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Mitteilung vom 17.07.03

Presse-Infos | Der LWL

25 Jahre Wiedereröffnung der Kaiserpfalz in Paderborn

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Paderborn (lwl). Am Sonntag (20.7.) feiert das Paderborner Museum in der Kaiserpfalz mit einer Sonderausstellung und einem Fest sein 25-jähriges Jubiläum. Vor 40 Jahren hatten Archäologen, allen voran der Münsteraner Wilhelm Winkelmann, die 776 erbaute Pfalz Karls des Großen im Stadtzentrum von Paderborn entdeckt. Seitdem haben mehr als eine Million Menschen die Ausstellungen im einzigen Hof des Reisefürsten im damaligen Sachsen besucht. "Imperial noch im Winzigen, Welthistorie klug zurückgeführt aufs Lokale", schrieb 1999 eine Zeitung über die erfolgreiche Karolingerausstellung im Museum, das heute der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) betreibt.

"Mit Beharrlichkeit hat 1978 das Domkapitel Paderborn als Bauherr viele Finanziers für den Wiederaufbau begeistern können, die Stadt, den LWL, das Land Nordrhein-Westfalen und die Bundesrepublik", so Museumsleiter Prof. Dr. Matthias Wemhoff. Dabei hätte das Projekt in den 70er Jahren nicht gerade den Nerv der Zeit getroffen: "Wer interessierte sich nach 1968 für Denkmäler des deutschen Königtums?
"Das damalige Konzept als Museum und als Kulturbühne mutet noch heute modern an", findet der Paderborner Dompropst Dr. Wilhelm Hentze.

Der Kölner Architekt Gottfried Böhm entwarf damals "zukunftsweisende Pläne": kein Wiederaufbau in historisierender Form, keine Verherrlichung einstiger Größe, sondern eine Wiederherstellung der Baumassen; Bruchsteinwände, aber Betonstürze; bleigedeckte Dächer, aber ein offener Dachstuhl mit einer modernen Holzkonstruktion.

So wurde eine Hülle geschaffen, die assoziativ den Besucher auf historische Bezüge einstimmt, die ihm Zugänge zur Geschichte verschafft, die sich jedoch nicht in den Vordergrund spielt oder falsche Realitäten vorspiegelt.

Das damalige Konzept als Museum und als Kulturbühne mutet noch heute modern an, findet Wemhoff. Die Aula werde für festliche Veranstaltungen, Konzerte und Vorträge genutzt. Im Vorfeld der Karolingerausstellung 1999 wurde auch ein neues Konzept für die Dauerausstellung entwickelt. Zugleich begann die Auswertung der Pfalzgrabung.

Pläne, Fotos und mehr als 30.000 Einzelfunde hatte jahrzehnte in Kartons geschlummert, jetzt bearbeiteten die Archäologen sie Stück für Stück.

Gerade die kleinsten Fragmente offenbarten das Besondere. Kleine grüne und blaue Glastropfen entpuppten sich als die Abfälle einer Glasbläserwerkstatt, und Analysen der Glas-masse belegten eindeutig, dass in der kleinen Werkstatt Trinkgläser hergestellt worden sind. Die Trinkgläser benutzten die Gäste an der Tafel des Königs, dort sind sie auch in großer Zahl zu Bruch gegangen. "Die Tischsitten waren offensichtlich ziemlich rau", meint Wemhoff.

Anlass für die Glasproduktion in Paderborn war 777 die erste Reichsversammlung auf säch-ischem Boden. Das glanzvolle Ereignis sollte vor aller Welt den Sieg des Königs über die Sachsen dokumentieren. Dazu ließ er Pfalz und Kirche errichten und reich ausstatten. Möglicherweise gehören sogar Teile der geborgenen Fenstergläser und der Wandmalerei zu diesen ersten, bereits 778 bei einem sächsischen Aufstand zerstörten Steingebäuden. "Auf die bisher nur Holzgebäude gewohnten Sachsen wird die mächtige Anlage in Paderborn sicher einen imperialen Eindruck gemacht haben, der gerade deshalb wohl auch zum Widerstand herausforderte", erläutert der Museumschef.

Zum Jubiläum gibt das Museumsteam in einer Sonderausstellung "Einblicke" (bis 2.11.) in die Museumsarbeit und die Geschichte des Pfalzortes. Von der kleinteiligen Bebauung vor dem Zweiten Weltkrieg, bei der niemand die historische Bedeutung dieses Platzes ahnte, über die Kriegszerstörung, die Ausgrabung und den Wiederaufbau führt der Weg bis zum heutigen Museum. Die Dokumentation der Ausgrabung und der modernen Auswertungsmethoden ermöglichen ebenso wie die Fundrestaurierung halbrestaurierter Neufunde einen Blick hinter die Kulissen.

Den aktuellen Eindruck von der heutigen Tätigkeit bekommt der Besucher in der Abteilung zur Stadtarchäologie. An 19 verschiedenen Stellen gruben die Archäologen in den vergangenen zehn Jahren in der Innenstadt von Paderborn, ständig verändert sich so das Bild vom historischen Werden und Wachsen der Stadt.

Mit der neuen Abteilung über Bischof Meinwerk, dem zweiten Gründer des Bistums nach Karl dem Großen, und die werdende Stadt des 11. und 12. Jahrhunderts ist die Schausammlung des Museums zunächst einmal komplett. In dieser Abteilung werden bereits Funde gezeigt, die erst im Juni dieses Jahres auf einer Ausgrabung in der Stadt geborgen worden sind. Eine Münze Kaiser Konstantins, Glas, ein Kamm aus dem 6. Jahrhundert und ein Buntmetallbarren aus dem 11. Jahrhundert zeigen die lange Siedlungskontinuität an den Paderquellen.

Zur Jubiläumsfeier erscheint der erste Band der Auswertung der Pfalzgrabung, der die karo-lingische Wandmalerei behandelt. Wemhoff: "Die damals neu entwickelte Schrift in Form römischer Großbuchstaben zeigt ebenso wie die Übernahme antiker Formen der Bildkonzeption die außerordentlich hohe Qualität der Wandmalerei, die in direktem Zusammenhang mit Vorbildern in Norditalien steht." Gleichzeitig wird ein Sammelband mit neuen und überarbeiteten Aufsätzen zur Paderborner Stadtarchäologie vorgelegt.

Museum in der Kaiserpfalz
Paderborn
Am Ikenberg 2
Täglich außer montags 10 bis 18 Uhr
Eintritt 2,50/1,50 Euro
Tel: 05251 10510
www.kaiserpfalz-paderborn.de
Sonderausstellung "Einblicke" vom 20. Juli bis 2. November 2003




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