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Termine


 
 

22.-23.10.2015

4. deutsch-niederländisches Symposium zur Adelsgeschichte

Burgmannen und Burgmannshäuser
Landesdienst und Selbstbehauptung


Heek-Nienborg, Landesmusikakademie NRW “Burg Nienborg”

Die Tagung betrachtet Burgmannen und Burgmannsitze im deutsch-niederländischen Grenzgebiet aus interdisziplinärer Perspektive. Es ist das erste Mal, dass dieses Thema auf diese Weise auf einer Tagung behandelt wird. Für die Verteidigung ihrer Territorien ließen die Landesherren wie die Bischöfe von Utrecht, Münster und Osnabrück im Hochmittelalter landesherrliche Burgen errichten. Da sie nicht in der Lage waren, diese Burgen selbst zu verteidigen, setzten sie Burggrafen als Statthalter ein. Diese wurden unterstützt durch Burgmannen, Mitglieder des Niederadels mit Anwesenheitspflicht, oft auf Häusern, die an die Festungsmauern gebaut waren; in Heek-Nienbog im westlichen Münsterland nahe der deutsch-niederländischen Grenze ist diese Situation noch gut zu erkennen. Im späten Mittelalter verloren die Burgmannen meistens ihre Funktion, wohnten aber weiter auf ihren Burgmannshöfen und bildeten so eine lokale Adelsgruppe. Die Forschungen in den Niederlanden, Niedersachsen und Westfalen ergänzen sich gegenseitig. Während in Deutschland während der Franzosenzeit die Burgmannschaften aufgehoben wurden, bestand das Burgmannenkollegium von Goor noch bis 1922 fort. Das Kollegium von Diepenheim gibt es in einer etwas anderen Form noch heute. Rund um Goor und Diepenheim gibt es immer noch zehn Burgmannssitze wie Nijenhuis, Weldam, Warmelo usw.

Die Tagung findet am Donnerstag, dem 22., und Freitag, dem 23. Oktober 2015, in Heek-Nienborg bei Gronau statt, wo die Landesmusikhochschule ihren Sitz im früheren Burgmannshof der Familie von Raesfeld aus dem Jahr 1554 hat. Die Tagung wendet sich an Historiker, Rechtshistoriker und Architekturhistoriker, aber auch an Regional- und Ortshistoriker sowohl aus den Niederlanden wie aus Deutschland. Die Beiträge stammen von deutschen und niederländischen Referenten, die sowohl soziale, adelsgeschichtliche und rechtshistorische Aspekte beleuchten wie auch architekturgeschichtliche Facetten. Im Anschluss wird eine Exkursion auf die Burg Nienborg angeboten, wo auch die noch bestehenden Burgmannshäuser besucht werden. Der Teilnehmerbeitrag beträgt 25 €, für Studenten 10 €.

Programm 4. deutsch-niederländisches Symposium zur Adelsgeschichte

Anmeldung 4. deutsch-niederländisches Symposium zur Adelsgeschichte
 
 

06.-07.06.2013

3. deutsch-niederländisches Symposium zur Adelsgeschichte

Adelige über sich selbst. Selbstzeugnisse in nordwestdeutschen und niederländischen Adelsarchiven


Münster, Festsaal des Erbdrostenhofs


Egodokumente oder Selbstzeugnisse, seien es Tagebücher, Erinnerungen, Reisebeschreibungen oder Selbstreflexionen jeglicher Art, haben die Nachwelt von jeher interessiert, sie erfreuen sich jedoch seit den 1980er Jahren des besonderen und kontinuierlichen Interesses der Historiker, erlauben sie doch einen tieferen Einblick in das Denken und Fühlen von Menschen anderer Epochen als die meisten anderen Quellen. Im Folgenden sollen unter Selbstzeugnissen oder Niederländisch Egodocumenten nach einer Definition von Rudolf Dekker Texte verstanden werden, „waarin die auteur spreekt over eigen handelen en gevoelens of over zaken die hem perzoonlijk bezighouden“ (1988) und deren wichtigstes Kriterium nach Benigna von Krusenstjern die „Selbstthematisierung“ des Autors ist (1994). Ihr inhaltlich-formales Spektrum reicht von Selbstkonstruktion und Selbstinszenierung über Selbstreflexion und Selbstrechtfertigung bis hin zu Berichten über das tägliche Leben zu Hause und über Reisen in die Fremde.

