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Heinrich Franz Gaudens von Rustige

Geboren am 11. April 1810 in Werl als Sohn eines Juristen. Besuch des Gymnasiums in Arnsberg. Er sollte das juristische Studium ergreifen, setzte jedoch gegenüber seinen Eltern ein Studium an der Kunstakademie in Düsseldorf durch. Seit 1828 dreijähriges Studium, besonders unter Wilhelm Schadow. Er erwarb sich schon früh einen Ruf als bedeutender Maler. 1833/1834 diente er als Einjährig-Freiwilliger in der Bundesfestung Mainz. Anschließend kehrte er zum Studium nach Düsseldorf zurück, wo er bis 1836 blieb. Mit anderen Malern 1839 Wechsel nach Frankfurt a. M. an das Städelsche Institut, wo er bis 1842 als Hilfslehrer tätig war. Reisen führten ihn nach Wien, Berlin, Brüssel und Paris. Nachdem er sich eine Zeitlang in Westfalen und bei seiner Mutter und seinen Geschwistern in Mainz aufgehalten hatte, folgte er 1845 einem Ruf als Professor an die Kunstakademie Stuttgart, an der er in verschiedenen Bereichen unterrichtete und Verwaltungsaufgaben wahrnahm. Er war u.a. Mitglied der Kommission zur Beratung des Kultusministeriums in Angelegenheiten der bildenden Künste. Seit 1857 Leitung der staatlichen Gemäldegalerie, um die er sich Verdienste erwarb. Hinzu trat die Stelle eines Inspektors der Gemälde in den königlichen Schlössern. 1887 Pensionierung als Professor der Kunstschule. Damals erhielt er den Titel eines Galeriedirektors. Er starb am 15. Januar 1900 in Stuttgart.

Ein halbes Jahrhundert lang spielte er im Stuttgarter Kunstleben eine wichtige Rolle. Er hielt öffentliche Vorträge über kunsthistorische und ästhetische Themata, wirkte für die Hebung des Stuttgarter Kunstvereins, gehörte zu den Begründern und Hauptstützen der einst hoch angesehenen Künstlergesellschaft „Bergwerk“. (Biogr. Jb. und Dt. Nekrolog, Bd. 5, 1903)

Von seinen Stücken wurden einige („Filippo Lippi“, „Attila“, „Konrad Wiederhold“) im Stuttgarter Hoftheater, für das er auch Festspiele zur Mozart- und Weberfeier dichtete, sowie auf andern Bühnen wiederholt dargestellt. „Filippo Lippi“, das Shakespearesche Züge aufweist, ist das beste unter diesen Dramen; später ist er ganz zum Schillerschen Stil übergegangen, dessen Vorbild bis in Einzelheiten nachwirkt. R.s Sprache ist durchweg edel, schön, sogar ausdrucksvoll: aber in der Pracht der Diktion geht die Charakteristik unter; es fehlt nicht an einzelnen kräftigen Wirkungen, wohl aber am festen dramatischen Kern. Seine Schauspiele zeigen eine ähnliche Physiognomie wie seine Gemälde. Seine Lieder sind nicht bedeutend, aber von gewinnender Frische. Sie treffen gut den volksmäßigen Ton, und darum sind mehrere in Musik gesetzt worden. Auch patriotische Klänge hat er vernehmen lassen. – Schließlich ist noch seiner in Stuttgarter Zeitungen sowie in Berliner und Wiener Kunstblättern veröffentlichten Kunstberichte zu gedenken, die stets Beachtung fanden und gerne gelesen wurden. (ebd.)

Selbständige Veröffentlichungen: Gedichte. Frankfurt a. M.: Sauerländer 1845. 200 S. (ULB Düsseldorf) – Filippo Lippi. Drama in 5 Akten. Stuttgart: Köhler 1852. IV, 116 S. – Attila [Drama in 5 Akten]. Stuttgart 1853 – Konrad Wiederhold. Dramatisches Charakterbild in 5 Akten. Stuttgart: Bach 1856. 90 S. – Toast der Stadt Bingen bei Gelegenheit der Künstlerversammlung am 30. September. Bingen: Gunst 1856 (ULB Düsseldorf) – Kaiser Ludwig der Bayer. Historisches Schauspiel in 5 Akten. Stuttgart: Schweizerbarth 1860. 101 S. – Eberhard im Bart. Historisches Schauspiel in 5 Akten. Stuttgart: Schweizerbarth 1863. 87 S. – Reime und Träume im Dunkelarrest [humorist. Ged.]. Stuttgart: Lerg und Müller [1876]. 107 S. (UB Bonn, WLA Hagen) – Das Poetische in der bildenden Kunst. Stuttgart: Langenmüller 1876 (= Neue illustr. Volksbibl. II,1) – Der Maler in Uniform. Erinnerungen an das Soldatenleben [Roman]. Illustr. von E. Rumpf. Stuttgart: Krabbe 1890. 102 S.

