Gesandte 1645/49 > Contarini








Contarini,
Alvise


(23.04.1597 - Venedig 11.03.1651)

Gesandter der Republik Venedig und Vermittler in Münster, 1643-1649




Contarini, Sohn des Patriziers und Diplomaten Tommaso Contarini (1562-1617) und der Marina Pisani, entstammt einer der ältesten und angesehensten Familien des venezianischen Patriziats, die acht Dogen hervorgebracht hat; er wird oft verwechselt mit dem gleichnamigen Sohn Alvise (1601-1684) des Niccolo Contarini, welcher 1676 zum Dogen gewählt wurde. Er bleibt unverheiratet und lebt von 1623 bis kurz vor seinem Tode mit nur kurzen Unterbrechungen fern seiner Heimat im diplomatischen Dienst seiner Vaterstadt.

Seit 1618 in rascher Folge mit verschiedenen Verwaltungsämtern der Republik betraut, wird er bald nach seiner Aufnahme in den Großen Rat 1623 zum Botschafter in den Niederlanden ernannt, von wo aus er 1626 nach England entsandt wird. Dort vermittelt er im Krieg zwischen England und Frankreich bis zum Friedensschluß im Frühjahr 1629; im September 1629 wird er Botschafter in Frankreich, wo er das Vertrauen Richelieus gewinnt und ihn zur Unterstützung Schwedens bewegt. 1632 Gesandter bei der römischen Kurie, wird er 1636 sogar als "Bailo" nach Istanbul entsandt, von wo er 1641 zurückkehrt. Überall wird seine Geschicklichkeit gerühmt.

Der Spitzendiplomat der Republik wird im März 1643 als Gesandter nach Münster bestimmt, wo er nach dreieinhalbmonatiger Anreise am 16.11.1643 eintrifft und in der Bürenschen Domherrenkurie (südlich der Dompropstei, hinter der heutigen Hauptpost) wohnt. Das feuchte und kalte Klima setzt seiner Gesundheit zu; er leidet schwer an der Gicht (Podagra). Contarinis Aufgabe als Vermittler zwischen den protestantischen Schweden und ihren Verbündeten einerseits und dem Kaiser und den katholischen Mächten ist umso wichtiger, als dem zweiten Vermittler, dem päpstlichen Nuntius Chigi, jeder direkte Kontakt mit den Protestanten verboten ist. Wegen früherer Förderung der schwedischen Außenpolitik wird ihm zudem gerade von den Schweden besonderes Vertrauen entgegengebracht. Contarinis großer Anteil an den Friedensregelungen findet schließlich in seiner ausdrücklichen persönlichen Erwähnung im Vertragstext seinen Dank.

Nach fünf Jahren und neun Monaten reist Contarini Anfang August 1649 aus Münster ab, um in Frankreich die Friedensverhandlungen mit Spanien zu fördern, von wo er sich im März 1650 wegen schweren Leidens abberufen läßt. Einem Ruf, bei den Friedensverhandlungen zwischen Schweden und Polen in Lübeck als Vermittler zu erscheinen, folgt er nicht mehr. Im Januar 1651 wird ihm ein Gehalt als Historiograph der Republik ausgesetzt, um seine Erinnerungen und Beobachtungen niederzuschreiben, doch stirbt er schon bald darauf und wird in der Familienkapelle in der Kirche S. Maria dell'Orto beigesetzt. 1653 wird ihm ein Grabdenkmal errichtet. Contarini gilt bis heute als einer der venezianischen Meisterdiplomaten, die den Ruf der Stadtrepublik in Europa als Inbegriff der Staatsklugheit festigten.



Literatur

Cools I, S. 9; Waesberghen Nr. 21 (Abb.); Pacis Antesignani (Münster), bei fol. 16 (farbiges Wappen); Bignon Nr. 2 (Abb.); Theatrum Europaeum VI, S. 260 (Abb.); Aubry (Abb.); Kalender (Abb.); Moncornet, Nr. 29 (Abb.); Pacificatores 1697, Nr. 78 (Abb.); Walther, S. 5, 128-129; Bildnisse 1824 Nr. 34 (Abb.); Striedinger Nr. 18; Tekotte, S. 52; Poelhekke, S. 564 (Register); Katalog Gripsholm Nr. 245, 731; Angelo Zanon dal Bo, Alvise Contarini. Mediatore per la Repubblica di Venezia nel congresso di Vestfalia (1643-1648), Lugano 1971; Heinz Dollinger, Alvise Contarini und seine Briefe an Giovanni Batista Felice Gasparo Nani, in: Bertram Haller, Alvise Contarini und der Westfälische Friedenskongreß in Münster, Katalog der Ausstellung in der Universitätsbibliothek Münster 1982, S. 7-12; Dizionario Biografico degli Italiani 28 (1983), S. 82-91; Katalog Frieden, S. 102-103, 126, 132-133; Dethlefs/Ordelheide Nr. 195 (Abb.).

Gerd Dethlefs


Quelle: H. Duchhardt / G. Dethlefs / H. Queckenstedt, "...zu einem stets währenden Gedächtnis", Die Friedenssäle in Münster und Osnabrück und ihre Gesandtenporträts", (=Osnabrücker Kulturdenkmäler, Bd. 8), Bramsche 1998, S. 190f.

Ein  Kooperationsprojekt des Internet-Portals "Westfälische Geschichte" mit dem  LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster (Kupferstiche), und dem  Rasch Verlag, Bramsche (Texte)
 
Porträt des Alvise Contarini (23.04.1597 - Venedig 11.03.1651), Gesandter der Republik Venedig und Vermittler in Münster, 1643-1649


Devise


PROPTER FRATRES MEOS ET PROXIMOS MEOS LOQVEBAR PACEM.
Wegen meiner Brüder und Freunde willen will ich [dir] Frieden wünschen (nach Psalm 122, 8: propter Fratres meos et proximos meos loquebar pacem de te).



Kartusche


Aloysius Contareno Eques Patricius Venetus extraordinarius ad Pacis Tractatus Universalis, Legatus, et Mediator.




Wappenbeschreibung


Der Schild ist geviert und zeigt in Feld 1 und 4 in Gold drei blaue Schrägrechtsbalken [hier drei gebogene rote Balken in Silber] (Contarini), in Feld 2 und 3 in Rot einen goldenen Löwen, der in der rechten Pranke ein schwarzes Schwert, in der linken ein Bündel aus sieben Pfeilen hält (das Wappen der Vereinigten Provinzen der Niederlande, das ihm von den Generalstaaten verliehen wurde). Über dem Schild erscheint wachsend ein Einhorn, das um den Hals eine Krone trägt.
Wappen-Devise: Non ad perniciem (Nicht bis zum Untergang).








Kupferstich von Pieter de Jode nach Anselm van Hulle, um 1648, 38,5 x 27,6 cm (Blatt), 30,7 x 19,9 cm (Platte)
Münster, LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Inv.Nr. C-9400 LM
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