Le Coq und die 'Topographische Karte von Westfalen'




Blätter des 1805ff. von Carl Ludwig von Le Coq herausgegebenen Kartenwerks, auf Leinen gezogen, mit Originalschuber der Zeit / Objekt und Foto: Münster, LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte






Marcus Weidner

Carl Ludwig von Le Coq und die
Topographische Karte von Westphalen, 1796-1813

 
 

1. Le Coq und sein Kartenwerk

 
 
 

1.1 Entstehungsursachen

 
 
 
Das Le Coqsche Kartenwerk zählt zu den wichtigsten kartografischen Quellen Nordwestdeutschland im Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert. Wie viele andere Kartenwerke auch, war das von Le Coq koordinierte und herausgegebene Kartenwerk durch einen militärischen Anlass motiviert. Im Jahre 1795 war Preußen aus dem seit 1792 währenden Ersten Koalitionskrieg gegen das revolutionäre Frankreich ausgeschieden. Angesichts der militärischen, organisatorischen und finanziellen Belastungen insbesondere durch die Gebietserwerbungen bei den beiden Teilungen Polens, die die Ressourcen des Landes zu erschöpfen drohten, hatte sich die heimische "Friedenspartei" durchsetzen können. Im Baseler Frieden vom 05.04.1795, dessen Bestimmungen für Preußen durchaus vorteilhaft aussahen, vereinbarten beide Seiten u. a., dass die Franzosen die rechtsrheinischen Gebiete Preußens räumen (Art. 4) und seine linksrheinischen zunächst, bis zu einem Friedensschluss, besetzt halten sollten (Art. 5). Im Rahmen einer Geheimvereinbarung sollte Preußen zudem durch Säkularisationen entschädigt werden, falls Frankreich die Gebiete behielte.

Weiterer Bestandteil des Geheimvertrags war die Einrichtung einer norddeutschen Neutralitätszone (Artikel 3), die vermutlich auf den preußischen General Wichard von Möllendorf (1724-1816) zurückging. Eine Demarkationslinie, die am 17.05.1795 von beiden Seiten festgelegt, im Oktober 1795 jedoch bereits weiter nach Norden zurückgenommen und in der Folgezeit mehrfach verletzt wurde, trennte diese östlich liegende norddeutsche "bewaffnete" Neutralitätszone, von der aus kein Angriff auf Frankreich erfolgen sollte, vom süddeutschen Kriegsschauplatz. Das Gebiet wurde durch ein Truppenkontingent von rund 33.000 Mann gesichert, das ab 1796 unter dem Oberbefehl von Karl II. Wilhelm Ferdinand Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel (1735-1806, reg. seit 1780) stand und mit seinem Hauptquartier in Minden stationiert war; der Herzog war Nachfolger des preußischen Generals Friedrich-Ludwig zu Hohenlohe-Ingelfingen (1746-1818), der 1795 mit seinen Truppen in der Reichsstadt Frankfurt am Main gelegen hatte. Damit war die Einheit des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, die bis zur Niederlegung der Kaiserkrone 1806 formal aufrecht erhalten wurde, faktisch obsolet. Ohne Unterstützung einer anderen Großmacht jedoch, dies sollte Preußen bald erkennen, war das Erreichte im Rahmen einer "Neutralitätspolitik" nicht dauerhaft zu sichern.

Stabschef dieser "Observationsarmee" war der am 23.09.1754 im sächsischen Eilenburg geborene preußische Offizier Karl Ludwig Edler von Le Coq (gest. 1829). Dieser musste bald feststellen, dass die verfügbaren Kartenwerke für das zu observierende Gebiet, welches aus zahlreichen, z. T. sehr verschiedenen Territorien bestand, keinesfalls ausreichten. Schon kurze Zeit später (1796) beauftragte er eine Gruppe von Offizieren mit der 'militärischen Aufnahme', der Vermessung (Messtischaufnahme) von Gebietsteilen, für die keine brauchbaren Militär-Karten vorhanden waren. Le Coq führte 1803 als "einigermassen“ brauchbar, d. h. den "Forderungen des Soldaten im Felde einigermassen“ entsprechend, nur 7 Karten an:
  • Obristlieutenant von Busch/Benoit: Bistum Osnabrück, Messtischaufnahme (die Le Coq als beste der genannten Karten klassifizierte),
  • Niehausen:  Grafschaft Lippe-Detmold ("geographische Lage des Landes durch Interpolation, ohne mit einem gut bestimmten Puncte in Verbindung zu stehen“),
  • Pastor Müller:  Grafschaft Mark (mit einer "auf astronomische Beobachtungen und trigonometrische Vermessung gegründeten Lage der Orte“),
  • Homannsche Offizin: Herzogtum Oldenburg,
  • Wilckens:  Niederstift Münster,
  • Sotzmann:  Preußische Provinz Westfalen (lediglich aus den Karten entwickelt) und
  • Bauer: Karten vom "Kriegs-Theater“ des Siebenjährigen Kriegs.
Eine Gesamtaufnahme schied angesichts des Gebietsumfangs, der von der Nordsee bis nach Köln bzw. von Kleve bis Hannover reichte, und der militärischen wie politischen Zeitumstände offenbar aus. Le Coq:
Bey diesem [unbefriedigendem] Zustande des Kartenwesens konnte ich die Musse des Friedens in den Ländern innerhalb der Demarcation nicht besser benutzen, als diesen Zustand durch neue Aufnahmen und durch Rectificirung der vorhandenen Karten zu verbessern. Allein die Ungewissheit über die Dauer dieser Aufnahme, welche von dem Kriege abzuhängen schien, und Störungen durch politische Ereignisse, die auch sehr oft eintraten und den Fortgang hemmten, gestatteten nur einen eingeschränkten Plan, den man nach den Umständen zwar erweitern konnte, aber im Ganzen auf die Ausführung doch immer einen nachtheiligen Einfluss haben musste [...]. (Le Coq, 1803, S. 78f.)

