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(107 KB)   Schouten, Hermann Pieter: Der Domplatz in Münster, 1783 / E. Theissen / Münster, LWL-Medienzentrum für Westfalen/S. Sagurna   Schouten, Hermann Pieter: Der Domplatz in Münster, 1783 / E. Theissen / Münster, LWL-Medienzentrum für Westfalen/S. Sagurna
TITELDer Domplatz in Münster, 1783
URHEBER OBJEKTSchouten, Hermann Pieter
DATIERUNG1783


INFORMATIONNach der Weihe des "neuen" Doms am 30.09.1264 wurde im Jahre 1516 die spätgotische Westfassade fertiggestellt; der barocke Gitterzaun im Vordergrund, von Schlaun entworfen, wurde kurz nach 1710 errichtet. Bis zu seiner völligen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg blieb der Dom, abgesehen von den späteren Umbauten des sogenannten Johannischors an der Südwand des östlichen Querschiffes, in dieser Form bestehen. Das 1783 von Hermann Pieter Schouten geschaffene Gemälde zeigt diese frühe, westliche Ansicht des Domes. Die Domtürme stellte Schouten in Form und Farbe von roten Ziegeln dar, ein gängiges künstlerisches Mittel seiner Zeit. Auch die Personen im Vordergrund des Domplatzes, die einen repräsentativen gesellschaftlichen "Querschnitt" vermitteln sollen, sind stilisierend angeordnet worden. Zu sehen ist auch - südwestlich auf dem Domplatz - die Jakobikirche, die um die Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert erbaut wurde und den im Dombezirk wohnenden Laien und Domchoralen als Pfarrkirche diente. Im Zuge der französischen Säkularisierungspolitik hatte man ernsthaft erwogen, den Dom abzureißen und stattdessen die Kirche St. Jakobi als Dompfarrei zu nutzen. Am 28.07.1812 wurde dann jedoch die Jakobikirche an den Meistbietenden zum sofortigen Abbruch versteigert.

In fürstbischöflicher Zeit gab es innerhalb der münsterischen Stadtmauern 19 kirchliche Institutionen; Münster war Landeshauptstadt und Regierungssitz des Fürstbistums und lange Zeit hatte man angestrebt, aus Münster eine Residenzstadt zu machen, deren höfisches Leben innerhalb der Stadtmauern stattfinden sollte. Der Klerus bestimmte in vielerlei Hinsicht das städtische Leben, er verfügte nicht nur über weite Teile des geistlichen Grund- und Hausbesitzes, sondern nahm auch einen dominierenden Einfluß in der städtischen Verwaltungspolitik wahr. Auf der anderen Seite führte die ständische Mitsprache bei allen politischen Entscheidungen und das Festhalten des Adels an seinen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Privilegien zu einer gewissen ökonomischen und kulturellen Rückständigkeit.

Als am 15.04.1784 Max Franz von Österreich, jüngster Sohn der Kaiserin Maria Theresia, Kurfürst von Köln und Fürstbischof von Münster wurde, sollte er im Interesse des habsburgischen Kaiserhauses den preußischen Ausdehnungen in Nordwestdeutschland entgegenwirken. Unter seiner Landesherrschaft sollten die geistlichen Territorien von den Ideen des aufgeklärten Absolutismus profitieren. Da sich der Fürstbischof selbst nur zeitweilig in Münster aufhielt (und zwar nicht im Schloß, sondern in der damaligen "Siegelkammer" im Fürstenberghaus), wurde der Generalvikar Franz von Fürstenberg eine Art "Statthalter" und energischer Betreiber der Modernisierungsreformen, vor allem auf dem Gebiet der Bildungspolitik. Nicht nur die düsteren Erinnerungen vieler Münsteraner an die Zerstörungen der brandenburgisch-preußisch-hannoverschen Armee während des Siebenjährigen Krieges, sondern auch die außerordentliche Beliebtheit, die Max Franz bei seiner Bevölkerung genoß, verbanden die Münsteraner mit dem Hause Habsburg. Die jahrhundertelange Tradition des Fürstbistums hatte bei dem Gros der Bevölkerung, die zu fast 100 % dem katholischen Glauben angehörte, außerdem eine "Identifizierung" mit der geistlichen Territorialherrschaft bewirkt. Als das Domkapitel einige Wochen nach dem Tod des Fürstbischofs (26.07.1801) den Erzherzog Anton Viktor, einen jüngeren Bruder des Kaisers Franz Il., zum Bischof und Landesherren wählte, fand dies die volle Zustimmung der Bevölkerung. Auch wenn der Habsburger sein Amt als Landesherr nicht mehr antrat, so machte seine Wahl doch deutlich, daß der überwiegende Teil der Münsteraner an den "alten" Verhältnissen festhalten wollte. Die Angst vor einer Übernahme der fürstbischöflichen durch eine weltliche, protestantisch ausgelegte Landesherrschaft war groß. Preußen galt als die bedeutendste weltliche Macht in Westfalen mit großen, machtpolitischen Ambitionen. Bereits der preußisch-französische Sonderfrieden, der 1795 in Basel ausgehandelt worden war, hatte in Münster die Befürchtung geschürt, "Opfer" des Entschädigungsprinzips zu werden.

