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Mitteilung vom 14.09.04

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Lambertussingen hat sich in 150 Jahren vom derben Gesellengelage zum Laternenfest für Kinder entwickelt

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Westfalen (lwl). "Das Aufstellen der Pyramiden in engen und häufig befahrenen Straßen ist verboten; ebenso lautes Schreien und Rufen und das Absingen unanständiger Lieder". Mit diesen Verboten versuchte die Obrigkeit 1850 in Münster die Probleme mit dem Lambertussingen in den Griff zu bekommen, das besonders in den Kreisen der Mägde und Arbeitergesellen sehr beliebt war. Dieses Jahr fällt das Lambertusfest auf Freitag, 17. September.

In das Jahr 1781 datiert ein erster Bericht über das Lambertusfest, das in Münster als ein Höhepunkt im Wechsel der Jahreszeiten galt und bis spät in die Nacht gefeiert wurde. "Unter Lichterkränzen und um auf der Straße aufgestellte Kerzen fand ein buntes Treiben statt, bei dem man mit ein bisschen Glück auch einen Partner fürs Leben finden konnte. Zwischen 1810 und 1830 kam dann die mit Grün geschmückte Lambertuspyramide auf", erklärt Christine Cantauw, Volkskundlerin beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL).

Als die nächtlichen Ruhestörungen und die alkoholbedingten Exzesse in den Augen der Obrigkeit Überhand genommen hatten, verbot sie das Lambertussingen 1873. Der Brauch verschwand ganz aus dem öffentlichen Leben. In Vereinen und Nachbarschaften wurde er jedoch fortgeführt. "Mit dem Aufschwung der Heimatschutzbewegung wuchs das Interesse an 'alten' Bräuchen und damit auch am Lambertusfest, das man nun als harmloses Kinderspiel mit heimatlichem Charakter und vor allem auch als schützens- und erhaltenswerten Brauch begriff. Als sichtbares Zeichen für die neue Wertschätzung des Lambertusspiels wurde 1909 der Lambertibrunnen auf dem Prinzipalmarkt errichtet", zeichnet Cantauw die Geschichte des Lambertussingens nach.

Auch im Umland fand der Brauch in dieser Zeit Nachahmung. Unter der Bezeichnung Lambertussingen oder Käskenspiel breiteten sich die überlieferten Lieder und Kreisspiele auch in Altenberge, Rheine, Greven (alle Kreis Steinfurt) und Coesfeld aus. Im Laufe der Zeit wurden immer mehr Kinder und ihre Eltern zu den hauptsächlichen Brauchträgern. Mägde und Arbeitsgesellen, die das Lambertusfest noch bis ins 20. Jahrhundert geprägt hatten, traten kaum noch in Erscheinung.

"Auch heute noch kann man im Münsterland um den 17. September herum den Ruf 'Kinder kommt runter, Lambertus ist munter' in vielen Nachbarschaften und Vereinen hören", weiß LWL-Volkskundlerin Cantauw, dass der Brauch immer noch lebendig ist. Die Kinder ziehen dann mit bunten Laternen zu einem zentralen Platz und freuen sich - ebenso wie vor mehr als 100 Jahren - wenn zum Lied "O Buer, war kost' dien Hai..." ein als Bauer verkleideter Mann seine Runden im Kreis zieht und sich aus dem Kreis der Umstehenden Frau, Kind, Magd, Knecht und Hund erwählt.



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Kommentar(e)

Lambertus Derks07.12.2012 15:13
bei nach forschung, nach mein vorname, zufällig auf eure bericht gestoßen. Es ist schön so ein bericht zu finden. Danke.


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