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Presse-Infos | Psychiatrie

Mitteilung vom 03.03.26

Mit der VR-Brille gegen die Angst
LWL-Klinik Dortmund nutzt neue Technologien für die Therapie

Dortmund (lwl). Maik Kindler steht auf einer Holzplanke und schaut in die Tiefe. Vögel fliegen vorbei, weit unten sind Autos zu erkennen. Angeleitet wird er von einer Psychologischen Psychotherapeutin der LWL-Klinik Dortmund. Dann ist plötzlich alles vorbei: Maik Kindler steht wieder im Ambulanzzentrum auf dem Klinikgelände und nimmt sich die Virtual-Reality-Brille (VR-Brille) ab.

Neue Technologie im Einsatz
Der 51-Jährige Elektriker hat Höhenangst. "Ich habe deshalb sogar schon mal eine Hochzeit verpasst, weil diese im Florianturm in Dortmund stattgefunden hat", erzählt Kindler. Regelmäßig geht er nun zur Klinik Dortmund des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), um sich ambulant therapieren zu lassen. Seine Psychotherapeutin, Feyza Er, setzt dabei eine neue Technologie ein, die viele eher mit Videospielen in Verbindung bringen: VR-Brillen. Diese lassen die Nutzerinnen und Nutzer in virtuelle Welten eintauchen.

Im Fall von Maik Kindler nutzt Psychotherapeutin Feyza Er ein virtuelles Szenario, das Höhe simuliert. "Durch die therapeutisch begleitete Konfrontation mit der Angst können neue Lernerfahrungen entstehen, die den Umgang mit der Angst langfristig erleichtern sollen", erklärt Feyza Er. Virtuelle Szenarien können als Baustein der Therapie dienen und etwa den Umgang mit Höhen im realen Leben vorbereiten. Fachleute nennen das Konfrontationstherapie oder auch Expositionstherapie. "Bei der Behandlung von Phobien ist das der Goldstandard", weiß die Psychotherapeutin. Natürlich sei die Expositionstherapie aber nicht erst mit der VR-Brille gekommen, ergänzt Feyza Er. Das neue technische Mittel sei aber eine neue Art, diese Therapie anzuwenden, wenn eine Expositionstherapie "im echten Leben" nicht verfügbar oder nicht möglich ist.

Bildschirme vor den Augen
VR ist die Abkürzung für "Virtual Reality", auf Deutsch übersetzt "virtuelle Realität". Die Brillen, die äußerlich wie eine Mischung aus Fernglas und Kopfhörer aussehen, haben Bildschirme statt Brillengläser. So kann man fast unmittelbar in eine virtuelle Welt blicken, denn die Bildschirme werden als solche nicht wahrgenommen. Die VR-Brille erkennt zudem die Bewegung des Körpers. Bewegt man den Kopf nach rechts, so richtet sich auch der virtuelle Blick nach rechts. Geht man einen Schritt nach vorne, so bewegt sich auch der virtuelle Blick nach vorne. Zusätzlich helfen kleine Geräte, die in der Hand gehalten werden. So kann auch die Position der Hände von dem Gerät erkannt und entsprechend in der virtuellen Welt dargestellt werden.

Virtuelle Welten, reale Reaktionen
Die virtuelle Erfahrung wirke dabei oft ganz und gar nicht virtuell, berichtet Kindler: "Ich war schon sehr überrascht, was da alles im Kopf los ist", sagt er. Bei seinen ersten Versuchen seien seine Beine wie angewurzelt gewesen. Heute könne er auf dem virtuellen Hochhaus allerlei Übungen machen - alles mithilfe der VR-Brille und der therapeutischen Anleitung von Feyza Er. Überraschend: Die Grafik der virtuellen Welt ist eher einfach gehalten. Doch trotzdem können die Szenarien den Kopf austricksen, wie auch Feyza Er schmunzelnd berichtet. Auch wenn sie mit der VR-Brille in den Abgrund schaue, mahne ihr Kopf zur Vorsicht, obwohl sie keine Höhenangst habe.

Ein Baustein von vielen
Wird nun die gesamte Therapiewelt auf den Kopf gestellt? "Die VR-Brille ist ein Baustein von vielen", ordnet die Psychotherapeutin ein. Wichtig seien etwa ebenso sorgfältige Vorgespräche sowie eine emphatische und zielgerichtete therapeutische Begleitung der Therapie. Auch die therapeutisch angeleitete Auseinandersetzung mit Ängsten im echten Leben sei durch die neue Technologie nicht obsolet geworden. Bald wollen Feyza Er und Maik Kindler etwa das Dortmunder U besuchen, dessen sieben Etagen mit Rolltreppen erklommen werden können. Das Ziel sei stets, dass die Patientinnen und Patienten dazu angeleitet werden, sich auch ohne professionelle oder virtuelle Hilfe ihren Ängsten stellen zu können, erklärt die Psychotherapeutin.

Vielleicht ein Besuch des Möhnesee-Turms
"Ich weiß noch nicht, ob ich ins Riesenrad gehen würde", sagt Maik Kindler mit einem Lächeln. Doch zahlreiche Ausflugsideen, die früher undenkbar erschienen, seien jetzt durchaus vorstellbar - wie beispielsweise ein Besuch des Möhnesee-Turms. Und auch im Alltag merke Kindler, dass er seine Angst immer mehr in den Griff bekomme. Der 51-Jährige ist überzeugt, dass ihm die Therapie helfe - und zudem mache sie trotz aller Anstrengung und Überwindung auch Freude: "Es ist mega anstrengend", sagt der 51-Jährige, "Ich freue mich aber jedes Mal, wenn ich hier bin."

Info: Der Weg zur VR-Therapie
Die LWL-Klinik Dortmund bietet die VR-gestützte Therapie etwa bei der Behandlung von Angststörungen an. Teilnehmende müssen über 18 Jahre alt sein und eine der folgenden Diagnosen haben: Spezifische Phobie, Agoraphobie oder Soziale Phobie. Ebenso wird die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit angstauslösenden Situationen vorausgesetzt. Eine Anmeldung ist erforderlich. Die Therapie findet an der LWL-Klinik Dortmund an der Marsbruchstraße 179 in 44287 Dortmund statt. Für weitere Infos können Interessierte an folgende Mailadresse schreiben: VR-Therapie@lwl.org.

Pressekontakt:
Philipp Stenger, LWL-Klinik Dortmund, Telefon: 0231 4503-3855 und Thorsten Fechtner, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org



Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit 21.000 Beschäftigten für die 8,4 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.



Foto zur Mitteilung
Eine Therapieform wie aus einem Science-Fiction-Film: Maik Kindler lässt sich wegen Höhenangst ambulant an der LWL-Klinik Dortmund therapieren. Dabei kommt eine VR-Brille zum Einsatz.
Bild: LWL / Philipp Stenger

Foto zur Mitteilung
Die VR-Brille und die zwei in der Hand gehaltenen Geräte erkennen die Position des Körpers und passen den virtuellen Blick in der Computer-Simulation der aktuellen Körperposition an. Im Hintergrund ist die virtuelle Welt zu erkennen, die für Patientinnen und Patienten mit Höhenangst erstellt wurde.
Bild: LWL / Philipp Stenger


Die gezeigten Fotos stehen im Presseforum des Landschaftsverbandes zum Download bereit.



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