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Mitteilung vom 22.05.19

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Fashion Material - neue Ausstellung im Textilwerk Bocholt zeigt Modewelten von Stephan Hann

Bewertung:

Bocholt (lwl). Plastiktüten, Telefonbuchseiten oder Videobänder - der Berliner Künstler Stephan Hann schneidert seine Couture aus Materialien, denen wir keine Beachtung schenken. Kombiniert mit edler Seide, Spitze oder Kristallen entstehen Kleider, bei denen die Grenze zwischen Mode und Kunst verschwimmt. Zu sehen sind sie ab 26. Mai in der Ausstellung "Fashion Material" im Textilwerk Bocholt. Bis 6. Oktober lädt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in seinem Industriemuseum zu einer Reise in die phantastischen Modewelten von Stephan Hann mit rund 60 Objekten des Künstlers ein.

"Wenn wir ehrlich sind: Unsere Kleiderschränke sind voll. Aber die Modeindustrie möchte gerne, dass wir sie immer wieder neu füllen. In Modezeitschriften und auf Social Media-Plattformen sehen wir immer neue Trends und werden zum Kaufen aufgefordert. Stephan Hann setzt sich in seinen Kreationen mit genau dieser Kurzlebigkeit und dem Konsum auseinander. Seine außergewöhnlichen Kreationen lassen uns nachdenken über das Diktat des immer Neuen in der Mode", erklärte Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger am Mittwoch (22.5.) bei der Vorstellung der Ausstellung in Bocholt.

Die Ausstellung "Fashion Material" ist Teil des Verbundprojektes "Alles nur geklaut? Die abenteuerlichen Wege des Wissens" mit insgesamt sechs Ausstellungen an verschiedenen Standorten des LWL-Industriemuseums. "In Bocholt greifen wir mit der Mode einen Aspekt des Themas auf, der jeden von uns betrifft. Wir fragen: Kann Mode überhaupt neu sein, oder ist das, was uns als letzter Schrei verkauft wird, schon einmal dagewesen und folglich doch irgendwie geklaut?", so Martin Schmidt, wissenschaftliche Referent im Textilwerk Bocholt und Kurator der Ausstellung.

Hann ist gelernte Herrenmaßschneider und Modedesigner. Für seine Roben verwendet er alltägliche Materialien: Telefonbuchseiten, Zeitungen, Malervlies, Architekturpläne, Videoband oder Plastiktüten und andere Verpackungen. Dazu spielt der Berliner mit ikonischen Schnitten und Formen und veredelt seine Entwürfe durch den Einsatz von Seide, Spitze oder glitzernden Steinen. "Dadurch entsteht eine völlig neue ästhetische Wertigkeit. Allen Werken ist eine unglaubliche Eleganz zu eigen. Sie spielen mit Erinnerung, entlarven den Luxus und kommentieren den unstillbaren Hunger unserer Gesellschaft nach Konsum", sagt Schmidt.

Als "Kommentar" zu den Objekten von Hann zeigt das LWL-Industriemuseum Arbeiten von Modedesign-Studierenden der Hochschule Hannover. Upcycling, Recycling und Zero Waste sind Bausteine ihres Forschungsprojekts "use less: Designstrategien gegen Verschwendung und hässliche Kleidung". Sie handeln getreu dem Motto von Vivienne Westwood "Buy less, choose well, make it last" [Weniger kaufen, bewusst auswählen und gut behandeln]. Auch von der Designerin finden sich fünf Kreationen in der Bocholter Ausstellung. Sie werden ergänzt um Entwürfe aus der Hand des italienischen Modeschöpfers Giorgio Armani.

Eröffnung
"Bekleidung, Modewelten und Design sind Themen, die ein Industriemuseum beschäftigen dürfen, ja müssen, insbesondere dann, wenn es in einer lebendigen Textilregion wie dem Westmünsterland zu Hause ist", erklärt Dieter Gebhard, Vorsitzender der LWL-Landschaftsversammlung. Er wird die Gäste bei der Eröffnung der Ausstellung am Samstag (25.5.) um 18 Uhr begrüßen. Christa Frins und Martin Schmidt vom LWL-Industriemuseum führen in die Ausstellung ein. Anschließend diskutieren Schmidt und Hann im "Fashion Talk" über Mode, bevor DJane Mira Falkenstein zur Aftershow-Party auflegt.


