Durchbruch. Im Juli des gleichen Jahres wurde zudem erstmals ein Mitglied des NSDStB zum Vorsitzenden der Deutschen Studentenschaft gew�hlt. Sp�testens mit der nationalsozialistischen Macht�bernahme strebte der NSDStB im Zuge der NS-Gleichschaltungspraxis auf allen gesellschaftlichen Gebieten gezielt nach der �bernahme der Deutschen Studentenschaft. Ziel war es, die studentische und akademische Selbstverwaltung in die Hand der Nationalsozialisten zu bringen und die Wissenschaft f�r das 'Dritte Reich' zu instrumentalisieren.
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Wahlkampfbesuch: Adolf Hitler mit Gauleiter Alfred Meyer in der Halle M�nsterland 1932
 
 
Der steile Aufstieg des NSDStB ist allerdings nicht allein seiner aktiv-k�mpferischen Ausrichtung zuzuschreiben. Die politisch-ideologische Grundhaltung eines Gro�teils der deutschen Studentenschaft bot einen �beraus fruchtbaren N�hrboden f�r den Erfolg des NS-Studentenbundes. Die politisch-weltanschauliche Gesinnung der deutschen Studenten war seit Beginn der Weimarer Republik mehrheitlich republikfeindlich, v�lkisch-national und antisemitisch. Der Weimarer Staat wurde abgelehnt und bek�mpft. Anfang der 30er Jahre waren rund 60 % der deutschen Studierenden in studentischen Verbindungen formiert, die mit wenigen Ausnahmen politisch zur Rechten tendierten, sich allerdings zumeist als 'unpolitisch' charakterisierten. Nur maximal 5 % der Studenten geh�rten Hochschulgruppen der demokratischen Weimarer Parteien an. Deren breite Ablehnung und die monarchisch-reaktion�re Grundhaltung kamen an vielen Hochschulen durch j�hrliche prunkvolle Feiern anl�sslich des Reichsgr�ndungstages zum Ausdruck. Dagegen war die Feier zur Einf�hrung der Weimarer Verfassung nur eine glanzlose Pflichtveranstaltung. Dar�ber hinaus pflegten die v�lkisch-nationalen Studentenverbindungen mit j�hrlichen Langemarck-Feiern das Gedenken und die Glorifizierung der Kriegs- und Fronterfahrung. Auch in Friedenszeiten wollten sie nach dem Vorbild der soldatischen Kameradschaft eine gleichgerichtete Volksgemeinschaft stiften. Ziel der B�cherverbrennungen sollte es ebenfalls sein, gemeinschaftsbildend zu wirken und die Autoren der verhassten B�cher als Feinde der Gemeinschaft auszugrenzen.
 
 
 
Vor dem Hintergrund dieser vorherrschenden politisch-ideologischen Gesinnung gab es f�r den NS-Studentenbund keine gro�e Notwendigkeit, die anderen studentischen Verbindungen von der nationalsozialistischen Ideologie zu �berzeugen oder sie durch Zwangsma�nahmen gleichzuschalten. Die ideologische Grundlage f�r die nationalsozialistischen Vorhaben war in studentischen Kreisen schon lange vor 1933 vorhanden, sie musste nur mehr in einheitliche Bahnen gelenkt werden. Eine gewisse Distanzhaltung der Studentenverb�nde gegen�ber den NSDStB lag - wenn �berhaupt - nur in der Furcht vor dessen Absolutheitsanspruch begr�ndet, hatte aber wenig mit einer grunds�tzlichen Ablehnung der Hitlerbewegung zu tun. Von den nationalsozialistischen Parolen einer 'nationalen Erhebung' �berzeugt, griffen letztlich zahlreiche republikfeindlich ausgerichtete Studentenverbindungen einer '�u�eren Gleichschaltung' durch ihre 'Selbstgleichschaltung' vor. Insbesondere die Deutsche Burschenschaft und der Kyffh�userverband der Vereine deutscher Studenten bildeten ein gro�es Reservoir f�r den Nationalsozialismus. Von Beginn ihres Bestehens an war der Antisemitismus immer Bestandteil der Politik der Deutschen Burschenschaft gewesen. Schon 1920 hatte sie Arier-Paragrafen verabschiedet.
 
 
 
 

Die Planung und Durchf�hrung der "Aktion
wider den undeutschen Geist"

 
 
 
Bei der 'Aktion wider den undeutschen Geist' im Fr�hjahr 1933 handelte es sich keineswegs um eine spontane studentische Idee, sondern um eine systematisch vorbereitete, zentral von der Deutschen Studentenschaft in Berlin gesteuerte und reichsweit an fast allen Hochschulorten durchgef�hrte vierw�chige Literaturvernichtungs-Kampagne.
 
 
 
Anfang April 1933 informierte das neu gegr�ndete 'Hauptamt f�r Presse und Propaganda' der Deutschen Studentenschaft die Einzelstudentenschaften in mehreren als "streng geheim" deklarierten Rundschreiben �ber die geplante Aktion. Das konspirative Vorgehen sollte verhindern, dass der konkurrierende NSDStB der Deutschen Studentenschaft die Verantwortlichkeit f�r die Aktion entriss. Denn die 'Aktion wider den undeutschen Geist' hatte f�r die Deutsche Studentenschaft die Funktion, ihre staatliche Anerkennung zur�ckzugewinnen und damit ihren Anspruch auf die politisch-weltanschauliche Schulung aller deutschen Studenten gegen�ber dem NSDStB zu behaupten. Au�erdem wollte die Deutsche Studentenschaft der Staats- und Parteif�hrung ihre N�tzlichkeit als vortreffliches Instrument zur Verwirklichung der Parteiziele im Hochschulbereich beweisen. Als am 12.04.1933 schlie�lich eine neue preu�ische Studentenverordnung erlassen wurde, gewann die Deutsche Studentenschaft erneut ihre Anerkennung als "alleinige Gesamtvertretung der deutschen Studenten" zur�ck. Dieser Umstand kollidierte mit dem Selbstverst�ndnis des NSDStB. Nun zeigte sich auch auf der Ebene der Studentenschaft ein Kompetenzgerangel, das dem f�r das Dritte Reich typischen Dualismus zwischen Partei und Staat auf Reichsebene glich. Die Aprilverordnung f�rderte die Konkurrenz zwischen dem Studentenbund der Partei und dem studentischen Dachverband. Aufgrund der Geheimhaltung der 'Aktion wider den undeutschen Geist' war es dem NSDStB erst einen Tag vor dem Start der vierw�chigen Gesamtaktion am 12.04.1933 m�glich, sich noch in die Aktion hineinzudr�ngen. Hektisch wurde an alle NSDStB-Dienststellen eine 'Eil-Anordnung' verschickt, die Aktion der Deutschen Studentenschaft "nicht nur zu unterst�tzen, sondern selbstverst�ndlich die F�hrung hierbei zu �bernehmen [...]".
 
