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Presse-Infos | Soziales
Mitteilung vom 18.02.26
LWL-Messe der Inklusionsunternehmen 2026 in Dortmund
Das "A-Team"- Mit gelebter Inklusion hat sich das Unternehmen Amendt Dienstleistungsgruppe ein neues Miteinander aufgebaut
Dortmund/Münster (lwl). In Westfalen-Lippe sorgen rund 170 Inklusionsunternehmen für Inklusion im Arbeitsleben. Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten in den Firmen zusammen, die sich auf dem freien Markt beweisen müssen. Und die Arbeitsplätze für die Menschen mit Behinderung sind im Schnitt deutlich kostengünstiger als die Plätze in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Bei der LWL-Messe der Inklusionsunternehmen am 11. März in der Messe Dortmund präsentieren sich Firmen, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) bei ihrer Arbeit unterstützt. Eines der Inklusionsunternehmen hat seinen Sitz in Münster.
In Münster und Umgebung ist Amendt seit 1979 eine feste Größe. Bedingt durch kontinuierliches Wachstum zog das Familienunternehmen vor zwei Jahren an ein neues 6.000 Quadratmeter großes Gelände in einem Münsteraner Industriegebiet. Die vom LWL-Inklusionsamt Arbeit geförderte Inklusionsabteilung ist dabei Teil des Erfolgsrezepts und selbst ein Wachstumsfaktor im "A-Team" - wie sich das Unternehmen selbst nennt.
Diese Abteilung gibt es zwar offiziell erst seit 2023, inklusiv gearbeitet wurde bei Amendt aber schon vorher: "Wir arbeiten mit unglaublich vielen Menschen. Bevor wir die Inklusionsabteilung gegründet haben, gab es auch schon Menschen mit Behinderung im Unternehmen. Aber dann kam die Idee: Können wir das noch ausweiten?", sagt Geschäftsführer Mario Amendt. Gemeinsam mit Vertriebsleiter Hans-Victor Neuhaus tauchte er tiefer ins Thema inklusives Arbeitsleben ein. Es entstand ein erster Kontakt zum LWL-Inklusionsamt Arbeit, mit dem man einen Fünf-Jahres-Plan für die Entwicklung der neuen Inklusionsabteilung aufstellte. Teil davon: eine Einladung zur LWL-Messe der Inklusionsunternehmen 2023.
Eine echte Erfolgsgeschichte
Auf der bundesweit größten Messe ihrer Art präsentierte sich die Münsteraner Firma - und machte dabei offensichtlich eine gute Figur. Denn hier traf man auf Stephan Wolff, der nach einer schweren Erkrankung eine Anstellung suchte. Mittlerweile ist er aus dem Unternehmensalltag nicht wegzudenken und springt zwischen Büro- und Lagertätigkeiten - wo er gerade gebraucht wird. Ihm gefallen die Abwechslung und sein Team. Man komme ihm entgegen, erklärt er, was er nach seiner langen Krankheitsgeschichte leider auch sehr anders kenne.
Der Beginn einer Erfolgsgeschichte: Den damaligen Fünf-Jahres-Plan hat das Team bereits nach nicht einmal zweien durchlaufen. Mittlerweile sind elf der rund 180 Mitarbeitenden bei Amendt Menschen mit einer Behinderung, eine zwölfte Stelle ist in Planung. Die inklusiven Kräfte sind in allen Bereichen des Unternehmens tätig, vom Büro übers Lager bis in den Außendienst.
Durch das breite Dienstleistungsangebot kann man bei Amendt gut auf verschiedene Krankheitsbilder eingehen und passende Stellen finden, in denen neue Mitarbeitende ihre Stärken ausspielen können. Das sei natürlich auch ein Prozess, erklärt Neuhaus, man habe aber Wege gefunden, die Teams gut auf ihre neuen Kolleg:innen einzustellen und so ein starkes Miteinander im Unternehmen zu schaffen: "Es hat auch viel mit Kommunikation und viel mit Erklärung zu tun. Man muss die Leute abholen und ihnen erklären, was wir da machen - und warum wir das machen", erzählt er. Für den Einstieg eines Mitarbeitenden mit einer psychischen Erkrankung habe er zunächst selbst noch ein kleines Handout entwickelt, um das Team über den Umgang mit ihrem neuen Kollegen aufzuklären.
Gute Strukturen wachsen zusammen
Mittlerweile hat das Unternehmen strukturierte Abläufe etabliert, um für jeden Neuzugang einen guten Start zu gewährleisten. "Es gibt einen Onboarding-Prozess. Es gibt einen festen Ansprechpartner, einen Sparringspartner", erklärt Amendt. Zudem sei eine studierte Psychologin im Unternehmen tätig, die den Mitarbeitenden zum Gespräch zur Verfügung steht. Auch der neue Unternehmensstandort tue hierbei sein Übriges, denn man arbeite gerade im inklusiven Bereich deutlich zentralisierter. Mitarbeitende mit Behinderung können hier nicht nur die unterstützenden Maßnahmen besser in Anspruch nehmen, sondern auch von den umfangreichen Teambuilding- und Entspannungsmöglichkeiten vor Ort profitieren.
