Montanwesen Herzogtum Westfalen > Projektinformation / Themeneinführung


Georg Agricola, De re metallica, Libri XII [...] 1561, S. 158 (bearb. Vorlage)






Wilfried Reininghaus / Reinhard Köhne

Berg-, Hütten- und Hammerwerke im
Herzogtum Westfalen im Mittelalter
und in der Frühen Neuzeit

 
 
 

Das Projekt

 
 
 
Im Jahr 2001 wurde der Arbeitskreis "Bergbau im Sauerland" von der  Historischen Kommission für Westfalen und dem  Westfälischen Heimatbund ins Leben gerufen. Bei seiner Gründung wurde als Ziel festgehalten, für den Bereich des ehemaligen Herzogtums Westfalen die Wissensbasis über den historischen Bergbau zu erweitern und das Wissen darüber der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dabei sollten die Befunde der Bodendenkmale und die archivischen Quellen miteinander verzahnt werden. In öffentlichen Tagungen (2001 Brilon, 2002 Sundern, 2003 Balve, 2005 Bestwig-Ramsbeck, 2007 Marsberg) und kleineren Experten-Workshops hat der Arbeitskreis die Ergebnisse seiner Forschungen kommuniziert und den Austausch unter den Interessenten der sauerländischen Montangeschichte angeregt.

Die fachspezifischen Ziele haben sich zwischenzeitlich erweitert. Wegen der engen Verzahnung der Bergwerke mit den Hütten- und Hammerwerken hat sich der Forschungsgegenstand auf den gesamten Montansektor erweitert. Auch sind die Nachbarterritorien Grafschaft Mark, Siegerland, Paderborn und Waldeck schon wegen der strittigen Grenzen in Montanrevieren einbezogen worden.

Im Jahr 2008 legen die Vorsitzenden des Arbeitskreises als Buchveröffentlichung in der Schriftenreihe der Historischen Kommission für Westfalen eine mehr als 600 Seiten umfassende Darstellung und Dokumentation über "Berg-, Hütten- und Hammerwerke im Herzogtum Westfalen und in der Frühen Neuzeit" (Münster, Verlag Aschendorff). Das Buch enthält eine zusammenfassende Geschichte der Montanwirtschaft des Territoriums bis 1815, Artikel zu den einzelnen Bergrevieren (nach den heutigen Gemeindegrenzen), eine Edition wichtiger Quellen sowie ausführliche Quellennachweise und Bibliografien.

Da nicht alle im Laufe der Projektarbeit gesammelten Informationen veröffentlicht werden konnten, wurden die Kurzregesten, Archivfunde und rund 60 Volltexte sowie die umfangreichen topografischen Verzeichnisse der Berg- sowie Hütten- und Hammerwerke im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit dem Internet-Portal "Westfälische Geschichte" online im Portal zugänglich gemacht; darüber hinaus finden auch Teile der Buchpublikation (z. B. Bibliografie, Volltexte) Eingang in dieses Internetangebot. Herrn Dr. Marcus Weidner, Wissenschaftlicher Referent am LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte in Münster, danken wir für die Bereitschaft, die Daten über das Portal verfügbar zu machen, und für seine dabei geleistete Arbeiten, insbesondere die Organisation, Konzeption und Gestaltung des Internet-Projekts. Die Datenbank wird durch den Arbeitskreis Bergbau im Sauerland in regelmäßigen Abständen aktualisiert. Für die technische Bearbeitung der Daten danken wir Herrn Patrick Sahle, Köln.

Wilfried Reininghaus / Reinhard Köhne
Wilfried Reininghaus / Reinhard Köhne: Buchcover Berg-, Hütten und Hammerwerke im Herzogtum Westfalen im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit, Münster 2008
Wilfried Reininghaus / Reinhard Köhne:
Berg-, Hütten und Hammerwerke im Herzogtum Westfalen im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit, (=Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Reihe XXII A: Geschichtliche Arbeiten zur Westfälischen Landesforschung, Bd. 18), Verlag Aschendorff, Münster 2008, XI + 637 S., 64,- €, ISBN 978-3-402-15161-7 Pick It! (Inhaltsverzeichnis | Vorwort)
 
 
Ansprechpartner des Arbeitskreises
"Bergbau im Sauerland“:


