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Presse-Infos | Kultur

Mitteilung vom 17.11.20

So lebten die Menschen an der oberen Ruhr
Bildband präsentiert Wickede und das Ruhrtal im Spiegel der Fotografien Heinrich Lehns

Wickede (lwl). Den Alltag an der Ruhr um die Mitte des 20. Jahrhunderts porträtiert ein neuer Fotoband, den der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) jetzt gemeinsam mit der Gemeinde Wickede an der Ruhr (Kreis Soest) herausgegeben hat. Am Montag (16.11.) wurde die Publikation in Wickede der Öffentlichkeit vorgestellt.

Rund 50 Jahre lang war Heinrich Lehn (1902-1976) als leidenschaftlicher Amateurfotograf aktiv. Schon als Teenager hatte er seine Liebe zur Fotografie entdeckt, die ihn ein Leben lang begleitete. Zu Beginn der 1930er Jahre erwarb er seine erste Rolleiflex-Kamera und fotografierte seitdem vor allem im 6x6 Mittelformat. Fast alle seine Motive fand er in und um Wickede - so wurde er fast ein halbes Jahrhundert lang zum visuellen Chronisten seines Heimatortes. Im Mittelpunkt seiner erhalten gebliebenen Aufnahmen stehen der Ort und seine Menschen, Ereignisse und Veranstaltungen sowie die durch die Ruhr geprägte Landschaft.

Im Jahr 2005 übergab sein Sohn Dr. Franz Heinrich Lehn über 700 Original-Negative aus dem Nachlass seines Vaters an das Bildarchiv des LWL-Medienzentrums. Vor zwei Jahren entwickelten die Gemeinde Wickede, der Heimatverein Wickede Ruhr und das LWL-Medienzentrum dann die Idee, ausgewählte Fotografien Lehns in einem gemeinsamen Bildband vorzustellen.

Der ist nun als Band 11 der Reihe "Aus westfälischen Bildsammlungen" beim Tecklenborg-Verlag erschienen. Im hochwertigen Duoton-Druckverfahren präsentiert er eine von LWL-Fotograf und Bildwissenschaftler Stephan Sagurna, Josef Kampmann (Heimatverein Wickede) sowie Bürgermeister Martin Michalzik (Gemeinde Wickede) zusammengestellte Auswahl von 134 Fotografien, die in der Zeit von 1920 bis 1960 entstanden sind. Zwei einführende Textbeiträge von Stephan Sagurna sowie Volker Jakob, Historiker und ehemaliger Leiter des Bild-, Film- und Tonarchivs im LWL-Medienzentrum, informieren zum zeit- und lokalhistorischen Hintergrund und ordnen die Fotografien von Heinrich Lehn wissenschaftlich ein.

Sechs Bildkapitel zeigen Ortsansichten, Motive von der Ruhr, Menschen, Ereignisse, Landschaften und Brücken. Immer wieder fallen in dem schwarz-weißen Bilderbogen historischer Fotografien die dekorativ in Szene gesetzten Wolken über Ruhrlandschaften und Stadtansichten auf. Als ambitioniertem Fotoamateur ging es Lehn stets auch um "das schöne Bild". Der Band verschweigt nicht, dass Heinrich Lehn ein engagierter Parteigänger und Funktionsträger der Nationalsozialisten war. So zeigen seine Motive auch die Symbole und Rituale nationalsozialistischer Machtentfaltung in der Provinz: die Inszenierung von Fackelzügen und Sonnenwendfeiern ebenso wie das Hakenkreuz als selbstverständlichen Bestandteil von Uniformen und Anstecknadeln am Sonntagsanzug.

Der fotografischen Qualität und der lokalhistorischen Aussagekraft der Bilder tut dies keinen Abbruch. "Der Band lädt ein zu einer Entdeckungsreise in eine typische westfälische Gemeinde in der Mitte des 20. Jahrhunderts und damit in eine heute versunkene Lebenswelt" betont Bürgermeister Dr. Martin Michalzik.

"Die vorliegende Publikation schließt eine Lücke in der westfälischen Fotogeschichtsschreibung", sagt Prof. Dr. Markus Köster, Leiter des LWL-Medienzentrums. "Sie zeigt nicht nur ein facettenreiches Bild vom Leben an der Ruhr in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, sondern steht auch exemplarisch für eine sich emanzipierende, anspruchsvolle Amateurfotografie ab den 1930er Jahren, die vor allem auf der Etablierung von Mittelformatkameras wie der Rolleiflex beruhte."

Alle rund 700 Motive der Sammlung Lehn sollen im kommenden Jahr auch im Online-Bildarchiv des LWL-Medienzentrums erschlossen werden und werden dann - wie rund 60.000 weitere Fotografien aus ganz Westfalen - unter http://www.bildarchiv-westfalen.lwl.org sichtbar sein.

"Menschen an der Ruhr.
Die Gemeinde Wickede und ihr Fotochronist Heinrich Lehn"

Aus Westfälischen Bildsammlungen, Bd. 11,
Steinfurt. Tecklenborg Verlag, 19,80 Euro, ISBN 978-3-944327-89-1.

Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org



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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 18.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 18 Museen sowie zwei Besucherzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.



Foto zur Mitteilung
Kettenschmiede, um 1935.
Foto: LWL/Sammlung Heinrich Lehn

Foto zur Mitteilung
Auf dem Schützenfest, 1938.
Foto: LWL/Sammlung Heinrich Lehn

Foto zur Mitteilung
Der Bildband "Menschen an der Ruhr. Die Gemeinde Wickede und ihr Fotochronist Heinrich Lehn".
Foto: LWL


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