Motivatoren für dieses ehrgeizige Projekt waren aber sicher auch sein geodätisches Interesse und das Bemühen, Lücken in der Landesaufnahme Preußens zu schließen.
Die Karten von Le Coq sind im Portal in hochauflösender Qualität online aufrufbar. Hierfür benötigen Sie den Flash-Player ab Version 9, den Sie kostenlos auf der Website der Firma Adobe downloaden und nutzen können. Eine Auflistung der verfügbaren Karten finden Sie in Kapitel "3. Blattübersicht", weiter unten. Die digitalen Karten wurden im Rahmen einer Kooperation vom Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen zur Verfügung gestellt.

Drucke der Le Coqschen Karten können Sie für folgende Gebiete erwerben:

Weitere Karten finden Sie im
 Dokumentationsbereich "Karten" des Internet-Portals "Westfälische Geschichte".


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Herzog Karl II. Wilhelm Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel (1735-1806), 1792


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Darstellung der Neutralitaetslinie welche von Preussen und Frankreich in der am 17. May 1795 zu Basel unterzeichneten Convention verabredet worden
 
 

1.2. Organisatorische Vorbereitungen -
"Mappierung“ und Herrschaft

 
 
 
Die Vermessungsarbeiten der preußischen Armee stießen in den betroffenen Territorien mitunter auf Skepsis, denn (Militär-)Kartografie in fremden Gebieten konnte zwei für das kartierte Land negative Zwecke verfolgen: die Ausforschung der inneren Verhältnisse und die Absteckung zukünftiger Einflusssphären. Die Neutralitätszone von 1795 schloss nachgerade Territorien ein, die wie Münster oder Paderborn aufgrund ihres geringen Machtfaktors traditionell stark auf den Kaiser in Wien orientiert waren, der mit dem Reich bislang als Garant ihrer Sicherheit galt. Diese gaben bis 1797 zwar ihren Widerstand auf und traten der Neutralität bei, doch dass die Mediatisierung, also die Entmachtung der (geistlichen) Landesherren und die Eingliederung ihrer Gebiete in die weltlichen Territorien, etwa Preußens, auf der politischen Agenda stand, konnte ihnen nicht verborgen bleiben. In einem weiteren Geheimvertrag zwischen Preußen und Frankreich (05.08.1796) war zudem vereinbart worden, Preußen für den Verlust des linksrheinischen Teils Kleves mit dem Vest Recklinghausen und einem Teil des Fürstbistums Münster zu entschädigen. Tatsächlich konnte Preußen nach dem  Frieden von Lunéville 1801 im folgenden Jahr immerhin die Säkularisatin und Einverleibung von Münster (östlicher Teil des Oberstifts), Paderborn, Essen, Werden und Elten realisieren; das Herzogtum Westfalen fiel an Hessen-Darmstadt, die linksrheinisch enteigneten Reichsgrafen erhielten weitere rechtsrheinische Gebietsteile, Dortmund, Corvey und Fulda fielen an Oranien - eine Gebietsaufteilung, die indes selbst nur wenige Jahre Bestand hatte.

Angesichts der militärisch-politischen Situation dieser Jahre war bei den preußischen Vermessungsarbeiten in fremden geistlichen Gebieten der Neutralitätszone indes kein nennenswerter Widerstand zu erwarten. Im Vorfeld wurden die Landesregierungen von den preußischen Behörden, bei westfälischen Gebieten etwa von den preußischen Kammern oder dem Feldkriegskommissariat des "Westphälischen Corps d'Armee" in Minden, schriftlich über jede einzelne Vermessungskampagne informiert und um Unterstützung der namentlich genannten Vermesser gebeten. Diese bestand v. a. in der Stellung von Unterkunft und Verpflegung für Mensch und Pferd, in Transportleistungen für die mitgeführten Instrumente, in Boten- und Kundschafterdiensten oder in der Hilfe bei Vermessungsarbeiten, z. B. beim Aufstellen von Signalmasten oder dem Fällen von Bäumen, die im Wege waren. Kurz darauf stellten sich die Vermesser in der Regel persönlich vor, um ihre Passier- und Unterstützungsschreiben zu erbitten. Dass mitunter "Ortsobrigkeiten" wie der Ortsvorsteher von Ochtrup (Fürstbistum Münster) ohne schriftlichen Befehl keine Unterstützung gewähren wollten (1799), ist vermutlich eher auf die ungenügende Informationspolitik der Behörden zurückzuführen.

Von einer gewissen Brisanz war die Frage, wer für die Kosten aufkommen sollte. Die preußischen Behörden ließen diesen Punkt mitunter offen, möglicherweise in der Hoffnung auf ein finanzielles Entgegenkommen der jeweiligen Landesregierung. Im Fürstbistum Paderborn entschied Fürstbischof Franz Egon im Juni 1799, Le Coqs Vermessungsteam das Quartier unentgeltlich, die Fourage hingegen gegen Quittung zu stellen, da diesem "Ansinnen nicht wohl auszuweichen sei". Die Kosten für eine Vermessungskampagne im Sommer 1801 etwa wurden mit den von der Paderborner Landschaftskasse an die Demarkationskasse zu zahlenden Gelder verrechnet, zuvor hatte man die Quittungen zwecks Erstattung direkt an das preußische Feldkriegskommissariat geschickt.

