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(100 KB)   Sächsisches Fürstengrab bei Beckum / Münster, Westfälisches Museum für Archäologie - Amt für Bodendenkmalpflege/W. Winkelmann   Sächsisches Fürstengrab bei Beckum / Münster, Westfälisches Museum für Archäologie - Amt für Bodendenkmalpflege/W. Winkelmann
TITELSächsisches Fürstengrab bei Beckum


INFORMATIONIn den Jahren 1959 bis 1967 wurde in der Nähe der Werse, 1 km westlich der heutigen Stadt Beckum, bei Ausgrabungen eines frühmittelalterlichen Gräberfeldes des 7./ 8. Jahrhunderts n.Chr. ein Körpergrab besonderer Art freigelegt, das sich nach der Quantität und Qualität der Grabbeigaben von anderen Körpergräbern unterscheidet und als Grab eines Adligen, der zur sächsischen Führungsschicht gehörte, angesehen wird. Das Grab war in Süd-Nordrichtung angelegt worden, mit Blickrichtung des Toten nach Norden. Diese Ausrichtung ist typisch für die vorchristlichen Körpergräber der germanischen Stämme und hängt mit dem heidnischen Glauben zusammen, der ein Leben nach dem Tode kennt, das man sich im Norden dachte. Mit der Einführung des Christentums werden die neuen Gräber in Ost-Westrichtung angelegt, der Tote schaut nach Osten, der Richtung des Sonnenaufganges, des Lichtes.

Das Bild - eine Aufnahme nach der Freilegung des Grabes - zeigt das Skelett eines etwa 50jährigen, ca. 1,90 m großen Mannes. Er wurde in einem hölzernen Sarg in einer ca. 2 x 3 m großen Grabgrube beigesetzt. Der Tote liegt auf dem Rücken, sein linkes Bein ist leicht angewinkelt. Der Mann war auf seinem Schilde begraben worden. Die eisernen Reste des Schildes - der Schildbuckel und die Schildfessel, eine Art Griff an der Innenseite des aus Holz gefertigten Schildes - sind zwischen den Beinen sichtbar und zeichnen sich auf der Aufnahme als rotbraune Fläche ab. Ein kostbares, zweischneidiges Schwert mit einer Länge von 0,95 m hält der Tote im angewinkelten linken Arm. Es handelt sich um eine Spatha mit silbernem, an der Oberfläche vergoldetem Knauf, goldenen Nieten und silberner Griffhülse. Das Schwert steckte in einer gut erhaltenen hölzernen Scheide, die innen mit Fell ausgelegt und außen mit dünnem Birkenbast umwickelt war. Dieses Schwert, dessen besonderes Merkmal ein an der Knaufkrone mit Hilfe eines Silberbügels befestigter silberner, massiver Ring ist, gehört zu der Reihe berühmter 'Ringknaufschwerter', die nur in ganz wenigen Exemplaren bisher bekannt sind. Aus germanischen Heldenliedern ist überliefert, daß diese Schwerter und somit wohl auch ihre Träger ein hohes Ansehen genossen. [1]

Bemerkenswert sind die drei goldenen Beschläge, die an der äußeren Klappe einer kleinen rechteckigen Tasche befestigt waren und hinsichtlich der Qualität der Verzierungen und des Edelmetallwertes besonders wertvoll sind. [2] Im Bild sind diese nebeneinander angeordneten Beschläge im Bereich des rechten Beckens des Toten noch gut sichtbar. Die Tasche wird zu Lebzeiten des Mannes, an einem Gürtel befestigt, an der Hüfte getragen worden sein. Das erhaltene Gürtelteil - eine bronzene Gürtelschnalle - ist im Hüftbereich zu erkennen. Die Tasche enthielt eiserne Messer, eine Pinzette, einen länglichen, an seinem unteren Ende spitz auslaufenden Eisenstab, einen sog. Pfriem und einen Feuerstein. Eine bronzene Schale, in der ein 15 cm langer Kamm lag, vervollständigt die Reihe der Körperpflegegegenstände. Bei der linken Hand in der Nähe des Oberschenkels liegt ein grünes Trinkglas. Außerhalb des Sarges zur Füßen des Toten steht ein mit vier eisernen Ringen umspannter hölzerner Eimer, der auf dem Bild im linken Bereich der Grabungsgrube zu erkennen ist. Eine eiserne Lanze und ein Wurfspeer (Ango) waren dem Toten ursprünglich auf seinen Sarg gelegt worden und erscheinen im Bild am Rande der Grabungsgrube. Neben diesen - auf der Originalaufnahme weitgehend identifizierbaren - Grabbeigaben fanden sich goldene und silberne Beschläge einer hölzernen Schale, weitere Waffen (Breitaxt und Kurzschwert) sowie eine Goldmünze in der rechten Achselhöhle des Toten. [3]

Waffen kennzeichnen den Bestatteten als Krieger. Lanze und Kurzschwert (Sax) gehören zur Standardausrüstung nicht nur der sächsischen Krieger, sondern auch der Angelsachsen, Thüringer, Franken, Bajuwaren, Burgunder und Langobarden. [4] Die Beisetzung des Toten auf seinem Schild legt die Vermutung nahe, daß er im Kampf gefallen ist; vielleicht bei einer kriegerischen Auseinandersetzung sächsischer Verbände mit fränkischen Stämmen. [5]

Der Grabbrauch, den Toten in seiner vollen Tracht zu bestatten und mit einem Teil seiner persönlichen Gegenstände auszurüsten, deutet auf einen Glauben an ein Leben nach dem Tode hin. Die Waffen, die den Krieger zu Lebzeiten auszeichneten, ihm vielleicht Ruhm einbrachten, werden auch im heidnischen Himmel, dem Walhall, "der großen Palasthalle" des Hauptgottes Odin, benötigt. Nach Vorstellung der heidnischen Germanen ist Odin der Gott der Toten, aber auch der Gott des Schlachtfeldes. [6] Im Walhall erwarteten den Krieger neue Kämpfe, aber auch Festgelage. Das Trinkglas, die Schale, der hölzerne Eimer sollten auch im heidnischen Himmel ihre Funktionen erfüllen, wie auch die mitgegebenen Gegenstände zur Körperpflege weiterhin das körperliche Wohlbefinden sichern sollten. Außerdem könnte die Mitgabe des Toilettenbesteckes auf die hohe Wertschätzung, die die Haar- und Bartpflege zu Lebzeiten des Bestatteten hatte, hinweisen.


[1] Vgl. W. Winkelmann. 1984, S. 137.
[2] Vgl. Bild 11  Medien.
[3] Vgl. W. Winkelmann, 1984, S. 136f.
[4] Vgl. W. Hübener, S. 466.
[5] Vgl. W. Winkelmann, 1984, S. 13.
[6] Vgl. J. P. Asmussen, S. 292.


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FOTO-PROVENIENZMünster, Westfälisches Museum für Archäologie - Amt für Bodendenkmalpflege/W. Winkelmann


QUELLE    Frick-Lemmer, Gundi | Alltagsleben der Sachsen | Dia 10, S. 30-32
PROJEKT    Diaserie "Westfalen im Bild" (Schule)

SYSTEMATIK / WEITERE RESSOURCEN  
Typ35   Bildmaterial (Reproduktion, Foto)
Zeit2   Mittelalter
Ort3.8.2   Beckum, Stadt
DATUM AUFNAHME2004-03-01
AUFRUFE GESAMT4848
AUFRUFE IM MONAT20