 
 
Um eine zeitliche und ideologische Einheitlichkeit der Aktion zu erzielen, gab die Deutsche Studentenschaft in ihrem Rundschreiben einen detaillierten Ablaufplan vor und erl�uterte den Einzelstudentenschaften den "Grundgedanken" der Aktion. Danach gelte es nicht nur "gegen Schund und Schmutz j�dischen Zersetzungsgeistes, wie er sich in Schrifttum und Welthetze gleicherma�en �ussert" vorzugehen, sondern zugleich "f�r volksbewu�tes Denken und F�hlen, wie es sich in der Bejahung der deutschen Erneuerung �ussert und sich in dieser Weise bei der Betrachtung aller Lebenserscheinungen in Schrifttum offenbaren muss" einzutreten. Es sollte also nicht allein um leeren Protest, sondern um die "bewu�te Besinnung auf die volkseigenen Werte" gehen. Zur �rtlichen Organisation der 'Aktion wider den undeutschen Geist' wurden die Einzelstudentenschaften zur Bildung von sog. Kampfaussch�ssen aufgefordert. Ein solcher Ausschuss setzte sich gem�� Vorgabe aus dem 'F�hrer' der �rtlichen Studentenschaft, drei Studenten, einem Professor, einem Mitglied des 'Kampfbundes f�r deutsche Kultur' und einem Schriftsteller zusammen.
 
 
 
Die vierw�chige Gesamtaktion war in mehrere Einzelaktionen bzw. Phasen unterteilt und startete am 12.04.1933 zun�chst mit einer 'Aufkl�rungsaktion'. Im Rahmen dieser Phase wurde die gesamte deutsche Presse systematisch mit einem sog. Artikeldienst versorgt, der die Funktion hatte, die 'Aktion wider den undeutschen Geist' in der �ffentlichkeit publik zu machen, daf�r zu werben und gleichzeitig zu erwartenden negativen Reaktionen entgegenzutreten. Dar�ber hinaus wurden Kundgebungen und Vortr�ge auf Versammlungen oder im Rundfunk gehalten, die ebenfalls f�r die Aktion warben und ihre Zielsetzung erl�uterten. Au�erdem wurden am 12.04.1933 und an den darauf folgenden Tagen Plakate mit sog. '12 Thesen wider den undeutschen Geist' verbreitet. In diesen Thesen betonten die Studenten eine enge Verbindung zwischen deutscher Sprache, bzw. deutschem Schrifttum und Volkstum und appellierten an die Verantwortung des deutschen Volkes gegen�ber seiner Sprache und der Verpflichtung zur Reinerhaltung eben dieser.

Insbesondere die 4. und 5. These sind in ihrer Formulierung radikal antisemitisch. J�dische Literaten wurde zum Feind des deutschen Schrifttums und damit zum Feind des deutschen Volkes erkl�rt. Als zentrale Forderungen formulierten die Studenten f�r den literaturpolitischen Bereich die Zensur j�discher Werke und die 'Bereinigung' �ffentlicher B�chereien im nationalsozialistischen Sinne. Auf dem Feld der Hochschulpolitik forderten sie die gezielte Entfernung von Studenten und Professoren, die nicht im deutschen Geiste dachten. Die deutsche Hochschule sollte zu einem "Hort des deutschen Volkstums" und einer "Kampfst�tte aus der Kraft des deutschen Geistes" werden.
 
 
 
Ende April ging die 'Aufkl�rungs'- in eine 'Sammelaktion' �ber. Dazu wurden prim�r in den B�ros der �rtlichen Studentenvertretungen Sammelstellen eingerichtet, wo Studenten und B�rger 'Zersetzungsschriften' abliefern konnten. Neben dieser M�glichkeit zur freiwilligen Abgabe indizierter B�cher und Schriften bildete die aktive Sammlung von B�chern und die 'S�uberung' der Bibliotheken den Kern dieser Phase. Die Studenten wurden angehalten, nicht nur ihre eigenen, sondern auch die Bibliotheken von Verwandten und Bekannten sowie die �ffentlichen B�chereien zu 's�ubern'. Wissenschaftliche Bibliotheken hatte das 'Hauptamt f�r Presse und Propaganda' allerdings von Anfang an von den 'S�uberungen' ausgeschlossen. Dennoch waren letztlich auch einige Hochschulbibliotheken von den B�cherverbrennungen betroffen. In erster Linie wurden sie von Werken jener Hochschullehrer 'ges�ubert', die nach nationalsozialistischem Verst�ndnis als 'untragbar' erachtet wurden.

Relativ problemlos gestaltete sich die Sammelaktion in vielen F�llen bei den Volks- und Stadtbibliotheken. Nachdem diese von den geplanten 'S�uberungs-' und Sammelaktionen erfahren hatten, f�hrten sie die 'S�uberungen' ihrer Buchbest�nde eigenst�ndig durch und stellten den Studenten die ausgesonderten Schriften zur Abholung bereit. Die Leihb�chereien und Buchhandlungen hingegen wurden von studentischen Sto�trupps in SA-Uniform aufgesucht. Mit Lastautos fuhren die �rtlichen Kampfaussch�sse bei den B�chereien vor und transportierten, orientiert an sog. 'Schwarzen Listen', ausgew�hlte B�cher und Schriften ab. Der urspr�nglich vorgesehene �berraschungseffekt fehlte den Aktionen jedoch weitestgehend, da bereits einen Tag zuvor eine Liste mit dem Gro�teil der indizierten Autoren in die H�nde der Zeitschrift der Leihb�cherei gelangt und von ihr ver�ffentlicht worden war. Zweifel bez�glich der Rechtm��igkeit der Beschlagnahmeaktionen veranlassten manche Studentenschaften, sich polizeiliche Genehmigungen einzuholen. Mancherorts wurden die Sto�trupps bei ihren Sammelaktionen daher von Polizeibeamten begleitet, wodurch ihr Vorgehen den Anschein von Legalit�t bekam.
 
