
URL dieser Seite: https://www.lwl.org/pm64803
Presse-Infos | Kultur
Mitteilung vom 21.09.26
Werkstattareal der Römischen Kaiserzeit im Dortmunder Westen entdeckt
Dortmund (lwl). Seit Mitte August untersucht ein Ausgrabungsteam des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) gemeinsam mit der Stadtarchäologie Dortmund eine einzigartige Siedlung des 1. bis 5. Jahrhunderts n. Chr. - der sogenannten Römischen Kaiserzeit.
"Einzigartiger Werkstattbereich"
"Wir haben hier einen Werkstattbereich mit umfangreichen Befunden entdeckt", erläutert Grabungsleiterin Dr. Eva Cichy von der Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie für Westfalen. "Das ist in dieser Form im Westen des Germanischen Siedlungsgebiets eine Premiere. Außer dem ersten Töpferofen fanden wir Werkstätten der Metallverarbeitung, sie waren außergewöhnlich gut erhalten", so Cichy weiter. Die Ausgräberinnen und Ausgräber dokumentierten mehrere Areale mit Gruben, Öfen und Herden.
Germanisches Metallrecycling - eine Fundstelle überregionaler Bedeutung
"Zu den spannendsten Aspekten der Römischen Kaiserzeit rechts des Rheins, also außerhalb des römischen Imperiums, zählt die germanische Metallverarbeitung", erläutert Prof. Dr. Michael Baales, Leiter der Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie für Westfalen. "Es ist schon länger bekannt, dass die Germanen insbesondere in der späten Kaiserzeit große Mengen erhandelter oder erbeuteter römischer Metallobjekte recycelten", führt er weiter aus. Tobias Zacharias von der Stadtarchäologie Dortmund: "Bisher fehlten jedoch zu solchen Tätigkeiten passende Befunde. Dadurch ist diese Fundstelle auch von überregionaler Bedeutung."
Jan Rosbeck, ebenfalls von der Stadtarchäologie Dortmund, zum Verfahren des germanischen Metallrecyclings: "Die Germanen schmolzen hier in Tiegeln, die sie in die Öfen stellten, römischen Metallschrott. Es handelt sich um runde bis ovale Konstruktionen mit Lehmwänden, in die seitlich mit Blasebälgen Luft eingegeben wurde, um die Temperatur zu regulieren."
Ein Ofen wird geborgen
Was für Keramik im Töpferofen produziert wurde, ist noch unklar. Die Ausgrabungen sind fast beendet und der am besten erhaltene Ofen wird komplett geborgen, damit dieser einzigartige Befund zukünftig ausgestellt werden kann.
Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, Tel.: 0251 591-235 und Dr. Julia Großekathöfer, Tel.: 0251 591-8907
presse@lwl.org
Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 20 Museen, zwei Besuchendenzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 114 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
Das Presseforum des Landschaftsverbandes im Internet: https://www.lwl.org/pressemitteilungen