Ähnlich die Situation im Vest Recklinghausen. Schon kurz nach der offiziellen Unterstützungsbitte meldeten sich am 14.02.1800, einem Freitag, die preußischen Offiziere von Gagern und von Rappart bei der kurfürstlichen Regierung und kündigten an, bereits ab kommendem Montag eine vierzehntägige Vermessungskampagne - die "militairische Aufnahme des Vestes Recklinghausen" - durchführen zu wollen. Statthalter von Nesselrode stelle den Vermessern am Tag darauf eine Bescheinigung aus, die die Obrigkeiten anwies, den beiden und ihren Bedienten "gewöhnlich freies Quartier" anzuweisen und "auch denselben in ihrem Geschäft der Bereisung und Aufnahme des Landes allen verlangten Vorschub angedeihen zu laßen". Bei weiteren "Mappierungs"-Arbeiten im Jahre 1801 wurde trotz der Proteste Le Coqs die Fourage in Rechnung gestellt. Um die Kosten für die Landbevölkerung gering zu halten, wurde nach Rücksprache mit den Deputierten der Landesrechnung der Landstände ein Generalunternehmer beauftragt, der die Fourage zum jeweiligen Einsatzort transportierte und die Quittungen bei der Landschaft einreichte, die wiederum beim Kriegskommissariat um Erstattung nachsuchen musste. Da die Vermesser - 1801/1802 waren von Voss (Buer), von Herwarth (Bauerschaft Sickingmühle, Bocholt) und von Steinmetz, mit Familie (Dorsten) im Land - ihre Quartiere frei wählen konnten, wurden die Unterbringungskosten auf die Landschaft umgelegt, um die betroffenen Orte nicht über Gebühr zu belasten.

Verfassungsrechtliche Probleme warf der Wunsch des adligen Vermessers von Engelbrecht auf, Quartier auf Haus Brabeck nehmen zu wollen, einem Adelssitz, der eigentlich von Einquartierung befreit war. Sein Dienstherr Le Coq schrieb von Nesselrode am 22.04.1800, dieser sähe es gewiss ein, dass man zum Zeichnen eine "geräumige und helle Stube" bräuchte, die man beim Bauern nicht fände. Die Anfertigung einer guten Karte verdiente schließlich allgemeines Interesse, und nur im Vest gäbe es Probleme bei der Einquartierung in Schlössern. Fünf Tage später sprach von Engelbrecht persönlich vor, um seinen Wunsch zu erläutern. Nur im Ausnahmefall, und nur dann, wenn die Herrschaft nicht zuhause sei, wolle er von dem Schein Gebrauch machen. Er wolle niemanden belästigen, "auch lieber stille für sich [seine] Arbeit fortsetzen". Die Lösung des Problems ist nicht überliefert.

Ungleich einfacher war die Situation in den eigenen, preußischen Gebieten, den ab 1796 zu vermessenden Teilen Minden, Ravensberg, Tecklenburg, Lingen, Mark und Kleve. Mittels einer auf die Vermesser ausgestellten Spannordre konnte das organisatorische und praktische Verfahren erheblich abgekürzt und die Magistrate und Beamten der Provinzen direkt aufgefordert werden, gegen Quittung freies Quartier, Fourage und Mitarbeiter zu stellen.

Insgesamt war die Tatsache, dass preußische Offiziere am Rande oder inmitten eines fremden Territoriums Vermessungsarbeiten ausführten, auch ein von den Landesherren oder den obersten Behörden der betroffenen Gebiete sorgsam beobachteter Vorgang. Zum einen verfügte Preußen mit seinen Karten über eine neue Definitionsmacht des verzeichneten Gebiets. Im Februar 1798 wandten sich die Geheimen Räte des Fürstbistums Münster besorgt an ihren Landesherren mit der Nachricht, dass Preußen im Herzogtum Ostfriesland Vermessungen an der Grenze durchführen wolle und die Kammer in Aurich bestimmt gebeten habe, diesen "keine Hindernisse in den Weg" zu legen. Die einseitige Vermessung durch Preußen sei nicht unproblematisch, so die Räte, da die Grenzführung stellenweise "unberichtiget" sei und bei Publikation einer Karte Fakten zu Ungunsten des Landes geschaffen werden könnten. Dem könne u. a. nur durch eine gemeinschaftliche Vermessung und die Protokollierung der Ergebnisse entgegen gewirkt werden - ein Verfahren, dass der Landesherr im März befürwortete. Aber auch genehmigte Vermessungen innerhalb des Territoriums waren nicht unproblematisch, da Preußen hierüber relativ genaue Karten eines Gebiets erhielt, für das z. T. die Regierung des aufgenommenen Gebiets nicht einmal aktuelle Kartenmaterialien besaß. Der "Widerstand" des Ochtruper Obervogts hatte auch deshalb nur eine kurze Dauer, weil sich der münstersche Landesherr durch sein Entgegenkommen in diesem Fall ein Exemplar der Karte versprach.

Den zentralen Beweggrund für das "Gewährenlassen" hatte der Kölner Kurfürst Maximilian Franz von Österreich im März 1795 gegenüber seinem Münsteraner Vertrauten Druffel geäußert: Man habe in der gegenwärtigen Situation keine andere Wahl, als Preußen "schön [zu] tun". Auch seine Nachfolgeregierung hielt an dieser Maxime fest. Als der preußische König die Vermessungsarbeiten im Vest Recklinghausen im Sommer 1801 fortsetzen wollte, wurde dem zögernden Statthalter beschieden, dass man nun Gelegenheit habe, durch die Unterstützung der Offiziere dem König zeigen zu können, dass man seinen Wünschen entsprechen würde; die Zeitläufe, so hieß es weiter, erforderten Nachgiebigkeit.