 
 
Die 'Schwarzen Listen', nach denen bei den 'S�uberungsaktionen' vorgegangen wurde, waren nicht von den Studenten selbst erstellt worden. In 'geistigen' Belangen war sie auf sachkundige Hilfe angewiesen, da es selbst f�r die Erhebung von Buchtiteln, die der nationalsozialistischen Ideologie widersprachen, eines entsprechenden Sachverstands, den die Studenten oftmals nicht hatten, bedurfte. Die zentrale Liste, anhand derer die Studenten die Bibliotheken 's�uberten', stammte von dem jungen nationalsozialistischen Berliner Volksbibliothekar Dr. Wolfgang Herrmann. Die Deutsche Studentenschaft verbreitete diese sog. Hermann-Liste als Orientierungshilfe f�r die 'S�uberungsaktionen' an alle Einzelstudentenschaften. Letztlich ist allerdings davon auszugehen, dass wesentlich mehr B�cher verbrannt wurden, als explizit auf der 'Schwarzen Liste' aufgef�hrt waren. Die verzeichneten B�cher bildeten nur den Kern der tats�chlich verbrannten B�cher. Mancherorts wurde die Hermann-Liste als Grundlage zur Erstellung eigener Listen benutzt und um weitere Autoren erg�nzt. Mit den f�r den Abend des 10.05.1933 formulierten neun Feuerspr�chen erkl�rte die Deutsche Studentenschaft dann allerdings doch die Verbrennung der Werke von f�nfzehn reichsweit bekannten Autoren als verbindlich. Diese Vorgabe durch die Feuerspr�che bedeutete jedoch nicht, dass die Einzelstudentenschaften die B�cherverbrennung auf die f�nfzehn genannten Autoren beschr�nken sollten. Dar�ber hinaus wurde ihnen seitens der Deutschen Studentenschaft freie Hand gelassen.
 
 
 
Die dritte Phase, der f�r den 10.05.1933 geplante 'Verbrennungsakt', bildete schlie�lich den End- und H�hepunkt der 'Aktion wider den undeutschen Geist'. Gem�� der genauen Vorgaben und Anordnungen der Deutschen Studentenschaft verliefen die B�cherverbrennungen an den verschiedenen Hochschulorten sehr �hnlich. Oftmals fand zun�chst in der Universit�t eine Kundgebung statt. Dann wurden die mit den gesammelten B�chern beladenen Lastautos oder Ochsenkarren von einem Fackelzug begleitet an den Ort der Verbrennung gebracht. Der Zug setzte sich aus Studenten, der Hitlerjugend, SA, SS, Stahlhelm, Korporationen in 'Wichs' und Angeh�rigen anderer NS-Gruppierungen zusammen. Auch Rektoren, der Senat, Dekane und Professoren im Talar folgten dem Zug oder erwarteten ihn auf dem Platz, auf dem die Verbrennung stattfinden sollte. Dort griffen dann studentische Vertretern oder Professoren in sog. 'Feuerreden' nochmals die bereits aus verschiedenen Schriften der Studentenschaft bekannte nationalsozialitische Propaganda gegen Verfasser 'undeutschen Schrifttums' auf. Oftmals versuchten die Redner die B�cherverbrennung in eine pseudo-historische Tradition einzureihen, indem sie sich auf Luthers B�cherverbrennung von 1520 und auf das Wartburgfest bezogen, auf dem Studenten 1817 ebenfalls B�cher verbrannt hatten.
 
 
In Berlin sprach Propagandaminister Joseph Goebbels zu den Studenten, wodurch die Veranstaltung einen besonders offiziellen Charakter erhielt. Zumeist im Anschluss an die Reden wurden dann die gesammelten B�cher unter Ausrufen der Feuerspr�che in die Flammen geworfen. An den meisten Orten endete der Verbrennungsakt mit dem Erklingen des Horst-Wessel-Lieds, der Hymne der NS-Bewegung. Neben den oben genannten Gruppen ist von nahezu allen Hochschulorten bekannt, dass auch ein gro�er Teil der Bev�lkerung den Verbrennungsfeiern als interessiertes Publikum beiwohnte.

Nennenswerte Proteste gegen die studentischen Aktionen hat es nicht gegeben. Berechtigung und Sinn der Verbrennungen wurden kaum in Frage gestellt. An einigen Orten wurden neben den B�chern auch Fahnen verbrannt. Die Vernichtung der schwarz-rot-goldenen Fahne der Weimarer Republik symbolisierte in diesem Zusammenhang die Ablehnung und �berwindung des verhassten demokratischen Staats. Ihren endg�ltigen Abschluss fand die 'Aktion wider den undeutschen Geist' in einer 'Pr�fungswoche' vom 22.05. bis zum 27.05.1933, in der die 'ges�uberten' Buchhandlungen und B�chereien ebenfalls auf Anweisung der Deutschen Studentenschaft einer stichprobenartige Kontrolle unterzogen wurden.
 
 
 
 

Ausweitung des nationalsozialistischen
Terrors an deutschen Hochschulen

 
 
 
Parallel zu der Gesamtaktion 'Wider den undeutschen Geist' kam es zu einer Versch�rfung des Terrors an den deutschen Hochschulen. Die Studenten sahen ihre Aufgabe - wie sie es auch in den '12 Thesen wider den undeutschen Geist' zum Ausdruck gebracht hatten - nicht nur in der 'S�uberung' des deutschen Schrifttums, sondern auch in der 'Befreiung' der deutschen Hochschulen von sogenannten 'unliebsamen' Hochschullehrern und Kommilitonen. Vor dem Hintergrund des am 07.04.1933 erlassenen 'Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums', das die gesetzliche Grundlage zur Vertreibung j�discher und kritischer Mitarbeiter aus �ffentlichen Institutionen bildete, lie� der preu�ische Kultusminister Bernhard Rust im April 1933 fast f�nfzig Professoren 'beurlauben'. Die Studenten begr��ten solche staatlichen Vorst��e und erweiterten die 'Aktion wider den undeutschen Geist' um versch�rfte politische Terrorma�nahmen. Neben den B�cherverbrennungen sollte ein gezielter 'Professorenboykott' einen weiteren Schwerpunkt der Gesamtaktion bilden. Mit einem sp�ter als 'Spionageerlass' benannten Rundschreiben und mit der Parole "Der Staat ist erobert. Die Hochschule noch nicht! Die geistige SA r�ckt ein. Die Fahne hoch!" forderte die Deutsche Studentenschaft die Einzelstudentenschaften am 19.04.1933 auf, alle Professoren, die der NS-Bewegung kritisch gegen�berstanden und unter das Beamtengesetz fielen zu beobachten, ggf. zu denunzieren und ihre Vorlesungen zu boykottieren.

