Frauen- und Geschlechtergeschichte > Institutionen und Netzwerke








Rita Börste

Institutionen und Netzwerke

Wer sich heute mit frauen- und geschlechtergeschichtlichen Themen befassen möchte, kann dies auf vielfältige Weise tun. Für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Thematik sind die Archive, Universitäten und Forschungseinrichtungen die ersten Anlaufstellen. Wer sich vor Ort mit Frauengeschichte auseinandersetzen möchte, kann sich einer Arbeitsgruppe oder einem Netzwerk anschließen. Die folgende Auswahl von Institutionen und Zusammenschlüssen bietet einen ersten Überblick über die Möglichkeiten, sich in Westfalen-Lippe (bzw. Nordrhein-Westfalen) mit Frauen- und Geschlechtergeschichte zu beschäftigen. Es ist vorgesehen, diese Informationsbasis durch Kooperationen weiter auszubauen.
 
 

 

Archive

 
 
Einstieg
Zu Beginn einer frauen- und geschlechtergeschichtlichen Recherche bietet sich die Internetseite http://www.archive.nrw.de an, die - nach Archivtypen gegliedert - alle öffentlichen Archive in Nordrhein-Westfalen auflistet und zu jedem Archiv allgemeine Angaben (Anschrift, Öffnungszeiten) sowie Informationen zu den Beständen mit einer kurzen Inhaltsangabe bereithält. Es besteht die Möglichkeit, über die Funktion "Suche“ in den Beständen vorher festgelegter Archive zu recherchieren und sich so vor dem Archivbesuch zu informieren.
 
 
Ordnungsprinzipien
Um in einem Archiv selbst fündig zu werden, ist es wichtig, die dort vorherrschenden Ordnungssysteme zu kennen.
  • Provenienzprinzip
    Beim Provenienzprinzip (lateinisch: Herkunft) werden die Archivalien nach den abgebenden Stellen im Archiv zusammengefasst und geordnet. Dieses Ordnungsprinzip dient dem Zeck, auch später noch nachvollziehen zu können, in welchem Zusammenhang die Unterlagen ursprünglich entstanden sind. Es hat sich in den Archiven prinzipiell durchgesetzt.
  • Pertinenzprinzip
    Beim Pertinenzprinzip (lateinisch: betreffen) werden die Unterlagen nach sachlichen, regionalen oder personellen Zusammenhängen (Betreffen) geordnet, wobei die Herkunft keine Rolle spielt. Dieses Prinzip erfordert ein Ordnungssystem nach Schlagworten. Nur gelegentlich, z.B. bei Sammlungen (Zeitungen, Druckschriften, Fotos u.a.), wird dieses Prinzip heute noch angewendet.

Mit Blick auf frauen- und geschlechtergeschichtliche Fragestellungen bedeutet das vorherrschende Provenienzprinzip, dass relevante Unterlagen theoretisch in jedem Bestand vorhanden sein können. Zu Beginn einer Recherche ist es deshalb notwendig, sich darüber zu informieren, in welche Zuständigkeit das zu bearbeitende Thema fällt, um dann zielgerichtet die entsprechenden Bestände einsehen zu können.

Nur in Ausnahmefällen liegen Spezialinventare (thematische Findbücher) zur Frauen- und Geschlechtergeschichte vor. Pionierarbeit hat hier der  Frauengeschichtsladen Lippe e.V. geleistet, der ein  Spezialinventar zu den Akten der Hebammen in Lippe von 1603 bis 1872 herausgegeben hat, für das die entsprechenden Bestände des Staatsarchivs Detmold ausgewertet wurden.
 
 
Frauenarchive
Hierbei handelt es sich um Sammel- und Dokumentationsstellen, die relevante Unterlagen zu frauenspezifischen Themen archivieren und aufbereiten. Es wird unterschieden zwischen:

Frauenarchive mit thematischem Sammelschwerpunkt
Archiv der deutschen Frauenbewegung in Kassel
Im Archiv der deutschen Frauenbewegung werden Text- und Bilddokumente zur Frauenbewegung und Frauengeschichte in Deutschland aus der Zeit von 1800 bis 1967 gesammelt, mit dem Ziel, Frauenleben und Frauenalltag umfassend zu dokumentieren. Ein besonderes Interesse gilt allen Phasen und Erscheinungsformen der organisierten Frauenbewegung. Einzelne Aspekte der Frauenbewegung werden in den Einzelthemen  Politische Partizipation und  Frauenstudium thematisiert.
 
 
 
Allgemeine Frauenarchive
Frauenarchiv der Universitätsbibliothek Dortmund
Das Frauenarchiv enthält Literatur zu frauenspezifischen Themen aus Bildung, Kultur, Geschichte und Gesellschaft. Ergänzend werden hier Dissertationen, Diplomarbeiten sowie Magister- und Examensarbeiten archiviert.
 