Zum anderen waren aber auch genehmigte Vermessungen innerhalb eines Territoriums nicht unproblematisch, da Preußen Einblick in die (Gebiets-)Verhältnisse durch eigenen Augenschein erhielt, kurz: die Aufnahme auch für die Vorbereitung einer feindlichen Übernahme des Territoriums genutzt werden konnte. Die Offiziere von Le Coq hatten offenbar den Auftrag, das Land nicht nur kartografisch, sondern auch statistisch zu erfassen, d. h. bei den jeweiligen Regierungen aktuelle Angaben z. B. über die Siedlungen oder die Feuerstellen einzuholen. Mit diesem Wissen waren zu inkorporierende Gebiete während der diplomatischen Verhandlungen besser zu taxieren, und auch in militärischer Hinsicht waren genaue Kenntnisse hinsichtlich der geografischen Verhältnisse und der Anzahl der Militärquartiere von Vorteil. Verständlich, dass der Statthalter des Vests im Februar 1800 der Bitte des preußischen Offiziers von Herwarth, der ab 1800 im Vest zusammen mit den "Ingenieur-Offizieren" von Voss und von Steinmetz tätig war, - die Regierung wolle ihnen nicht nur mit Quartieren, sondern auch "mit statistischen Nachrichten" behilflich sein - reserviert gegenüberstand und dieser, wenn überhaupt, nicht ohne Rückversicherung nachkommen wollte. Gegen eine "geographische Aufnahme", so heißt es am 15.02.1800, sei angesichts der "gegenwärtigen Umstände wenigstens mit Erfolg nichts einzuwenden und dieselbe schlechterdings geschehen lassen zu seye, ohne jedoch dießseits dazu einen besonderen Vorschub, außer der verlangten Bequartierung zu leisten, am allerwenigsten aber mit statistischen Nachrichten dabei an die Hand zu gehen". Der Landesherr, Kurfürst Maximilian Franz von Österreich (reg. 1784-1804), teilte diese Bedenken. Am 28.02.1800 gab er die offenbar erfolgreiche, interne Sprachregelung vor: Sollten die Vermesser Daten abfordern, die nicht für die Aufnahme notwendig seien, z. B. die "Kräfte des Landes", sei dem Ansinnen bei "fernerer Zudringlichkeit" auszuweichen, indem der Statthalter vorgeben solle, auf weitere "Entschließung" warten zu müssen. Noch im Januar 1802 erklärte von Herwarth, nachdem immer noch keine statistischen Nachrichten eingetroffen waren, dass diese Kenntnisse doch die Verteidigung des Landes erleichtern würden, zudem, sollten Unklarheiten über die Arbeit bestehen, er mit Zustimmung des Königs die erstellten Karten offen legen könne.

Es bedarf noch einer genaueren Untersuchung, warum nicht das gesamte Neutralitätsgebiet vermessen wurde. Waren es die Zeitumstände und die hierdurch mitunter gebotenen Unterbrechungen? War es der enorme Gebietsumfang, den die "Demarkations-Anstalt" mit ihren wenigen kartografisch tätigen Mitarbeitern nicht bewältigen konnte? Wurden tatsächlich nur solche Gebiete vermessen, für die es keine gesicherten Karten gab, was Le Coq 1803 behauptete, oder wurde der Stab insbesondere dort aktiv, wo Aussicht bestand, diese Gebiete dem preußischen Staat einzuverleiben? Es verwundert nicht, dass gerade im Vest Recklinghausen das Interesse der Preußen an Strukturdaten stark ausgeprägt gewesen war, denn diese flossen, wie das Schreiben vom Steins an Sack (11.09.1802) zeigt, unmittelbar in die territorialen Planung - etwa Überlegungen zu einem Tausch des Vests gegen Lingen - ein. Das Vest grenzte im Norden an die Grafschaft Mark und stellte für Preußen ein interessantes Arrondierungsprojekt dar, insbesondere auch in Hinblick auf Wirtschaft und Verkehrswege.

Im Ergebnis standen bis zum Abschluss der Arbeiten genaue eigene Vermessungen neben denen anderer Kartografen (u. a. von Wessel, Camp, Gildemeister, Pastor Müller), die nur bei Unklarheiten vor Ort überprüft wurden. Folge dieses pragmatischen Patchworks waren der uneinheitliche Charakter der Karten, Darstellungsfehler v. a. im Wegenetz, bei kleinen Siedlungen – was nach Le Coq (1803) auch dem Umstand zu verdanken war, dass Teile Westfalens infolge der isolierten Siedlungsstruktur wie ein „Englischer Garten“ aussähen – oder in der Reliefdarstellung. Zwar fehlen Altsiedlungen, aber das zugehörige Ackerland und die zu den Höfen gehörigen Baumgruppen oder Hofwälder waren verzeichnet.
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König Friedrich Wilhelm II. von Preußen (1744-1797, reg. 1786-1797), um 1790


 Der Frieden von Lunéville, 09.02.1801


 Preußisches Besitzergreifungspatent für das Fürstbistum Paderborn, 06.06.1802, "bey dem Einmarsch der Ko. Preuß. Truppen den 3ten Aug. 1802 [in Paderborn] von den drey K. P. Civil Commissarien vertheilet und allenthalben affigiert"
 
 

1.3 Le Coq - der Offizier

 
 
 
Le Coq, selbst Sohn eines Offiziers, war 1766 zunächst in die sächsische Armee eingetreten und 1787 in preußische Dienste gewechselt. Nach seiner Tätigkeit im Generalquartiermeisterstab nahm er als Major an der Rhein-Campagne teil und erhielt vor Mainz 1793 den Orden Pour le Mérite. Der Offizier war Mitglied der renommierten Militärischen Gesellschaft in Berlin. Nach dem Frieden von Basel kam der geodätisch interessierte Le Coq in den Stab der Demarkationsarmee, wo er sich 1796 aufgrund der schon erwähnten Mängel an dem verfügbaren Kartenmaterial entschloss, ein nach verbesserten Verfahren aufgenommenes Kartenwerk für das Gebiet der Demarkationsarmee und angrenzende Gebiete zu erstellen.

Im Jahre 1802 avancierte er zum Commandeur en chef des Grenadiergardebataillons (Grenadiergarde Nr. 6), vier Jahre später, nach der Auflösung des Garderegiments, wurde er als Kommandeur der Truppen in Westfalen eingesetzt.