Mit dem 'Gesetz gegen die �berf�llung deutscher Schulen und Hochschulen' vom 25.04.1933 erhielt die Deutsche Studentenschaft schlie�lich auch ein offizielles Instrument zur Vertreibung j�discher Studenten von den Hochschulen. Seit seiner Gr�ndung hatte der NSDStB einen rassisch begr�ndeten Numerus clausus zu seinem Hauptziel erkl�rt, und nun war er Reichsgesetz geworden. Der Anteil der 'Nichtarier' unter den Sch�lern und Studenten durfte nun h�chstens noch 5 % betragen, der unter den Schul- und Studienanf�ngern sogar nur 1,5 %. Die Deutsche Studentenschaft verstand ihre 'Aktion wider den undeutschen Geist' insgesamt als Erweiterung der reichsweiten Judenboykottaktionen im April 1933. Der Ausgrenzung j�discher B�rger aus dem wirtschaftlichen Leben sollte die aus dem geistig-kulturell-intellektuellen Leben folgen. Sowohl das Schrifttum als auch das Terrain der Hochschule sollte von jeglichem j�dischen Einfluss 'bereinigt' werden.
 
 
 

B�cherverbrennungen in Westfalen

 
 
 
Im Rahmen und unter dem Einfluss der reichsweiten studentischen 'Aktion wider den undeutschen Geist' kam es auch in Westfalen-Lippe im Fr�hjahr 1933 zu �ffentlichen B�cherverbrennungen. Allerdings handelte es sich nicht �berall um studentische Aktionen, auch andere nationalsozialistische Gruppen initiierten die symbolische Verbrennung von B�chern oder Fahnen.
 
 
 

M�nster, 10.05.1933

 
 
 
M�nster war 1933 die einzige Universit�tsstadt Westfalens und daher auch der einzige Ort einer �ffentlichen B�cherverbrennung, die eindeutig der studentischen 'Aktion wider den undeutschen Geist' zuzuordnen ist. Bereits anderthalb Monate zuvor, am 31.03.1933, hatte es in M�nster schon einmal eine �ffentliche Verbrennung von B�chern und Fahnen gegeben. Wie an vielen Orten im gesamten Reich war es zu dieser Aktion im Rahmen von Terrorma�nahmen der SA und SS gekommen. An diesem Tag drang die SA in das Gewerkschaftshaus 'Volkswille' an der Dammstra�e ein, durchsuchte das Geb�ude, warf Fahnen und Schriftmaterialien aus den Fenstern auf die Stra�e und verbrannte sie dort �ffentlich.

Anderthalb Monate sp�ter beging die Studentenschaft M�nsters auf dem Hindenburgplatz ihre B�cherverbrennung. �hnlich wie die Mehrheit der deutschen Studenten standen auch die M�nsteraner Studierenden dem Weimarer System ablehnend gegen�ber. Obwohl die mehrheitlich katholischen Studenten der Westf�lischen Wilhelms-Universit�t religi�se und kulturelle Bedenken gegen�ber den Nationalsozialisten hegten, waren sie aufgrund ihrer kleinb�rgerlichen Herkunft dennoch f�r die antirepublikanische und antikapitalistische Agitation der Nationalsozialisten empf�nglich.

Mit der 'Aktion wider den undeutschen Geist' im April und Mai 1933 setzte die M�nsteraner Studentenschaft die Vorgaben der von nationalsozialistischen Studenten dominierten Deutschen Studentenschaft aus Berlin um. Der zum Zwecke der Durchf�hrung der Aktion formierte Kampfausschuss unter der Leitung des M�nsteraner Studenten Roloff schaltete in verschiedenen M�nsteraner Zeitungen Anfang Mai einen Aufruf an die Bev�lkerung, "undeutsche" B�cher aus ihren privaten Buchbest�nden auszusortieren und an speziell eingerichteten Sammelstellen abzugeben. Vermutlich um den B�rgern die 'S�uberung' ihres privaten Buchbestandes zu erleichtern und ein einheitliches Vorgehen im nationalsozialistischen Sinne zu sichern, wurde dieser Zeitungs-Aufruf durch eine Liste all jener Schriftsteller erg�nzt, deren Werke "vorerst aus den B�chereien verschwinden m�ssen".

Im Rahmen der vierw�chigen 'Aktion wider den undeutschen Geist' und des Terrors an den Hochschulen waren die Einzelstudentenschaften von der Deutschen Studentenschaft auch zur Aufstellung sog. Schandpf�hle angeordnet worden, an denen die "zersetzenden Schriften" �ffentlich angeschlagen werden sollten. Weil die Deutsche Studentenschaft von einigen lokalen Studentenschaften negative R�ckmeldungen bez�glich der Errichtung der Schandpf�hle erhalten hatte und die Ma�nahme an der Berliner Universit�t sogar vom Rektorat untersagt worden war, ordnete sie am 04.05.1933 an, die Schandpfahlerrichtung zun�chst zur�ckzustellen. Dennoch wurden in f�nf deutschen Hochschulst�dten Schandpf�hle errichtet. Neben Dresden, Erlangen, K�nigsberg und Rostock auch in M�nster. Unter regem Interesse und gro�er Anteilnahme der Bev�lkerung platzierte die M�nsteraner Studentenschaft den Pfahl im Rahmen einer gro�en Kundgebung am 06.05.1933 auf dem Domplatz, wo er bis zum 10.05.1933 stand und unter st�ndiger Bewachung nationalsozialistischer Studenten die angenagelten Werke indizierter Autoren zur Schau stellte. Tatkr�ftig unterst�tzt wurde die M�nsteraner Studentenschaft bei den 'S�uberungsaktionen' s�mtlicher Buchbest�nde �ffentlicher und privater Bibliotheken von einigen Buchh�ndlern der Stadt. In einem Schreiben an den Kampfausschuss hatte sich der Ortsverein der Buchh�ndler nach einstimmigem Beschluss bereit erkl�rt, alles 'undeutsche' Schrifttum aus den Lagern und Auslagen zu beseitigen und es k�nftig nicht mehr zu vertreiben.

