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Presse-Infos | Der LWL

Mitteilung vom 14.05.02

Verspotten und feiern: Pfingstbräuche in Westfalen

Westfalen (lwl). Während Pfingsten früher in einigen Teilen Westfalens ein frohes Fest mit einem Umzug, wurden in anderen westfälischen Gegenden die "Spätaufsteher" unter Mägden, Knechten und sogar Kühen verspottet. Das kirchliche Fest zum Ende der Osterzeit, das vielerorts auch mit Prozessionen gefeiert wurde, war von sehr unterschiedlichen Bräuchen begleitet, wie Christiane Cantauw, Volkskundlerin beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) berichtet.

Im Siegerland und im Wittgensteiner Land gab es einen "Heischebrauch", bei dem einer der Jungen als "Pfingstlümmel" eine wichtige Rolle spielte: Ein Junge wurde so in Buchenlaub eingebunden, dass er nichts mehr sehen konnte und von zwei anderen Jungen geführt werden musste. Außenstehenden sollten den "Pfingstlümmel" nicht erkennen. Die beiden Begleiter des Pfingstlümmels trugen mächtige Knüppel und sagten "Wir kommen gegangen, mit Stangen und Brangen. Und haben einen wilden Mann gefangen, der nicht gut gehen kann. Drum gebt ihm ein kleine Gabe, woran er sich labe." Der "Pfingstlümmel" wurde ein Tanzbär herumgeführt und musste obendrein noch Kunststückchen machen.

Spätaufsteher hatten in der Gegend um Lüdenscheid an Pfingsten wenig zu lachen: "Das Mädchen, das am Pfingstmorgen zuletzt das Vieh aus dem Stall trieb wurde als 'Pinkesbrut' verlacht: Wo sie sich an den Pfingsttagen auch zeigte, war sie dem Gespött der Jugendlichen ausgesetzt", nennt Cantauw einen der Bräuche, die von Faulheit abhalten sollten. Die Expertin von der Volkskundlichen Kommission des LWL zitiert auch einen der Sprüche, den sich die Leidtragende anhören musste: "Pinkesbrut, fule Hut; kom'st nit ut diäm Berre rut, wär'st du frögger opestoahn, wöü'ert di jetz biäter goahn!" (Pfingstbraut, faule Haut, kommst nicht aus dem Bett heraus, wärst du früher aufgestanden, würde es dir jetzt besser gehen). Den Langschläfern unter den Knechten erging es nicht besser: Sie wurden "Pinkesvoß" oder "Pinkelhammel" genannt. Sogar die Kühe und Ochsen, die zuletzt auf der Weide ankamen wurden das ganze Jahr "Pinkeskauh" und "Pinkesosse" gerufen.

Im südwestlichen Münsterland war es dagegen eine besondere Auszeichnung als "Pfingstbraut" den Pfingstumzug der Kinder anzuführen: "Zwischen Bocholt und Lüdinghausen zogen die Kinder als Hochzeitsgesellschaft durch die Straßen. Dabei gingen meist ein Mädchen als Braut und ein Junge als Bräutigam unter einem Blumenbogen vor ihrem großen Gefolge durch die Nachbarschaft", schildert Cantauw einen weiteren Pfingstbrauch. Dieser Brauch, bei dem die Kinder um Süßigkeiten heischten, war in den Baumbergen und im Tecklenburger Land unter dem Namen "Pingstebloom" bekannt.

Ähnliche Heischegänge gab es in ganz Westfalen: Im Mindener Raum trugen die Kinder dabei einen Pfingstkranz, der nicht nur mit Blumen und bunten Papierstreifen, sondern auch mit angemalten Eiern und einem Hahn geschmückt war.

In Ravensberg und Lippe nannte man diesen Umzug deshalb auch "Eiersingen". In Willebades-sen-Borlinghausen (Kreis Höxter) zogen Mädchen und Jungen getrennt als "Nünneken" (Nönnechen) und "Pötterken" (Päterchen).




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Foto zur Mitteilung
Beim 'Pingstebloom'-Brauch wie hier 1969 in Havixbeck zogen die Kinder als Hochzeitsgesellschaft durch die Straßen.
Foto: LWL


Foto zur Mitteilung
Diese 'Pfingstbraut' führte mit ihrem kleinen Bräutigam 1962 den Umzug der Kinder durch die Nachbarschaft in Südlohn an.
Foto: LWL



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