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Mitteilung vom 16.09.10

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Eigentümer pflegen den Gutspark Böckel vorbildlich

LWL zeichnet Gartenkunstwerk als Denkmal des Monats September aus

Bewertung:

Rödinghausen-Bieren (lwl). Gegen Ende des 19. Jahrhundert ließ Carl Koenig am Gut Böckel in Rödinghausen-Bieren (Kreis Herford) einen Park anlegen. Weil die heutigen Eigentümer, Karen und Dr. Ernst Leffers, die Gutsgebäude und den Park mit viel Engagement instand halten und in der Tradition der Vorbesitzer hier Konzerte, Kunstausstellungen und Lesungen veranstalten, hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) den Gutspark Böckel jetzt als Denkmal des Monats ausgezeichnet.

"Der Gutspark Böckel ist ein bedeutendes Zeugnis für die Gartenkunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts, für das Werk eines renommierten Gartenarchitekten des Historismus und ein herausragendes Beispiel für einen weitgehend erhaltenen, gut gepflegten und im Sinne der Denkmalpflege genutzten Gutspark in Westfalen-Lippe", so LWL-Denkmalpfleger Uwe Siekmann.

Die Parkanlage entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als Carl Koenig den Hamburger Gartenarchitekten Rudolph Phillip Christian Jürgens (1850 - 1930) mit der Gestaltung des Parks beauftragte. Ein großes Blumenrondell auf dem Platz vor dem Gutshaus bildet den Auftakt der Gartenanlage. Den Zugang zum anschließenden orthogonal gegliederten Blumengarten mit Gartenpavillon akzentuieren markante, kegelstumpfförmig geschnittene Eiben.
Eine Brücke über die Gräfte verbindet den Blumengarten mit dem landschaftlich angelegten Park, der mit zahlreichen bemerkenswerten Gehölzarten bepflanzt ist und von einem Rundweg erschlossen wird. An Einzelbäumen wie Blut-, Farn- und Trauerbuche, Silberahorn, Sumpfzypresse, Japanischer Lärche und Coloradotanne sowie Rhododendrensträuchern entlang führt der Weg zu einem Sitzplatz mit Blick auf die Gräfte und das Gutshaus. Jürgens legte großen Wert auf die Pflanzung von Laub- und Nadelbäumen mit besonderem Wuchs, außergewöhnlichem Laub und Blüten. Besonders wichtig waren ihm die Sichtbezüge zwischen den verschiedenen Parkbereichen und dem Gutshaus.

"Bemerkenswert ist der östlich des Wirtschaftshofes liegende Lindenhügel, der über einen mit klobigen Natursteinen eingefassten, spiralförmig angelegten Weg zugänglich ist. Da der Lindenhügel älter als Jürgens' Gartenplanung ist, wurde er von ihm als Aussichtsplatz und 'point de vue' in die Parkgestaltung einbezogen", erklärt Siekmann. Der am östlichen Parkrand gelegene Obst- und Gemüsegarten mit seinem Gewächshaus wurde von Jürgens dagegen so angeordnet, dass er vom Park nicht einsehbar war.

Hintergrund
Carl König ließ den Park vom Hamburger Gartenarchitekten Rudolph Phillip Christian Jürgens (1850 - 1930) anlegen. Jürgens war ein seinerzeit gefragter Gartenarchitekt. Zahlreiche Landhaus- und Villengärten in Hamburg und die Umgestaltung des barocken Husumer Schlossparks (1878) wurden von ihm geplant. Für Leopold Koenig gestaltete er 1888 die Außenanlagen der heutigen Villa Hammerschmidt in Bonn, zwischen 1891 und 1896 plante er den den Gutspark Voldagsen bei Hameln (Niedersachsen) für Alfred Koenig, den Bruder des damaligen Besitzers von Gut Böckel.


Das Gut Böckel
Erstmals 1350 urkundlich erwähnt, gelangte das Gut Böckel im 16. Jahrhundert für 200 Jahre in den Besitz der Familie von Voß, die auch die ältesten heute noch erhaltenen Bauten, die Vorburg aus dem Jahr 1680 und das1682 erbaute Gutshaus errichten ließ. Nach mehre¬ren Besitzerwechseln erwarb Leopold Koenig, der durch Zuckerhandel in St. Petersburg vermögend geworden war, 1874 das Gut. Zu literarischem Ruhm gelangte seine Enkelin Hertha Koenig, die als Schriftstellerin, Kunstsammlerin und Mäzenin auf ihrem Gut Böckel vielseitige Kontakte zu bedeutenden Persönlichkeiten pflegte, so zu Bundespräsident Theodor Heuss, dem Philosophen Martin Heidegger und dem Dichter Rainer Maria Rilke.



Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




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