Dieses "Umbruchjahr 1806", das die Aufgabe der - aus der Sicht vieler Zeitgenossen - quälenden preußischen Neutralität bedeutete, stellte für Le Coq selbst eine tiefe Zäsur in seinem Leben dar. Am 02.10.1806 in Münster angekommen, erhielt er am 09.10. von Blücher die Nachricht vom Beginn der neuen Feindseligkeiten zwischen Preußen und Frankreich mit der Ordre, offensiv vorzugehen. Nachdem er über den für sein Land desaströsen Ausgang der Schlachten von Jena und Auerstedt am 14.10.1806 informiert worden war, wurde ihm Befehl erteilt, in Richtung Elbe zu marschieren. Zehn Tage später lag er vor der befestigten Stadt Hameln, in die er schließlich wegen des schlechten Wetters im November einzog. Doch schon kurze Zeit später, am 20.11., kapitulierte der Festungskommandant und übergab am 22.11. kampflos die Stadt an die Franzosen. Der für diesen Schritt verantwortliche Generalmajor von Schöler wurde daraufhin zu lebenslänglicher Festungshaft verurteilt (später aber begnadigt), und auch Le Coq geriet in diesen Sog - noch im selben Jahr wurde er aus der Armee entlassen. König Friedrich Wilhelm III. erteilt ihm jedoch 1811 die Genehmigung, sein Kartenwerk auf eigene Rechnung über die Berliner (Landkarten-)Buchhandlung Simon Schropp zu verkaufen.
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König Friedrich Wilhelm III. von Preußen (1770-1840, reg. 1797-1840), um 1800


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Gebhard Leberecht von Blücher (1742-1819) als Generalleutnant der Demarkationstruppen, um 1804


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Perspectivischer Grund und Standris von Hameln, 1741
 
 

1.4 Kartografie -
Vermessung und Produktion

 
 
 
Als Abbildungsmeridian diente der Turm des Oldenburger Schlosses, zu dem die Perpendikel gelegt wurden. Bei der Kartenerstellung ließ Le Coq ein eigenes Dreiecksnetz über die Region legen, das einerseits an das Dreiecksnetz der Frankreichkarte von Jean Dominique de Cassini (1748-1845) angeschlossen werden sollte, die als "Carte Géométrique de la France" (Maßstab 1 : 86 400) in 184 Blättern zwischen 1750 und 1793 erschienen war und von ihm durchweg als vorbildhaftes Werk wahrgenommen wurde, und andererseits an die dänische Dreiecksmessung - insgesamt ein freilich nur unvollkommen gelungenes Vorhaben. Von Cassini stammte nicht nur die transversale Zylinderprojektion sondern auch der - gewollte - ungewöhnliche Maßstab von 1 : 86 000 (entsprechend 1 geografische Meile = 1971 3/4 Rheinländische Ruten, 1 Meile = 8,6 cm).

Le Coq bestimmte innerhalb seines Vermessungsraums rund 1.000 trigonometrische Punkte (TP), die nach eigenen Angaben eine Lagegenauigkeit von etwa 100 Meter in jede Richtung aufwiesen sowie die Entfernungen zum Oldenburger Perpendikel. Le Coq selbst veröffentlichte einige diese Punkte in der  "Monatlichen Correspondenz" von 1803. Punkte konnten beispielsweise Kirchen oder eigens aufgestellt Stangen bzw. Bäume sein, die mit Stroh oder "Busch" behängt waren und unter den besonderen Schutz des Landesherrn gestellt werden mussten. Alle vorhandenen "Alt"-Karten wurden mit den dabei in Rechnung zu stellenden Problemen in sein Kartenwerk eingepasst. Darüber hinaus korrespondierte Le Coq mit dem Astronom Franz Xaver von Zach (1754-1832) in Gotha und dem Mathematiker Carl Friedrich Gauß (1777-1855) in Braunschweig, um sich in theoretischen Fragen seiner Vermessungsarbeit Rat zu holen. Bei der Arbeit experimentierte Le Coq auch mit dem Spiegel-Sextanten und unternahm Versuche einer Breiten- und Längen-Bestimmung, wobei er allenfalls bei der Breitenmessung einen gewissen Erfolg verzeichnen konnte.

Die Reliefdarstellung weist ungestufte Bergschraffen auf, die Dünen sind in Maulwurfshügelmanier dargestellt (hier v. a. nach H. Kleinn [1965], S. 45). Die Darstellung des Le Coqschen-Gewässernetzes wurde in Flüsse und Bäche unterschieden, wobei die Flüsse durch verschiedene Breiten weiter ausdifferenziert wurden. Zwar sind die Siedlungen lagegetreu angegeben, jedoch sind die Grundrisse allenfalls schematisch, was die Brauchbarkeit einschränkt. Um die Größen der Siedlungen unterscheiden zu können, verwendete Le Coq Siedlungsnamen in sechs abgestuften Schriftklassen; Flurnamen finden sich jedoch nur selten. Das Wegenetz unterscheidet drei Klassen, wobei die Dammwege besonders gekennzeichnet sind. Ackerflächen werden in weiß dargestellt, in besonderen Fällen als punktierte Beetsignatur (keine Parzellenformen). Wiesen, nasse Wiesen, Marsch, Moor, Heide und Wald (Holz) erhielten jeweils eigene Signaturen oder Symbole.

An politischen bzw. administrativen Grenzen unterschied Le Coq die Landes-, Provinz- und Amtsgrenzen. Für die Landesgrenzen war, wie die im unteren Kartenbereich vorhandenen Legendeneinsparungen ausweisen, eine Kolorierung vorgesehen, die indes nur selten ausgeführt worden ist. Ohnehin ist hier der Herausgeber von den raschen politischen Veränderungen der Napoleonischen Zeit mehrfach überholt worden. Hinweise hinter den Legendeneinsparungen auf die weitere territoriale Zugehörigkeit der Gebiete, die nach Abschluss der Bearbeitung 1805, für den Druck von 1805 bis 1810 eingefügt worden sind, zeigen dies deutlich; die spätesten Angaben der Legende - nicht der Karte selbst! - berücksichtigen die territorialen Verschiebungen zugunsten des Königreichs Westphalen (1810) und des Kaiserreichs Frankreich (1810).

