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Verlegung eines Ortsgasnetzes der Westfälischen Ferngas AG (WFG AG) im Sauerland, um 1955 / Foto: Recklinghausen, Archiv der RWE Westfalen-Weser-Ems AG









Karl Ditt

24. Juli 1928 -
Gründung der Westfälischen
Ferngas AG

Der Start der provinzialen Ferngasversorgung
in Westfalen

Am 24.07.1928 wurde in Dortmund die Westfälische Ferngas AG (WFG) gegründet. Ihre Aktionäre waren unter Führung des Mehrheitsaktionärs, des Provinzialverbandes Westfalen, eines höheren Kommunalverbandes und Vorläufers des heutigen Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, der Freistaat Lippe sowie zahlreiche westfälische Kreise, Städte und Ämter. Das Aktienkapital betrug vier Millionen RM. Das Versorgungsgebiet der WFG umfasste Gemeinden in Ostwestfalen sowie im Sauer- und Siegerland. Ein Jahr zuvor, am 12.10.1927, hatte bereits die Vereinigte Elektrizitätswerke AG (VEW) eine eigene Ferngasgesellschaft, die Vereinigten Gaswerke Westfalen GmbH (VGW) gegründet. Warum rief der Provinzialverband Westfalen mit der WFG ein Ferngasunternehmen ins Leben, obwohl auf der lokalen und regionalen Ebene bereits Unternehmen zur Gasversorgung in Westfalen existierten? Welche Konsequenzen hatte die Gründung dieses Kommunalunternehmens? Zur Beantwortung dieser Fragen sei ein Blick in die Vor- und Nachgeschichte dieser Gründung geworfen und dazu die Geschichte der Gasversorgung im 19. und 20. Jh. in vier Phasen periodisiert.
 
 

Die Ursprünge der
kommunalen Gasversorgung

 
 
 
Die erste Phase begann in Deutschland in den 1820er Jahren, als einzelne private Unternehmen aus Kohle Gas gewannen und zunächst für Beleuchtungszwecke, dann, als seit Mitte der 1880er Jahre in der Elektrizität eine wachsende Konkurrenz für die Beleuchtung erwuchs, auch für den Motorenbetrieb, das Kochen, Braten und Backen, das Heizen und die Wassererhitzung anboten. Seit den 1860er Jahren gründeten auch die Kommunen eigene Unternehmungen bzw. übernahmen die privaten Gaswerke. Zwei Motive standen hinter ihrem wirtschaftlichen Engagement. Zum ersten war deutlich geworden, dass Gaswerke Profit erbrachten. Zum zweiten setzten zahlreiche private Gasgesellschaften angesichts der befristeten Lizensierungen ihrer Monopolversorgung eher auf hohe Gaspreise und eine hohe Dividende als auf eine preisgünstige und sichere Versorgung der Bevölkerung. Infolgedessen häuften sich die Klagen der Konsumenten über die unzuverlässige Lieferung und die schlechte Qualität des Gases. Seit Ende des 19. Jhs. begannen die Städte im Zuge des sog. Munizipalsozialismus, d. h. der Kommunalisierung wirtschaftlicher und kultureller Infrastrukturleistungen, die lokale Energieversorgung als eine ihrer Aufgaben zur Daseinsvorsorge für ihre Einwohnerschaft zu akzeptieren. Im Jahre 1862 waren in Deutschland etwa ein Viertel, 1908 zwei Drittel, 1920 drei Viertel der Gaswerke in kommunaler Hand; in Westfalen waren bereits vor dem Ersten Weltkrieg nahezu alle Gaswerke kommunalisiert.

