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Zivilleben im Ersten Weltkrieg: Kriegsgefangene bei der Zwangsarbeit in der Landwirtschaft, ca. 1917 / Foto: LWL-Medienzentrum für Westfalen/001 Slg. Historische Landeskunde_1/01_4570







Daniel Dürringer / Mona Klimaschewski

Kriegsgefangene


Kriegsgefangenschaft wurde im Deutschen Reich des Ersten Weltkriegs hauptsächlich als eine Problematik der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik empfunden. Die Ressourcen waren stark eingeschränkt, weil Millionen von deutschen Männern für das Heer und die Marine mobilisiert wurden, mit erheblichen Folgen für die Entwicklung der Wirtschaft in Deutschland. Der Bedarf an Arbeitskräften für die Wirtschaft, insbesondere in der Landwirtschaft, konnte nicht mehr ausreichend gedeckt werden. Folglich zog man Kriegsgefangene als Ersatz heran. Die größte Anzahl derer kam aus Russland, gefolgt von Frankreich, Großbritannien, Rumänien und Italien.

Die Kriegsgefangenen konnten, soweit sie Mannschafts- und Unteroffiziersgrade besaßen, laut Artikel 6 der international anerkannten Haager Landkriegsordnung von 1907 zur Arbeit gezwungen werden. Untergebracht wurden die Kriegsgefangenen anfangs isoliert von der heimischen Bevölkerung in Kriegsgefangenenlagern. Im weiteren Verlauf des Krieges wurden Kriegsgefangene auch bei Privatpersonen beherbergt und beschäftigt. Die ausgewählten Quellen geben einen exemplarischen Einblick in die Behandlung und Unterbringung von Kriegsgefangenen in Deutschland während des Ersten Weltkriegs.

Ein Kriegsgefangenenlager wurde in der Nähe der kleinen Kreisstadt Meschede gebaut, welche zum Zeitpunkt des Baus etwa 5000 Einwohner zählte. Die Planung des Lagers sah 102 Gebäude inklusive Wachtürme auf einem Areal von 200 x 500 m vor. Das Lager selbst gehörte zum Wehrbereich des XVIII. Armeekorps. Dieser Wehrbereich umfasste neben dem Lager in Meschede ebenso die Lager in Darmstadt, Gießen, Wetzlar und Worms.

Ein bezeugter Einsatzort für die Beschäftigung Kriegsgefangener aus dem Lager in Meschede war das Haus Neuenhof und seine landwirtschaftlichen Güter im Sauerland. Das Haus Neuenhof, welches im eigentlichen Sinne ein Wasserschloss ist, liegt unweit von Lüdenscheid am Oberlauf des Elspebaches. Fritz Cornelius, der nach Aktenlage im Zeitraum des Ersten Weltkrieges Rentmeister auf dem Gut war, forderte immer wieder Arbeitskräfte aus dem Kriegsgefangenenlager Meschede an, damit diese z.B. bei der Heuernte helfen konnten. Für die Kriegsgefangenen im Zeitraum von 1915 bis 1918, die in den vorliegenden Quellen erwähnt werden, gab es einen täglichen Verpflegungszuschuss von 60 Pfennig pro Kopf. Dieser Zuschuss galt für Gefangene mit Soldatenstatus, die im Agrarbereich beschäftigt wurden. Ausländische Militärs im Rang eines Offiziers konnten nach Erbringung eines Nachweises vor der Kommandantur in Meschede mit einem erhöhten Lohnsatz rechnen. Aus einem Schreiben des Herrn Cornelius geht hervor, dass die Gefangenen ein Schatzbuch besaßen, auf dem der Lohn vermerkt wurde. Nach Beschwerden von französischen Soldaten gestand man ihnen das Recht zu, ihre Ersparnisse ab einem Wert von 20 Mark zur finanziellen Unterstützung ihrer Familien nach Hause zu senden. Aus einer weiteren Quelle geht hervor, dass bei krankheitsbedingtem Ausfall einer Arbeitskraft, Cornelius bei der Kommandantur in Meschede Ersatzmänner anforderte. Durch ein Schreiben des Revisions-Offiziers Kallenbach an Cornelius wird evident, dass die Kriegsgefangenen zur Erkennung eine Marke und eine gekennzeichnete Hose tragen mussten. Bei erstmaligem Verstoß gegen diese Vorschriften musste mit einer Verwarnung, bei Wiederholung mit Bestrafung gerechnet werden.

Dieser skizzenhafte Einblick beleuchtet einen Teilaspekt im Verfahren mit Kriegsgefangenen während des Ersten Weltkrieges: In diesem Falle das Heranziehen zu landwirtschaftlichen Arbeiten auf einem Privatgut.








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Bauplan der Paketbaracke des Kriegsgefangenenlagers Meschede, nach 1914
 
Quellen
 
 
Literatur
  • Bussche-Kessell, Alhard: Wasserschloß Neuenhof (= Westfälische Kunststätten, Heft 26), Münster 1983.
  • Oltmer, Jochen: Unentbehrliche Arbeitskräfte. Kriegsgefangene in Deutschland 1914-1918, in: ders.(Hrsg.): Kriegsgefangene im Europa des Ersten Weltkriegs (= Krieg in der Geschichte [KRiG], Bd. 24), Paderborn [u.a.] 2006, S. 67-96.
  • Pollmann, Josef Georg: Das Kriegsgefangenenlager Meschede 1914-1918, in: Sauerland 4/2007, S. 196f.
 
 


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