Reinhard Köhne
 
 
Anschrift
Gleiwitzer Straße 5
59782 Meschede, Deutschland
 
 
Tel.
0291-50982
 
 
E-Mail
 
 
 
Prof. Dr. Wilfried Reininghaus
 
 
Anschrift
Schmiedekamp 51
48408 Senden, Deutschland
 
 
Tel.
02536-335780
 
 
E-Mail
 
 


 
 
 
 
 

Themeneinführung -
Geschichte der Montanwirtschaft im
Herzogtum Westfalen

 
 
 

Bergbau

 
 
Georg Agricola, De re metallica, Libri XII [...] 1561 (bearb. Vorlage)
Das Rheinisch-Westfälische Schiefergebirge bietet zahlreiche abbauwürdige Lagerstätten, die Grundlage der vorindustriellen Montanwirtschaft geworden ist. Sie entstanden im Erdaltertum. Die Metalle Blei, Zink und Kupfer kommen in mehreren kleinen Revieren verdichtet vor. Zu nennen sind die Räume um Brilon, Marsberg, Ramsbeck und Olpe, während Braun- bzw. Roteisenstein im Sauerland fast überall verfügbar war. Zu den günstigen natürlichen Voraussetzungen einer Montanwirtschaft gehören hier die Verfügbarkeit von Wasser als Lebensgrundlage und Antriebskraft, die Buchenwälder als Energiequelle für Verhüttung, Gießerei und Schmiedeprozesse.

Die vorhandenen Lagerstätten wurden in der vorrömischen Eisenzeit nach jetzigem Wissensstand nicht genutzt. Erst aus der frühen römischen Kaiserzeit, unmittelbar vor der Varusschlacht im Jahr 9 n. Chr., lassen sich Belege für Bleibergbau, vermutlich in der Nähe von Brilon, belegen. Weiterer römerzeitlicher Bergbau ist wegen des Funds von Bleiobjekten im gleichen Raum wahrscheinlich. Die Nachfrage der Salinen am Hellweg nach Bleipfannen ließ wohl noch vor der Karolingerzeit zu einer Wiederaufnahme des Bergbaus im nördlichen Sauerland. Neben Blei und dem Zinkkarbonat bei Brilon wurde schon im 8. Jahrhundert Kupfer auf den Bergen im heutigen Marsberger Stadtgebiet abgebaut und im Tal verhüttet, wie die Schlackehalden in der Wüstung Twesine nahe der Diemel östlich von Marsberg zeigen. Der Bergbau im Felsenmeer bei Hemer lässt sich durch C14-Messung auf die Zeit um 1000 datieren. In die gleiche Zeit fällt der älteste Nachweis für das Ramsbecker Revier am Bastenberg. fasst man die archäologischen Befunde zusammen, so hatte vor allem das nördliche Sauerland teil am Aufschwung, den die Karolingerzeit in Westfalen auslöste.

In einem langwierigen Prozess schoben sich nun bis in das 14. Jahrhundert Siedlungen bis in die Höhen der Gebirge vor. Nicht zufällig sind Eisenvorkommen in der Nähe von Burgen nachzuweisen. Das Pingenfeld auf dem Eisenberg bei Arnsberg liegt in unmittelbarer Nähe zur Alten Burg, die im 11./12. Jahrhundert Herrschaftszentrum der späteren Grafen von Arnsberg war. Erheblichen Anteil an der Ausdehnung der Eisengruben im Diemel-Hoppecke-Raum hatte das 1196 gegründete Zisterzienser-Kloster Bredelar, das Giershagen inmitten reicher Erzvorkommen als Klosterdorf anlegte. Attendorns frühen Aufstieg zu einem bedeutenden Zentrum kölnischer Herrschaft in Westfalen begleitete die Verarbeitung der leicht zugänglichen Erze im Karst des Ebbegebirges. Die Ausstattung des im Jahr 1072 durch Erzbischof Anno II. gegründeten Benediktinerklosters Grafschaft hat eine montanwirtschaftliche Komponente, denn fast die gesamte Erstausstattung des Klosters liegt in unmittelbarer Nähe von Erzvorkommen, u.a. bei Hemer und Attendorn. Durch seine Kupfervorkommen wurde die spätere Doppelstadt Marsberg ein überregional bedeutsames Zentrum. Die Talstadt Horhusen avancierte bereits im 10. Jahrhundert zu einer Marktsiedlung mit weiter Ausstrahlung. In Marsberg kam zur Ausbeutung und Weiterverarbeitung des stadtnahen Kupfers Eisen hinzu. Brilon stieg im 12. Jahrhundert zu einem eng mit Soest verbundenen Zentrum der Buntmetallgewinnung auf. Auf der Nordseite des archäologisch musterhaft erschlossenen Altenbergs bei Müsen wurde (Kirchhundem-)Silberg bald nach 1000 besiedelt. Die ältesten Spuren der Montanwirtschaft datieren auch hier aus dem 12. Jahrhundert.

