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Presse-Infos | Kultur
Mitteilung vom 30.04.26
Nachwuchs der Senner Pferde
Fohlentaufe im LWL-Freilichtmuseum Detmold
Detmold (lwl). Das LWL-Freilichtmuseum Detmold beteiligt sich aktiv an der Zucht seltener Haustierrassen, darunter auch vom Aussterben bedrohte Arten wie die der Senner Pferde. Umso erfreulicher ist es, dass am Karsamstag (4.4.) im Freilichtmuseum ein Senner Fohlen geboren wurde. Das inzwischen 16. Fohlen aus eigener Nachzucht erhielt am Mittwoch (29.4.) von Taufpate Stephan Prinz zur Lippe den Namen "Felix Lippia".
Das Fohlen und Mutter Odette sorgten für Begeisterung unter den anwesenden Gästen der Veranstaltung - und genau diese Begeisterung und das anhaltende Interesse sind entscheidend für das Fohlen und den Erhalt der Rasse: Nach wie vor stehen diese Pferde auf der Roten Liste der gefährdeten Nutztierrassen in Deutschland und werden von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen in Gefährdungsstufe I (extrem gefährdet) gelistet - weltweit gibt es nur rund 60 von ihnen. Das lippische Fürstenhaus hat eine besondere Beziehung zu den Senner Pferden, da die Zucht bis 1919 in der Hand des Fürstenhauses lag. Durch die erste urkundliche Erwähnung 1160 gilt sie als die älteste Pferderasse Deutschlands. Das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) ist selbst im Besitz von drei Stuten: Odette (17 Jahre), Diva und Dohna (beide 2 Jahre). Die drei Damen und der kleine Hengst leben derzeit zusammen im Freilichtmuseum.
Das heutige Museumsgelände mit dem ehemaligen Tiergarten diente ab 1850 schon einmal als Weide und Außenstelle des fürstlichen Gestüts. Das Museum hat mit Unterstützung des Züchters Karl-Ludwig Lackner die Senner Pferde damit quasi an ihren ursprünglichen Standort zu-rückgebracht. "Für mich ist es eine besondere Ehre, erneut Taufpate der im Freilichtmuseum geborenen Senner Pferde sein zu können - der Erhalt dieser seltenen Pferderasse ist und bleibt ein wichtiges Anliegen in Lippe und darüber hinaus", erklärt Stephan Prinz zur Lippe. "Der Name "Felix Lippia" verweist auf die große Bedeutung, die die Zucht der Senner Pferde für das Haus Lippe hatte: Als relativ kleine Dynastie mussten sich unsere Vorfahren ihren Platz im Kreis der Europäischen Mächte durch geschickte Netzwerkpolitik erarbeiten. Um strategisch hilfreiche Verknüfungen zu schaffen oder zu pflegen, verschenkte man nicht selten an hochrangige Freunde und Verbündete ein Senner Pferd. Das war eine sehr begehrte Freundschaftsgabe. Hier gibt es eine schöne Parallele zum österreichischen Haus Habsburg. Dort prägte sich der Leitspruch "Bella gerant alii, tu felix Austria, nubes" ("Kriege führen mögen andere, du, glückliches Österreich, heiratest"). Ganz in diesem Sinn könnte man sagen: "tu felix Lippia equos nobiles donas ("⿊ du glückliches Lippe verschenkst edle Pferde"). "Felix Lippia" ist also ein Name, der die besondere Verbindung dieser Rasse zu unserer Geschichte unterstreicht und dem Pferd viel Glück mit auf seinen Weg geben soll", so Stephan Prinz zur Lippe.
Der Vater von "Felix Lippia" ist "Ismael", ein im Turniersport erfolgreicher Angloaraber aus dem Gestüt Rhön. Für Mutter Odette, deren Vorfahren lückenlos bis in das Jahr 1736 nachverfolgt werden können, ist es das vierte Fohlen.
"Dass sich das LWL-Freilichtmuseum Detmold aktiv an der Zucht der sehr seltenen Senner Pferde beteiligt, ist ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der genetischen Vielfalt und insbesondere der Genetik vom Aussterben bedrohter, historischer Rassen. Ich bin sehr froh über unsere Zuchterfolge aber vor allem darüber, dass es uns als Museum gelingt, die Bedeutung dieser Rassen öffentlich bekannt zu machen. Mit jedem neu gebohrenen Senner Fohlen ist die Zukunft dieser gefährdeten Rasse wieder ein wenig sicherer. Vor allem braucht die Rasse aber größere Bekanntheit unter pferdebegeisterten Menschen, die sich vielleicht bei ihrem nächsten Pferdekauf entscheiden, auf ein Senner Pferd "zu setzen". Und dazu tragen natürlich so besonders schöne und aufgeweckte Tiere wie "Felix Lippia" bei", freut sich Dr. Marie Luisa Allemeyer, Direktorin des LWL-Freilichtmuseums Detmold, über den Neuzuwachs des Museums.
Pressekontakt:
Lisa-Marie Möllering, LWL-Freilichtmuseum Detmold, Tel. 05231/706-110 und Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Tel. 0251/591-235
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