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Presse-Infos | Psychiatrie
Mitteilung vom 04.09.13
Wieder suchtfrei leben - http://www.drug-out.lwl.org ist online
LWL-Uniklinik Hamm bietet Informationen zum Drogenausstieg für junge Menschen
Hamm (lwl). ¿Ich wollte ja aufhören, aber ich wusste nicht wie und auch nicht, wer mir dabei helfen kann!¿, diese Aussage hört Dr. Moritz Noack, Oberarzt des Schwerpunktbereichs Sucht an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) häufig von seinen Patienten und er findet sie alarmierend. Deshalb ist dem Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie http://www.drug-out.lwl.org , die Homepage des Suchttherapieangebots der LWL-Uniklinik Hamm, ein wichtiges Anliegen. Sie bietet jungen Betroffenen, ihren Angehörigen und professionellen Helfern schnell und unbürokratisch Informationen zum Drogenausstieg mit Hilfe des bewährten Hammer Behandlungs- und Therapieangebotes. Jetzt ist die frisch überarbeitete Seite online.
Herr Dr. Noack, wozu braucht eine Suchttherapie eine Homepage?
Noack: Wir wollen Hemmschwellen abbauen und über unser Angebot informieren. Drogensucht macht oft einsam. Für viele Betroffene dreht sich der ganze Tag nur um den Konsum und die Möglichkeit, an Stoff zu kommen. Soziale Kontakte treten in den Hintergrund, werden häufig völlig abgebrochen. In dieser Situation fällt es den jungen Menschen oft schwer zuzugeben, dass sie Hilfe brauchen, geschweige denn, sich welche zu suchen. Im Internet können sie erst einmal anonym bleiben, sich informieren aber auch direkt Kontakt aufnehmen. Egal, aus welchem Grund der Klick auf http://www.drug-out.lwl.org erfolgt ¿ es ist auf jeden Fall ein erster Schritt, aktiv zu werden!¿
Was war der Anlass für die Überarbeitung der Homepage?
Noack: Wir wenden uns mit unserer Homepage an eine sehr junge Zielgruppe. Unsere Patienten sind Jugendliche sowie junge Erwachsene bis zum 23. Lebensjahr. Das bedeutet, wir müssen uns zeitgemäß präsentieren, um eine Akzeptanz unter den Betroffenen zu erreichen. Dabei dürfen wir die Angehörigen und professionellen Helfer nicht außer Acht lassen, die sich einen gut strukturierten Überblick über unser Therapieangebot wünschen. Außerdem entwickelt sich das Behandlungskonzept von Suchterkrankungen stetig weiter. Auch das dokumentieren wir auf diesem Weg.
Was erwartet den User beim Klick auf http://www.drug-out.lwl.org?
Noack: Die Jugendlichen oder jungen Erwachsenen finden sofort Hilfeangebote. Egal in welcher Phase ihrer Erkrankung sie sich gerade befinden. Das geht von der Telefonnummer der Suchtambulanz bis zur Präsentation des mehrstufigen Therapiekonzepts mit seinen einzelnen Bausteinen und den entsprechenden Kontaktadressen.
Was ist das Besondere an diesem mehrstufigen Therapiekonzept?
Noack: Das Hammer Therapiekonzept setzt sich aus den Bausteinen ¿Qualifizierter Entzug¿, ¿Drogen-Plus¿ und ¿Medizinische Rehabilitation¿ zusammen. Ein Konzept in dieser Größe ist im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie Nordrhein Westfalens einzigartig. Selbst Deutschlandweit gibt es nur wenige Kliniken, die wie wir über drei Stationen zur Suchttherapie für Kinder und Jugendliche verfügen. Wir therapieren hier pro Jahr cirka 230 Patienten im Alter von 16-23 Jahren.
Können Sie die einzelnen Bausteine näher erklären?
Noack: Im qualifizierten Entzug geht es erst einmal um eine medizinische Behandlung mit therapeutischer Unterstützung. Bereits hier motivieren wir die Jugendlichen, nach dem Entzug weiter an einem drogenfreien Leben zu arbeiten. Oft stellt sich allerdings bereits zu diesem Zeitpunkt heraus, dass eine weitere psychische Störung wie zum Beispiel eine Depression oder ein Trauma vorliegt, vielleicht sogar eine Ursache für die Einnahme von Drogen ist.
Und dann?
Noack: Dann bieten wir unseren Patienten auf der Drogen-Plus-Station die Möglichkeit, sich gemeinsam mit unseren qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch dieser Problematik zu stellen und an einer Stabilisierung zu arbeiten. Einen Schritt weiter geht es in der medizinischen Rehabilitation. Hier streben wir die Wiederherstellung der Schul- und Ausbildungsfähigkeit der Jugendlichen und jungen Erwachsenen an.
Eine ¿Reha¿ für Drogenabhängige?
Noack: Genau. In der suchtmedizinischen Rehabilitation, die allerdings vom zuständigen Kostenträger genehmigt werden muss, motivieren wir unsere Patienten, sich eine neue konkrete Lebensperspektive aufzubauen, in der Drogen keine Rolle mehr spielen. Die Jugendlichen oder jungen Erwachsenen können während dieser Zeit ein Praktikum auf unserem Gelände oder in einem externen Betrieb antreten, in der Klinikschule an einem Schulabschluss arbeiten.
Auch die Wiederaufnahme von Hobbys und altersgemäßen sozialen Kontakten spielen eine wichtige Rolle. Mit diesen Maßnahmen legen die jungen Menschen oft den Grundstein für ein selbstbestimmtes, drogenfreies Leben, in dem es wieder regelmäßige Tagesabläufe und ein unterstützendes soziales Umfeld gibt. Um dieses Ziel zu erreichen ist es manchmal besser, nicht wieder in das gewohnte Umfeld zurückzukehren. Deshalb wechseln viele unserer Patienten nach der Therapie in das ¿Auxilium¿, eine therapeutische Wohngruppe der Malteser Jugendhilfe. Auch bei diesem Schritt sind wir gerne behilflich.
Richtet sich das therapeutische Angebot auch an Betroffene anderer Suchtproblematiken?
Noack: Natürlich. Wir stellen z.B. bei den stoffungebundenen Suchtstörungen seit einiger Zeit eine Zunahme von Patienten mit exzessivem Medienkonsum (z.B. Internet, PC, Handy) fest. Auch in diesen Fällen können wir mit unserem Therapiekonzept professionelle Hilfe anbieten.
Hintergrund:
Bereits seit mehr als 40 Jahren bietet die LWL-Uniklinik Hamm für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) eine überregionale stationäre Therapiemöglichkeit für Jugendliche und junge Erwachsene mit Suchtproblemen. Hierzu gehören auch substanzunabhängige Störungen wie exzessiver Medienkonsum.
Pressekontakt:
Karl G. Donath, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Kerstin Seifert, LWL-Klinik Marl-Sinsen - Haardklinik -, Telefon: 02365 802-2126
presse@lwl.org
Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit 20.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 18 Museen sowie zwei Besucherzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
Das Presseforum des Landschaftsverbandes im Internet: https://www.lwl.org/pressemitteilungen