Das 12./13. Jahrhundert sah nicht nur der Burgenbau, sondern auch die Gründung von Städten in der Nähe von Eisen-, Blei- und Kupfergruben. Sowohl die Kölner Erzbischöfe als auch die Grafen von Arnsberg privilegierten (meistens kleine) Städte, die meistens inmitten von lokalen Bergrevieren lagen und die die Funktion hatten, die montanwirtschaftlichen Erzeugnisse in den Handel zu bringen.

Gegenüber der hochmittelalterlichen Ausbauphase gilt die Montanwirtschaft des Spätmittelalters in ganz Europa als eine Krisenzeit. Unverkennbar war der Stillstand der Stillstand vieler Blei- und Kupfergruben in wichtigen Bergrevieren. Für das Sauerland lassen keine direkten Belege hierfür beibringen. Man wird aber zur Kenntnis nehmen müssen, dass Thibodlinghausen, die ältere Vorgängersiedlung des Ortes Bleiwäsche, im 14./15. Jahrhundert wüstfiel. Der Eisenbergbau blühte wahrscheinlich sogar auf, denn neue Techniken in der Verhüttung, wie noch zu zeigen sein wird, führten zu einer größeren Nachfragen nach Eisen.

Überall in den mitteleuropäischen Bergrevieren erholte sich die Bergwirtschaft nach 1470, auch im kölnischen Sauerland. Allerdings sind im 16. Jahrhundert markante Strukturwandlungen abzulesen. Um die älteren Zentren Brilon und Marsberg erfolgte eine Ausrichtung auf Eisen, das Galmei bzw. Kupfer ablöste. Der Buntmetallbergbau auf Kupfer und Blei konzentrierte sich auf wenige Plätze. Blei und Zinn aus Ramsbeck zogen um 1570 auswärtiges Kapital an. Die Rhonard bei Olpe stand seit etwa 1550 im Besitz der Siegener Grafen und des Kölner Erzbischofs. In Rüthen ließen Augsburger Gewerken nach 1560 Blei, Kupfer und Vitriol abbauen. Bei Bönkhausen erweiterte sich der Bleibergbau seit 1480 in mehreren Schüben bis in das späte 16. Jahrhundert so sehr, dass hier die Bergverwaltung für das ganze Territorium ansässig wurde. Endorf erhielt den Status einer Bergfreiheit wie Silbach, wo es nach 1555 zu einem regelrechten Berggeschrei kam, ohne dass sich die Hoffnungen der Gewerken aus Köln, Aachen und Antwerpen erfüllten.

Trotz einiger Rückschläge hielt die gute Absatzlage für die meisten Bergwerke bis in die erste Zeit des Dreißigjährigen Kriegs an. Seit dem mittleren 17. Jahrhundert setzte jedoch ein langsamer Niedergang ein, weil nur selten die Wasserhaltungsprobleme gelöst wurden. Allerdings gelang es, in den 1720er Jahren und später am Briloner Eisenberg Erbstollen durch erheblichen Kapitaleinsatz der Familien Kannegießer, Ulrich, Kropff und Unkraut zu bauen. Sie schufen damit die Rohstoffbasis für die Hüttenwerke an Diemel, Hoppecke und oberer Ruhr, die außerdem Eisen aus den Gruben im waldeck-kurkölnischen Grenzgebiet bei Giershagen bezogen. Zwischen 1720 und 1750 setzte im Raum Balve und Sundern sowie im gesamten heutigen Kreis Olpe eine Neubelebung des Bergbaus auf Eisen ein. Seine Träger waren die adligen Familien Fürstenberg und Landsberg-Velen. Viele Impulse kamen aus der Grafschaft Mark, die in eine lange Wachstumsphase eintrat, die auf Kurköln ausstrahlte. In gleicher Weise entwickelte sich der Buntmetallbergbau. Die Rhonard, z. T. mit dem Elpertshagen (heute beide im Olper Stadtgebiet), wurde nach 1680 unter der Regie der Familie von Brabeck zu einem äußerst profitablen Kupferbergwerk. Zwischen 1690 und 1765 blühte auch der Kupferabbau in (Kirchhundem-)Silberg, der sich längere Zeit im Eigentum des Besitzers des Kasseler Messinghofs befand. Dagegen entwickelte sich der Abbau von Buntmetallen in Ramsbeck und Silbach, der Justenberg bei Sundern-Hagen ebenso wie die Briloner Galmeigruben rückläufig. Nur die Kupfergruben um Marsberg, die wahrscheinlich seit späten Mittelalter weitgehend stillgelegen hatten, erfuhren im 18. Jahrhundert eine Renaissance. Hessische Unternehmer, vor allem aber die protestantische Familie Möller in Warstein ließen hier größere Vorkommen ausbeuten.

