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Mitteilung vom 28.07.09

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Wurde Sonntag vor 2000 Jahren die Varusschlacht geschlagen?

Historiker Florus: Die Römer gingen am 2. August unter

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Haltern am See (lwl). Wenn man dem römischen Geschichtsschreiber Florus Glauben schenkt, dann hat am 2. August im Jahr 9 n. Chr. die Varusschlacht, auch bekannt als Schlacht im Teutoburger Wald, stattgefunden. "Demnach steht uns also der 2000. Jahrestag unmittelbar bevor", sagt Dr. Rudolf Aßkamp, Leiter des LWL-Römermuseums in Haltern, wo noch bis zum 11. Oktober die Ausstellung "Imperium" zur Varusschlacht zu sehen ist.

Untergang in den Wäldern Germaniens
Im Jahr 9 n. Chr. war Publius Quinctilius Varus römischer Statthalter in Germanien, wo er die Provinzverwaltung ausbauen, Recht sprechen und für Ordnung sorgen sollte. Doch beim Rückmarsch von der Weser in die Winterlager an Rhein und Lippe geriet Varus mit drei Legionen in eine tödliche Falle. Der Cheruskerfürst Arminius lockte Varus unter einem Vorwand in unwegsames Gelände. Dort warteten bereits germanische Krieger, die die langgezogene Marschreihe der Legionäre wieder und wieder aus dem Hinterhalt angriffen. Mindestens 15.000 römische Soldaten kamen ums Leben.

"Das Gemetzel soll drei bis vier Tage gedauert haben, was erste Zweifel an dem Datum aufkommen lässt, das uns Florus überliefert hat", so Aßkamp, wissenschaftlicher Referent im LWL-Römermuseum. Auch in anderen Details weiche dessen Werk deutlich von den Darstellungen anderer Chronisten ab. Sie berichteten von Regen, Sturm und Kälte während der Schlacht, also von typischem Herbstwetter, das auf den Verlauf großen Einfluss genommen hätte. Zudem hätten sich die Römer wohl kaum mitten im Sommer auf dem Weg ins Winterquartier befunden. Aber wie kam Florus auf den 2. August?

Untergangsszenarien
"Florus ging es weniger um das tatsächliche Datum der Varusschlacht, als vielmehr darum, das Geschehen in Germanien mit einer der schlimmsten Katastrophen Roms in Verbindung zu bringen", erläutert der Museumsleiter des LWL-Römermuseums. Bei Cannae (Unteritalien) konnte Hannibal aus Karthago den Römern am 2. August 216 v. Chr. eine vernichtende Niederlage zufügen. Etwa 60.000 Legionäre blieben auf dem Schlachtfeld zurück, in Italien stand kein römisches Heer mehr. Hannibal bedrohte Rom, das Ende der Stadt am Tiber schien nahe.

Ein solches Katastrophenszenario war auch nach der Varusschlacht nicht undenkbar. Die Germanen drohten, den Rhein zu überqueren und nach Italien vorzustoßen. Der römische Kaiser Augustus ließ die Hauptstadt durch Militärposten bewachen und eilig neue Truppen ausheben. Bereits entlassene Soldaten wurden wieder zu den Waffen gerufen. Letztlich blieb der befürchtete Angriff aus, doch die Varusschlacht leitete das Ende der römischen Eroberungspläne in Germanien ein. Im Jahr 16 n. Chr. zogen sich die Legionen entgültig hinter den Rhein zurück.

Als Florus Anfang des 2. Jahrhunderts n. Chr. seinen Abriss der römischen Geschichte verfasste, deutete er die Varusschlacht als Hauptursache für das römische Scheitern östlich des Rheins. Um seinen Zeitgenossen Ausmaß und Dramatik der Ereignisse vor Augen zu führen, verknüpfte Florus die Niederlage in Germanien mit der von Cannae und datierte sie ebenfalls auf den 2. August. Aßkamps Fazit: "Der wahre Zeitpunkt der Varusschlacht bleibt weiter im Dunkeln."

Hintergrund:
Die Ausstellung "Imperium" in der Seestadthalle und im Römermuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Haltern am See wendet sich dem historischen Geschehen aus der Perspektive des Verlierers, des Römischen Reiches, zu. In Haltern standen vor 2000 Jahren die bedeutendsten römischen Militäranlagen östlich des Rheins. Hier war mit der 19. Legion ein Teil der Truppen stationiert, die später in Germaniens Wäldern untergingen. Als ihr Befehlshaber hat sich auch Varus wahrscheinlich häufiger in Haltern aufgehalten.

Am Vorabend der Varusschlacht befand sich Rom auf dem vorläufigen Höhepunkt seiner Macht und erlebte eine Zeit wirtschaftlicher und kultureller Blüte. Die Ausstellung "Imperium" lässt dieses "Goldene Zeitalter" vor den Augen der Besucher wiederauferstehen und beleuchtet die innen- und außenpolitischen Erfolge des Kaisers Augustus. Den Roten Faden durch die aufwändig inszenierte Ausstellung bildet die Biographie des Publius Quinctilius Varus, der als glückloser Statthalter in Germanien bis heute untrennbar mit der Varusschlacht verbunden ist.

Die Ausstellung "Imperium" ist Teil des überregionalen Kooperationsprojekts "Imperium Konflikt Mythos. 2000 Jahre Varusschlacht" an den drei Standorten in Haltern am See, Kalkriese und Detmold.

Ausstellung IMPERIUM
Seestadthalle
Lippspieker 25
45721 Haltern am See

LWL-Römermuseum
Weseler Straße 100
45721 Haltern am See

Öffnungszeiten
Dienstag bis Freitag: 9 bis 18 Uhr
Samstag: 10 bis 20 Uhr
Sonntag: 10 bis 18 Uhr

Eintrittspreise
Erwachsene: 9 Euro
Familien: 20 Euro
Schüler: 2 Euro
Ermäßigungsberechtigte: 6 Euro
Gruppen: 7 Euro pro Person (zzgl. Führungsgebühr)

http://www.imperium-konflikt-mythos.de



Pressekontakt:
Martin Holzhause, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




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