Trotz aller Probleme, der große Vorzug des Kartenwerks besteht v. a. darin, dass es die "vormoderne Welt" Nord- und Nordwestdeutschlands - das Gesamtgebiet oder Teile der heutigen Bundesländer Bremen, Niedersachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen - vor den großen politischen, räumlichen und industriellen Veränderungen des 19. Jahrhunderts im Kartenbild konserviert. Es ist zugleich die älteste kartografische Zusammenfassung eines großen Teils dieses Raums, und dies macht den zusätzlichen besonderen Reiz der Le Coqschen Karten auch über die kartografischen Neuaufnahmen seit den 1830er Jahren hinaus aus.
Cassini digital: "Des villages de Cassini aux commune d’aujourd’hui. Territoires et Population, deux siècles d’évolution."


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Schloss Oldenburg mit Schlosstürmen, 2005, genutzt als Abbildungsmeridian für die Le Coqsche Karte von 1805


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Höhenmarke der "Königl. Preuss. Landes-Aufnahme" an der westlichen Außenmauer der St. Aegidius-Kirche in Rheda-Wiedenbrück


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"Höhenmarke" aus der NS-Zeit an der Außenmauer der katholischen Pfarrkirche St. Laurentius in Erwitte...


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und an der Stadtpfarrkirche St. Petri in Geseke mit getilgtem Hakenkreuz
 
 
 

2. Das Kartenwerk -
formaler Aufbau und Beteiligte

 
 
 
Das Le Coqsche Kartenwerk besteht aus einem Titelblatt, einer Übersicht über die einzelnen Kartenblätter ("Tableau") und 20 Kartenblättern (Sectionen I-XX). Die Aussparungen auf dem Tableau im Nordosten lassen vermuten, dass offenbar ursprünglich 22 Kartenblätter geplant waren. 1815 erschien bei Simon Schropp und Co. zu Berlin das im Maßstab von 1 : 560 000 gehaltene Übersichtsblatt "Das nordwestliche Deutschland, oder Generalblatt zu der vom G. M. von Le Coq in 22 Bl. Herausgegebenen gr. Karte von Westphalen" in der Bearbeitung von C[arl] F[riedrich] Klöden (das Blatt ist nicht Bestandteil des Digitalisierungsprojekts).

Das Kartenwerk trägt zwar eine einheitliche Jahresangabe - 1805 -, diese ist jedoch nicht als Ausgabedatum, sondern als Datum des Abschlusses der Vermessungsarbeiten (Kartenstand) zu sehen. Das Jahr der Vermessung und der Anfertigung der Druckplatten ist nicht durchgehend vermerkt, in den letzten Sectionen fehlt auch die Angabe des Zeichners. Soweit Datierungen vorliegen, wurden die Druckplatten zwischen 1804 und 1812 angefertigt, wobei die früheren angesichts der territorialen Verschiebungen im Bereich der Kartenlegende später überarbeitet worden sind. 1806 marschierten französische Truppen in Berlin ein. Der Kupferstecher Karl Heinrich Brose, der im Le Coqschen Büro in Potsdam für das Kartenwerk tätig war, und der Kartograf Reymann (Raymann) konnten die Platten zwar vor dem Abtransport nach Paris retten, während der Besatzungszeit und der Reorganisation im Anschluss geriet die Anfertigung ins Stocken, der Mitarbeiterstab löste sich auf. Erst im Herbst 1811 nahm Brose die Arbeiten an den Karten wieder auf.
 
 
 
Laut Kartenwerk beteiligte Personen
(in Klammern die Blätter, an denen die Person mitgearbeitet hat, obere Namensangabe: Kartenwerk, untere Angabe: Rekonstruktion, wenn "?" vorangestellt: fragliche Zuschreibung; bei Archivalienangabe: Person für ein bestimmtes Gebiet belegt):

Herausgeber
Generalmajor von Le Coq,
[Le Coq oder Le Coq, Karl Ludwig Edler (Eilenburg/Sa.? 1753 - Berlin 14.02.1829)]

Vermessung, u. a.
Bach, Kriegsrat (Sect. XI)

von Bornstädt, Lieutenant (Sect. V, VIII, XV, XVI, XVIII)

W. Camp, Hauptmann (Sect. I, II, III, IV)

von Engelbrecht, Hauptmann, Major, [Ingenieur-]Capitän (Sect. IX, XIII, XV)
VestR, Statth 122 und 125: Vest Recklinghausen (1800)

Eversmann, Wasserbau-Direktor (Sect. XVI)
 Friedrich August Alexander Eversmann (Brachwitz bei Halle/S. 08.10.1759 - Berlin 27.10.1837), preußischer Beamter, zuständig u. a. für die Wirtschaftsförderung in der Grafschaft Mark

von Gagern
1800 preußischer Offizier
VestR, Statth 122: Vest Recklinghausen (1800)

von Haacke (auch Haack, Hake, Haake), Lieutenant (Sect. V, VI, VIII, XII, XV, XVI, XVIII, XIX)
1801 preußischer Offizier im Regiment von Schladen
FMs, KabReg 2335: Hochstift Münster, Grafschaft Bentheim (1799)

Haßebrock
1799 kurhannoverscher Offizier
FPb, GR 458: Fürstbistum Paderborn (1799)

von Herwarth, Lieutenant (Sect. XIII, XV, XVI, XIX)
1801 Preußischer Offizier im Regiment von Braunschweig
VestR, Statth 123 und 125: Vest Recklinghausen (1801/1802)

von Kellner, Lieutenant (Sect. II, XII, XV, XVI)
1801 preußischer Offizier im Füsilier-Bataillon Graf Wedek;

von Luck, Lieutenant (Sect. XIII, XV, XVI)
? Hans Philipp August von Luck (1775-1859)

von Müffling, Lieutenant, Capitän (Sect. IX, XII, XIII)
 Karl von Müffling gt. Weiß (Halle/Saale 12.06.1775 - Erfurt 16.01.1851), Sohn eines Infanteriehauptmanns in Halle/Saale, 1795-1807 Tätigkeit bei der trigonometrischen Vermessung Westfalens für die Le Coqsche Karte.

