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Presse-Infos | Der LWL
Mitteilung vom 13.09.13
Grußwort anlässlich des Festaktes zum 125-jährigen Bestehen des Vereins für katholische Arbeiterkolonien in Westfalen am 15.09.2013 in Reken
Grußwort des Vorsitzenden der Landschaftsversammlung
im Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL),
Dieter Gebhard,
anlässlich des Festaktes zum 125-jährigen Bestehen
des Vereins für katholische Arbeiterkolonien in Westfalen
am 15.09.2013 in Reken
Es gilt das gesprochene Wort!
Verehrte Exzellenz Bischof Dr. Genn,
sehr geehrter Herr Abgeordneter Schemmer (MdL),
sehr geehrter Herr Kreisdirektor Dr. Hörster (Kr. Borken),
sehr geehrter Herr Bürgermeister Seier (Reken),
verehrter Herr Hülskamp (Vors. Verein für kath. A. in W.),
meine sehr geehrten Damen und Herren,
als Vorsitzender der Landschaftsversammlung, der Vertretung der 27 Städte und Kreise aus ganz Westfalen-Lippe, überbringe ich Ihnen die Grüße des LWL und freue mich, dem Verein für katholische Arbeiterkolonien in Westfalen zu seinem 125-jährigen Jubiläum gratulieren zu dürfen.
1888 wurde der Verein gegründet. Zu dieser Zeit stand das Industriezeitalter im Zenit: Ein Vielzahl neuer Waren wurde produziert, es herrschte ein zunehmender Wohlstand. Fortschritte in Medizin und Hygiene führten zusammen mit einer besseren Nahrungsmittelversorgung zu einem Bevölkerungswachstum in bisher unbekannter Höhe. Gleichzeitig waren aber auch die Entwurzelung von Menschen, bittere Armut und große Verzweiflung allgegenwärtig.
Erst seit wenigen Jahren gab es in Deutschland eine Kranken- und eine Unfallversicherung. Die gesetzliche Rentenversicherung sollte ein Jahr später folgen, die Arbeitslosenversicherung sogar erst 1927.
Bereits 1886 entstand im Rahmen der Neuordnung der provinziellen Selbstverwaltung im preußischen Staat der Vorgänger des LWL, der Provinzialverband Westfalen, ein Kommunalverband mit umfangreichen regionalen Selbstverwaltungskompetenzen. Dazu gehörten unter anderem das Landarmenwesen und die Fürsorgeanstalten für Blinde, Taubstumme und Geisteskranke.
Damit verbindet den Verein für katholische Arbeiterkolonien in Westfalen und den LWL mit seinem Vorgänger, dem Provinzialverband Westfalen, eine lange gemeinsame Geschichte. 125 Jahre, in denen man sich um Menschen kümmerte, die nicht zu den Gewinnern der gesellschaftlichen Entwicklung zählten, sondern auf ihrer Schattenseite standen. Diese hilfsbedürftigen Menschen zu unterstützen, war und ist unsere gemeinsame Aufgabe.
Meine Damen und Herren,
in den vergangenen 125 Jahren hat sich viel getan. Damals sprach man von Krüppeln, von Taubstummen und von Vagabunden. Tagelöhner und Wanderbettler sah man als Gefahr, als Gefahr für die öffentliche Ordnung. Viel zu lange hat es gedauert, bis man dieses Denken aufgab. Erst mit dem Inkrafttreten des Bundessozialhilfegesetzes am 1. Juni 1962, dem Vorgänger des heutigen 12. Sozialgesetzbuchs, wurde ein Rechtsanspruch auf Sozialhilfe, also auf staatliche Unterstützung für bedürftige Menschen geschaffen.
Gemäß Artikel 1 Absatz 1 unserer Verfassung ist die Würde des Menschen unantastbar. Zur Würde des Menschen gehört es aber, ihn dann zu unterstützen, wenn er Hilfe benötigt. Doch wie hat diese Hilfe genau auszusehen, meine Damen und Herren?
Diese Frage wurde in der Vergangenheit und wird auch zukünftig unterschiedlich beantwortet. Es ist aber festzustellen, dass sich der Verein für katholische Arbeiterkolonien und der LWL im Laufe der vergangenen 125 Jahre den stetigen Veränderungen mit Erfolg gestellt haben. Darauf können wir stolz sein.
Mit Sicherheit hat sich in dieser langen Zeit das Menschenbild der Gesellschaft völlig verändert. Ich erwähnte es bereits. Und doch gibt es vielleicht so etwas wie einen roten Faden, etwas Gemeinsames.
Letztendlich bringt dies nichts besser zum Ausdruck als das soeben zitierte Grundrecht unserer Verfassung. Denn die Würde des Menschen gebietet es, dass der Mensch zwar unterstützt, nicht aber abhängig gemacht wird.
In der Arbeit des Vereins der katholischen Arbeiterkolonien in Westfalen kommt das wunderbar zum Ausdruck. Jeder Mensch soll seine Fähigkeiten und Kräfte einsetzen, um sein eigenes Leben zu gestalten, um sich selbst zu helfen. Nur wenn dies gelingt, gelingt Unterstützung.
Diese Grundhaltung ist auch die Grundhaltung der kommunalen Selbstverwaltung. Nicht der Staat, der sich um alles kümmert, sondern die Gemeinschaft der Bürgerinnen und Bürger, die ihre eigenen Angelegenheiten regeln, das ist das Leitbild kommunaler Selbstverwaltung.
Dieses Leitbild für Ihre Arbeit, für unsere Arbeit, dieses Leitbild hat die Arbeit in den gemeinsamen 125 Jahren geprägt.
Der LWL fühlt sich eng verbunden mit dem Verein für katholische Arbeiterkolonien in Westfalen und seiner Arbeit. Und wir fühlen uns eng verbunden mit den Menschen, die in den Einrichtungen des Vereins leben. Wir können mit Stolz zurückblicken auf eine gemeinsame Geschichte, in der viel erreicht wurde, und wir sollten daraus Kraft schöpfen, unsere Arbeit auch in Zukunft erfolgreich fortzusetzen.
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
von Minden-Lübbecke bis Siegen und von Paderborn bis Bottrop reicht das Gebiet des LWL. Ich selbst komme aus Gelsenkirchen, einer Stadt, die mit Industriealisierung und harter Arbeit viel Erfahrung hat. Ich möchte daher mit einem Gruß für Ihre Zukunft schließen, der für meine Stadt und für unsere gemeinsame Geschichte steht. Ich wünsche dem Verein für katholische Arbeiterkolonien in Westfalen und Ihnen, meine Damen und Herren, für Ihre Zukunft ein herzliches Glückauf!
Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org
Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit 20.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 18 Museen sowie zwei Besucherzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
Das Presseforum des Landschaftsverbandes im Internet: https://www.lwl.org/pressemitteilungen