In ihrer ganzen Vielfalt begegnen Selbstzeugnisse in Adelsarchiven. Dies hängt mit der besonderen Stellung des Adels in der frühneuzeitlichen Gesellschaft zusammen. Zunächst verstehen sich Adelige in besonderer Weise als Repräsentanten ihres Standes und ihrer Familie, wie dies exemplarisch an der Stiftung von Fideikommissen vor allem seit dem 17. Jahrhundert deutlich wird. Dabei überschreiten die familiären Netzwerke nicht selten die Grenzen von Konfessionen, Territorien und Nationen. Aufgrund der finanziellen Lage und der sozialen Stellung des Adels verfügten wenigstens die männlichen Vertreter über ein gewisses Maß an Bildung, das sie durch Reisen erweitern und vertiefen konnten. Während der weitere Lebensweg die einen zu Verwaltern ihrer Güter bestimmte, führte er die anderen in geistliche oder weltliche Stifte, an fürstlichen Höfe oder zum Militär, was diesen wiederum ein hohes Maß an Mobilität ermöglichte. Schließlich waren sie unter Berufung auf die Declaratio Ferdinandea bis ins 17. Jahrhundert hinein in der Wahl und Ausübung ihrer Konfession freier als andere gesellschaftliche Gruppen. Sie verfügten über die Muße, Reflexionen über sich selbst zu verfassen, und die Chance, dass ihre Papiere erhalten blieben, war dadurch gewahrt, dass sie auf ihren Häusern eigene Archive unterhielten.

Der deutsch-niederländische Arbeitskreis für Adelsgeschichte bzw. de Nederlands-Duitse Kring voor Adelsgeschiedenis, eine Gruppe von Archivaren und Historikern aus Nordwestdeutschland und den Niederlanden, die sich mit Adelsgeschichte befassen, wird seine dritte Tagung dieser Quellengruppe der Selbstzeugnisse bzw. Egodocumenten in Adelsarchiven widmen. Unterstützt wird er dabei von den Vereinigten Westfälischen Adelsarchiven e.V. Nach zwei einleitenden Referaten von Rudolf Dekker und Maarten van Driel über die Besonderheiten adeligen Selbstverständnisses und seines Ausdrucks wird der erste Teil von Selbstzeugnissen landsässiger Adeliger bestimmt, die sich auf ihren Gütern über Fragen der Familie, der Konfession und des täglichen Lebens äußern. Der öffentliche Abendvortrag wird die Tagebücher des Deutschen Sigurd von Ilsemann vorstellen, der Kaiser Wilhelm II. ins niederländische Exil folgte und dort seine Position als Deutscher auf niederländischem Boden neu bestimmen musste.

Der zweite Tag ist zunächst Selbstzeugnissen von Adeligen als Kavalieren und Militärs auf Reisen gewidmet; mit den Aufzeichnungen von General Graf Gronsveld begegnet hier auch ein Selbstzeugnis in seiner Entwicklung von der handgeschriebenen Erstfassung bis zur Veröffentlichung im Druck. In der letzten Arbeitssitzung, die sich ausschließlich mit Selbstzeugnissen von adeligen Frauen im 19. und frühen 20. Jahrhundert befasst, werden diese auf die Eigenheiten von Tagebücher weiblicher Verfasser, auf die Rolle der adeligen Frau in Familie und Gesellschaft und schließlich auf die der Beobachterin einer untergehenden Adelskultur hin untersucht.

Programm: 3. deutsch-niederländisches Symposium zur Adelsgeschichte