von Preuss, Lieutenant (Sect. XII, XIII, XVII)
1799/1801 kurhannoverscher Ingenieur-Lieutenant
FMs, KabReg 2335: Fürstbistum Münster (November 1799)

von Rappard
1800 preußischer Offizier
VestR, Statth 122: Vest Recklinghausen (1800)

von Reiche, Lieutenant (Sect. XI, XII, XV)
Ludwig von Reiche (Hannover 17.05.1774 - Weimar 25.02.1840), preußischer Major und Führer eines nach ihm benannten Freikorps, Gründer einer lithografischen Anstalt in Berlin; 1801 Offizier im Regiment v. Besser
FMs, KabReg 2335: Fürstbistum Münster (1799)

Richard, A. H., Kurhannoverscher Ingenieur-Lieutenant
FPb, GR 458: Fürstbistum Paderborn (1799)

von Schubert (auch Schubbert), [Ingenieur-]Lieutenant (Sect. VIII, IX, XIII)
FMs, KabReg 2335: Hochstift Münster, Grafschaft Tecklenburg, Grafschaft Lingen (1799)

von Steinmetz, Lieutenant (Sect. VIII, XII, XIII, XVI, XVII, XIX, XX)
Karl Friedrich Franciscus von Steinmetz (26.10.1768 - Potsdam 11.03.1837), 1796-1805 bei der Vermessung Westfalens beschäftigt (Grafschaft Rietberg, Grafschaft Steinfurt, Fürstbistum/Erbfürstentum Paderborn, Fürstentum Waldeck); 1801 Offizier im Füsilier-Bataillon Graf Wedek; preußischer Generallieutenant
VestR, Statth 123 und 125: Vest Recklinghausen (1801/1802)
FPb, GR 458: Fürstbistum Paderborn (1802)

von Tippelskirch, Lieutenant (Sect. VIII)
? Ernst Ludwig von Tippelskirch (Gut Görken/Kreis Königsberg 26.07.1774 - Berlin 23.01.1840)

Vollimhaus (auch Vollimhauss), Lieutenant (Sect. XIII, XIV)

von Voss, Lieutenant (Sect. XV, XVI, XIX)
1801 Preußischer Offizier im Regiment von Braunschweig
VestR, Statth 123 und 125: Vest Recklinghausen (1801/1802)

von Zielinski / Zielinsky, Lieutenant, Capitän (Sect. IX, XIII)
? Karl von Zielinsky (1773 - Berlin 07.03.1817), preußischer Generalmajor
1801 bezeichnet als Zychlinski, preußischer Offizier im Regiment von Schladen

von Witzleben, Lieutenant
1801 preußischer Offizier im Füsilier-Bataillon v. Byla

Zeichnung, u. a.
Bunnik, Lieutenant (Sect. I, III)

Dietrich, Lieutenant (Sect. IV)

C. Dohme (Sect. II, VI, VII, IX, X, XI, XIII, XIX)

C. Lw. Grossmann (Sect. VI, VII, VIII, IX, XVII)

P. J. Holzwarth (Sect. IX)

Scheuer, Lieutenant (Sect. XII, XIII)

Steinert, Kgl. Feldjäger (Sect. V, X)


Stich, u. a.
Heinrich Brose, Potsdam (Sect. XII, [XIII], XVI, XVIII, XX)
Brose, Karl Heinrich (Berlin 16.07.1783 - Berlin 18.10.1861), Schüler seines Onkels, des geografischen Kupferstechers Karl Jäck in Potsdam; Kupferstecher im Le Coqschen "topographischem Bureau" in Potsdam; Ausführung des Probe- und Musterblatts (Stadt und Umgebung von Osnabrück) für die anderen Kupferstecher

Franz (Sect. V)

Carl Jättning (auch Jätting, auch d. Ä.), Berlin (Tableau, Sect. II, VII, XI, XV)

C. W. Kolbe (Sect. VIII)
? identisch mit K. Kolbe, s. u.

K. Kolbe, Potsdam (Sect. VII, IX, X, XVI, XVII?, XIX)
Karl Kolbe, Kupferstecher im Le Coqschen "topographischem Bureau" in Potsdam

Ludewig Schmidt, Berlin (Sect. VI)

Paulus Schmidt, Berlin (Sect. I, III, IV, X, XVII)

Carl Stein, Potsdam (Sect. XIV)
Stein, Karl, Schüler des geografischen Kupferstechers Karl Jäck in Potsdam; Kupferstecher im Le Coqschen "topographischem Bureau" in Potsdam


Benutzte Fremdkarten, u. a.
Oldenburg, Braunschweig, Hessen, Minden, Ravensberg, Paderborn, Corvey, Grafschaft Pyrmont, Hannover, Lippe (Müller), Bückeburg (Müller), Schaumburg (Müller, Regierung)
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Friedrich Karl Ferdinand von Müffling (1775-1851), beteiligter Vermesser, späterer Kommandierender General des VII. Armeekorps in Münster



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Bildnis eines Kartografen mit seiner Frau, 1824
 
 
 

3. Blattübersicht

 
 
 
Um die einzelnen Kartenblätter aufzurufen, klicken Sie bitte auf dem "Tableau" in das gewünschte Feld, das links oben eine rote Sektionsnummer trägt.

Die hochauflösende Karte erhalten Sie nach Aufruf des Kartendatensatzes unter "Information > Zoombare Detailansichten...".

Sie können die Einzelblätter sowie das Titelblatt und Blatt-Übersicht (Tableau) auch über die Kartenübersicht (s. u.) aufrufen.
 
