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(75 KB)   Hedwig Dransfeld (1871-1925) / Köln, Archiv des Katholischen Deutschen Frauenbundes/A. Elsäßer   Informationen zur Abbildung

Hedwig Dransfeld (1871-1925) / Köln, Archiv des Katholischen Deutschen Frauenbundes/A. Elsäßer
FAMILIEDransfeld
VORNAMEHedwig
BERUF / FUNKTIONLehrerin, Redakteurin, Politikerin, Mitglied des Reichstags


GESCHLECHTweiblich
GEBURT DATUM1871-02-24   Suche
GEBURT ORTHacheney bei Dortmund
KONFESSIONkatholisch
TOD DATUM1925-03-31   Suche
TOD ORTWerl


VATERDransfeld, Clemens
MUTTERFleischhauer, Elise


BIOGRAFIEDie Szene erregte ungeheures Aufsehen. Frauen aus ganz Deutschland versammelten sich im Januar 1916 im Plenarsaal des Berliner Reichstags. Höhe und höchste Vertreter des kaiserlichen Deutschland drängelten sich auf der Bundesratstribüne. Selbst der Reichstagspräsident hatte für diesen einen Tag seinen Platz räumen müssen für eine Frau: für Hedwig Dransfeld, die aus Westfalen stammende Vorsitzende des Deutschen Katholischen Frauenbundes.

Zum ersten und einzigen Mal hielt der Frauenbund seine Generalversammlung im Berliner Reichstag ab - dort, wo gewöhnlich nur Männer ihre politischen Geschäfte betrieben, denn Frauen durften im kaiserlichen Deutschland weder wählen noch als Abgeordnete gewählt werden. Ein Redakteur des sozialdemokratischen "Vorwärts" berichtete: "Der Präsident des Reichstags mag sonderbare Gefühle gehabt haben, daß eine Frau - man denke: eine Frau! - von seinem Platze mit soviel Schwung und Begeisterung die Versammelten anredete."

Hedwig Dransfeld visierte in ihrer Rede bereits das Ende des Weltkrieges an. Sie forderte die "Mitarbeit der Frau am kulturellen Aufbau Deutschlands nach dem Kriege" - und zwar nicht als Handlangerin, wie sie sich ausdrückte, sondern als "Mitgestalterin". Einmal mehr bestätigte Hedwig Dransfeld ihren Ruf, eine der größten Rednerinnen ihrer Zeit zu sein. Heute indes ist ihr Name fast vergessen. Immerhin erinnert die Deutsche Bundespost in der seit 1982 erscheinenden Briefmarkenserie "Bedeutende Frauen der deutschen Geschichte" auch an Hedwig Dransfeld. Dennoch ist ihr Leben und Wirken nahezu unbekannt.

Hedwig Dransfeld wurde am 24.02.1871 in einem abgelegenen Forsthaus nahe der Ortschaft Hacheney südlich von Dortmund geboren. Ihre Mutter Elise Dransfeld, geborene Fleischhauer, stammte aus einer rheinischen Arztfamilie, ihr Vater Clemens Dransfeld betreute als preußischer Oberförster die von Romberg'schen Waldungen südlich von Dortmund.

Kindheit und Jugend der Hedwig Dransfeld waren alles andere als glücklich. Drei Jahre war sie alt, als ihr Vater starb, fünf Jahre später starb auch ihre Mutter. Die achtjährige Vollwaise wurde zunächst von der Großmutter aufgenommen und erzogen; nach deren Tod wuchs Hedwig Dransfeld in einem Waisenhaus auf.

Sie muß schon früh außerordentliche Begabungen an den Tag gelegt haben, die in dem Waisenhaus entdeckt und gefördert wurden. Gerade 16 Jahre war sie alt, als sie nach Paderborn ins Königliche Lehrerinnen-Seminar geschickt wurde. Die Ausbildung absolvierte sie anfangs mit Bravour, bevor sie von einem weiteren Schlag getroffen wurde: Hedwig Dransfeld erkrankte an Knochentuberkulose. Später mußte ihr sogar der linke Arm amputiert werden. Nur mit eisernem Willen gelang es ihr, auf dem Krankenbett das Abschlußexamen abzulegen, das sie sogar "mit Auszeichnung" bestand.

An der Mädchenschule des Ursulinenklosters in Werl trat sie ihre erste Stellung als Hilfslehrerin an. Sie stieg zur Lehrerin auf und erwarb 1897 sogar das Diplom für Schulvorsteherinnen. Aufgrund dieses Diploms erhielten die Ursulinen die Erlaubnis, ihre Schule in ein Mädchenlyzeum mit höheren Fortbildungsklassen auszubauen.

Zeit ihres Lebens pflegte Hedwig Dransfeld einen regen Gedankenaustausch mit den Werler Ursulinen, denen sie sich besonders verbunden fühlte. An der Schule in Werl galt sie als tüchtig und zuverlässig. Und dennoch fühlte sich Hedwig Dransfeld nicht am rechten Ort, fühlte, wie sie selbst bekannte, nie Begeisterung für den Lehrberuf.

Sie war schriftstellerisch tätig, und dies empfand sie zeitweise als ihre eigentliche Berufung. Bereits mit 22 Jahren veröffentlichte sie einen ersten Gedichtband, "Buch der Wünsche" und "Erwachen" hießen die Titel weiterer Gedichtbände, die 1898 und 1903 erschienen. In ihren Gedichten klang bereits auch das wachsende soziale Engagement Hedwig Dransfelds an. Früh schon soll sie einer Werler Ordensfrau den Wunsch anvertraut haben: "Wenn man doch Pädagogik ins Große, ins Soziale geben könnte...".

