Mitteilung vom 29.09.26
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Hof aus der Eisenzeit in Bielefeld-Stieghorst entdeckt
Bielefeld (lwl). An der Grünberger Straße in Bielefeld-Stieghorst soll ein neues Mehrfamilienhaus entstehen. Die Anlage der Baugrube wurde aufgrund der guten Lage, auf einer kleinen Kuppe am Rand des Baderbachs, von Archäologie-Fachleuten des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) begleitet. Auf dem Areal haben sie einen Teil eines über 2.000 Jahre alten Hofes entdeckt.
Bodendenkmal am Bachlauf
Das innerhalb des Baufeldes entdeckte Bodendenkmal wurde nun von einer archäologischen Fachfirma unter der Leitung von Angelina Friedrich in Begleitung der LWL-Archäologie für Westfalen ausgegraben und dokumentiert. "Die Lage des Bauplatzes war ausschlaggebend für die archäologische Begleitung der Erdarbeiten", sagt Dr. Sven Spiong, Leiter der Außenstelle Bielefeld der LWL-Archäologie für Westfalen. Es kommt immer wieder vor, dass in derartigen Lagen Fundstellen auftauchen. Die nahegelegenen Bäche und Quellen waren über viele Jahrtausende die wohl wichtigsten Faktoren bei der Standortwahl. Hinzu kommt der vorherrschende Lössboden, der ideale Voraussetzungen für einen lukrativen Ackerbau lieferte.
Die Region am nördlichen Rand des Teutoburger Waldes weist eine sehr hohe Fundstellendichte auf: "An jedem Bach der hier herunterfließt, liegen mit hoher Wahrscheinlichkeit mehrere Siedlungen aus verschiedenen Epochen", erklärt Sebastian Düvel, wissenschaftlicher Referent beim LWL. "Als Beispiel ist hier die nur 1,2 Kilometer westlich gelegene, germanische Siedlung in Bielefeld-Sieker zu nennen."
Wandel im Hausbau vor über 2.000 Jahren wird sichtbar
Der hier aufgedeckte Hof ist rund 300 Jahre älter als die germanische Siedlung in Bielefeld-Sieker und stammt aus dem 3. bis 1. Jahrhundert v. Chr. Neben einigen typischen Keramikscherben und mindestens vier kleineren Nebengebäuden, ist für die zeitliche Einordnung vor allem die Konstruktionsweise des aufgedeckten Haupthauses von Bedeutung. Es besitzt die für späteisenzeitliche Häuser typischen Doppelpfosten in einer Linie unter dem Dachfirst.
Die beiden gegenüberliegenden Eingänge in der Mitte des Gebäudes führten zu einem Flur, der das Gebäude in einen Ost- und einen Westteil trennte. Diese Art der Gebäude hält nach den bisherigen Erkenntnissen zu Beginn der späten Eisenzeit Einzug in Westfalen und bildet den Vorläufer zu den entdeckten germanischen Langhäusern in der Nähe. Auf den Standort des rund 20 Meter langen und 7 Meter breiten Gebäudes weisen heute noch Erdverfärbungen der einstigen Holzpfosten hin.
Angehörige der "Eilshausener Gruppe"
In Ostwestfalen und Teilen des angrenzenden Niedersachsens lebten in den Jahrhunderten v. Chr. Menschen, die in der archäologischen Forschung aufgrund einer Fundstelle in Hiddenhausen-Eilshausen als "Eilshausener Gruppe" bezeichnet werden. Sie lassen sich durch spezifische Brandbestattungen und den aus den Gräbern stammenden Grabbeigaben von anderen Gruppen archäologisch unterscheiden. Das bedeutet aber keineswegs, dass diese Menschen isoliert lebten: Schon in den vorausgegangenen Jahrhunderten bestanden intensive Verbindungen Richtung Nordosten zur sogenannten Jastorf-Kultur und insbesondere ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. auch in die keltische Welt.
Wissenschaftlich ist die nun in Bielefeld-Stieghorst aufgedeckte Siedlung ein weiteres Puzzleteil für das Verständnis des Lebens vor rund 2.000 Jahren. Einen Hinweis darauf, dass an diesem Ort schon viel früher - nämlich vor rund 4.000 Jahren - Menschen waren, gibt der Fund einer fein gearbeiteten Pfeilspitze aus Feurstein.
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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 20 Museen, zwei Besuchendenzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 114 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
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