 



Le Coq: Übersichtskarte - Tableau zur Zusammensetzung der Topographischen Karte von Westphalen, herausgegeben von General Major von Le Coq




 
 

4. Literatur und Quellen

 
 
 

4.1 Quellen

 
 
 
LAV NRW Abteilung Westfalen:
Fürstbistum Münster, Kabinettsregistratur (FMs, KabReg): 2335;
Fürstbistum Paderborn, Geheimer Rat (FPb, GR): 458;
Vest Recklinghausen, Statthalter (VestR, Statth): 122, 123, 125
 
 
 

4.2 Allgemeine Literatur (in Auswahl)

 
 
 
Bailleu, Paul (Hg.)
1795-1800. Preußen und Frankreich von 1795 bis 1807, Teil 1. Diplomatische Correspondenzen. Publicationen aus den K. Preußischen Staatsarchiven, Bd. 8. Leipzig 1881

Clark, Christopher
Preußen. Aufstieg und Niedergang. 1600-1947. 4. Aufl. München 2007

Dwyer, Philip G.
The Politics of Prussian Neutrality 1795-1805. In: German History 12, 1994, p. 351-373

Hartlieb von Wallthor, Alfred
Die Eingliederung Westfalens in den preußischen Staat. In: Peter Baumgart (Hg.), Expansion und Integration. Zur Eingliederung neugewonnener Gebiete in den preußischen Staat, Köln 1984, S. 227-254

Reininghaus, Wilfried
Der Reichsdeputationshauptschluß von 1803. Voraussetzungen und Folgen für das Land zwischen Rhein und Weser. In: Klostersturm und Fürstenrevolution. Staat und Kirchen zwischen Rhein und Weser 1794/1803, [Dortmund] 2003, S. 114-129

Scharfe, Wolfgang
Abriss der Kartographie Brandenburgs. 1771-1821. (=Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin, Bd. 35), Berlin 1972.

Steffens, Wilhelm
Rheingrenze und territoriale Entschädigungsfrage der preußischen Politik der Jahre 1795-1798. Zugleich ein Beitrag zur Stein-Forschung. In: Westfälische Forschungen 6, 1943/1952, S. 149-181

Stern, Selma
Karl Wilhelm Ferdinand Herzog zu Braunschweig und Lüneburg. Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hannover, Oldenburg, Braunschweig, Schaumburg-Lippe und Bremen, [Bd. 4]. Hildesheim [u. a.] 1921
 
 
 

4.3 Das Kartenwerk

 
 
 
Anon.
 Topographische Charte in 22 Blättern [Rezension]
In: Allgemeine Geographische Ephemeriden 45, 1814, S. 108-111

Degener, [Hermann]
Carl Ludwig von Le Coq und die Aufnahme Westfalens. In: Mitteilungen des Reichsamts für Landesaufnahme 1931/1932, S. 25-38

Gerardy, Theo
Der Briefwechsel zwischen Carl Friedrich Gauß und Carl Ludwig von Le Coq. In: Nachrichten der Akademie der Wissenschaften in Göttingen aus dem Jahre 1959, Mathematisch-Physikalische Klasse, Göttingen 1959, S. 37-63

Grossmann, W.
Niedersächsische Vermessungsgeschichte im 18. und 19. Jahrhundert. In: C. F. Gauß und die Landesvermessung in Niedersachsen, Hannover 1955, S. 27f.

Haltern auf alten Landkarten. Ausstellung vom 18. November bis 15. Dezember 1985, Stadtbücherei Haltern. Hg. von Stadt Haltern. 3., unveränd. Aufl. Haltern 1988, S. 48-51, 86

Junk, Heinz-K. / Wenger, Norbert
Ältere kartographische Unterlagen. In: Wilfried Ehbrecht (Hg.), Lippstadt - Beiträge zur Stadtgeschichte, Lippstadt 1985, S. 1027-1038

Junk, Heinz-K.
Entwicklung der Kartographie in Westfalen. In: Archivpflege in Westfalen 27, Dezember 1987, S. 31f.

Junk, Heinz-K. / Kessemeier, Siegfried.
Westfalen in Landkarten. Druckkartographie 1780-1860. Bildhefte des Westfälischen Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte, Heft 23. Münster 1986, S. 10, 19, 54f.

Kleinn, Hans
Nordwestdeutschland in der exakten Kartographie der letzten 250 Jahre. Ein Beitrag zur Landeskunde, 2. Teil. In: Westfälische Forschungen 18, 1965, S. 45f.

Lecoq, [Carl Ludwig] von
 Über die trigonometrische Aufnahme in Westphalen. In: Monatliche Correspondenz zur Beförderung der Erd- und Himmels-Kunde, Juli 1803, S. 68-81; August 1803, S. 136-158; September 1803, S. 197-207
 
 
 

4.4 Die Beteiligten

 
 
 
Brose
Löwenberg. Karl Heinrich Brose. In: ADB 3, 1876, S. 364f.

Eversmann
Karmarsch. Eversmann, August Friedrich Alexander von E. In: ADB 6, 1877, S., 437f.; Perlick, Alfons. Eversmann, August Friedrich Alexander. In: NDB 4, 1959, S. 692f.

von Le Coq
Poten, [Bernhard von]. Karl Ludwig Edler von L. In: ADB, Bd. 18, 1883, S. 108f.

von Luck
Troschke, von. Aus dem Leben des Generals von Luck. In: Preußisches Jahrbuch 3, 1863, S. 1-82

von Müffling
Poten, [Bernhard von]. Müffling, Friedrich Karl Ferdinand Freiherr von, genannt Weiß. In: ADB 22, 1885, S. 451-454; Niemeyer, Joachim. von Müffling, Karl. In: NDB 18, 1997, S. 266f.

von Reiche
Poten, B[ernhard von]. Reiche, Ludwig von R. In: ADB 27, 1888, S. 654f.

von Steinmetz
Poten, B[ernhard von]. Steinmetz, Karl Friedrich Francisus von St. In: ADB 36, 1893, S. 6-1

von Zielinsky
Poten, B[ernhard] v[on]. Zielinsky, Karl von Z. In: ADB 45, 1900, S. 192f.