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Mitteilung vom 08.08.05

Presse-Infos | Der LWL

Alter Westfale in alter Kiste
Späte Funde aus der Balver Höhle ab September in der Landesausstellung in Herne

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Balve/Herne (lwl). Alle fünf Jahre präsentieren die Fossilienforscher und Archäologen in Nordrhein-Westfalen ihre aktuellen Forschungsergebnisse und die wichtigsten Funde der Öffentlichkeit. In der Landesausstellung "Von Anfang an - Archäologie in Nordrhein-Westfalen" zeigt das Westfälische Museum für Archäologie in Herne ab dem 23. September über 35.000 Objekte aus 320 Millionen Jahren. Einige der wichtigsten Exponate stellt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) als Träger des Museums in einer Serie vor.

Im Gegensatz zu den anderen Objekten in der Landesausstellung in Herne sind die Fundstücke aus der Balver Höhle (Märkischer Kreis) alles andere als neu: Bereits 1939 ausgegraben, lagen sie jahrzehntelang in Kisten in den Archiven des Westfälischen Museums für Archäologie in Münster und des Sauerlandmuseums in Arnsberg. Dass aber auch in alten Kisten noch so manche Überraschung verborgen sein kann, zeigen die neuen Untersuchungen an den über 80.000 Fundstücken aus der größten offenen Gebirgshöhle Deutschlands.

Um die Bedeutung dieses wichtigen Fundplatzes nach dem Umzug des LWL-Archäologiemuseums nach Herne angemessen darzustellen, wurde 2003 eine erneute Sichtung der alten Funde aus der Balver Höhle notwendig. Dabei haben die Wissenschaftler ein menschliches Schädelfragment datiert. Das Ergebnis ließ staunen: Statt der vermuteten 3.000 Jahre, ergab die so genannte Radiokarbondatierung ein Alter von etwa 10.400 Jahren. Dieser Mensch war demnach schon in der frühen Mittelsteinzeit gestorben. In den alten Kisten verbarg sich damit einer der derzeit ältesten direkten Nachweise eines modernen Menschen (Homo sapiens) in Westfalen.

Die Funde aus der ersten systematischen Grabung von 1939 lagen fast 60 Jahre lang unbeachtet in den Archiven. Die Grabung war damals notwendig geworden, da in der Balver Höhle seit den 1830er Jahren der phosphatreiche Boden als Dünger für die umliegenden Felder abgebaut wurde. Dadurch waren viele archäologisch wichtige Schichten bereits zerstört, als die Forscher sich für diesen Fundplatz interessierten. Trotz der über einhundert Jahre dauernden Nutzung der Balver Höhle durch den Düngerabbau machten sie aber noch zahlreiche Funde: Insgesamt wurden 50.000 Knochen von Tieren und Menschen und 35.000 Steinwerkzeuge entdeckt.

Vor allem für Reste von eiszeitlichen Tieren ist die Höhle bekannt: von Mammut und Nashorn über Riesenhirsch, Wisent und Eisfuchs bis hin zu Pantherkatzen und Vögeln. Allein die Höhlenbärenknochen konnten über einhundert verschiedenen Individuen zugeordnet werden. Die Bären hielten ihren Winterschlaf in der Höhle. In dieser Zeit sind viele von ihnen verhungert oder an Krankheiten gestorben. Auf einigen Bärenknochen aus einer Schicht mit 60.000 Jahren alten Neanderthaler-Steinmessern fanden die Forscher jetzt mit Hilfe von Mikroskopen Schnittspuren, die von der Zerlegung der Tiere zeugen. Dass Neanderthaler auch die großen und gefährlichen Höhlenbären jagten, war bis jetzt nur spärlich belegt.

Bereits die frühen Ausgräber bezeichneten eine Fundschicht als "Mammutschicht". In ihr fanden sich Knochen von ebenfalls mehr als einhundert Mammuts und Werkzeuge der Menschen, die vor 60.000 Jahren hier lebten. Aber auch Funde aus weit jüngerer Zeit stammen aus der Höhle, wie zum Beispiel die Reste eines Kult- moder Bestattungsplatzes aus der vorrömischen Eisenzeit, also aus den letzten Jahrhunderten v. Chr.

LWL-Museumsleiterin Dr. Barbara Rüschoff-Thale: "Die Balver Höhle war ein Ort, den Menschen und Tiere seit über 60.000 Jahren aus den verschiedensten Gründen immer wieder aufsuchten. Und dass der moderne Mensch sich nur schwer der Faszination einer solchen Höhle entziehen kann, beweisen die zahlreichen Veranstaltungen in der Höhle vom Klassik-Konzert bis zum Auftritt der Rapband 'Die Fantastischen Vier'."

Etwas "Höhlengefühl" gibt es auch für die Besucher im Archäologiemuseum in Herne: Aus originalen Materialien wurde hier die Balver Höhle für die Dauerausstellung inszeniert. In der Landesausstellung sind zusätzlich viele Funde aus der Balver Höhle zum ersten Mal für die Öffentlichkeit zugänglich.

"Von Anfang an - Archäologie in Nordrhein-Westfalen"
23. September 2005 bis 05. Februar 2006

Westfälisches Museum für Archäologie in Herne, Europaplatz 1
Dienstag, Mittwoch, Freitag 9 bis 17 Uhr
Donnerstag 9 bis 19 Uhr
Samstag, Sonntag 11 bis 18 Uhr
www.museum-herne.de



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, Tel. 0251 591-235 und Jana Sager, Tel. 0251 5907-287
presse@lwl.org




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