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Mitteilung vom 30.12.02

Presse-Infos | Der LWL

Auf dem Weg ins neue Museum:
Harpune aus Hirschgeweih ist einzigartiger Fund in Westfalen

Bewertung:

Delbrück (lwl). Schlecht gelaunt kam der Jäger nach Hause. Nicht ein Wildschwein hatte er erlegt, keinen Fisch, keinen Vogel. Und, das schlimmste, seine Harpune aus Hirschgeweih, sie war weg. Nach einem schlecht gezielten Wurf war sie irgendwo im Fluss verschwunden. Pech für den Jäger, Glück für die Archäologen.

"Eine so gut erhaltene, vollständige Hirschhornharpune ist einmalig in Westfalen", sagt Dr. Barbara Rüschoff-Thale. Die Archäologin des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) ist hellauf begeistert von dem Fundstück aus Delbrück-Bentfeld (Kreis Paderborn), das die Wissenschaftler auf 6500 bis 5000 v. Chr. datieren. Im neuen Westfälischen Museum für Archäologie, das der LWL Ende März in Herne eröffnet, findet es seinen Platz in einem so genannten Erdwerk. Die Forscher bauen die Wall- und Grabenanlage aus der frühen Jungsteinzeit im Museum nach.

Die Harpune stammt noch von Jägern und Sammlern aus der mittleren Steinzeit. "In dieser Zeit drangen die ersten Ackerbauern und Viehzüchter aus Südost- und Westeuropa in das heutige Westfalen ein", erklärt Barbara Rüschoff-Thale. "Sie besiedelten das Land der Jäger und Sammler nach und nach." Nach dem Ende der letzten Eiszeit waren neue Baum- und Pflanzenarten entstanden, die Menschen aßen auch Vogeleier, Fische, Wasservögel, ergänzten ihre Speisezettel. Und sie jagten mit Harpunen.

Die Waffen funktionierten nach dem gleichen Prinzip wie die heutigen Harpunen. Die Jäger steckten die Hornstücke auf einen Holzschaft und befestigten sie mit einer Leine. Hatte der Jäger ein Tier getroffen, setzten sich Widerhaken im Fleisch fest: Die Spitze löste sich und blieb entweder durch ein kurzes Seil mit dem Schaft oder durch ein längeres mit dem Werfer verbunden.

Den hervorragenden Zustand des Fundes erklärt Barbara Rüschoff-Thale mit dem Ort, an dem die Harpune Jahrtausende gelegen hatte. "Sie war im Sand unterhalb des Grundwasserspiegels eingelagert", sagt sie, "Grundwasser ist ideal, um Materialien wie Horn zu konservieren." Und Glück kam ebenfalls hinzu. Das Stück hatte Finder und Eigentümer Willi Österdiekhoff, nachdem es 1992 an die Erdoberfläche gekommen war, schnell an die LWL-Archäologen übergeben, dann war es fachgerecht konserviert worden. "Wenn die Harpune einige Tage in der Sonne gelegen hätte, wäre sie zerfallen." Der Finder stellt die Harpune als Dauerleihgabe zur Verfügung, er selbst erhält eine qualitätvolle Kopie für seine Heimatstube in Ostenland.

Ende März 2003 wird der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) sein neues Archäologiemuseum in Herne eröffnen. In den folgenden Wochen weisen wir auf eine Reihe von interessanten Exponaten hin, die sich auf die Reise in die neue Ausstellung über 250.000 Jahre westfälischer Geschichte machen.







Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, Telefon 0251 591-235
presse@lwl.org




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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 19.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 18 Museen sowie zwei Besucherzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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