Stephan Hann

Biographie
geboren 1970 in Berlin; 1987 bis 1990 Herrenmaßschneiderlehre an der Deutschen Oper Berlin; 1991 bis 1996 Studium der Szenografie und Mode an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, Arbeitsaufenthalte 2000 bis 2006 in Paris und 2012 bis 2014 in Wien, lebt und arbeitet seit 2014 in Berlin.

Ausstellungen (Auswahl)
Naturgewalten, Kunstgewerbemuseum Berlin (1994), Photokleider, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (1997), Recycling Couture, Museum für Angewandte Kunst Wien (2007), Couture Remixed, Kunstgewerbemuseum Berlin (2008), Couture, Kunsthalle St. Annen Lübeck (2011), 25 Jahre, Deutsches Historisches Museum Berlin (2012), Mode Medium Material, Badisches Landesmuseum Karlsruhe (2013), Phoenix, Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg (2018)

Kollektionen (Auswahl)
Papierkollektion (1985), Naturkollektion (1993), Zelluloidkollektion, Internationale Filmfestspiele Berlin (1997), Architekturkollektion, Nederlands Architectuurinstituut Rotterdam (1998), Lexmark (2000), Tetra Pak (2003), Moët & Chandon (2004), Bertelsmann AG (2007), D. Swarovski & Co. (2010)

Begleitprogramm
An zwei Sonntagen im Monat finden um 14 Uhr öffentliche Führungen durch die Sonderausstellung statt. Die Teilnahme ist jeweils Kostenlos. Besucher zahlen nur den normalen Eintritt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Termine unter http://www.lwl-industriemuseum.de. Gruppen können Führungen an frei zu vereinbarenden Terminen buchen. Außerdem im Programm:

13.6. | 11.7. | 15.8. | 12.9.2019 - jeweils 18 Uhr
Offene Kuratorenführung durch die Sonderausstellung mit einem Glas Sekt, Kosten 6 Euro

Mi, 21.8. bis Fr, 23.8. - jeweils 9 bis 16 Uhr
Sommerferienworkshop: Hauptsache neu? Von Upcycling und Modedesign
neue Ideen, alte Klamotten. Modeideen werden beim Upcycling-Workshop im Museum getestet. Inspiriert durch das Ausstellungsprojekt "Alles nur geklaut" in der Spinnerei entwickeln Kinder zwischen acht und zwölf Jahren eigene Kreationen aus ungewöhnlichen Materialien.
Die Teilnahmegebühr für drei Tage pro Kind beträgt 40 Euro inkl. Material und Mittagessen (Geschwisterkinder 35 Euro). Anmeldung erforderlich unter 02871-216110 oder textilwerk@lwl.org

Sa, 14.9. | So, 15.9. - jeweils 10 bis 16 Uhr
Brick Art meets Fashion
Junge Designerinnen gesucht! Die Teilnehmer entwickeln die Mode von Morgen - das Material: Legosteine. Gemeinsam mit dem Brick-Artist Aran Hudson entstehen in diesem Workshop neue Styles aus bunten Klötzen. Inspiriert durch die außergewöhnlichen Kreationen des Modekünstlers Stephan Hann entwickeln Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 14 Jahren ihre eigenen Trends und Designs aus Legosteinen. Ein Angebot im Rahmen des Landesprogramms "Kulturrucksack NRW". Anmeldung erforderlich unter 02871-216110 oder textilwerk@lwl.org


Fashion Material. Modewelten von Stephan Hann
26.5. bis 6.10.2019

LWL-Industriemuseum Textilwerk Bocholt | Spinnerei
Industriestraße 5, 46395 Bocholt
https://www.allesnurgeklaut.lwl.org



Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Christiane Spänhoff, LWL-Industriemuseum, Telefon: 0231 6961-127
presse@lwl.org



LWL-Einrichtung:
LWL-Industriemuseum - Textilwerk Bocholt
Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur
Uhlandstr. 50
46397 Bocholt
Karte und Routenplaner



Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 17.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 18 Museen sowie zwei Besucherzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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