Am 10.05.1933, dem Stichtag f�r die B�cherverbrennungen im gesamten Reich, war schlie�lich auch auf dem Hindenburgplatz in M�nster ein Vernichtungs-Feuer entz�ndet worden. Ausgehend vom Domplatz marschierte der 'Demonstrationszug' vorbei an dicht gedr�ngten Menschenmengen �ber den Prinzipalmarkt, den Bispinghof und die Frauenstra�e bis zum Hindenburgplatz (Neuplatz). In seiner Rede w�hrend des 'Festakts' dankte der Leiter des Kampfausschusses, Roloff, den M�nsteraner B�rgerinnen und B�rgern ausdr�cklich f�r ihre rege Anteilnahme und interpretierte sie als Ausdruck daf�r, dass der Kampf gegen undeutsches Schrifttum "nicht nur ein Kampf der Studenten, sondern des ganzen deutschen Volkes sei." Im Anschluss an Roloffs Ansprache hielt der Osnabr�cker Prof. K�tteritz die Festrede und auch der F�hrer der M�nsteraner Studentenschaft Albert Derichsweiler kam noch zu Wort. Schlie�lich wurden, begleitet von dem Gesang des Deutschlandlieds, rund 1.000 B�cher und eine schwarz-rot-goldene Fahne verbrannt. An der Verbrennung hatten neben dem Rektor der Universit�t, zahlreiche Dozenten, fast alle Fakult�ten, Vertreter der Beh�rden, SA, SS, Hitler-Jugend sowie studentische Korporationen mit Chargierten teilgenommen. Ausschlie�lich die katholisch-theologische Fakult�t boykottierte die Veranstaltung.
 "Mitteilungen der Studentenschaft. 'Wider den undeutschen Geist' / Schandpfahl auf dem Domplatz�; Zeitungsartikel aus: M�nsterischer Anzeiger, 07.05.1933


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M�nster, K�nigsstra�e: Gastst�tte Gambrinus-Halle und die Leihb�cherei, 1937


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M�nster, Domplatz: Neues Geb�ude der Akademie M�nster (seit 1902 Universit�t M�nster), errichtet 1877-1880


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M�nster, Domplatz: 150-Jahr-Feier der Universit�t, Aufmarsch der Chargen der m�nsterschen Korporationen vor dem Universit�tshauptgeb�ude, links das Geb�ude der Reichspost, 1930


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M�nster, Domplatz: NS-"Schandpfahl" f�r Literatur, Mai 1933


 "Die Buchh�ndler im Kampf wider den undeutschen Geist�; Zeitungsartikel aus: M�nsterischer Anzeiger, 09.05.1933


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M�nster, Prinzipalmarkt 28: Buchhandlung Coppenrath, 1933


 "Wider den undeutschen Geist. Die Kundgebung der m�nsterischen Studentenschaft auf dem Neuplatz�; Zeitungsartikel aus: M�nsterischer Anzeiger, 11.05.1933


 "Das L�uterungsfeuer auf dem Hindenburgplatz. Die Kundgebung 'Wider den undeutschen Geist' in M�nster"; Zeitungsartikel aus: M�nsterischer Anzeiger, 14.05.1933


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M�nster, Hindenburgplatz: NS-Aufmarsch vor dem Schloss, 1935
 
 

Dortmund, 30.05.1933

 
 
 
Neben den studentischen Aktionen initiierten im Fr�hjahr 1933 auch andere NS-Massenorganisationen B�cherverbrennungen. Diese fanden gr��tenteils in dem Zeitraum zwischen dem 30.05.1933 und dem 21.06.1933 statt. Ihrer Aufmachung nach zu urteilen, hatten sie sich eindeutig an dem Vorbild der studentischen 'Aktion wider den undeutschen Geist' orientiert.

In Dortmund schien die B�cherverbrennung angef�hrt vom NS-Lehrerbund (NSLB) von der SA, SS, der Hitlerjugend und dem Bund Deutscher M�del (BDM) organisiert und durchgef�hrt worden zu sein. Im Vorfeld der Verbrennungsfeier 's�uberte' eine Bibliothekspr�fungskommission der Dortmunder NSDAP unter Leitung des NSLB-Mitglieds und Studienrats Dr. Hans Woelbing den Buchbestand der �rtlichen Bibliotheken. Es wurden 4.000 bis 5.000 B�cher und Zeitschriftenb�nde eingesammelt, von denen die meisten aus dem Bibliotheksbestand des Gewerkschaftshauses stammten, das SA-M�nner bereits am 18.04.1933 besetzt hatten. Da die Stadt- und Landesbibliothek in Dortmund als wissenschaftliche Bibliothek galt, wurden aus ihr keine B�cher entfernt. Die in ihrem Bestand als 'undeutsch' eingestufte Literatur, insbesondere wissenschaftlich-marxistische Schriften, wurden mit je einem Exemplar unter Verschluss genommen. Am Abend des 30.05.1933, um 21 Uhr, marschierten die oben genannten NS-Massenorganisationen auf dem zentral gelegenen Hansaplatz auf. Die gro�e Anteilnahme der Dortmunder B�rger f�hrte dazu, dass sich insgesamt sch�tzungsweise 50.000 Menschen um das Feuer versammelten.

In Nachahmung der studentischen B�cherverbrennungen wurden auch am Abend dieser nicht-studentischen Aktion mehrere Feuerreden gehalten, die in ihrer Rhetorik und Symbolik denen der Studenten und Hochschullehrer bzw. Hochschulrektoren glichen. Neben Woelbing und einigen weiteren Rednern hielt der Dortmunder Polizeipr�sident und SA-Gruppenf�hrer Wilhelm Schepmann die Hauptansprache. Verbrannt wurden dann schlie�lich die mit Lastwagen auf den Hansaplatz gekarrten Schriften. In Dortmund wurden �berwiegend marxistische und sozialistische Flugbl�tter und weniger B�cher verbrannt. Trotzdem wurden die Namen der Autoren verlesen, deren Werke aus dem deutschen Schrifttum verbannt werden sollten. Auch die schwarz-rot-goldene Nationalflagge der Weimarer Republik wurde von SA-M�nnern auf Mistgabeln aufgespie�t und in die Flammen geworfen. Durch die Begleitung eines Sprechchors erhielt die Verbrennung der Flagge eine besondere Theatralik. Sch�ler des Dortmunder Bismarck-Realgymnasiums boten ein eigens von dessen Studienreferendar f�r diesen Anlass verfasstes Gedicht mit dem Titel 'Brandfackel' dar. Wie vielerorts endete auch die B�cherverbrennung in Dortmund mit dem Absingen des 'Horst-Wessel-Liedes' und der ersten Strophe des 'Deutschlandliedes'.