Kurz nach der Jahrhundertwende setzte ein zweites Stadium der Gasversorgung ein. Einzelne Zechen des Ruhrgebiets begannen das Gas, das bei der Koksherstellung in beträchtlichen Mengen - gleichsam als Abfallprodukt - anfiel und das sie so lange nur abgefackelt hatten, lokalen Gaswerken - in Westfalen etwa Bochum, Gelsenkirchen und Recklinghausen - zur Verfügung zu stellen. Dieser Überschuss des Zechengases verstärkte sich noch, als in den 1920er Jahren aus Gründen der besseren Verwertbarkeit der Kohle die Schachtkokereien durch zahlreiche Großkokereien ergänzt wurden, die dem Brennstoffbedarf der Eisen-, Stahl- und Chemieindustrie dienen sollten. Als der Überschuss an Kokereigasen immer weniger an die Industrie abgesetzt werden konnte, gründeten schließlich am 11.10.1926 in Essen Vertreter mehrerer Ruhrgebietszechen unter organisatorischer Führung des Rheinisch Westfälischen Kohlensyndikats, in dem der Großteil der Ruhrgebietszechen zusammengeschlossen war, die AG für Kohleverwertung. Sie nannte sich am 30.05.1928 - nach dem Aufkauf des Ferngasnetzes des RWE und einer Kapitalerhöhung - Ruhrgas AG. Binnen kurzem beteiligten sich 90 v. H. der Ruhrzechen an diesem Unternehmen.
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Gasvernversorgungsnetz der Zechen des Ruhrgebiets im Jahre 1929
 
 
Zwischen den 1930er und 1950er Jahren ging das Ruhrgas zu 80-85 v. H. in die Industrie, insbesondere in die Eisen-, Stahl- und Metall- sowie die chemische Industrie des Ruhrgebiets und des Siegerlandes, zu 10-15 v. H. an die Kommunen, d. h. vor allem an die Privathaushalte. Beliefert wurden vor allem die Städte des Ruhrgebiets, aber auch im Raum Köln-Düsseldorf. Ferner wurde im Jahre 1928 eine Stichleitung nach Hannover, dann in das Sauerland und das Siegerland, seit dem Jahre 1931 auch weiter nach Frankfurt und Darmstadt eröffnet.

Pläne der Ruhrgas AG, mit Hilfe ihres Gases einen Großteil des Deutschen Reiches zu versorgen, scheiterten jedoch an der Furcht der Kommunen vor einer monopolartigen Stellung dieses Unternehmens, ihrem Wunsch, Zugriff auf ihr Gaswerk und damit eine wichtige Ertragsquelle zu behalten, und an der Skepsis der großen Kommunen gegenüber der Behauptung der Ruhrgas AG, günstiger als die eigenen Gaswerke liefern zu können. Der Deutsche Städtetag empfahl den Gemeinden jedenfalls, auf die sog. Gruppengasversorgung zu setzen, d. h. auf den Zusammenschluss der Gaswerke der größeren Gemeinden.


Die Gründung und Weiterentwicklung der
kommunalen Ferngasversorgung

 
 
 
Die westfälischen Städte und Kreise verfügten teils über eine eigene Gasversorgung, teils wurden sie von der Gasabteilung der im Jahre 1925 gegründeten VEW beliefert. Gerade diejenigen Gemeinden, die sich in der Nähe der Hauptgasleitungen der Ruhrgas AG befanden, wollten jedoch von der Möglichkeit, billiges Ferngas von der Ruhrgas AG zu beziehen, profitieren. Diese war jedoch eher an der Belieferung aufnahmefähiger Industriebetriebe und Großstädte als an dem kostspieligen Aufbau eines Infrastrukturnetzes der Gasversorgung interessiert. Zudem fürchteten viele kleinere Gemeinden, dass sie gegenüber der Marktmacht der Ruhrgas AG in einer vergleichsweise schlechten Verhandlungsposition waren. Diese Motive trugen wesentlich dazu bei, dass Mitte 1927 die VEW, der Provinzialverband Westfalen und Vertreter einzelner westfälischer Kommunen eine Gesellschaft, die Ferngasversorgung Westfalen GmbH gründeten, die der Ruhrgas AG als Großabnehmer für die Gasversorgung in der Provinz Westfalen entgegentreten sollte. Die Beteiligten konnten sich letztlich jedoch nicht auf eine großzügige Lösung verständigen, die die Ferngasversorgung der gesamten Provinz Westfalen sicher gestellt hätte. Teils fehlte es der kommunalen Seite wohl an Kapital, um gemeinsam mit der Ruhrgas AG ein entsprechendes gemischtwirtschaftliches Unternehmen gründen und die kostspieligen Leitungen verlegen zu können, teils wollte wohl auch die VEW ihr Gasunternehmen VGW nicht aufgeben, um sich nicht eines Zugangs zu ihren Kunden zu berauben, die auch als Elektrizitätskunden gewonnen werden sollten. Jedenfalls untergliederte sich die Ferngasversorgung Westfalen GmbH in die am 12.10.1927 gegründeten Vereinigten Gaswerke Westfalen GmbH (VGW) mit Sitz in Dortmund, die ehemalige Gasabteilung der VEW, und in die am 24.07.1928 ebenfalls in Dortmund angesiedelte Westfälische Ferngas AG (WFG) unter Führung des Provinzialverbandes Westfalen. Beide Gesellschaften teilten die Provinz Westfalen in der Weise auf, dass die VGW das östliche Ruhrgebiet, das Münsterland und Teile des Sauerlandes, die WFG Gebiete im östlichen und südlichen Westfalen versorgen sollten.
 
