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Presse-Infos | Der LWL
Mitteilung vom 06.02.02
Rummelpott und Teufelsgeige: Zu Karneval geht es in Westfalen um die Wurst
Westfalen (lwl). Wenig zu sagen haben die Männer an Weiberfastnacht (Donnerstag, 07.02.), denn an diesem Tag herrschen die Frauen. "Dieser Brauch geht wahrscheinlich auf die so genannten Weiberzechen zurück, die bis ins 19. Jahrhundert hinein in den Städten bekannt waren. An diesen Festen durften nur Frauen, die den Männern ansonsten weitgehend untergeordnet waren, teilnehmen. Dabei schlüpften die Frauen zum Teil in Männerrollen. Weiberfastnacht wie wir es heute kennen kam in den 50er Jahren des vergangenen 20. Jahrhunderts auf", berichtet Christiane Cantauw, Volkskundlerin beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL).
An Weiberfastnacht müssen die Männer tun, was die Frauen wollen. Als äußeres Zeichen des Machtverlustes werden den Männern die Schlipse abgeschnitten oder die Schnürbänder aus den Schuhen gezogen. Oft nehmen die Frauen den Männern ein Pfand ab, wie zum Beispiel eine Mütze. Das müssen die Männer dann wieder auslösen - meist gegen alkoholische Getränke. Die Bezeichnung 'Altweiberfastnacht' rührt übrigens nicht daher, dass hier vor allem betagte Damen feierten", schränkt Cantauw ein. "Die Brauchträgerinnen waren vor allem die verheirateten Frauen, die sonst im Brauchleben seine sehr untergeordnete Rollen spielen."
Früher war der Donnerstag vor Rosenmontag aber in erster Linie der Festtag der Kinder, so zum Beispiel im Sauerland und im Paderborner Land. Im Hochsauerland war "Lütkefastnacht" ein Fest der Schulkinder, die im leergeräumten Klassenzimmer ausgelassen tanzten und gemeinsam gekauften Weizenstuten aßen.
In den anderen Regionen des Sauerlandes und Paderborner Landes zogen an diesem Tag größere Gruppen von etwa 25 Kindern verkleidet von Haus zu Haus, um dort mit einem Lied oder einem Spruch um Würste zu heischen. Die Kinder hängten die Mettwürste einen Weidenstock, den so genannten Spit. "Wahrscheinlich gingen ursprünglich die Armen des Dorfes auf diesen Heischegang, mit der Zeit wurde er zu einem Brauch der Kinder", vermutet Christiane Cantauw.
Einen ähnlichen Brauch gab es gegen Ende des 19. Jahrhunderts am Rosenmontag oder Veilchendienstag in fast allen katholischen Orten Westfalens. Die jungen Burschen fanden sich an einem dieser Tage zum Wurstsingen oder Wurstaufholen zusammen und zogen verkleidet von Haus zu Haus. Einer der jungen Männer war dabei fast immer als Bär, einige andere als Bärentreiber verkleidet. Der "Bär" war eine in Stroh eingewickelte Gestalt. Er wurde von den Bärentreibern in die Häuser getrieben und trieb selbst allerlei Possen zur Unterhaltung der Hausbewohner.
"Dabei gab es Schabernack, sketchartige Stegreifspiele sowie lärmende musikalischen Darbietungen auf der Teufelsgeige, einem mannshohen Stock, an dem Schellen und eine Metallsaite befestigt waren, oder mit dem Rummelpott, einem mit einer Tierhaut bespannten Tontopf. Dafür bedankten sich die Hausbewohner, indem sie den Wurstsängern einen kräftigen Schluck ausschenkten", berichtet Cantauw. Waren Rummelpott und Teufelsgeige nicht vorhanden, seien die Wurstsänger oft von einem Musikanten begleitet worden, der verschiedene bekannte Melodien spielte, so die Expertin der Volkskundlichen Kommission des LWL weiter. Bevor sie ein Haus weiter zogen, erhielten die Wurstsänger dann noch eine Mettwurst, die sie wie eine Trophäe an der mitgebrachten Gaffel (Gabel zum Strohaufschütten) oder an einem langen Stock befestigten. Nach dem Rundgang wurden die eingesammelten Würste gemeinsam gesessen. "Der Brauch des Wurstsingens wird zwar immer seltener gepflegt, er ist aber in einigen Orten Westfalens immer noch bekannt", so Cantauw.
Der Brauch habe wohl damit zu tun, dass um Karneval herum auf vielen Höfen zum letzten Mal vor dem nächsten Herbst geschlachtet wurde und somit die begehrten Würste vorhanden waren. Vor Beginn der Fastenzeit hätte man noch einmal ausgiebig Fleisch, Fettgebackenes und Alkohol genießen können, so Cantauw.
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