Zu einer weiteren B�cherverbrennung im Raum Dortmund kam es in dem nahe liegenden Ort Aplerbeck. Auch dort wurden im Fr�hsommer 1933 auf dem Platz vor dem Amtshaus B�cher gezielt im Feuer vernichtet.
 Zeitungsartikel des General-Anzeigers vom 31.05.1933 �ber die nationalsozialistische B�cherverbrennung auf dem Dortmunder Hansaplatz


 Einladung des Leiters der Bibliothekspr�fungskommission der NSDAP, Gau Westfalen-S�d, zur "Kundgebung 'Wider den undeutschen Geist'" auf dem Dortmunder Hansaplatz am 30.05.1933 (mit Programm)


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Dortmund, Hansaplatz: B�cherverbrennung, Mai 1933, Ausschnitt aus dem Dortmunder Anzeiger


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Dortmund, Hansaplatz: Zuschauergruppe bei der B�cherverbrennung, Mai 1933, Ausschnitt aus dem Dortmunder Anzeiger vom 30.05.1933


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Dortmund-Aplerbeck: B�cherverbrennung, Mai 1933
 
 

Bochum, 09.06.1933

 
 
 
In Bochum fand am 09.06.1933 eine B�cherverbrennung auf dem damaligen Kaiser-Friedrich-Platz (heute Imbusch-Platz) statt. Die abendliche Veranstaltung war infolge eines Aufrufs der lokalen Hitlerjugend (HJ) und der unter den Nationalsozialisten zur Parteizeitung gleichgeschalteten Rote Erde - General Anzeiger initiiert worden. Neben der gesamten Bochumer Hitlerjugend mit Spielmannszug und Fahnenabteilung nahmen an dem Marsch durch die Stadt und der anschlie�enden Verbrennungsfeier evangelische Jugendverb�nde, Lehrlingswerkst�tten von Bochumer Fabriken, Bergjungmannen, Bochumer Schulen und der gesamte freiwillige Arbeitsdienst Bochums teil, berichtete die nationalsozialistische Rote Erde. Gro�e Menschenmengen aus der Bochumer Bev�lkerung verfolgten den Aufmarsch an den B�rgersteigen und auf dem Kaiser-Friedrich-Platz.

Auch in Bochum glichen die Ziele dieser nicht-studentischen B�chervernichtung und ihre propagandistische Ausformulierung der studentischen 'Aktion wider den undeutschen Geist' sehr. Ein Sprecher der Hitlerjugend formulierte den Protest der genannten Gruppierungen in seiner 'Feuerrede' folgenderma�en:
"Wir deutsche Jugend der nationalsozialistischen Revolution bekunden an diesem Abend unseren festen Willen, allen undeutschen und volksfremden Geist auszurotten. Dem Feuer und der Vernichtung soll anheimfallen, was als k�mmerlicher Rest vierzehnj�hriger Marxistenherrschaft �briggeblieben ist. Zu Asche zerfallen sollen deshalb die Schriften des Ungeistes, der Unmoral und der Charakterlosigkeit." (Rote Erde, 11.06.1933)

Auch der Bannf�hrer der Hitler-Jugend von Westfalen-S�d, Lorenz Loewer, fand in seiner Rede �hnliche Worte, um die Bedeutung des Abends zu unterstreichen. Neben B�chern wurden in Bochum auch einzelne B�nde von Zeitschriften, wie das Volksblatt, die Westf�lische Volkszeitung, das Ruhr-Echo, sowie die B�cherei des Volksblatts und des Bergarbeiterverbandes verbrannt. Auch die als marxistisch gebrandmarkte B�chersammlung des ehemaligen sozialdemokratischen Arbeitsamtdirektors Th�ne aus Bochum fiel den Flammen zum Opfer. Au�erdem waren die B�chereien der Ruhrknappschaft, der st�dtischen Bochumer Schulen und die Best�nde der Stadtb�cherei von den Initiatoren der Bochumer B�cherverbrennung 'ges�ubert' worden.



Gladbeck / Wittringer Wald, 02.07.1933

Auch in Gladbeck, im Wittringer Wald, hat 1933 eine B�cherverbrennung stattgefunden. Zu der Aktion kam es am 02.07.1933, am Vorabend des 'Festes der deutschen Schule' in Gladbeck. Im Rahmen einer im Festprogramm vorgesehenen Sonnenwendfeier wurden auf Betreiben des Fraktionsvorsitzenden der NSDAP-Ortsgruppe und Studienrat des Jungengymnasiums, Johannes Passe, �ffentlich B�cher verbrannt. Vorbild f�r diese Gladbecker B�cherverbrennung scheinen ebenfalls die reichsweiten B�cherverbrennungen im Rahmen der studentischen 'Aktion wider den undeutschen Geist' gewesen zu sein. F�r die Sammlung 'undeutschen' Schrifttums war die Gladbecker Hitler-Jugend zust�ndig gewesen und auch die 'Feuerrede' wurde vom �rtlichen HJ-F�hrer gehalten.

Ausgehend vom Marktplatz war am Abend des 02.07.1933 ein Festzug, an dem sich Gladbecker Vereine und NS-Formationen beteiligten, in den Wittringer Wald gezogen. Auch viele Gladbecker B�rger verfolgten den Aufmarsch am Ort der Verbrennung. Rote Fahnen sowie Plakate, Akten und B�cher der Gewerkschaften und schlie�lich B�cher der Dichter, die auf den 'Schwarzen Listen' zu finden waren, wurden unter Jubel durch das Feuer vernichtet.
 
 
 

Die nationalsozialistische Schrifttumspolitik

 
 
 
W�hrend die 'Aktion wider den undeutschen Geist' f�r die Studentenschaft Ende Mai 1933 abgeschlossen war, begann f�r Schriftsteller, Verlage, Buchh�ndler und Bibliotheken nun eine Zeit restriktiver �berwachung durch verschiedene Institutionen des NS-Staats.

F�r die Studenten hatte ihre Aktion nicht nur eine symbolische Bedeutung. Es war ihr praktisches Anliegen die �ffentlichen Bibliotheken und Leihbuchhandlungen einer ersten 'S�uberung' zu unterziehen und die gesammelten B�cher tats�chlich umfassend zu vernichten. Die Aktion sollte einen Ansto� zu einer neu orientierten Literaturpolitik unter nationalsozialistischer Herrschaft geben.