Unselbständige Veröffentlichungen in: Rhein. Taschenbuch 1845: Die junge Witwe [Ged.]; Der spanische Spion [Ged.]; Jg. 1846: Sylvester-Nacht [Ged.]; Jg. 1847: Der Genesende [Ged.] – Hartmann: Schatzkästlein 1885, S. 183-193: Leid thut's mir; Vier Bäume; Von den Husaren; Auf dem Berge; Soldatenleben; Reime und Träume im Dunkelarrest: Alsen; Deutscher Marsch – Baehr: Rhein.-westf. Dichterbuch 1888: Puschkins Bestattung [Ged.]; Sylvesternacht [Ged.]; Das Frühlingskind [Ged.] – Uhlmann-Bixterheide/Hülter: Westf. Dichtung 1895, S. 181f.: Leid thut's mir; Reime und Träume im Dunkelarrest – Hüttemann 1898, S. 242: Das Frühlingskind; Stille der Nacht – weitere Beitr. in: Didaskalia; Frankfurter Konversationsbl. [zwischen 1832-1862]; Heller-Magazin 1833-1845; Blätter für Unterhaltung, Häuslichkeit, Familienglück und Bürgerwohl 1838-1845; Der Salon 1841f.; Charivari [zwischen 1842-1851]; Dt. Courier 1843-1845; Lesehalle 1845-1847.

Unselbständige Veröffentlichungen über Rustige: Lebensbeschreibung, in: Hartmann: Schatzkästlein 1885, S. 183 – Nekrologe, in: Neues Tageblatt, Nr. 12 vom 16.1.1900; Schwäb. Chronik, Nr. 23 vom 16.1. 1900; Frankfurter Ztg., Nr. 16 vom 17.1.1900; Staats-Anzeiger für Württemberg, Nr. 16 vom 17.1.1900; Schwäb. Merkur, Nr. 28 vom 18.1.1900 [jew. anonym] – Westfalen 18, 1933, H. 3, S. 58ff. – Als Mensch, Lehrer, Maler und Dichter hochgeschätzt. Heinrich Rustige starb vor 69 Jahren, in: Werler Ztg. vom 24.-26.12.1968 [anonym; Bildn.].

Erwähnungen in: W. Müller von Königswinter: Düsseldorfer Künstler. Leipzig 1854, S. 288f. – R. Wiegmann: Die Kunstakademie Düsseldorf. Düsseldorf 1856 – H. Becker: Dt. Maler. Leipzig 1888 – M. Bach: Stuttgarter Kunst 1794-1860. Stuttgart 1900 – Uhlmann-Bixterheide/Hülter: Westf. Dichtung 1895, S. 56 – O. Fischer: Schwäbische Künstler des 19. Jahrhunderts. 1925, S. 56, 170 [mit Abb.] – D. Rost: „Ich bin nicht dieser Tage Sohn.“ Der Dichter und Deuter Joseph Pape 1831-1898, in: Sauerland 1993, Nr. 3, S. 91-93.

Bildnis: 1. Stahlstich von A. Weger nach einer Zeichnung von Keyser (StA Stuttgart, B 1940) – 2. Fotogr. (StA Stuttgart; WLA Hagen) – 3. 2 Fotogr. (WLA Hagen) – 4. Fotogr. (StLB Dortmund).

Nachlaß, Handschriftliches: 1. StLB Dortmund: 25 Briefe, u.a. an Maillinger, Karl Prümer; 1 Stammbuch-Blatt; Sylvester-Nacht [Ged.]; Brief von Ferdinand Freiligrath, 23.4.1870; s. Autographenkatalog Dortmund 1962, S. 288  – 2. StA Stuttgart: 27 Autographen, u.a. Briefe an Wilhelm Lang – 3. ULB Düsseldorf: Deutscher Marsch [Ged.] – 4. Württ. LB Stuttgart: humorist. Beitr. und Ged. – 5. DLA Marbach: Briefe an Berthold Auerbach, 1851, 1857, 1875; Briefe an Georg von Cotta; Briefe und Postkarten an Karl Schönhardt 1875-1896; Briefe von Berthold Auerbach – 6. UB Erlangen-Nürnberg: Brief an Lorenz Diefenbach – 7. UB Heidelberg: Brief an G.G. Gervinius, 3.9.1853 – 8. ULB Düsseldorf: Brief an Adalbert von Keller, 1876, 4 Briefe an Robert Reinick, 1833-1838; 3 Briefe von Karl Friedrich Lessing, 1839, 1864, 1873; Brief von Adolf Schroedter, 1857 – 9. UStB Frankfurt a. M.: Brief an J.D. Passavent, 1842 – 10. UB Bonn: Brief von Christian Boettcher, 22.10.1863 – 11. Archiv der Staatsgalerie Stuttgart: Briefwechsel mit Dr. Leube.

Sammlungen: WLA Hagen: Materialslg. – Heimathaus „Rykenberg“ (Am Rykenberg) in Werl.

Nachschlagewerke: Brümmer, Bd. 2, 1877 – Das geistige Deutschland, Bd. 1, 1898 – Wienstein 1899 – Biogr. Jb. und Dt. Nekrolog 5, 1903 – Brümmer, 6. Aufl. 1913 – Nagler, 3. Aufl., Bd. 15, 1924 – Thieme/Becker, Bd. 29, 1935 – Kosch, Bd. 2, 1937 – Kosch, 3. Aufl., Bd. 13, 1991 – Dt. biogr. Archiv, Fiche 1070, Sp. 93-99; N.F. 1112, Sp. 199f.