Preußen war in diesem Abkommen aus der antifranzösischen Koalition ausgetreten, so daß der gesamte norddeutsche Raum politisch neutralisiert wurde. Dem größten Teil Westfalens, inklusive Münster, blieb somit erspart, während der ersten beiden Koalitionskriege gegen Frankreich Kriegsschauplatz zu werden. Aber neben einer Teilung des Hochstiftes Münster wurde auch beschlossen, die an Frankreich abgetretenen linksrheinischen Gebiete durch geistliche Territorien auf der rechten Rheinseite zu ersetzen. Der  Vertrag von Lunéville vom Februar 1801 sollte das Säkularisationskonzept bestätigen. Die Angst der Münsteraner vor dem Verlust der politischen Eigenständigkeit innerhalb ihres Fürstbistums war durchaus berechtigt, zumal bereits preußische Schutztruppen in der Stadt lagerten, deren Oberbefehl 1795 Blücher zugeteilt wurde. Der Befehlshaber der Demarkationstruppen erklärte den Romberger Hof, der in dem durch den Siebenjährigen Krieg zerstörten und noch immer brachliegenden Martini-Viertel lag, zu seinem Hauptquartier.

Die Auswirkungen der Französischen Revolution auf Münster hatten sich bis dato auf ein lebhaftes publizistisches Interesse an den politischen Ereignissen im westlichen Nachbarland beschränkt. Allerdings wurden vor allem Veröffentlichungen von konservativen Kritikern gelesen, was auf eine eher ablehnende Beurteilung der Revolutionsereignisse unter den meisten Münsteranern schließen läßt. [1] Darüber hinaus empörte das Schicksal der Königsfamilie - von ihrer gescheiterten Flucht in Varennes bis hin zu ihrer Hinrichtung -, die münsterische Bevölkerung, besonders da die französische Königin Marie Antoinette eine Schwester von Max Franz war.

Abgesehen von der Präsenz preußischer Truppen in der Stadt waren auch zahlreiche französische Emigranten nach Münster geflüchtet: Innerhalb der Stadtmauern hielten sich im Oktober 1794 mehr als 1.000 Flüchtlinge auf, für deren Unterbringung und Verpflegung sich Fürstenberg erfolgreich einsetzte. Die geistlichen Emigranten hieß der Fürstbischof herzlich willkommen, unter ihnen befanden sich einige ranghohe Kleriker, wie z.B. der Kardinal de la Rochefoucauld. Dagegen fanden die adeligen Flüchtlinge keine so bereitwillige Aufnahme, eine gewisse Animosität gegen die französische Aristokratie hatte Max Franz schon immer gehegt.

Über die zukünftige territoriale und politische Entwicklung des ehemaligen Fürstbistums Münster sollte dann auf dem Reichsdeputationshauptschluß im Jahre 1803 entschieden werden.


[1] Siehe bei Rudolfine Freiin von Oer, "Residenzstadt ohne Hof (1719-1802)", in: Geschichte der Stadt Münster, a.a.O., hier 1. Bd., S. 365-409, hier S. 400.


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OBJEKT-PROVENIENZE. Theissen
FOTO-PROVENIENZMünster, LWL-Medienzentrum für Westfalen/S. Sagurna


QUELLE    Elsermann, Silke | Münster in napoleonischer Zeit | Dia 01, S. 10-13
PROJEKT    Diaserie "Westfalen im Bild" (Schule)

SYSTEMATIK / WEITERE RESSOURCEN  
Typ35   Bildmaterial (Reproduktion, Foto)
Zeit3.6   1750-1799
Ort3.5   Münster, Stadt <Kreisfr. Stadt>
Sachgebiet16.2   Katholische Kirche
16.6.5   Domkapitel / Klöster / Stifte, Klosterleben
DATUM AUFNAHME2004-02-23
AUFRUFE GESAMT3268
AUFRUFE IM MONAT52