PERSON

FAMILIEEversmann
VORNAMEFriedrich August Alexander
BERUF / FUNKTIONPreußischer Kriegs- und Domänenrat und Fabrikenkommissar


GESCHLECHTmännlich
GEBURT DATUM1759-10-08   Suche
GEBURT ORTBrachwitz bei Halle/Saale
KONFESSIONev.
TOD DATUM1837-10-29   Suche
TOD ORTBerlin


BIOGRAFIEPreußischer Kriegs- und Domänenrat und Fabrikenkommissar, zuständig für die Wirtschaftsförderung in der preußischen Grafschaft Mark.

Der Sohn eines preußischen Beamten und Domänenpächters besuchte in Halle/Saale die Schule und studierte hier Jura. 1780 trat er in die preußische Bergverwaltung ein und begleitete den Minister Heinitz auf Inspektionsreisen zu Manufakturen, Fabriken und Bergwerken u.a. in Westfalen. Aufgrund seiner Berichte 1781 Bergkommissar, stieg er 1783 zum Fabrikenkommissar in der Grafschaft Mark mit Amtssitz in Hagen auf, zuständig für die Wirtschaftsförderung, insbesondere für metallverarbeitende Betriebe.

1783/1784 unternahm er eine eineinhalbjährige Reise nach Holland und vor allem England, um dortige Fabriken zu besuchen und Produktionsverfahren zu studieren, so daß man dort in Zeitungen vor ihm als "Industriespion“ warnte. In den folgenden Jahren setzte er im Ruhrgebiet viele der gewonnenen Anregungen um, u.a. eine "Kohlenbahn“ auf Eisenschienen als Pilotprojekt bei Hattingen, um Kohlen zur Ruhr zu fahren und auf Schiffen nach Ruhrort zu bringen (1787). 1785 Bergrat am Bergamt in Wetter/Ruhr, wo er erfolgreich mit dem Freiherrn vom Stein zusammenarbeitete.

1786 wirkte er mit bei der Beschaffung einer Dampfmaschine Watt‘scher Bauart aus England für die Kohlenzeche in Tarnowitz / Schlesien, die 1788 zu arbeiten begann. 1791 Kriegs- und Steuerrat an der Kriegs- und Domänenkammer in Hamm. Er war ein Befürworter des Drahtstapels in Altena und der dortigen Nähnadelfabrik, die wegen der Arbeitsmöglichkeiten für Kinder als sozial vorteilhaft galt. Eversmann entwickelte Entschwefelungsverfahren für Steinkohle ("Verkokung“), verbesserte Bleichverfahren für Leinwand sowie Maschinen zum Waschen und Walken der Leinwand. Überregional bekannt machte ihn seine publizistische Tätigkeit zur Verbreitung neuer Technologien, u.a. veröffentlichte er 1804 ein Buch über die "Eisen- und Stahl-Erzeugung auf Wasserwerken in den Ländern zwischen Lahn und Lippe“; 1798-1808 zahlreiche Aufsätze im "Westfälischen Anzeiger“.

Nach dem Abtretung der Westprovinzen durch Preußen (1807) setzte er zwar zunächst seine Tätigkeit fort, wurde aber 1809 als politisch unzuverlässig von den Franzosen entlassen. 1810 wanderte er nach Rußland aus, wo er ab 1812 im Auftrag des russischen Zaren eine Fabrik für Schwerter aufbaut. 1818 pensioniert, 1819 nach Berlin übersiedelt, wurde er aber nicht mehr in der Staatsdienst aufgenommen.


Literatur

Quellen: Autobiographie, hrsg. von Franz Krins, Altena 1966 / 1968 (= Altenaer Beiträge Bd. 2-3).

Hans Breil, F. A. A: Eversmann, in: Rheinisch-westfälische Wirtschaftsbiographien Bd. 10, Münster 1974, S. 25-54 (mit weiterer Literatur); ders., Friedrich August Alexander Eversmann und die industriell-technologische Entwicklung vornehmlich in Preußen von 1780 bis zum Ausgang der napoleonischen Ära, Diss. Hamburg 1977.

Gerd Dethlefs
AUFNAHMEDATUM2004-10-05


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QUELLE     | Rheinisch-Westfälische Wirtschaftsbiographien | Bd. 10, S. 25-54

SYSTEMATIK / WEITERE RESSOURCEN  
Zeit3.6   1750-1799
3.7   1800-1849
Ort2.30   Brandenburg/Preußen, KFtm. / KgR. < - 1918>
Sachgebiet10.6.1   Unternehmen, Unternehmer
DATUM AUFNAHME2004-02-12
DATUM ÄNDERUNG2010-10-11
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