Trotz einer insgesamt wenig entwickelten Technik und Produktivität des sauerländischen Bergbaus fehlte es nicht an Experimenten und Reformversuchen. Selbst ein Pfarrer wie Becker aus Grevenstein beteiligten sich daran. Überregional fand die Antimongewinnung in Uentrop bei Arnsberg um 1730 Beachtung. Mit der Anlage eines Blaufarbenwerks bei Oberkirchen scheiterte die Familie Fürstenberg 1745 ebenso wie Bergmeister Kropff 1764 mit einer Vitriolfabrik in Marsberg. Selbst nach Steinkohle grub man im Herzogtum Westfalen, wenngleich sich die Prospektionen auf dem Haarstrang bei Ense und Wickede als leere Versprechungen erwiesen.

Wertet man die Überlieferung zum Bergbau systematisch aus, so stellte der landsässige Adel die wichtigste Unternehmergruppe (die Häuser der von Brabeck, Fürstenberg, Landsberg-Velen, Plettenberg). Nur in seltenen Fällen gab es Eigenbetrieb der Kurfürsten (z. B. 1552 auf der Rhonard, zwischen 1596 und 1682 St. Salvator bei Olsberg-Wulmeringhausen, 1664/1665 am Justenberg bei Hagen). Rund ein Viertel der landtagsfähigen Adelsfamilien besaß zwischen 1660 und 1803 Gruben und/oder Hüttenwerke. Als zweite große Gruppe von Gewerke verdienen seit dem Hochmittelalter die Klöster genannt zu werden. Die Zisterzienser von Bredelar erschlossen seit 1196 das mittlere Diemelgebiet für die Montanwirtschaft und behielten eine große Anzahl von Grubenanteilen bis zu ihrer Auflösung. Städtische Gewerken finden wir unter den Montanunternehmern spätestens seit dem 15. Jahrhundert. In Brilon, Marsberg, Attendorn und Olpe finden wir zahlreiche Kaufleute, deren Geschäftsbereich der Montansektor war.
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Karte des Herzogtums Westfalen 1750




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Karte des Herzogtums Westfalen 1801




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Bergbau im Herzogtum Westfalen vor 1800




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Bergbau im Herzogtum Westfalen vor 1800




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Bleivorkommen und Salzquellen im Herzogtum Westfalen vor 1800




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Grube Mina in Marsberg, Obermarsberg


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Grube Webel in Marsberg, Giershagen
 
 
 
 
 

Eisenverhüttung

 
 
 
Entgegen der von M. Sönnecken 1971 aufgestellten These lässt sich die mittelalterliche Rennfeuerverhüttung nicht nur im märkischen, sondern auch im kölnischen Sauerland nachweisen. Dieses sog. direkte Verfahren der Eisenerzeugung führt durch einen einfachen Schmelzvorgang direkt zu schmiedbarem Eisen. Es ist seit dem 8. Jahrhundert nachweisbar und erlebte vom 11. bis 13. Jahrhundert seine Blütezeit. Im Balver Wald, aber auch im Raum Attendorn/Olpe, bei Warstein, Rüthen und Kallenhardt sowie auf der Oelinghauser Heide (Arnsberg) sind Rennfeuerbezirke gesichert. Meistens lagen die Öfen auf Höhe in der Nähe von Quellmulden in nahem Abstand zu Erzgruben. Um 1200 änderte sich das Verfahren der Eisenverhüttung grundlegend. Das sog. Indirekte Verfahren erforderte einen weiteren Schmelzprozess, bei dem durch Zugabe von Sauerstoff Kohlenstoff verbrannt wurde. Die neue Technologie erforderte den Einsatz von großen Mengen Holzkohle und größere Schmelzöfen ("Floßöfen“) von bis zu fünf Metern Höhe. Die Gebläse wurden nunmehr wassergetrieben und lagen im Tal an den Bächen, nicht mehr auf den Höhen. Die Technologie der Eisenverhüttung verbesserte sich in der Folgezeit bis zum Ende des Alten Reiches zwar stillschweigend, u. a. durch höhere Öfen und durch eine Verbesserung des Wasserantriebs, blieb aber im Grundsatz weitgehend unverändert.