 
 
Frauenarchiv Leihse
Das Frauenarchiv Leihse der Ruhr-Universität Bochum umfasst eine Leihbücherei und ein Archiv für Frauen. Hier werden Diplom-, Magistra- und Hausarbeiten, Dissertationen und Habilitationen gesammelt.
 
 

 
 

Universitäten

 
 
Lehrstühle
 Lehrstuhl für Geschlechtergeschichte an der Universität Bielefeld
Am Bielefelder Lehrstuhl für Geschlechtergeschichte werden historische Ausformungen von Weiblichkeit, Männlichkeit und des Geschlechterverhältnisses erforscht. Untersucht werden einerseits die Erfahrungen und Lebensbedingungen von Frauen und Männern in der Geschichte, andererseits wird danach gefragt, wie sich Vorstellungen über die Geschlechter und das Geschlechterverhältnis in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen niedergeschlagen und das Denken und Handeln von Menschen geprägt haben. Zeitlich konzentriert sich die geschlechtergeschichtliche Forschung und Lehre in Bielefeld vor allem auf das 18. bis 20. Jahrhundert.
 
 
 
 Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte/ Geschlechtergeschichte an der Ruhr-Universität Bochum
Innerhalb des Arbeitsbereichs Geschlechtergeschichte werden Fragen der Frauen- und Geschlechtergeschichte thematisiert und die Ansätze der neueren Kulturgeschichte bzw. historischen Anthropologie aufgenommen und weiterentwickelt. Weitere inhaltliche Themenschwerpunkte stellen u.a. Themen der Familien-, Mentalitäts- und Alltagsgeschichte, der Biographie- und Lebenslaufforschung, der Kultur- und Geschlechtergeschichte der höfischen Welt oder die historische Kriminalitätsforschung dar.
 
 
Netzwerke und
Foren
 Netzwerk Frauenforschung Nordrhein-Westfalen
Das "Netzwerk Frauenforschung NRW", das 1986 auf Initiative von Wissenschaftlerinnen eingerichtet wurde, ist ein Projekt zur Frauenförderung und zur Unterstützung von Frauenforschung an den Hochschulen. Die Koordinationsstelle ist an der Universität Dortmund. Das Netzwerk entstand als Ergebnis einer Verknüpfung parlamentarischer und autonomer Frauenpolitik und -forschung.
 
 
 
 Interdisziplinäres Frauenforschungs-Zentrum
Das Interdisziplinäre Frauenforschungs-Zentrum (IFF) an der Universität Bielefeld ist eine wissenschaftliche Koordinationsstelle. Seit seiner Gründung 1980 hat es sich als nationales und internationales Forum für Frauen- und Geschlechterforschung etabliert. Neben Forschungsaktivitäten zählt es zu seinen Aufgaben, die Kontakte zwischen Forscherinnen zu fördern und den interdisziplinären Austausch innerhalb der Frauen- und Geschlechterforschung zu unterstützen.
 
 

 
 

Kooperationen

 
 
Netzwerke historisch
arbeitender Frauen
Den auf bundes- und landesweiter Ebene bestehenden 'Netzwerken historisch arbeitender Frauen’ liegt die Idee zugrunde, mit und für Frauen die lokale Frauengeschichte aufzuarbeiten.

Einige Beispiele:

 "Miss Marples Schwestern“: Netzwerke zur Frauengeschichte vor Ort
Bundesweites Netzwerk von frauenorientierten Stadtführerinnen, (Kunst)-Historikerinnen und Archivarinnen, die verschiedene Aktivitäten (z.B Stadtrundgänge, Bootsfahrten, Exkursionen u.a.) anbieten.
 
 
 
 Forum Geschichtskultur an Ruhr und Emscher, Arbeitsgruppe Frauen- und Geschlechtergeschichte
Seit 1993 bestehende Arbeitsgruppe, die die Erforschung der Frauengeschichte und des Geschlechterverhältnisses im Ruhrgebiet unterstützt. In ihr sind verschiedene lokale Frauengeschichtsgruppen vernetzt. Seit 2010 präsentiert die Website  FRAUEN.ruhr.GESCHICHTE. das Ruhrgebiet unter frauen- und geschlechtergeschichtlichen Aspekten.
 
 
 
 Arbeitskreis Historischer Frauen- und Geschlechterforschung
Bundesweites Netzwerk von Wissenschaftler/innen mit dem Arbeitsschwerpunkt Frauen- und Geschlechterforschung. Der Arbeitskreis ist in Regional- u. Fachgruppen untergliedert.