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Presse-Infos | Kultur

Mitteilung vom 13.03.26

Älteste Siedlung Rödinghausens entdeckt

Rödinghausen (lwl). Ein Ausgrabungsteam begleitet vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) erforscht zurzeit die älteste Siedlung Rödinghausens im Kreis Herford. Ein fünfköpfiges Team hat bereits die Spuren mehrerer Gruben und ehemalige Pfostenlöcher von Holzhäusern aus dem 1. bis 2. Jahrhundert n. Chr. freigelegt.

Bevor demnächst die Erschließungsstraßen für das neue Baugebiet "Habichtweg" im Ortsteil Schwenningdorf errichtet werden, birgt die Grabungsleiterin Kaja Kopahs mit ihrem Team unter Begleitung der LWL-Archäologie für Westfalen sämtliche Funde und fertigt maßstabsgerechte Pläne der hier vor knapp 2.000 Jahren aufgegebenen Hofstellen an.

"Für uns ist es spannend zu sehen, welche Geschichte in unserem Boden steckt", so Bürgermeister Siegfried Lux. "Wir haben die archäologischen Untersuchungen frühzeitig unterstützt, um mögliche archäologische Fundstellen vor Beginn der Bauarbeiten zu dokumentieren." Derzeit befindet sich die Gemeinde Rödinghausen im Planverfahren zur Erschließung des 'Habichtwegs'."

Hintergrund
Schon bevor die Pläne für die Erweiterung des neuen Baugebietes konkreter wurden, war der Ort im Fokus des LWL, denn bereits im Jahr 2023 konnten zahlreiche urgeschichtliche Keramikbruchstücke aufgelesen werden. Der Platz war für eine Siedlung gut gewählt, sagen die Fachleute: Auf einer leichten Anhöhe zwischen zwei Quellmulden gab es ausreichend Wasser - auch für die von den Siedlern damals gehaltenen Tiere. Trotz der Nähe zum Wasser mussten die Bewohner der hier einst stehenden Höfe keine Angst vor Hochwasser haben und die fruchtbaren Lössböden boten eine gute Grundlage für Landwirtschaft in Eigenversorgung.

Dr. Sven Spiong, Leiter der Bielefelder Außenstelle der LWL-Archäologie, freut sich über die gute Erhaltung der archäologischen Überreste: "Das neu entdeckte Bodendenkmal bietet dem Grabungsteam eine Fülle an Informationen. So lassen sich anhand der Pfostenreihe die genaue Lage und Größe der einzelnen Haupthäuser rekonstruieren. Mit etwas Glück lässt sich sogar noch die Raumeinteilung erkennen."

Unklar ist zurzeit noch, ob in dem Wohnhaus auch das Vieh zumindest im Winter untergebracht war. Bei vergleichbaren Häusern derselben Zeit, wissen die Forschenden, ist ein Wohnteil im Westen mit einer Feuerstelle durch einen Korridor mit den beiden Eingängen im Norden und Süden von einem Stallteil mit Viehboxen im Ostteil getrennt.

Schon jetzt zeichnet sich anhand Erdverfärbungen im Boden ein Nebengebäude ab, das in den Boden eingetieft wurde. Kleine tönerne Schwungscheiben von Handspindeln zeugen von einer Herstellung von Textilien für den eigenen Bedarf. Die Grabung wird möglicherweise anhand von Tierknochen und botanischen Proben zeigen, ob ausschließlich die Haltung von Schafen für die Gewinnung von Wolle dabei eine Rolle spielte oder ob auch pflanzliche Fasern wie Flachs von Bedeutung waren.

"Anders als die Siedlungen an den größeren Flüssen lebten die Menschen hier abseits der großen Importströme. Daher überrascht es nicht, dass sich Funde von Importwaren aus dem Römischen Reich bisher auf eine rote Glanztonscherbe feinen Tafelgeschirrs beschränken", erklärt Spiong. Metallfunde lassen bisher noch auf sich warten. Deshalb schauen die Ausgräberinnen und Ausgräber auf die weitere Ausgrabung der Gruben, die gerade erst begonnen hat.

Erschließung kann beginnen
Die Grabung im Bereich der Straßen wird noch vor dem Sommer abgeschlossen, damit die Erschließung der Grundstücke mit den Leitungen unter der Baustraße beginnen kann. Anschließend wird die LWL-Archäologie im Sommer den eigentlichen Kernbereich der Siedlung in sechs Wochen untersuchen.

Weitere baubegleitende Untersuchungen werden sich auf die Baugruben der Neubauten beschränken, um das Bodendenkmal in weiten Teilen zu erhalten und die Kosten für die Ausgrabung möglichst gering zu halten.

Führung am Mittwoch
Am Mittwoch, den 18. März, informiert der LWL-Archäologe Sebastian Düvel um 17 Uhr in einer kostenlosen öffentlichen Führung über die ersten Grabungsergebnisse. Treffpunkt ist direkt an der Grabung an der Straße "Zum Nordbachsiek".


Achtung Redaktionen:
Ansprechpartner sind die LWL-Fachleute Dr. Sven Spiong für den Pressetermin und Sebastian Düvel auf der Führung.

Veranstaltungsort der Führung: direkt auf der Grabung an der Straße "Zum Nordbachsiek" am Mittwoch, 18. März, 17 Uhr.


Achtung Redaktionen:
Gerne stellen wir Ihnen den Kurzfilm mit dem Überflug über die Grabung als mp4-Datei zur Verfügung. Melden Sie sich dazu einfach per Mail an presse@lwl.org.



LWL-Einrichtung:
LWL-Archäologie für Westfalen
Außenstelle Bielefeld
Am Stadtholz 24 a
33609 Bielefeld

Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Sandra Görtz, LWL-Archäologie für Westfalen, Tel.: 0251 591-8946
presse@lwl.org



Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 20 Museen, zwei Besuchendenzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 114 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.



Foto zur Mitteilung
Luftbild über die Grabungsfläche von Norden. Im Vordergrund ist die Quelle mit dem anschließenden Bach zu sehen.
Foto: LWL-Archäologie für Westfalen / A. Koch

Foto zur Mitteilung
Grabungsmitarbeiter Gligor Bozinoski schneidet die Verfüllungen der Pfostengruben, die sich im Profil deutlich als dunkle Verfärbungen abzeichnen.
Foto: LWL-Archäologie für Westfalen / S. Spiong

Foto zur Mitteilung
Grabungsleiterin Kaja Kopahs markiert die Lage der verfüllten Gruben mit kleinen Fähnchen. In der Bildmitte die dunkle Spur eines kleinen kellerartigen Nebengebäudes.
Foto: LWL / S. Spiong

Foto zur Mitteilung
Reinigung eines sogenannten Spinnwirtels, der als Schwungscheibe einer hölzernen Handspindel benutzt wurde.
Foto: Denkmal3D GmbH & Co. KG

Foto zur Mitteilung
Die Keramikscherben lokaler Produktion unterscheiden sich deutlich von der roten Scherbe römischer Importware.
Foto: Denkmal3D GmbH & Co. KG

Foto zur Mitteilung
Die aktuelle Grabung konzentriert sich hauptsächlich auf Bereiche der zukünftigen Straßen.
Foto: LWL / A. Koch

Foto zur Mitteilung
QR-Code zum Kurzfilm.
Überflug über die Grabung vom Osten nach Westen mit anschließendem Kameraschwenk.
Film: LWL / A. Koch


Die gezeigten Fotos stehen im Presseforum des Landschaftsverbandes zum Download bereit.



Das Presseforum des Landschaftsverbandes im Internet: https://www.lwl.org/pressemitteilungen