Die größte Zahl von Eisenhütten besaß das Herzogtum Westfalen vor dem Dreißigjährigen Krieg. Bei Marsberg lagen 1612 an Glinde und Diemel sechs Hütten, darunter befanden sich zwei "Holländer“-Hütten. Der Name deutet an, dass das geblasene Eisen weiterverarbeitet zu Geschützen und Kanonenkugeln und über die Weser in die Niederlande transportiert wurde. Im Bezirk des Gogerichts Brilon, der sich von der Stadt aus südwärts an der Ruhr und ihren Nebenflüssen erstreckte, wurden im gleichen Jahr 22 Hütten gezählt. Noch 1596 waren es nur 16 gewesen. Im Raum Olpe wurden im 16. Jahrhundert die Hütten in Hammerwerke umgewandelt, nachdem der Übergang zur wasserbetriebenen Eisenverhüttung schon früh gelungen war. Hier setzte eine weiträumige Arbeitsteilung mit dem Siegerland ein, das Eisen lieferte. Nach dem Dreißigjährigen Krieg lagen viele Hüttenwerke still. Allerdings standen dem Niedergang vieler Hüttenbetriebe spektakuläre Neu- oder Umgründungen nach 1650 entgegen. 1668 entstand in (Wenden-)Elben eine Hütte, die mit unregelmäßigem Betrieb bis 1808 lief. Größerer und dauerhafter Erfolg war der Wendener Hütte beschieden. Die Wendener Hütte nahm im südlichen Herzogtum Westfalen eine Sonderrolle ein. Der Familie Remy gelang es, Eisenstein aus den südlich vorgelagerten Territorien einzuführen und daraus hochwertiges Roheisen zu erzeugen. Der Absatz der Wendener Hütte war zur Mitte des 18. Jahrhunderts vor allem auf den bergisch-märkischen Markt ausgerichtet. Die besten Adressen der Grafschaft Mark fanden sich unter den Kunden. Zugleich kauften die Remys aber auch Hammerwerke im Flussgebiet der Lenne auf, um ihr Roheisen selbst weiterverarbeiten zu lassen. Adliger Initiative sind weitere Gründungen zu verdanken. Die sog. Lenhauser Gewerkschaft entstand aus dem Zusammenspiel der Grafen Plettenberg mit Attendorner Gewerken. Sie ließ 1791 bei Rönkhausen auf altem Standort eine Hütte anlegen, die sich jedoch nur wenige Jahre behaupten konnte. Längeren Bestand hatte die Wocklumer Hütte bei Balve, die der Familie Landsberg-Velen gehörte. Seit 1748 war sie in Betrieb, verarbeitete Eisen aus den lokalen Gruben und schmiedete es auf nachgeschalteten Hammerwerken aus. Ihre beste Zeit hatte die Hütte im ausgehenden 18. Jahrhundert. Der Hochofen lief zwischen 1775 und 1805 durchschnittlich 21 Wochen im Jahr und produzierte dabei 2.846 Zentner im Jahr. Der Komplex um die Suttroper Hütte profitierte im 18. Jahrhundert von den nahen Eisengruben und der Weiterverarbeitung auf Hammerwerken bei Warstein. Die Privilegien, die Matthias Gerhard von Hoesch 1739 verliehen worden waren, bedeuteten aus Sicht des Landesherrn eine auch langfristig erfolgreiche wirtschaftspolitische Maßnahme, denn die Nachfolgeunternehmen bestanden bis 1869.