 
Mit der Ruhrgas AG schlossen sie Verträge ab, wonach diese die Gemeinden in Westfalen, die nicht zu ihren Aktionären gehörten, nicht beliefern durfte, während die VGW und WFG ihr Gas von der Ruhrgas AG beziehen mussten, also Verteilungsgesellschaften wurden. Nach dem erfolgreichen Anlaufen der Ferngasversorgung aus dem Ruhrgebiet entstanden auch in anderen Regionen Deutschlands entsprechende Unternehmensgründungen; die Ruhrgas AG blieb jedoch der größte deutsche Ferngasversorger. Im Jahre 1934 wurden VGW und WFG zusammen mit dem Gaswerk der Stadt Dortmund in eine Arbeitsgemeinschaft unter Leitung des Provinzialverbandes Westfalen überführt; damit wurde jetzt eine zentrale Gasversorgungspolitik für die Provinz Westfalen möglich. Die Ferngasversorgung Westfalen GmbH konnte daraufhin im Jahre 1935 liquidiert werden.

Ende der 1930er Jahre zeigte sich, dass die Kokereien der Ruhrgas AG den Gasbedarf der Ferngasunternehmen nicht mehr decken konnten. Sie begannen deshalb seit den 1950er Jahren in verstärktem Maße Schwachgas zu beziehen, das bei den Hüttenwerken anfiel, und erweiterte dann ihren Schwachgasbezug auf die Großchemie. Schließlich wurde Mitte der 1950er Jahre das Druckgasverfahren entwickelt, mit dem aus minderwertiger Kohle hochwertiges Gas gewonnen werden konnte. Zwischen 1950 und 1960 lieferten die Ruhrgebietskokereien 68 v. H. des Gasverbrauchs der Bundesrepublik; danach fiel dieser Anteil, da die Koksproduktion, bei dessen Erzeugung Gas anfiel, im Zuge der Verschärfung der Kohlenkrise sank. Ebenso nahm infolge von Rationalisierungsmaßnahmen das Quantum an Gas ab, das beim Betrieb der Hochöfen für die Eisen- und Stahlproduktion anfiel.