Obwohl eine staatliche Beteiligung oder gar Urheberschaft bez�glich der 'Aktion wider den undeutschen Geist' auszuschlie�en ist, hatten die Nationalsozialisten bereits einige Monate vor den B�cherverbrennungen damit begonnen, den deutschen Kultur- und Literaturbetrieb gleichzuschalten. Nach und nach wurden die Preu�ische Akademie der K�nste, der deutsche PEN-Club und der Schutzverband deutscher Schriftsteller (SDS), die f�hrende Interessenvertretung der deutschen Autorenschaft, gleichgeschaltet. Schlie�lich wurden der SDS und andere Schriftstellerverb�nde im Juni 1933 zum Reichverband Deutscher Schriftsteller (RDS) zwangsfusioniert.

W�hrend die genannten Verb�nde unter Zwang gleichgeschaltet wurden, arbeitete der B�rsenverein der Deutschen Buchh�ndler freiwillig mit den Nationalsozialisten zusammen. Eine Woche vor den B�cherverbrennungen ver�ffentlichte er ein Sofortprogramm des deutschen Buchhandels, dem nur wirtschaftlicher Opportunismus und politische Anbiederung zugrunde liegen konnten. In dem Programm forderte der B�rsenverein ein Verbot buchh�ndlerischer Bet�tigung der �ffentlichen Hand, der Gewerkschaften, Vereine und politischen Parteien, sowie den Abbau aller Buchgemeinschaften und die sofortige und restlose Beseitigung der verlegerischen und buchh�ndlerischen Bet�tigung der Warenh�user. Im Gegenzug erkl�rte er sich uneingeschr�nkt loyal gegen�ber dem Regime und zeigte sich zur Mitarbeit an der "deutschen Erhebung" bereit. Gezielt unterst�tzte er seine Umformung zur Zwangsorganisation f�r alle Buchh�ndler und erkl�rte sich bereit, Anordnungen der Reichsregierung zur Verdr�ngung j�discher Gesch�ftsleute vom Literaturmarkt vorbehaltlos durchzuf�hren. Einen Tag nach den B�cherverbrennungen ver�ffentlichte der B�rsenverein Namen von zw�lf deutschen Schriftstellern, deren Werke den Verbrennungen zum Opfer gefallen waren, und verlangte vom Buchhandel diese Werke nicht mehr zu verbreiten. Diese Erkl�rung war in �bereinkunft mit Alfred Rosenbergs 'Kampfbund f�r deutsche Kultur' und der 'Zentralstelle f�r das deutsche Bibliothekswesen', dem Ausschuss des Bibliothekars und Verfassers der 'Schwarzen Liste' Herrmann, entstanden.
 
 
 
Zur�ckgehend auf Planungen vom Juli 1933 gr�ndeten die Nationalsozialisten im September des gleichen Jahres als organisatorischen Unterbau f�r den kulturpolitischen Bereich des Reichspropagandaministeriums eine Reichskulturkammer. An die Errichtung der Reichskulturkammer waren verschiedene Grundgedanken gebunden. S�mtliche Kulturschaffende sollten in einem alle sozialen, wirtschaftlichen und geistigen Einzelinteressen aufhebenden Kulturbestand zusammengef�hrt und als kulturelle Einheitsfront in den Dienst des Staats gestellt werden.

Das am 22.09.1933 verabschiedete Reichskulturkammer-Gesetz und die zahlreichen Durchf�hrungsverordnungen boten die idealen Instrumentarien f�r die geistige Gleichschaltung aller Kulturbereiche. Unter dem Dach der Reichskulturkammer wurde f�r jeden dieser Bereiche eine Unterkammer errichtet. F�r den schriftstellerischen Bereich die sog. Reichsschrifttumskammer. Die angestrebte Aufgabe der Reichskulturkammer bestand darin, "durch Zusammenwirken der Angeh�rigen aller von ihr [der Reichskulturkammer, d. Verf.] umfassten T�tigkeitszweige unter der F�hrung des Reichsministers f�r Volksaufkl�rung und Propaganda die deutsche Kultur in Verantwortung f�r Volk und Reich zu f�rdern, die wirtschaftlichen und sozialen Angelegenheiten der Kulturberufe zu regeln und zwischen allen Bestrebungen der ihr angeh�renden Gruppen einen Ausgleich zu bewirken." Dar�ber hinaus wurde festgelegt, dass jeder, der bei der "Erzeugung, der Wiedergabe, der geistigen oder technischen Verarbeitung, der Verbreitung, der Erhaltung, dem Absatz oder der Vermittlung des Absatzes von Kulturgut" mitwirkte, zur Mitgliedschaft in der entsprechenden Einzelkammer der Reichskulturkammer verpflichtet war. F�r den literarischen Bereich erstreckte sich diese Zwangsmitgliedschaft in der Reichsschrifttumskammer also vom Schriftsteller �ber den Verleger bis zum Buchh�ndler und Bibliothekar. Eine Nicht-Mitgliedschaft verbot automatisch die Mitwirkung am kulturellen Prozess, kam also einem Verbot der Berufsaus�bung gleich. Da Aufnahmegesuche auch abgelehnt werden konnten, diente die Mitgliedspflicht als Selektionsinstrument und erm�glichte dem NS-Staat den Ausschluss 'unliebsamer Elemente' aus dem Kulturbetrieb.
 

 
Der Reichsschrifttumskammer standen mit dem Berufsverbot, dem Buchverbot, der informellen Anweisung und der Buchpropaganda verschiedene Lenkungs- bzw. Repressionsinstrumente zur Verf�gung, die zur 'Bereinigung' des deutschen Schrifttums angewandt wurden. Berufsverbote waren, wie oben erw�hnt, an den Ausschluss aus oder die Aufnahmeverweigerung in die RSK gebunden und wurden nicht nur gegen Schriftsteller, sondern nach anf�nglichen wirtschaftlichen Bedenken auch gegen Buchh�ndler verh�ngt. Opfer von Berufsverboten und anderen literaturpolitischen Repressionsma�nahmen wurden in erster Linie "rassisch belastete", vorbestrafte und "politisch unzuverl�ssige" Personen. Auf dem Gebiet des Buchverbots herrschte in den Anfangsjahren der NS-Herrschaft ein gro�es Kompetenzchaos. Als Grundlage verschiedener 'S�uberungsaktionen' war von unterschiedlichsten Stellen eine Vielzahl 'Schwarzer Listen' erstellt worden, von denen kaum eine staatlich autorisiert war.

