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Auch wenn in den Anfangsjahren der Eisenbahn der Wettbewerb einer der bestimmenden Faktoren für den Netzausbau war, führte dieser aufgrund fehlender Regelungen auch zu zahlreichen unerwünschten Effekten. Diese lieferten wiederum Argumente für die Verstaatlichung der Eisenbahnen zwischen 1880 und 1885 – auch im Raum Westfalen (s. Beitrag Tschorn). Das Staatsbahnsystem ließ per se in den folgenden Jahrzehnten keinen Wettbewerb zu, gleichwohl existierten neben der Staatsbahn gerade auch in Westfalen zahlreiche nichtstaatliche Eisenbahnunternehmen, die jedoch – wie auch die DB – fast ausnahmslos auf ihrer eigenen Streckeninfrastruktur verkehrten und allenfalls an den Schnittstellen, den Übergabebahnhöfen, Wagen an das jeweils andere Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) übergaben.
Das Ziel der Bahnstrukturreform, mehr Wettbewerb zu erreichen, ist im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) – und auch beim Güterverkehr – verwirklicht worden. Sichtbares Zeichen dafür sind nicht nur die modernen Fahrzeuge, sondern auch die zahlreichen neuen Eisenbahnunternehmen; bundesweit stieg die Anzahl der konzernexternen Kunden der DB Netz AG von rund 40 im Jahr 2004 auf über 300 im Jahr 2009.
Bestand v. a. im SPNV anfangs für neue EVU ein recht hohes Markteintrittsrisiko aufgrund der erheblichen Kapitalbindung für die Fahrzeugbeschaffung (trotz einer in NRW bis zu 50 %igen Förderung der zuwendungsfähigen Gesamtausgaben durch das Land), so hat sich die Situation mit dem Aufkommen international operierender Leasinggesellschaften (z. B. AngelTrains/GB) entschärft. Hinzu kommt, dass die oft als mittelständische Unternehmen gestarteten neuen EVU in den letzten Jahren selber größtenteils von internationalen Konzernen übernommen wurden, mithin also auch eine Konzentration der Anbieter stattgefunden hat. Mittelständische EVU werden sich vermutlich nur in Marktnischen und – hier vor allem im Schienengüterverkehr – behaupten können.
Die DB AG war mit dem Start der Regionalisierung 1996 praktisch der einzige Anbieter im SPNV-Markt in NRW, so dass die Zweckverbände zunächst mit der DB AG in freihändigen Vergabeverfahren Verkehrsverträge abschlossen, die die zu erbringende Verkehrsleistung und die Qualität regelten. Die Verträge enthalten meist "Abschmelzungsklauseln", über die das vereinbarte Leistungsvolumen sukzessive verringert und in den Wettbewerb überführt wurde und wird.
Die Vergabe von SPNV-Leistungen erfolgt meist durch europaweite Ausschreibungsverfahren. Zunächst beschränkten sich die Ausschreibungen auf dieselbetriebene Nebenstrecken; inzwischen sind aber auch mehrfach Leistungen mit Elektrotraktion auf Hauptstrecken ausgeschrieben und vergeben worden (Abb. 1). In der Regel wird ein betrieblich zusammenhängendes Liniennetz mit einem Volumen zwischen einer und fünf Mio. Zugkilometern (Zkm) pro Jahr ausgeschrieben. Kostenvorteile durch Ausschreibungsgewinne werden meist für die Verbesserung des SPNV genutzt. Dennoch stellen die Regionalisierungsmittel auch weiterhin den wichtigsten Baustein zur Finanzierung des SPNV dar, da die Fahrgeldeinnahmen nur einen Teil der Kosten decken.
Die Regionalisierung und der Wettbewerb haben in NRW zu deutlichen Angebotsverbesserungen geführt, in den ersten Jahren nicht zuletzt auch durch das Engagement des Landes, z. B. durch die bereits angesprochene Förderung bei der Beschaffung moderner Fahrzeuge (bis 2000 ca. 1,2 Mrd. DM) oder die koordinierende Begleitung und Finanzierung des Integralen Taktfahrplans (ITF NRW), der ab 1998 stufenweise eingeführt wurde. Seit Beginn der Regionalisierung ist das Zkm-Volumen um etwa 33% gesteigert worden, aktuell werden in NRW im SPNV rund 101 Mio. Zkm im Jahr zurückgelegt, davon fast 32 Mio. in Westfalen (Verbandsgebiet des NWL, also ohne die dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) angehörigen westfälischen Kreise und kreisfreien Städte) (s. Beitrag Hübschen).
