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Weberinnen an mechanischen Webstühlen, um 1910 (Ausschnitt) / Münster, Landesbildstelle Westfalen







Anke Asfur

Wirtschaftlicher Strukturwandel und Herausbildung von 'Global Playern' in Westfalen im 19. und 20. Jahrhundert

 
 
 

Einleitung

 
 
Im Zuge der sog. Industrialisierung bildeten sich im 19. Jahrhundert in Westfalen regionale Zentren mit unterschiedlichen industriellen Schwerpunkten. Die meisten dieser neuen Industrien bauten dabei auf gewachsenen gewerblichen Strukturen aus dem 17. und 18. Jahrhundert auf.

So etablierte sich im westlichen Münsterland und im Minden-Ravensberger Raum Textilindustrie und deckte die wachsende Nachfrage nach Stoffen für Bekleidung und Haushalt ab. Ein vielfältiges Metallgewerbe entstand im märkischen Sauerland mit einer Ausweitung der Draht-, Messer- und Knopfproduktion. Der Schwerpunkt in der Eisen- und Stahlindustrie entwickelte sich dagegen zwischen Ruhr und Emscher, in unmittelbarer Nähe zu den Steinkohlenzechen des heutigen Ruhrgebiets. Neben der Produktion von Industriegütern und Gütern des täglichen Bedarfs nahm auch der Bereich der Konsumgüter einen größeren Raum ein. So entwickelte sich Dortmund zum Zentrum des westfälischen Brauereiwesens, die Region um Herford und Bünde wurde für ihre Zigarrenproduktion berühmt und in Bielefeld entstand ein wichtiger Standort für die Nährmittelproduktion. In den industriellen Zentren siedelten sich zahlreiche Zuliefererbetriebe an, vor allem im Bereich des Maschinenbaus.

Die Entwicklung dieser vielfältigen westfälischen Wirtschaft, mit ihren verschiedenen Branchen, den Verknüpfungen einzelner Industrien sowie der Bedeutung von Infrastruktur und Kommunikation für Produktion und Absatz soll in der folgenden Quellensammlung anschaulich dargestellt werden. Dabei erhebt diese Sammlung keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern zeigt anhand einiger bedeutsamer Ereignisse und ausgesuchter Branchen beispielhaft interessante Entwicklungsschritte der westfälischen Wirtschaft.
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Informationen zur Gliederung

 
 
Innovation und
Marketing
Die Aufstellung der ersten Dampfmaschine in Westfalen 1799 in der Saline Königsborn bei Unna bedeutete einen wichtigen Innovationsschub für die Region. Mithilfe der Dampfmaschine konnten etwa schwere Lasten bewegt, Wasser aus den Steinkohlegruben gepumpt oder Webstühle angetrieben werden. Das Interesse an dieser neuen Technik war so groß, dass etliche Unternehmer wie z. B. Friedrich Harkort nach England reisten, um dort Produktionsmethoden auszuspionieren. Solche Reisen und die Einstellung ausländischer Facharbeiter mit entsprechendem Know-how bildeten die Grundlage für die Gründung eigener Fabriken und die Entwicklung eigener Fertigungstechniken in der Textilindustrie, der Stahlherstellung und dem Maschinenbau in Westfalen. Für den erfolgreichen Absatz der Produkte wurden bei zunehmender Konkurrenz die Werbung auf Messen und Ausstellungen sowie die Werbung bei den Verbrauchern immer wichtiger.
 
Verkehr
Im Jahre 1847 war die Eisenbahnstrecke von Minden nach Köln fertig gestellt und 1899 weihte Kaiser Wilhelm II. in Dortmund feierlich den Dortmund-Ems-Kanal ein. Die schnell wachsenden Städte und Industriebetriebe benötigten einen stärkeren Ausbau der Infrastruktur. Eisenbahnnetze und neue Schifffahrtswege dienten der Versorgung der Zentren mit Rohstoffen und Gebrauchsgütern und waren gleichzeitig notwendige Voraussetzung für den Absatz der Industrieprodukte. In den Städten bekamen die Straßenbahnen zunehmend Bedeutung, um die Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsplatz, Freizeitort und Einkaufszentrum zurückzulegen. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist das Auto zum wichtigsten Fortbewegungsmittel geworden. Im Zuge dieser Entwicklung entstand in Westfalen ein weit verzweigtes Autobahnnetz.
 
Textilindustrie
In Westfalen hat die Textilproduktion eine lange Tradition, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. An Aufstieg und Wandel dieser Branche lässt sich beispielhaft die industrielle Entwicklung Westfalens nachvollziehen. Hand- und Heimarbeit, Mechanisierung und Fabrikgründungen, Wachstum, Niedergang und Wandel von Produktionstechniken und Produkten markieren die verschiedenen Stationen der Textilindustrie vom Beginn des 19. bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts.
 
Bergbau und Stahlindustrie
Die Region zwischen Ruhr und Emscher ist geprägt durch die Montanindustrie. Steinkohlenbergbau, Eisen- und Stahlindustrie waren der Auslöser für das rasante Wachstum der Ruhrgebietsstädte. Die Montanindustrie spielte in der Rüstungsindustrie sowie nach den Kriegen im Wiederaufbau wiederholt eine wichtige Rolle als Motor der westfälischen und deutschen Wirtschaft. Der Zusammenhang von Kohle und Stahl zeigt zudem deutlich die Vernetzung von verschiedenen Industrien. Schließlich sind beide Branchen seit Mitte des 20. Jahrhunderts tief greifenden Veränderungen unterworfen und Auslöser für einen Strukturwandel, der die industrielle Landschaft des Ruhrgebiets wiederum nachhaltig verändert hat.
 
Arbeitsbedingungen
Die zunehmende Industrialisierung wirkte sich auf die Arbeits- und Lebensbedingungen in Westfalen aus. Der Übergang von der Heim- zur Fabrikarbeit bedeutete die Trennung von Wohn- und Arbeitsplatz. Die Arbeitszeit richtete sich nicht mehr nach Tages- und Jahreszeiten, sondern wurde durch die Produktionsabläufe in den Fabriken bestimmt. Die neuen Industriezentren zogen viele Arbeiter vom Land in die schnell wachsenden Städte. Vielfach suchten sie als Wanderarbeiter im Frühjahr Arbeit in einer Fabrik und wanderten im Winter wieder nach Hause zu ihren Familien. Häufig mussten auch Kinder zum Familienunterhalt beitragen. Der Kampf um kürzere Arbeitszeiten, bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne begleitet die industrielle Entwicklung Westfalens seit Mitte des 19. Jahrhunderts und führte zur gesetzlichen Verankerung der betrieblichen Mitbestimmung im Betriebsverfassungsgesetz von 1952.
 



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