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Mitteilung vom 12.09.06

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Start für herausragendes Projekt der Industriedenkmalpflege: Beirat begleitet Sanierung der Maschinenhalle im LWL-Industriemuseum

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Dortmund (lwl). Ein Denkmal-Beirat wird die Sanierung der Maschinenhalle der Zeche Zollern II/IV in den nächsten Jahren begleiten. Mit der konstituierenden Sitzung des Fachgremiums startete der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) jetzt "eines der wichtigsten Projekte der Industriedenkmalpflege der nächsten Jahre", so Dirk Zache, Direktor des Westfälischen Industriemuseums, heute (12.9.) bei der Vorstellung der Pläne in Dortmund.

Gut 100 Jahre nach ihrer Inbetriebnahme (1903) ist die Substanz der Ikone der Industriekultur aus Stahl, Glas und Ziegeln gefährdet und dringend sanierungsbedürftig. Im Frühsommer 2007 will der LWL als Träger des Westfälischen Industriemuseums mit den Arbeiten beginnen; die Fertigstellung ist für 2010 anvisiert.

Die Kosten für dieses aufwändige Bauprojekt werden auf Basis einer Schadensanalyse zur Zeit genau ermittelt; veranschlagt wurden bisher 6,9 Mio. Euro.

Mit der Gründung des Beirats beschreitet der LWL neue Wege in der Denkmalpflege. "Das könnte auch für andere Großprojekte beispielgebend werden", attestiert Axel Föhl, Vorsit-zender des Gremiums und Sprecher der Arbeitsgruppe Industriedenkmalpflege der Landesdenkmalämter. "Die Maschinenhalle ist im Ensemble der Zeche Zollern ein Baudenkmal von Weltrang. Ziel ist es, für dieses wichtige Stück Architektur eine optimale Lösung zwischen Denkmalpflege und Museumsnutzung zu finden", ergänzt Dirk Zache. Dem Beirat gehören u.a. Norbert Mendgen, Hauptkonservator beim Weltkulturerbe Völklinger Hütte, und Dr. Stefan Brüggerhoff vom Bergbaumuseum Bochum an.

"Die Maschinenhalle ist in mehrfacher Hinsicht ein Objekt von herausragender Qualität: Der nach den Entwürfen des Berliner Architekten Möhring 1902/1903 errichtete Stahlfachwerk-bau steht für den Beginn der modernen Industriearchitektur. Stilistisch bezeichnet sie den Übergang von Historismus und Jugendstil zur Moderne. Der erhaltene historische Maschinenbestand - insbesondere die inzwischen wieder funktionstüchtige elektrische Fördermaschine - ist einzigartig in Deutschland", so Zache. Darüber hinaus kommt dem Bauwerk eine große symbolische Bedeutung zu: Mit der Rettung der Anlage durch bürgerschaftliches Engagement wurde 1969 erstmals in Deutschland ein derartiger Industriebau unter Schutz gestellt und hierauf auch der neue Zweig der "Industriedenkmalpflege" begründet. Nicht zuletzt wurde die Maschinenhalle so auch zur Keimzelle des LWL-Industriemuseums mit seinen acht Standorten. Zache: "Die Maschinenhalle steht somit für den Beginn von Industriedenkmalpflege und Industriekultur."

Der Umgang mit diesem Gebäude bei der Sanierung und Umnutzung zur Veranstaltungs- und Ausstellungshalle soll wegen dieser Bedeutung entsprechend umsichtig und schonend durchgeführt werden. Eine Prämisse dabei heißt, so viel Originalsubstanz wie möglich zu erhalten. Zache: "Denkmalpflege und Museumsnutzung bedeutet immer einen Kompromiss. Die Denkmalpflege wird diesmal allerdings Vorrang haben."

Diese Anforderung mit dem Nutzungskonzept zu harmonisieren, wird eine der zentralen Herausforderungen bei Planung und Durchführung der Sanierung sein. So hat die Halle gleich mehrere Aufgaben zu erfüllen: Als Baudenkmal ist sie zunächst selbst das wichtigste Exponat. Daneben soll sie Raum für Dauer- und Sonderausstellungen sowie Flächen für Museumspädagogik bieten, und die Halle ist Ort für verschiedene Veranstaltungen. Zache: "Die Rassegeflügelschau soll hier genauso ihren Platz finden wie das klassische Konzert. Unsere Qualität liegt in der Breite."

Die Frage, wo und in welcher Form die dafür erforderliche Infrastruktur wie Sanitäranlagen und Heizungen eingebaut werden, wird im Beratergremium genauso diskutiert wie grundsätzliche Erwägungen zur Rekonstruktion, beispielsweise der ehemals farbigen Fenster und des baldachinartigen Vordachs, das bis in die 1940er Jahre das Jugendstil-Portal krönte. Vor Beginn der eigentlichen Sanierungsarbeiten will LWL-Museumsdirektor Zache allerdings zunächst die Ergebnisse weiterer Gutachten abwarten: "Nach unseren ersten Betrachtungen weisen vor allem die einfachen Stahlglaskonstruktionen der Fenster sowie die Querriegel und Knotenpunkte des Stahlfachwerks starke Schäden auf. Wir müssen die tatsächlichen Schäden nun möglichst genau lokalisieren, um den Sanierungsbedarf entsprechend einzugrenzen. Die Diskussion über das 'Wie?' wird dann erst richtig einsetzen". Die nächste Beiratssitzung ist für den 23. November angesetzt.



Pressekontakt:
Markus Fischer, Tel. 0251 591-235 und Christiane Spänhoff, LWL-Industriemuseum, Telefon: 0231 6961-127
presse@lwl.org




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