In dieser Situation wurden große Erdgasvorkommen in den Niederlanden und der Nordsee entdeckt und erschlossen, deren Mengen die bekannten Gasvorkommen in Norddeutschland deutlich übertrafen. Ihre Nutzung leitete das dritte Stadium der Gasversorgung ein. Das Erdgas war vergleichsweise emissionsarm und sein Heizwert hoch, so dass es für den Gebrauch abgeschwächt werden konnte. Die Bereitstellung und Regelung erfolgte durch Rohranlagen, die vom Verbraucher nicht gewartet werden mussten. Die Kosten für die Verbrennungseinrichtungen und ihre Wartung lagen unter denjenigen der Ölverbrennungsanlagen. Infolgedessen lösten die Gaserzeugungs- und -verteilungsunternehmen binnen weniger Jahre das Koksofengas durch das Erdgas ab: ein Prozess, in dem zahlreiche Koksgasunternehmen auf der Strecke blieben, der neue, vor allem ausländische Gasversorger in den deutschen Wärmemarkt brachte, der den Anteil des Erdgasimportes der Bundesrepublik (1984: 68 %) deutlich erhöhte und den die führende Ruhrgas AG nur mit Mühe bewältigte. Nachdem deutlich geworden war, dass das seit dem Jahre 1963 von Niederlanden bezogene Erdgas zu vergleichsweise hohen Preisen an Deutschland abgegeben wurde, schloss die Ruhrgas AG seit Anfang der 1970er Jahre langfristige Verträge mit russischen, seit dem Jahre 1977 auch mit norwegischen Erdgaslieferanten ab.

Mit der Verfügung über das billige Erdgas konnten die Gasunternehmen ihre Rolle auf dem Energiemarkt behaupten und vor allem den Absatz für die Raumheizung wieder steigern. Nach der ersten Ölkrise des Jahres 1973 setzte sich das Erdgas bei den Kleinverbrauchern, die sich seit Ende der 1950er Jahre zunehmend dem billigen Heizöl zugewandt hatten, wieder durch; innerhalb von zehn Jahren verdreifachte sich sein Verbrauch. Mitte der 1970er Jahre machte die Erdgasverwendung in den Privathaushalten knapp ein Drittel des gesamten Erdgasverbrauches der Bundesrepublik aus. Die WFG und die VGW als zentrale Verteilerorganisationen des Koksgases hatten in den 1930er, dann in den 1950er Jahren ihr Rohrleitungsnetz beträchtlich ausgebaut.
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Verlegung eines Ortsgasnetzes der WFG im Sauerland, um 1955


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Werbeveranstaltung der WFG für die Gasanwendung im Haushalt, um 1955


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Lieferungsgebiet der WFG zu Beginn der 1950er Jahre


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Zusammenhänge in der Gasfernversorgung [Westfalens]
 
 
Die WFG ging seit dem Jahre 1967 zum Vertrieb des Erdgases über. Bis zum Jahre 1971 war die Umstellung von der Kokerei- zur Erdgaslieferung erfolgt. Anfang der 1970er Jahre vereinigte die WFG zudem ihre mittlerweile vier, untereinander nicht verbundenen Versorgungsgebiete, nämlich Südwestfalen, Ostwestfalen, den Altkreis Tecklenburg und die Stadtwerke Münster. Dazu wurden die Altkreise Büren, Brilon und Wittgenstein als Aktionäre gewonnen, das Belieferungsrecht für die Stadt Münster im Jahre 1975 an die Ruhrgas AG abgetreten und dafür eine Quote für die Belieferung der Stadt Dortmund übernommen. Damit konnte die WFG bis zum Ende der 1970er Jahre ein geschlossenes Versorgungsgebiet in Ostwestfalen und Sauerland schaffen.

Das vierte und bislang letzte Stadium der Gasversorgung setzte zu Beginn der 1990er Jahren ein, als der Staat aus Gründen der Wettbewerbsförderung das traditionelle Recht der Gas- und Elektrizitätsunternehmen auf Monopolversorgung eines Gebietes beseitigen wollte. Dieses Recht hatten ihnen die Gemeinden in der Gründungszeit der Gas- und Elektrizitätsunternehmen gegen eine gewisse Konzessionsabgabe gewährt, um kostspielige Doppel- und Mehrfachinvestitionen in Leitungen und das permanente Aufreißen der Straßen zu vermeiden. Die Aufhebung dieses Rechts und der Zwang, die Leitungen auch - gegen Entgelt - für andere Gas- bzw. Stromlieferanten zu öffnen, sollte den Konsumenten Wahlmöglichkeiten eröffnen sowie zu einer größeren Konkurrenz unter den Energieunternehmen, d. h. letztlich zu niedrigeren Preise führen. In der Tat sanken nach Erlass des Energiewirtschaftsgesetzes und der europäischen Gasrichtlinie aus dem Jahre 1998 die Energiepreise zunächst deutlich.
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Hauptverwaltung der WFG in Dortmund, 1998