Erst seit dem 25.04.1935 erschien j�hrlich ein Reichsindex verbotener Schriften und B�cher. Mit dem Erscheinen dieses Indexes �nderte sich die bis dahin bestehende Rechtslage. Jede polizeiliche Beschlagnahme bedurfte nun der Genehmigung durch die Reichsschrifttumskammer. Der Reichsindex, die "Liste des sch�dlichen und unerw�nschten Schrifttums", wurde als ein "streng vertrauliches" Schriftst�ck behandelt und nur an ausgew�hlte Empf�nger weitergegeben. Dem Buchhandel wurde die Liste ganz gezielt vorenthalten. Dahinter verbarg sich zum einen die Absicht, insbesondere im Ausland den Anschein zu wahren, es gebe im neuen Deutschland keine Verbotslisten. Und zum anderen sollten sich die Autoren, Verleger und Buchh�ndler einem permanenten Straf- und Existenzrisiko ausgesetzt f�hlen und ihre T�tigkeit selbstst�ndig an die Ideologie des neuen Staats anpassen. Demzufolge kam dem Reichsindex die Funktion eines politischen Kampfinstruments zu, mit dem der Literaturbetrieb in den Dienst des neuen Staats gezwungen werden sollte. Neben den Buch- und Berufsverboten dienten sog. informelle Anweisungen der Reichsschrifttumskammer als Instrumentarium der Feinsteuerung schrifttumspolitischer Reglementierungen. Sie wurden haupts�chlich �ber spezielle Mitteilungsbl�tter an die buchwirtschaftlichen Berufsgruppen herausgegeben und reagierten auf aktuelle, die Schrifttumspolitik betreffende Ereignisse.
 
 
 
�hnlich wie die Deutsche Studentenschaft ihrer Aktion nicht nur einen negativen, sondern auch einen 'positiven' Charakter verleihen wollte, beschr�nkte auch die Reichsschrifttumskammer ihre Arbeit nicht ausschlie�lich auf die Anwendung repressiver Lenkungsinstrumente, sondern engagierte sich auch auf dem Gebiet der Buchpropaganda und der Literaturf�rderung. Als positives Gegenst�ck zur "Liste des sch�dlichen und undeutschen Schrifttums" wurden regelm��ig Empfehlungsbibliografien herausgegeben, wie z. B. die "Jahresschau des deutschen Schrifttums". J�hrlicher H�hepunkt der nationalsozialistischen Buchpropaganda war die zehnt�gige 'Woche des deutschen Buches', die reichsweit zelebriert wurde. Dar�ber hinaus dienten die Vergabe von Literaturpreisen, wie z. B. des Westf�lischen Literaturpreises, und die Ausschreibung literarischer Wettbewerbe der Autoren- und Literaturf�rderung. Verschiedene kulturelle Massenorganisationen �bernahmen au�erdem durch Vortagsreihen eine rege Literatur vermittelnde T�tigkeit. W�hrend andere Literaturrichtungen unterdr�ckt oder zumindest nicht mehr gef�rdert wurden, stieg die v�lkisch-national-konservative Literatur mit Unterst�tzung der Machtinstrumente des NS-Staats zur einzig 'wertvollen' Literatur auf.
 
 
 
 

Erinnerung an die B�cherverbrennung -
B�cherverbrennungen heute

 
 
 
In diesem Jahr j�hren sich die nationalsozialistischen B�cherverbrennungen von 1933 bereits zum 75. Mal. In den Jahrzehnten nach dem Ende des Dritten Reiches wurden vielerorts in Deutschland zur mahnenden Erinnerung an diese Aktion nationalsozialistischer Studenten Gedenktafeln und Mahnmale errichtet. Das wohl bekannteste unter ihnen ist das 1995 eingeweihte, auf den ersten Blick so unscheinbare Mahnmal auf der Mitte des Bebelplatzes (damals Kaiser-Franz-Joseph-Platz) in Berlin. An der Stelle, an der am 10.05.1933 tausende B�cher verbrannt wurden, befindet sich heute eine in den Boden eingelassene Glasplatte. Durch diese Platte blickt der Betrachter in einen hell erleuchteten unterirdischen Raum, an dessen wei�en W�nden leere B�cherregalb�den h�ngen. Das von dem aus Israel stammenden K�nstler Micha Ullman entworfene Denkmal "Bibliothek" symbolisiert mit seiner tiefen und kahlen Leere den unermesslichen geistigen Verlust, der durch die B�cherverbrennungen entstanden ist.

B�cherverbrennungen in dem Umfang der studentischen Aktionen w�hrend der NS-Zeit hat es in Deutschland nach Ende des Dritten Reiches nicht mehr gegeben. In L�ndern der muslimischen Theokratien werden z. B. auch heute noch Schriften verbrannt, die nicht ausdr�cklich von fundamentalistischen Mullahs erlaubt sind. Dar�ber hinaus werden Strohpuppen oder Gro�fotos der Verfasser solcher Schriften stellvertretend f�r ihre Person in Brand gesteckt. Auch fundamentalistisch christliche Gemeinden in Amerika haben bis in die j�ngste Vergangenheit hinein missliebige B�cher diskriminiert und verbrannt. In Deutschland veranstaltete der Bund der Katholischen Jugend 1957, unterst�tzt von der Evangelischen Kirche und dem Schulamt eine B�cherverbrennung angeblicher 'Schund- und Schmutzliteratur' auf dem Frankfurter Domplatz. Bei einer Aktion des Bundes 'Entschiedener Christen' zur Beseitigung von 'Schundliteratur' wurden im Herbst 1965 am D�sseldorfer Rheinufer u. a. B�cher von G�nther Grass und Erich K�stner verbrannt. Auf einem Dorffest anl�sslich der Sommersonnenwendfeier wurden im Juni 2006 in Pretzien (Sachsen-Anhalt) mit direktem Bezug auf die NS-B�cherverbrennungen eine USA-Flagge und das Tagebuch der Anne Frank verbrannt.
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Berlin, Bebelplatz: Stra�enschild am Bebelplatz, dem fr�heren Kaiser-Franz-Josef-Platz (1911-1947), Ort der Berliner B�cherverbrennung im Mai 1933, 2008


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Berlin, Bebelplatz: Denkmal zur Erinnerung an die B�cherverbrennung am 10.05.1933 auf dem fr�heren Kaiser-Franz-Josef-Platz (1911-1947), Denkmal von Micha Ullman, eingeweiht am 20.03.1995, 08.12.2006
 
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Die Autorin | Christine Witte, M. A., Historikerin, Wissenschaftliche Volont�rin am LWL-Institut f�r westf�lische Regionalgeschichte in M�nster (2008-2010), christine.witte@lwl.org. Stand: 2014, Literatur erg�nzt.