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Presse-Infos | Psychiatrie
Mitteilung vom 03.09.26
"Wenn wir rechtzeitig ansetzen, können wir Prävention leisten"
Neue Gruppe für junge Erwachsene an der LWL-Tagesklinik Iserlohn
Iserlohn (lwl). Im Garten der Tagesklinik des Landschaftsverbands Westfalen Lippe (LWL) in Iserlohn sitzt eine Gruppe junger Erwachsener. Gleich soll es mit dem Grillen losgehen, doch das Anzünden bereitet noch Schwierigkeiten. Mit Zuspruch und Tipps gelingt es aber schließlich und die jungen Menschen probieren sich als Grillmeisterinnen und Grillmeister aus. Nach getaner Arbeit wird gemeinsam gegessen.
Was für viele Menschen vielleicht selbstverständlich ist, wird hier geübt: Selbstständigkeit, auch bei den kleinen Dingen des Alltags, Gemeinschaft, aktive Freizeitgestaltung. Die jungen Menschen, die im Garten gemeinsam Würstchen, Koteletts und Salat essen, haben sich wegen unterschiedlicher psychischer Probleme für eine Behandlung in der LWL-Tagesklinik entschieden, darunter Depressionen, Angststörungen und ausgeprägte soziale Rückzugstendenzen. Das Konzept einer Tagesklinik sieht vor, dass die Patientinnen und Patienten tagsüber in die Einrichtung kommen, abends und am Wochenende aber zuhause bleiben. Die Gruppe für junge Menschen gibt es seit Anfang des Jahres an der allgemeinpsychiatrischen LWL-Tagesklinik Iserlohn an der Hardtstraße 47.
"Sensible Übergangsphase"
Marzena Wygas ist als leitende Psychotherapeutin der LWL-Tagesklinik Iserlohn auch für das neue Angebot für junge Erwachsene von 18 bis 28 Jahren zuständig. "Junge Erwachsene befinden sich in einer sensiblen Übergangsphase", sagt die Expertin. Für junge Menschen bis zum 21. Lebensjahr gibt es die Kinder- und Jugendpsychiatrie, die Erwachsenenpsychiatrie hat ein großes Altersspektrum, das ab 18 Jahren beginnt. Die neue Gruppe sei laut Wygas entstanden, um ein passgenaues Angebot zu erstellen, denn in der Altersgruppe von 18 bis 28 Jahren seien Menschen zwar nicht mehr im Jugendalter, aber oftmals auch noch nicht im gefestigten Erwachsenenleben angekommen. "Bei diesen Menschen stehen häufig existenzielle Zukunftsfragen im Zentrum: Wer bin ich, wo will ich hin und wie gestalte ich mein Leben eigenverantwortlich?", erklärt Wygas. Autonomieentwicklung, die Ablösung vom Elternhaus und die berufliche Orientierung seien Themen, die besonders für diese Altersgruppe relevant seien. Zudem beobachte sie, dass bei den jungen Patientinnen und Patienten häufig starker Medienkonsum und sozialer Rückzug vorkomme.
In der neuen Gruppe kommen unter anderem Psychotherapie und bei Bedarf und nach Absprache Medikamente zum Einsatz. Doch auch Sporttherapie, Körper- und Ausdruckstherapie sowie Gemeinschaft spielen eine große Rolle, so Wygas. Ein multiprofessionelles Team aus verschiedenen Berufsgruppen begleite die Gruppe. Ein besonderer Schwerpunkt liege auf der Förderung von Selbstständigkeit und der Bewältigung des Übergangs in ein zunehmend eigenverantwortliches Erwachsenenleben.
Enge Zusammenarbeit mit den Patientinnen und Patienten
Dass Selbstständigkeit ein wichtiges Thema der Gruppe sei, betont auch Ergotherapeut Alexander Brach. "Wir arbeiten eng mit den Patientinnen und Patienten zusammen", sagt er. Die Mitarbeitenden essen zum Beispiel auch gemeinsam mit den jungen Erwachsenen. Im Garten hat Brach vor kurzer Zeit ein Hochbeet angelegt. Das Beet wurde gemeinsam mit den jungen Erwachsenen mit Tomaten, Paprika und Kräutern bepflanzt. Die Patientinnen und Patienten gießen, pflegen, ernten und verarbeiten die Ausbeute schließlich in der Kochgruppe zu schmackhaften Gerichten, die gemeinsam gegessen werden. Das Geschirr müssen sie danach reinigen. Solche Dinge gelingen ihnen anfangs mal mehr und mal weniger gut, wie Brach erzählt. Die neue Gruppe diene auch dazu, diese Dinge zu üben und dadurch Selbstständigkeit aufzubauen.
"Maximaler Bock auf die Arbeit"
Das Team, das die neue Gruppe betreut, sei enorm motiviert. "Alle haben hier maximalen Bock auf die Arbeit", sagt Brach. Besonders schätze er, dass er das Gefühl habe, bei den jungen Erwachsenen richtig etwas bewirken zu können, bevor die Erkrankung schlimmer oder chronisch werde. Auch Wygas sieht hier einen großen Vorteil: "Wenn wir rechtzeitig ansetzen, können wir Prävention leisten."
Info: Kontakt
Wer sich für das neue Angebot interessiert, kann sich per E-Mail an die LWL-Tagesklinik Iserlohn wenden. Dafür kann die folgende E-Mail-Adresse genutzt werden: gruppe3iserlohn@lwl.org. Es wird gebeten, Namen und Telefonnummer anzugeben sowie das Anliegen kurz zu schildern.
Pressekontakt:
Philipp Stenger, LWL-Klinik Dortmund, Telefon: 0231 4503-3855 und Thorsten Fechtner, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org
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