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Presse-Infos | Der LWL
Mitteilung vom 11.09.26
Sattes Grün in Hitzezeiten
LWL schafft durch Wiedervernässung Freiland-Exploratorium im Lüntener Wald
Münster/Ammeloe (lwl). Wie können Wälder einen Beitrag zum Klimaschutz und zum Erhalt der Biodiversität leisten? Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat hierzu mit seinem Bau- und Liegenschaftsbetrieb (LWL-BLB) Anfang des Jahres die baulichen Voraussetzungen für die Wiedervernässung des Lüntener Waldes in Ammeloe abgeschlossen und untersucht nun diese Frage. Das LWL-Museum für Naturkunde in Münster wurde von der Landschaftsversammlung des LWL beauftragt und begleitet gemeinsam mit dem Institut für Landschaftsökologie der Universität Münster die Wiedervernässung wissenschaftlich. Ein rund 30 Meter hoher Eddy-Kovarianz-Turm wurde dazu vom LWL-BLB errichtet und mit Messinstrumenten ausgestattet. Über den Turm werden in Echtzeit Kohlendioxid, Methan, Wasserdampf und weitere klimarelevante Größen erfasst. So entsteht ein Freiland-Exploratorium für Waldvernässung.
Die Ergebnisse der wasserhaltenden Maßnahmen im Wald und an den Bächen besichtigten nun Vertreter:innen des LWL vor Ort. Prof. Dr. Jan Ole Kriegs, Direktor vom LWL-Museum, und der Betriebsleiter des LWL-BLB, Matthias Gundler, führten hierzu den Dezernenten des LWL-BLB, Urs Fabian Frigger, zusammen mit der LWL-Kulturdezernentin, Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, durch die Flächen.
Die Wiedervernässungsmaßnahme "Lüntener Wald" wird von Beginn an wissenschaftlich durch Museum und Universität begleitet. Die einzigartigen Ergebnisse der Untersuchungen sollen publiziert und der Öffentlichkeit vermittelt werden. So entsteht für die Allgemeinheit ein großes "LWL-Klima- und Biodiversitätsgebiet im Forstgut Ammeloe" zum Schutz der Ökosystemleistungen des Waldes.
"Dieses Beispiel zeigt eindrucksvoll, wie unsere Landesmuseen aktiv forschen und dabei praxisnahe Beiträge zu hochrelevanten Zukunftsfragen wie Klimaschutz und Klimafolgenanpassung leisten. Ich freue mich sehr, dass wir gemeinsam mit unserem LWL-Bau- und Liegenschaftsbetrieb hier ein Freiland-Exploratorium schaffen konnten. Dass unser Museum gemeinsam mit der Universität Münster an diesem Ort Forschung auf so hohem Niveau betreibt und zugleich konkrete Erkenntnisse für den Umgang mit den Folgen des Klimawandels gewinnt, ist für den LWL von großer Bedeutung", sagt Rüschoff-Parzinger nach dem Rundgang.
Im 21. Jahrhundert wächst angesichts der Klima- und Biodiversitätskrisen das Bewusstsein, dass Wälder nicht nur der CO2-Bindung und Holzproduktion dienen, sondern zahlreiche für die Gesellschaft wichtige Funktionen übernehmen. Dazu gehören der Erhalt der Biodiversität, die Sauerstoffproduktion sowie die Reinigung und der Haushalt von Wasser.
"Der LWL-BLB hat mit seinen insgesamt rund 1.000 Hektar Wald die Möglichkeit, aktiv zum Klimaschutz beizutragen. An vernässbaren Standorten können sich, wie hier, Bruchwälder entwickeln, die als CO2-Senken fungieren. Durch die hier durchgeführten Maßnahmen, schaffen wir es, das Wasser vor Ort zu halten und in Zeiten der Hitze unsere Wälder resilient zu gestalten", erläutert Frigger.