Insgesamt sei es wichtig, so Amendt, auf die Menschen einzugehen und sich auf sie einzustellen. Dann sehe man auch schnell die Bestätigung und ein erfolgreiches Miteinander: "Es ist beeindruckend zu erleben, wie schnell Barrieren verschwinden, wenn man sich gegenseitig mit Respekt und Vertrauen begegnet. Viele Vorurteile lösen sich im Alltag einfach auf, weil wir zeigen: Gemeinsam funktioniert es", berichtet der Geschäftsführer. Das zeigt sich für Neuhaus auch in der starken Resonanz der Teamleiter:innen. Sie schätzen den Einsatz und die Zuverlässigkeit ihrer neuen Kolleg:innen und das starke Miteinander im "A-Team", was zu einer sehr geringen Fluktuation führt. Die Gesamtsituation stimmt: "Inklusion wird gelebt und das ist ein Teil des Ganzen: Die Leute fühlen sich wohl und bringen Leistung", erklärt er.
Machen statt Warten
Für Neuhaus kristallisieren sich hier auch die eigenen Stärken heraus, auf die man sich selbstbewusst besinnen kann: "Viele Unternehmen schätzen nicht richtig ein, dass die Mitarbeiter das Kernkapital sind. Das wird aber hier gelebt - täglich." Das mag blumig klingen, ist aber für einen Dienstleistungsanbieter schlichte Realität. Dass Inklusion so verstanden eine Erfolgsgeschichte ist, zeigt sich an Beispielen wie Stephan Wolff, aber auch bei Neuzugängen wie Gordon Krause.
Er wurde im Vorjahr vom Integrationsfachdienst auf Amendt aufmerksam gemacht - und nach einem einmonatigen Praktikum direkt übernommen. Im "A-Team" hat er die passenden Arbeitsstrukturen gefunden, die seine Möglichkeiten berücksichtigen, ihm aber gleichzeitig ermöglichen, seine Stärken als Kfz-Mechatroniker und IT-Spezialist einzubringen. Er ist zum einen im Fuhrpark des Unternehmens aktiv, den er gemeinsam mit einer weiteren Inklusionskraft komplett auf Vordermann brachte. Zudem leitete Krause federführend die Implementierung einer neuen Logistik-Software - und schulte anschließend auch die Abteilungsleiter des "A-Teams" - den Geschäftsführer inklusive. Abgesehen von der Mittagspause im Massagesessel vor Ort helfen ihm die flexiblen Arbeitszeiten und das gute Miteinander im Team: "Es haben sich alle Mühe gegeben, mich hier gut aufzunehmen und auch da zu sein, wenn ich irgendwelche Fragen habe. Das Onboarding hat gut funktioniert", erzählt Krause.
Dieses Bemühen ist der entscheidende Teil von Krauses eigenem Verständnis von Inklusion: "Im Prinzip geht es einfach darum, eine Gesellschaft so zu gestalten, dass daran alle teilhaben können. Dass man nicht aufgrund von Erkrankungen oder anderen Sachen irgendwie ausgegrenzt ist." Das deckt sich mit dem Selbstverständnis des Unternehmens. Für Mario Amendt geht es darum, sich einzusetzen - und dass lieber früher als später: "Als Inklusionsbetrieb wollen wir aktiv dazu beitragen, unsere Gesellschaft inklusiver und gerechter zu machen - nicht irgendwann, sondern jetzt. Handeln statt Reden, Machen statt Warten."
Hintergrund Integrationsbetriebe
In Westfalen-Lippe gibt es zurzeit rund 170 Inklusionsunternehmen oder -abteilungen in Firmen aus Industrie, Handel und Gewerbe, in denen etwa 2.200 Menschen mit Behinderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten. Die Betriebe, in denen Menschen mit und ohne Behinderung beschäftigt sind, sind rechtlich und wirtschaftlich selbstständig. Sie müssen sich wie jedes andere Unternehmen am freien Markt behaupten.
Der LWL unterstützt diese Firmen mit Mitteln aus der Ausgleichsausgabe, die Unternehmen leisten müssen, die nicht mindestens fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze mit Menschen mit Behinderung besetzen. Die Inklusionsunternehmen bekommen beispielsweise Zuschüsse zu Investitionen, betrieblichem Mehraufwand, Betreuung und Lohnkosten. An der Finanzierung beteiligen sich auch die Bundesagentur für Arbeit, das Land Nordrhein-Westfalen über das Programm "Integration unternehmen!" sowie die Stiftung Wohlfahrtspflege NRW und die Aktion Mensch.
Die LWL-Messe der Inklusionsunternehmen wird präsentiert unter https://www.lwl-messe.de. Geschichten, Infos und Wissenswertes rund um das Thema »Arbeiten und Inklusion« bietet der Blog: https://www.inklusives-arbeitsleben.lwl.org, der auch bei Facebook unter https://www.facebook.com/inklusives.arbeitsleben vertreten ist. Ein Kurzfilm zum Thema Inklusionsunternehmen ist hier zu sehen: https://www.youtube.com/watch?v=8klZxW-77dg&feature=youtu.be
Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org
Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit 21.000 Beschäftigten für die 8,4 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
Das Presseforum des Landschaftsverbandes im Internet: https://www.lwl.org/pressemitteilungen