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Mitteilung vom 21.09.04

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Wüstung mit Überraschung
Archäologen beenden Ausgrabung in Dorpede

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Marsberg (lwl). In der mittelalterlichen Wüstung "Dorpede" bei Marsberg-Westheim (Hochsauerlandkreis) haben Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) ihre Ausgrabungen vom vergangenen Jahr fortgesetzt. "Die wichtigste Entdeckung war die Kirche, denn zum ersten Mal konnte in Westfalen die Kirche einer mittelalterlichen Wüstung zusammen mit einem Teil der umgebenden Besiedlung freigelegt werden", erklärt Stefan Eismann vom LWL-Amt für Bodendenkmalpflege. Die Kirche wurde in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts errichtet, die Wüstung selbst ist aber wesentlich älter. Denn unter dem Kirchenfußboden wurde Keramik geborgen, die aus dem 9. Jahrhundert stammt.

Das um 1400 aufgegebene Dorf Dorpede ist aus schriftlichen Quellen bekannt und seine genaue Lage im Flurnamen "Dörpeder Mark" bei Marsberg-Westheim erhalten. Die Ausweisung eines Gewerbegebietes durch die Stadt Marsberg auf dem denkmalgeschützten Areal zwang das LWL-Amt für Bodendenkmalpflege zur Untersuchung der betroffenen Fläche. Die 2003 begonnene Ausgrabung wurde 2004 in Form einer sechsmonatigen Kampagne mit einem Team von drei bis sechs Leuten fortgesetzt und geht in diesen Tagen zu Ende.

"Die Kirche ist eine typische Dorfkirche: ein kleiner überwölbter Saal mit einem rechteckigen Chor", beschreibt Stefan Eismann das Gebäude. Im unmittelbaren Umfeld der Kirche befindet sich neben mehr als 30 Gräbern auch ein gepflasterter Weg zur Kirche.
Jenseits des Kirchhofs liegen die Wohngebäude der Dorfbevölkerung, die zum Teil aus der gleichen Zeit wie die Kirche stammen. Dunkle Verfärbungen im Boden zeugen von den Pfosten der Holzbauten. Aber die Grundmauern eines kleinen Speichers weisen wie andere Fundamentreste darauf hin, dass die Kirche nicht das einzige steinerne Gebäude im Ort war.

Besonders ein großes Gebäude westlich der Kirche hat es den Archäologen angetan. Denn die schriftlichen Quellen sagen aus, dass Dorpede seit dem Beginn des 15. Jahrhunderts verlassen war. Um so größer war die Überraschung, als aus dem Haus Keramik des späten 15. Jahrhunderts zu Tage kam. "Möglicherweise hat das Kloster Dalheim, dem Teile des Dorfes gehörten, eine Zeit lang versucht, hier wieder ein Wirtschaftsbetrieb aufzuziehen", versucht Stefan Eismann den Widerspruch aufzulösen. Neben der Größe des Gebäudes deuten bauliche Details wie ein massiver steinerner Anbau, verputzte Steine, ein Abwasserkanal und der Fund eines Reitersporns daraufhin, dass hier keine gewöhnlichen Bauern lebten.

Die örtliche Überlieferung spricht zwar von einem Ende des Dorfes Dorpede in einer Brandkatastrophe, doch dürften vielmehr Überschwemmungen die Aufgabe der Siedlung eingeläutet haben. Denn große Teile der aufgedeckten Siedlungsreste waren von Schwemmschichten bedeckt. Ob die in der Nähe fließende Diemel oder zu ihr hinführende Bäche für diese Umweltkatastrophe verantwortlich waren, können die Archäologen zur Zeit noch nicht sagen.

Da im nächsten Jahr die Arbeiten an einer Zufahrtsstraße zum neuen Gewerbegebiet und die Vorbereitungen für eine Bachrenaturierung beginnen sollen, findet die von der Stadt Marsberg finanzierte Notgrabung in diesen Tagen ihr Ende. "Es sind nicht alle Fragen geklärt, aber dennoch sind wir mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Schließlich kam deutlich mehr ans Tageslicht, als wir erwartet hatten.", fasst Stefan Eismann die Grabung zusammen.



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, Telefon: 0251 591-235 und Dr. Yasmine Freigang, Tel. 0251 5907-267
presse@lwl.org




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