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(99 KB)   Bewohnerinnen des Altenheims Bethesda, Sozialwerk Stukenbrock, in den provisorisch hergerichteten Baracken und Nissenhütten des früheren Internierungslagers, 1948 / Witten, Gerd Plückelmann   Informationen zur Abbildung

Bewohnerinnen des Altenheims Bethesda, Sozialwerk Stukenbrock, in den provisorisch hergerichteten Baracken und Nissenhütten des früheren Internierungslagers, 1948 / Witten, Gerd Plückelmann
JAHR1948   Suche
MONATJanuar
TAG24
TITELRückgabe des Lagers Stukenbrock und Gründung des Sozialwerks


INFORMATIONDas ehemalige Internierungslager Eselheide für NS-Führungskräfte (CIC No. 7) in der Gemeinde Stukenbrock, zwischen Bielefeld und Paderborn, wird von der britischen Militärregierung offiziell an das Land Nordrhein-Westfalen übergeben. Von 1941 bis 1945 hatte sich dort das Kriegsgefangenlager Stalag 326 für sowjetische Gefangene befunden. Auf Betreiben des Sozialministeriums von Nordrhein-Westfalen entsteht auf dem Gelände 1948 ein Flüchtlings- und Auffanglager, das Sozialwerk Stukenbrock. Beteiligt waren das Evangelische Hilfswerk Westfalen, die Caritas, das Deutsche Rote Kreuz, die Arbeiterwohlfahrt und der Westfälische Blindenverein.

Nach der Schließung des Internierungslagers werden im Sommer 1948 nach umfangreichen Instandsetzungsarbeiten die ersten Flüchtlinge aufgenommen. 140 Baracken und 130 Nissenhütten in elendem Zustand, zumeist unmöbliert, standen auf gut 500.000 Quadratmetern Grundfläche zur Verfügung. Zu den ersten Einrichtungen, die von Flüchtlingen und Vertriebenen bezogen werden können, gehören das Altersheim "Bethesda" mit 282 Plätzen, ein Blindenheim, das Wohnheim "Mutter und Kind" für alleinstehende, meist verwitwete Mütter mit ihren Kindern sowie das Landesjungendheim, in dem 14- bis 18-Jährige familien- und heimatlose Kinder und Jugendliche untergebracht und erzogen werden. Schon in den ersten Jahren nach der Gründung werden die Nissenhütten nach und nach abgerissen, die Baracken renoviert und das Gelände mit Wegen versehen und bepflanzt.

Wegen des nicht nachlassenden Flüchtlingsstroms aus den osteuropäischen Ländern wird das Lager zu Anfang der 60er Jahre erweitert und ein Teil der Baracken durch Gebäude in einer Art Plattenbauweise ersetzt. Um die Bedürfnisse der dort lebenden Menschen zu sichern, entstehen u. a. eine Ladenstraße, ein Kino, eine Lesehalle sowie ein Badehaus. Zur medizinischen Versorgung der Flüchtlinge gibt es von Anfang an ein Behelfskrankenhaus. Außerdem verfügt das Sozialwerk Stukenbrock zunächst über eine Behelfsschule, die später Volksschule wurde, sowie in den späteren Jahren auch über einen Kindergarten. Gottesdienste werden in einer evangelischen und einer katholischen Kirche, beide in umgebauten Baracken untergebracht, gefeiert. Nur die evangelische Kirche ist bis heute erhalten und steht unter Denkmalschutz.

Mit dem Mauerbau 1961 änderte sich die Zusammensetzung der Flüchtlinge. Nunmehr waren es v. a. Spätaussiedler, die im Lager Aufnahme fanden. Bis zur Auflösung der Einrichtung Ende 1969, die infolge der rückläufigen Betreuungszahlen vom Sozialministerium kurzfristig beschlossen worden war, wurden nach Schätzungen zwischen 100.000 und 150.000 Flüchtlinge im Lager betreut. Seit der Schließung des Sozialwerks Stukenbrock zum 01.04.1970 ist auf dem Gelände das Bildungszentrum "Erich Klausener" der NRW-Polizei angesiedelt. In einem noch heute erhaltenen Gebäude aus der Zeit des Kriegsgefangenenlagers befindet sich die Dokumentationsstätte Stalag 326.


 Informationen zur Geschichte des Sozialwerks / "Brücke zur neuen Heimat" -
Ein Film von Udo Plückelmann über das "Sozialwerk Stukenbrock", 1962


SYSTEMATIK / WEITERE RESSOURCEN  
Zeit3.9   1900-1949
3.9.60   Nachkriegszeit <1945-1949>
3.10   1950-1999
Ort2.2.9   Schloß Holte-Stukenbrock, Gemeinde
Sachgebiet5.8.3   Flucht, Vertreibung
8.4   Sozialfürsorge, Fürsorgeeinrichtungen
AUFRUFE GESAMT2069
AUFRUFE IM MONAT15