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Erdgas-Transportnetz der WFG, 1999
 
 
Diese Liberalisierung der Energieversorgung bedeutete letztlich das Ende der WFG. Angesichts der bevorstehenden Gesetzgebung kam es in den Jahren 1996/1997 zu einer Verständigung über eine Zusammenarbeit zwischen der VEW und der WFG. Im Jahre 2000 wurden schließlich die Gasabteilung der VEW und die WFG verschmolzen und unter dem Namen WFG in die VEW integriert. Mehrheitsaktionär der neuen WFG waren mit 58 v. H. der Anteile die VEW, Minderheitsaktionär mit 42 v. H. der Anteile die ehemaligen kommunalen Aktionäre der alten WFG. Die Liberalisierung des Energiemarktes hatte jedoch noch weiterreichende unternehmenspolitische Folgen. Die kommunalen Aktionäre der VEW trauten ihrem Unternehmen angesichts der Europäisierung des Energiemarktes, der Marktmacht der Großunternehmen sowie des deutlichen Energiepreisverfalls nicht die nötige Kraft zu, um konkurrenzfähig zu bleiben. Im Jahre 2000 wurde daraufhin die VEW mit ihrem alten Rivalen fusioniert, d. h. ging in der RWE auf.


Zusammenfassung

Überblickt man die Geschichte der WFG im 20. Jh., so wird deutlich, dass sich dieses vom Provinzial-, dann vom Landschaftsverband Westfalen (-Lippe) kontrollierte Unternehmen ebenso wie sein kommunales Schwesterunternehmen, die VGW bzw. die VEW, lange Zeit behaupten konnten. Die Aufgliederung der kommunalen Gasversorgung Westfalens in die VGW bzw. VEW und die WFG erscheint dabei aus dem Nachhinein nicht als zwangsläufig, eher als ein Ergebnis der Konkurrenz zwischen den Ruhrgebietsgemeinden unter der Führung der VEW und den ländlichen Gemeinden unter Führung durch den Provinzial- bzw. Landschaftsverbandes Westfalen(-Lippe).

Als jedoch gegen Ende des 20. Jhs. die rechtliche Basis der Selbstbehauptung von WFG und VEW beseitigt wurde, zeigte sich nicht nur, dass die frühzeitig ausgehandelten Lieferungsmonopole nach einer langen Zeit der kostspieligen Leitungsverlegung kartellähnlich hohe Preise und damit hohe Gewinne für die Kassen der kommunalen Aktionäre ermöglicht hatten, sondern dass sie auch von ihren Eigentümern als nicht mehr konkurrenzfähig erachtet wurden. Denn auf einem Markt mit homogenen Produkten und vergleichsweise geringer Bedeutung der Transportkosten zählte vor allem Größe, economies of scale. Diese Größe zu erlangen, war den Kommunen und Kommunalverbänden frühzeitig aufgrund ihres fixierten, relativ begrenzten Geltungsbereiches und ihrer Aufgabenstellung verwehrt gewesen. Die privaten und staatlichen Energieunternehmen hatten dagegen nicht unter diesen Restriktionen gelitten und waren gewachsen. Infolgedessen stand der Forderung nach einer Liberalisierung des Energiemarktes in europäischem Rahmen politisch wenig entgegen, da es trotz des zu erwartenden Konzentrationsprozesses zu einer Europäisierung des Wettbewerb kommen sollte und da die vergleichsweise kleinen Kommunalunternehmen dabei keine Rolle mehr als Preiskorrektiv spielen konnten.
 
 
Ressourcen
Weitere Ressourcen zum Thema

Internet-Portal

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