Technologisch waren die Hüttenwerke im Herzogtum am Ende des Alten Reichs aus Sicht von Montanexperten überholt. Sie basierten auf Holzkohle und besaßen relativ niedrige, ca. 7 m hohe Öfen mit schwachem Gebläse. Es fehlte an ausgebildeten Hüttenleuten, die das Erz nur schlecht aufbereiteten.

Die Hütten des Raums Brilon-Marsberg erzeugten nicht nur Roheisen, sondern auch Öfen und Kaminplatten sowie Geschütze. Zur Eifel und Siegerland, wo der Ofenguss schon vor 1500 belegt, kam im frühen 16. Jahrhundert das kölnische Sauerland als ein eigenes Produktionsrevier hinzu. Die Ofengießerei hatte einen Nebeneffekt. Die Niederlande entdeckten während des Unabhängigkeitskampfes gegen Spanien Marsberg als Produktionsstätte für Geschütze und Kanonenkugeln. 1618 schloss ein Konsortium Marsberger Kaufleute einen entsprechenden Liefervertrag. Bis 1623 dauerte die Hochzeit der Marsberger Waffenproduktion an, ehe die Schließung der Weser und die Wirren des Dreißigjährigen Kriegs dieses einträgliche Geschäft unterband.
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Hoppecker Hütte in Brilon
 
 
 
 
 

Kupfer- und Bleiverhüttung

 
 
 
Die Standorte der Kupferverhüttung blieben lange an das Vorkommen des Erzes gebunden. Sie konzentrierten sich im Herzogtum Westfalen auf Marsberg, Warstein und Olpe. In Marsberg investierten sich nach 1690 hessische Unternehmer in zwei Kupferhütten, die mit dem Messinghof in Kassel kooperierten. 1764 scheiterte der Versuch des Bergmeisters Kropffs, eine Vitriolhütte anzulegen, am Widerstand der Marsberger Bevölkerung.

Am Kupferbergbau bei Marsberg war im 18. Jahrhundert auch die Unternehmerfamilie Möller beteiligt, deren Kupferhammer bei Warstein berühmt war. Er entstand wohl noch im Spätmittelalter und ging 1708 in Lippstädter Hände über. 1745 erwarb in Johann Theodor Möller, Sohn einer protestantischen Pfarrers aus Werdohl. Möller baute ein weitverzweigtes Unternehmen aus, das Gruben in Waldeck, Berg und im Herzogtum Westfalen besaß und deren Kupfer in Warstein zu Kupferplatten und Kesselböden verarbeiten ließ.

Die Stachelauer Hütte bei Olpe ist eng verbunden mit dem Bergbau auf der Rhonard. Sie geht bis in die 1590er Jahre zurück, war aber um 1680 verfallen. Nach der Übernahme der Rhonard durch Jobst Edmund von Brabeck um1700 begann der Aufschwung der Stachelauer Hütte, die in den folgenden Jahrzehnten im Jahr durchschnittlich 300 Zentnern Kupfer produzierte. Zusammen mit dem Grubenbetrieb und der Kupferaufbereitung arbeiteten in Stachelau und auf der Rhonard im späten 18. Jahrhundert zeitweilig 130 Menschen.

Als vierter wichtiger Standort der Buntmetallverarbeitung ist Ramsbeck zu nennen. Die Verhüttung der Blei- und Zinkvorkommen am Dörnberg und Bastenberg geht mindestens in das frühe 16. Jahrhundert zurück. 1572 waren die Anlagen im Besitz rheinischen Kapitals. Sie gingen nach dem Dreißigjährigen Krieg in den Besitz des Landesherrn und weckten damals wie auch später vergeblich Hoffnung auf reiche Erträge. 1740 ging der größte Teil von Ramsbeck in den Besitz der Familie von Fürstenberg über, 1782 an Landsberg-Velen. Die bescheidenen Erträge der Hütte besserten sich erst, als bald nach 1800 eine bürgerliche Gewerkschaft in Berg- und Hüttenwerke investierte.
 
 
 
 
 
 

Hammerwerke

 
 
 
Die Weiterverarbeitung des Roheisens erfolgte seit dem 15. Jahrhundert auf Hammerwerken. In der Anfangsphase lagen sie noch dicht bei den Hütten. An der Namensform "Hüttenhämmer“ lässt sich dies nachweisen. Im 15. bis 17. Jahrhundert kam es aber zu einer Ausdifferenzierung der Hammerwerke, abzulesen im Wort "Selfhammer“, das z. B. 1446 bei Attendorn vorkam. Auch diese Stab- oder Aufwurfhämmer drangen vom Siegerland aus nach Norden vor; sie erzeugten schmiedbares Eisen, das zu Fertigprodukten weiterverarbeitet wurde.