Auf zwei kurzen Streckenabschnitten (Gronau – Enschede, Lemgo – Lemgo-Lüttfeld) wurde sogar der Personennahverkehr wieder aufgenommen; die Strecke Bielefeld – Dissen-Bad Rothenfelde ist wieder nach Osnabrück durchgebunden geworden. Ende 2011 bzw. 2012 sollen weitere Reaktivierungen erfolgen: Brilon Wald – Brilon Stadt und Marienheide – Meinerzhagen.
Neben der DB Regio haben sich inzwischen vor allem vier weitere Anbieter etabliert, von denen Keolis mit der Marke eurobahn zur Zeit der erfolgreichste Konkurrent ist, gefolgt von Veolia mit der NordWestBahn. Hinter den neuen EVU stehen in der Regel ausländische Investmentgesellschaften oder Verkehrsunternehmen, bei Keolis z. B. die französische Staatsbahn SNCF oder bei Abellio mit NedBahnen die Expansionstochter der niederländischen (Staats) Eisenbahnen. Inwieweit die eher mittelständische Hellertalbahn sich behaupten wird bleibt abzuwarten. Die Prignitzer Eisenbahn (sie gehört zum britischen Verkehrskonzern Arriva) hingegen wird durch Verlust ihrer 2004 gewonnenen Strecke Ende 2011 wieder aus Westfalen verschwunden sein.
Aktuell (31.12.2009) werden ca. 43% der SPNV-Leistungen (von jährlich rund 101 Mio. Zkm) in NRW auf Linien(netzen) erbracht, die im Wettbewerb vergeben wurden. Zwar ist die DB Regio noch immer der größte Anbieter im SPNV, doch ist ihr Marktanteil – bezogen auf die Betriebsleistung in Zkm – auf etwa 69% gesunken. In Westfalen (NWL) liegt der Anteil sogar bei lediglich 46%. Wird die Wettbewerbsquote zugrunde gelegt (ohne die DB-Großverträge aus den Anfangsjahren), liegt ihr Anteil sogar bei nur noch 23%. Das erfolgreichste EVU im SPNV-Wettbewerb in Westfalen ist die eurobahn (Keolis) mit derzeit 29% Marktanteil (Tab. 1).
Tatsächlich ist der Wettbewerb gerade in Westfalen sehr weit fortgeschritten. 74% der Zkm-Leistungen im NWL sind bereits ausgeschrieben worden; so werden z. B. Ende 2010 im Siegerland bereits 2008 vergebene Verkehrsleistungen durch die Hessische Landesbahn übernommen bzw. von DB Regio fortgeführt (Tab. 1). Da in den nächsten Jahren im NWL bereits die ersten aus Ausschreibungsverfahren resultierenden Verkehrsverträge ablaufen werden, sind drei Netze 2009/2010 nach erneuten Wettbewerbsverfahren bereits zum zweiten Mal vergeben worden. Das Netz "Ravensberger Bahn & Lipperländer" wird auch weiterhin (bis 2013) von der eurobahn betrieben werden, den Zuschlag für das "Netz Westliches Münsterland" (aus "Münster West" und "Westmünsterlandbahn") hat DB Regio bis 2026 erhalten. Dass zwischen Ausschreibung und Betriebsaufnahme zwei bis drei Jahre liegen, ist vor allem der Fahrzeugbeschaffung geschuldet.
Im Schienenpersonenfernverkehr (SPFV) ist noch kein nennenswerter Wettbewerb entstanden; die DB AG ist in diesem Bereich weiterhin alleiniger Marktführer. Versuche anderer EVU, Fernverbindungen aufzubauen, sind bislang meist gescheitert. So hat z. B. Veolia die Verbindungen Düsseldorf – Berlin über Hamm sowie Köln – Berlin über Siegen angeboten, jedoch nach kurzer Zeit wieder eingestellt. Anders als im SPNV erhalten die EVU im SPFV keine Zuschüsse, die Verkehre müssen sich selbst tragen.
Insofern darf man gespannt sein auf das neue EVU Locomore Rail, das 2009 ankündigte, auf der Relation Hamburg – Köln über Münster Fernverkehr anzubieten. Der für Herbst 2010 angekündigte Betriebsstart ist zunächst auf April 2011 verschoben worden.
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Deutsche Bahn AG (Hg.) (2010): Wettbewerbsbericht 2010. Berlin, S. 16–21 (www.deutschebahn.com/site/shared/de/dateianhaenge/berichte/wettbewerbsbericht__2010.pdf) |
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www.arriva.de |
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www.bahn.de/regional/view/index.shtml |
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www.deutschebahn.com |
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www.eurobahn.de |
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www.fachportal.nahverkehr.nrw.de/index.php?id=79 |
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www.hellertalbahn.de |
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www.hlb-online.de |
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www.keolis.de |
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www.locomore.de |
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www.nordwestbahn.de |
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www.prignitzer-eisenbahn.de |
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www.veolia-verkehr.de |
Erstveröffentlichung 2010