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AMT / FUNKTION

GEBIETWestphalen, KgR. <1807-1813>
AMT / FUNKTIONLandesherr


REIHENFOLGE1
ANTRITT1807-11-15
ENDE1813-10-01
NAME  Bonaparte | Jérôme I.


GEBURT DATUM1784-11-15
GEBURT ORTAjaccio/Korsika
TOD DATUM1860-06-24
TOD ORTSchloss Villegenis bei Massy


BIOGRAFIEJüngster Bruder des Napoléon Bonaparte. Nach Offiziersausbildung Marineoffizier, 1803 in den USA, wo er die Kaufmannstochter E. Patterson heiratete, von der er sich auf Befehl des Bruders wieder scheiden ließ, als er 1805 von seinem Bruder zurückberufen und zum Konteradmiral ernannt wurde. 1806 Kommandeur eines Armeekorps im Krieg gegen Preußen. 1807 Heirat mit Katharina, Tochter des Königs Friedrich I. von Württemberg. Am 01.10.1807 von seinem Bruder zum König von Westphalen proklamiert und an die Spitze eines Staates gestellt, den Napoléon aus den von Preußen im  Friedensvertrag von Tilsit (09.07.1807) abgetretenen Gebieten links der Elbe, aus dem Kurfürstentum Hessen(-Kassel), dem Herzogtum Braunschweig sowie aus Teilen des Kurfürstentums Hannover bildete ( Kaiserliches Dekret vom 07.12.1807).

Als König "Hieronymus Napoléon“ den kaiserlichen Familienstatuten unterworfen, war sein politischer Gestaltungsspielraum gering. Die von Napoleon vorgeschriebene Verfassung und die Einführung französischen Rechtes entsprangen dem von Napoleon vorgegebenen Modellcharakter seines Staates; jedoch die Verpflichtung, große Teile der Staatseinnahmen an Frankreich zu zahlen und die aufgrund der Wehrpflicht (Konskription) aufgestellte Armee für die Kriege des Bruders in Spanien und Russland bereitzustellen, raubte in den Augen der Zeitgenossen diesem Modernisierungsversuch die Glaubwürdigkeit. Wegen seines Versagens als Truppenführer im Krieg gegen Österreich 1809 und im Russlandfeldzug 1812 wurde er faktisch auf seine repräsentativen Funktionen als König beschränkt, sein aufwendiger Lebensstil in Kassel trug ihm den Beinamen "König Lustik“ ein.

Im Herbst 1813 Flucht in die Schweiz, trat er im Frühjahr 1815 an die Seite seines Bruders und bewährte sich als Truppenführer. Durch den Wiener Kongress dem Königreich Württemberg zur Versorgung zugewiesen, erhielt er den Titel eines Grafen von Montfort, lebte er dort, in Österreich und im Kirchenstaat, ab 1831 in Florenz seinen musischen Neigungen. Ab 1840 in Belgien, kehrte er 1847 nach Frankreich zurück, wurde unter seinem Neffen Napoleon III. 1850 Marschall, 1852 Vorsitzender des Staatsrates und wirkte dort mäßigend auf die Politik des zweiten Kaiserreiches.


Literatur

Hanns Hubert Hofmann in: Bosl / Franz / Hofmann, Biographisches Wörterbuch zur deutschen Geschichte, Bd. 1 (1973), Neuaufl. Augsburg 1995, Sp. 1155-1156.

Gerd Dethlefs
 

QUELLEBiografie | 1 |
AUFNAHMEDATUM2004-04-29
 
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