Im Jahr 1905 übernahm sie eine Aufgabe, die ihr zur Lebensaufgabe werden sollte: Hedwig Dransfeld wurde leitende Redakteurin der Zeitschrift "Die Christliche Frau". Ursprünglich war das Blatt als Begleitorgan des 1897 gegründeten katholischen Caritas-Verbandes gedacht. Hedwig Dransfeld faßte eine neue Leserschaft ins Auge: die Frauen des "Katholischen Deutschen Frauenbundes", der 1903 von Frauen aus dem gehobenen Bürgertum gegründet worden war.

In einem der ersten Jahrgänge notierte Hedwig Dransfeld: "Es ist an der Zeit, mit der uns vorgeworfenen Rückständigkeit zu brechen und die Stelle in der großen Frauenbewegung einzunehmen, welche der katholischen Frau zukommt. Dazu braucht sie Wissen für Stellungnahmen und Vorschläge." In vielbeachteten und vielgelesenen Beiträgen widmete sich Hedwig Dransfeld in dem Blatt vornehmlich den Fragen der Sozialpolitik und der geistigen und sozialen Förderung der Frauen.

Eine ihrer Hauptforderungen war "die staatsbürgerliche und sozialpolitische Schulung der Frauen" - eine Forderung, die sie selbst einlöste, auch wenn es an die Grenzen ihrer Belastbarkeit stieß. Als der preußische Kultusminister 1908 erstmals Frauen zum Universitätsstudium zuließ, zögerte Hedwig Dransfeld nicht, sich an der Universität zu Münster für "Kulturwissenschaften" einzuschreiben; dafür, so meinte sie, besäßen Frauen "eine ganz spezielle Begabung".

Durch Vortragsreisen und Reden, etwa auf dem Deutschen Frauenkongreß im Februar 1912 in Berlin, wurde Hedwig Dransfeld einem breiten Kreis bekannt. Der sozialdemokratische "Vorwärts" bezeichnete sie gar als die "bedeutendste Frau der Gegenwart". Im Oktober 1912 schließlich wurde sie zur Vorsitzenden des "Katholischen Deutschen Frauenbundes" gewählt.

In der Folgezeit gestaltete sie den Bund zu einer umfassenden Organisation der katholischen Frauenbewegung aus. Sie straffte die Verwaltung des Bundes, regelte die Finanzen und gründete, unermüdlich durch Deutschland reisend, zahlreiche Zweigvereine und Regionalsekretariate.

Eines der zahlreichen Themen, das in der Frauenbewegung besonders stark diskutiert wurde, war die Frage des aktiven und passiven Wahlrechts, das den Frauen im Kaiserreich vorenthalten war. Im Februar 1918 erklärte Hedwig Dransfeld, daß der Katholische Frauenbund "gegenüber dieser Frage zur Zeit unbedingt Neutralität zu wahren gedenkt, da er die gesamte Frage noch nicht für genügend reif erachtet, um in seinen Kreisen behandelt zu werden."

Wenige Monate später, im November 1918, verkündete der Rat der Volksbeauftragten das allgemeine Frauenwahlrecht. Die katholische Deutsche Zentrumspartei stellte Hedwig Dransfeld als Kandidatin für die Deutsche Nationalversammlung in Weimar auf. Über den Wahlkreis Düsseldorf wurde sie als eine von insgesamt 41 Frauen in die verfassunggebende Versammlung gewählt.

1920 schließlich wurde Hedwig Dransfeld in den Deutschen Reichstag gewählt, dem sie bis zu ihrem Tod im März 1925 angehörte. Innerhalb der Zentrumsfraktion prägte sie maßgeblich Entscheidungen zur Kultur-, Sozial- und Bildungspolitik.

Als Hedwig Dransfeld im Alter von 54 Jahren am 31.03.1925 in Werl starb, hieß es in einem Nachruf des Frauenbunds: "Sie war der Schwung unserer Gemeinschaft, sie das Geheimnis, das die Jugend anzog. Sie hat den Bund übernommen mit 72 Zweigvereinen und 36 000 Mitgliedern, heute zählt er 240 000 Bundesschwestern in 950 Zweigvereinen."

QUELLE  Strotdrees, Gisbert | Es gab nicht nur die Droste | S. 112f.
PROJEKT  Lebensbilder westfälischer Frauen
AUFNAHMEDATUM2004-05-24


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QUELLE    Strotdrees, Gisbert | Es gab nicht nur die Droste | S. 112f.
  Schulte, Wilhelm | Westfälische Köpfe | S. 060f.
  Pünder, Marianne | Hedwig Dransfeld (1871-1925) |
   | Biographien bedeutender Dortmunder | Bd. 1, S. 24-26

SYSTEMATIK  
Typ40   Biografie (Einzelperson/Familie)
Zeit3.8   1850-1899
3.9   1900-1949
Ort1.2   Dortmund, Stadt <Kreisfr. Stadt>
Sachgebiet3.16   Parlamente
3.19   Politikerin/Politiker, Abgeordnete/Abgeordneter
3.20   Politische und soziale Bewegungen
6.6   Geschlechterverhältnis
6.8.8   Frauen
12.6   Lehrerin/Lehrer, Erzieherin/Erzieher
14.5   Journalismus, Publizistik
15.7   Literatur, Schriftstellerin/Schriftsteller
AUFNAHMEDATUM2003-10-10
AUFRUFE GESAMT7449
AUFRUFE IM MONAT27