Gundler, ergänzt: "Mit den durchgeführten Maßnahmen des LWL-BLB tragen wir einen großen Anteil dazu bei, dass die im 19. Jahrhundert trocken gelegte Moor wieder reaktiviert werden können. 'Sattes Grün' zeigt uns bereits heute, dass trotz des fehlenden Regens und der vergangenen Hitzeperiode der Waldboden mit seinen Moorflächen nach mehreren Monaten bereits wieder ein guter Wasserspeicher ist. Wir sind gespannt auf die weiteren Forschungsarbeiten und die tatsächliche Bindung der Treibhausgase, die hier zu erreichen sind."
In wiedervernässten Böden werden organische Reste von Wurzeln, Holz, Laub oder Torfmoosen unter sauerstoffarmen Bedingungen zu Torf umgewandelt. Der dabei gebundene Kohlenstoff wird dauerhaft fixiert. Die CO2-Senken-Funktion von Mooren oder staunassen Bruchwäldern ist um ein Vielfaches größer als die von konventionellen Forsten.
Schon etwas mehr als ein halbes Jahr nach der Umsetzung der Maßnahmen zeigt sich deutlich, wie stark der Lüntener Wald davon profitiert, dass Gräben geschlossen wurden beziehungsweise den Abfluss verlangsamen. Über viele Monate hinweg war der Wald nun nass und in Teilen überstaut. Selbst während der besonders heißen und trockenen Sommermonate trockneten viele Bereiche nicht komplett aus, bzw. blieben sogar durchgehend unterhalb der sichtbaren Oberfläche feucht.
Davon profitierten auch die Moorbereiche im Wald und insbesondere das Übergangsmoor rund um den Heideweiher. "Entscheidend ist, diese sensiblen Bereiche bleiben über einen außergewöhnlich langen Zeitraum sehr nass. Erst jetzt zum Spätsommer gehen nach der anhaltend heißen und trockenen Witterung die Wasserstände zurück. Ziel war also, dass weder Übergangsmoor noch Wald lange trockenfällt. Dass uns das gelungen ist, ist ein großer Erfolg und sicherlich auch ein Vorteil in Zeiten von erhöhter Waldbrandgefahr in anderen Gebieten", sagt Kriegs.
Der Einbau des Dammbalkenwehrs und die Verfüllung der Nebengräben mit kleineren Baumstämmen und Holzhackschnitzeln wurden in der zweiten Kalenderwoche 2026 abgeschlossen und am 20. Januar 2026 technisch und behördlich abgenommen. Damit sind die baulichen Maßnahmen fertiggestellt. Mit den Messungen kann perspektivisch exakt bestimmt werden, wie viele Treibhausgasemissionen durch die fortschreitende Wiedervernässung eingespart werden.
Ergebnisse
Auf Grundlage der bisherigen Messungen durch die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Mana Gharun von der Universität Münster lässt sich eindeutig feststellen, dass der Lüntener Wald vor der Wiedervernässung eine Netto-CO2-Quelle war. Ob und in welchem Ausmaß die Wiedervernässung tatsächlich zu einer Veränderung der jährlichen CO2-Bilanz führt, lässt sich jedoch erst anhand eines längeren Messzeitraums belastbar beurteilen. Dafür ist es entscheidend, die Messungen in gleicher Qualität und ohne wesentliche Datenlücken fortzuführen.
Hintergrund
Die Planung und Finanzierung des Projektes erfolgten zum großen Teil aus Fördermitteln. Als Förderung wurden Zuwendungen des Landes NRW zu Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege nach den Förderrichtlinien Naturschutz (FöNa) in Anspruch genommen.
Weitere Informationen: https://www.lwl-naturkundemuseum-muenster.de/de/wissenschaft/forschung/klima-und-biodiversitaetsgebiet-ammeloe/
Pressekontakt:
Bianca Fialla, LWL-Museum für Naturkunde, Telefon: 0251 591-6066 und Thorsten Fechtner, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org
Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 20 Museen, zwei Besuchendenzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 114 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
Das Presseforum des Landschaftsverbandes im Internet: https://www.lwl.org/pressemitteilungen