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Mitteilung vom 20.05.16

Presse-Infos | Kultur

"Denkmalpflege und die Moderne 1960+"

LWL-Denkmalpfleger blicken auf das bauliche Erbe der jüngeren Vergangenheit

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Marl (lwl). Als Neubauten wurden öffentliche Gebäude in den 1960-er und 1970-Jahre oft als innovativ gepriesen, heute gelten sie in der Bevölkerung bisweilen als "hässlich" oder gar als "unmenschlich". Außerdem sind viele dieser Rathäuser oder Schulen mittlerweile sanierungsbedürftig und genügen den Ansprüchen an eine zeitgemäße Nutzung nicht mehr. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat mit dem 7. Westfälischen Tag für Denkmalpflege, der am Donnerstag und Freitag (19./20.5.) in der Scharounschule in Marl statt-fand, einen Beitrag zur denkmalpflegerischen Auseinandersetzung mit der Architektur der 1960er- und 1970er-Jahre geleistet. Rund 170 Teilnehmer aus Politik, Denkmalpflege, Stadtplanung, Kultur und Architektur haben die Vielfalt der Architektur der 1960er- und 1970er-Jahre diskutiert und sich über denkmalpflegerische Fragestellungen zur Erhaltung und Pflege von Bauten dieser Zeit ausgetauscht.

"Die Frage nach der Zukunft von Gebäuden und Anlagen der 1960-er und 1970er-Jahre ist in vielen Städten derzeit aktuell", erläuterte LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale die Themenwahl. "Wir möchten zeigen, dass es sich lohnt, sie als Zeugnisse einer Zeit des gesellschaftlichen Wandels und Umbruchs zu erhalten, zu pflegen und zu nutzen." LWL-Chefdenkmalpfleger Dr. Holger Mertens: "Unser Tagungsort, die Scharounschule, ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie es gelingen kann, dass Denkmalpfleger, Architektinnen, Stadtplaner und Stadtbewohnerinnen gemeinsam eine zukunftsfähige Lösung für ein Baudenkmal der 1960er-Jahre erarbeiten und umsetzen."

Axel Großer, stellvertretender Bürgermeister von Marl, bekräftigte die Aktualität des Themas für die Stadt: "Das Thema Denkmalpflege ist derzeit für uns so aktuell wie nie. Unser Rathauskomplex aus den 1960er-Jahren ist seit einem halben Jahr als Baudenkmal eingetragen und stark sanierungsbedürftig. Dieses Projekt wird uns im Rahmen eines umfassenden Erneuerungsprogramms für das Stadtzentrum in naher Zukunft intensiv beschäftigen. Daher freut es mich sehr, dass die LWL-Denkmalpfleger mit diesem Thema nach Marl gekommen sind."

Den Auftakt der zweitägigen Veranstaltung bildete das Abendprogramm am Donnerstag mit einem Vortrag von Dr. Ulrich Krings. Unter dem Titel "Bausünde wird Baudenkmal. Karrieresprünge in der Denkmalpflege" erläuterte der Kölner Stadtkonservator a. D., wie sich der Blick auf Architektur mit wachsender zeitlicher Distanz verändert. So könne ein und dasselbe Gebäude bei seiner Entstehung als visionäre Architektur gefeiert, wenige Jahre später als Bausünde verurteilt und wiederum einige Jahre später als Baudenkmal gewürdigt werden.

Preis "scheinbar unscheinbar"
Anschließend verlieh die Stiftung "Kleines Bürgerhaus" in der Deutschen Stiftung Denkmal-schutz mit Sitz in Bonn und Telgte, ihren Preis "scheinbar unscheinbar" an die Initiative "iserlohn-denkmal". Die Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, "scheinbar unscheinbare" architektonische Zeugen der Alltagskultur unserer Vorfahren in den Fokus der Aufmerksamkeit zu rücken, sie zu erforschen, zu bewahren und der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu ma-chen. "Im Zentrum stehen dabei neben den Gebäuden selbst auch die Wohn- und Lebensformen, die sie repräsentieren", so Dr. Fred Kaspar, LWL-Denkmalpfleger und Vorstandsvorsitzender der Stiftung "Kleines Bürgerhaus". Seit 2010 vergibt die Stiftung alle zwei Jahre den mit insgesamt 10.000 Euro dotierten Preis.

Die Initiative "iserlohn-denkmal" erhielt den Preis für ihr Engagement für das Fachwerkhaus Südergraben 28 in Iserlohn, das im 18. Jahrhundert in Reste der Stadtbefestigung eingebaut worden ist. Nach langem Leerstand, der zu einem sichtbaren Verfall des Denkmals geführt hat, setzt sich der Verein seit 2015 für das Haus ein und möchte es nach den notwendigen Instandsetzungsarbeiten als Wohnmöglichkeit für junge Menschen im freiwilligen sozialen oder kulturellen Jahr zur Verfügung stellen.

Vorträge zur Architektur der 1960er- und 1970er-Jahre
Im Rahmen der Tagung am Freitag Vormittag stellen die LWL-Fachleute unterschiedliche Bauten der 1960er- und 1970er-Jahre vor. Anschließend erläuterten sie anhand von konkreten Beispielen denkmalflegerische Fragestellungen im Umgang mit Baudenkmälern dieser Epoche.

Ein Vortrag widmete der Scharounschule, in der die Tagung stattfand. Sie wurden in den Jahren 1964 bis 1970 nach den Plänen des Berliner Architekten Hans Scharoun errichtet und im Jahr 2004 in die Denkmalliste der Stadt Marl eingetragen. Dennoch galt die Zukunft des Baudenkmals zunächst als unsicher. Dem Engagement von Denkmalschützern, Architekten, Stadtplanern und Stadtbewohnern ist es zu verdanken, dass die Schule von 2009 bis 2015 denkmalgerecht saniert werden konnte und heute von der städtischen Musikschule und der katholischen Aloysius-Grundschule gemeinsam genutzt wird.

Am Nachmittag führten Exkursionen die Tagungsteilnehmer an unterschiedliche Orte in der Stadt Marl. Hier standen u.a. Kirchen der 1960er- Jahre und das Rathaus auf dem Programm.



Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org



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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 17.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 18 Museen sowie zwei Besucherzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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