Für das Eisengewerbe ist um 1800 ein Vergleich des Herzogtums Westfalen mit der Grafschaft Mark aufschlussreich. In der Gesamtzahl lag die Mark mit 326 Hämmern deutlich vor dem Herzogtum (105 Hämmer). Allerdings fiel die Verteilung bei einzelnen Hammertypen differenziert aus. 30 Stabhämmern auf kurkölnischem Territorium standen nur 8 in der Mark entgegen, die Zahl der Rohstahlhämmer war mit 30 bzw. 31 annähernd gleich. Die Mark besaß vor allem ein Schwergewicht in der Weiterverarbeitung des Eisens auf Reck- und Raffinierhämmern oder Drahtrollen, die in Kurköln kaum Standorte hatten. Als Besonderheit sind hier aber 27 Blech- und drei Kupferhämmer zu nennen.

Am bedeutendsten waren im 18. Jahrhundert die Stabhämmer im Olper und Briloner Revier. Sie konnten aber ihren Bedarf an Eisen nicht im Inland decken, sondern waren angewiesen auf Importe aus den nassauischen Territorien und aus Waldeck. Eine Spezialität des Raumes Olpe waren die Blech- oder Breithämmer, die sich im Besitz von Kaufleuten (Reidemeistern) befanden, die die Vorprodukte aus dem Siegerland beschafften. Reidemeister und Schmiede bildeten die Breitwerkszunft, die die Vergabe von Schmiederechten auf den Hämmern, die Produktion und den Absatz regelten. Die Verbreitung des technischen Wissens außerhalb von Olpe war verboten, das Handwerk "gesperrt“. Die Weiterverarbeitung zu Fertigprodukten übernahmen in Olpe die Kessel- und Pfannenschmiede, die zwar zu einer Zunft zusammengeschlossen waren, deren Arbeitsfelder sich aber gemäß ihrer Berufsbezeichnungen streng voneinander unterschieden.

Der Raum südlich von Brilon hatte sich auf das Nagelschmieden verlegt. Mehrere hundert Schmiede waren damit um 1800 beschäftigt. Sie lieferten die Nägel an Verleger und Wanderhändler, die damit Messen und Märkte besuchten. Weitere Produkte vom Oberlauf der Ruhr und ihren Nebenflüssen waren Äxte, Sensen, Sicheln und andere sog. Breitewaren, die jedoch international im Gegensatz zu den märkischen Produkten nicht konkurrieren konnten. Im grenznahen Gebiet zur Grafschaft Mark entlang der Hönne und auch im Gebiet der heutigen Stadt Sundern lassen sich mehrere Versuche feststellen, märkisches Gewerbe zu etablieren. Bernhard Adolf von Dücker warb 1721 einen Altenaer ab, um mit seiner Hilfe bei Oberrödinghausen Drahtrollen zu etablieren. Die Altenaer zerstörten 1726 die Rolle und entführten den "Verräter“. Während diese von Kurköln ausgehende Überwindung der Grenze ein rasches Ende fand, waren andere märkischen Versuche, sich im Herzogtum Westfalen zu etablieren, dauerhafter. Der Altenaer Bürgermeister Rumpe erwarb nach 1780 mehrere Hammerwerke im Raum Garbeck. Nähnadelverleger aus Iserlohn beschäftigten um 1800 rund 300 Nadelarbeiter in und um Menden. Reidemeister aus dem Amt Lüdenscheid und aus Plettenberg pachteten langfristig die Hammerwerke bei Lenhausen. Die Unternehmer aus der Grafschaft Mark waren am Ende des Alten Reiches dabei, die Grenzen des Herzogtums Westfalen von Westen her zu unterlaufen und die Standorte ihrer Werke dorthin auszudehnen.
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Hammer Körtlinghausen in Rüthen


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Balve-Wocklum: Luisenhütte
 
 
Die Autoren |
Reinhard Köhne, Realschul-Direktor i. R. reinhard.koehne@t-online.de
Prof. Dr. Wilfried Reininghaus, Historiker und Archivar, wilfried.reininghaus@t-online.de
 
 


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