LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 10.03.14

Presse-Infos | Soziales

Laptops für ganze Schulklassen und Essen für Schalke-Profis:

Menschen mit Behinderung beweisen in Integrationsunternehmen ihre Leistungsfähigkeit

Bewertung:

Unna/Gelsenkirchen (lwl). Die Inklusion im Arbeitsleben möchte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) voranbringen. "Denn sie ist mitentscheidend für mehr Normalität für die Menschen mit Behinderung. Jeder soll die gleichen Chancen haben, am Leben in unserer Gesellschaft teilzunehmen. Deshalb fördern wir die rund 150 Integrationsunternehmen in Westfalen-Lippe jährlich mit zehn Millionen Euro", sagte LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch beim Besuch des Integrationsunternehmens "mobiles lernen" in Unna, das Schulklassen mit Notebooks ausstattet. Außerdem war er im Bistro auf Schalke zu Gast, in dem Patienten und Mitarbeiter der Reha-Klinik Medicos ebenso wie Schalke-Mitarbeiter einschließlich des kickenden Personals von Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam bedient werden.

Kirsch besucht zur Zeit Integrationsunternehmen in ganz Westfalen, um auf die bundesweit einzige Messe für Integrationsunternehmen am 9. April in Münster hinzuweisen. "Dabei konnte ich mich immer wieder von der Leistungsfähigkeit der Integrationsunternehmen überzeugen, die genau wie alle anderen Unternehmen am freien Markt bestehen müssen", so der LWL-Direktor. Integrationsunternehmen bekommen einen Investitionskostenzuschuss, einen Minderleistungsausgleich als Lohnkostenzuschuss und eine Pauschale für den besonderen Betreuungsaufwand. Dieses Geld stammt aus der Ausgleichsabgabe, die Unternehmen zahlen müssen, die keine oder zu wenige Menschen mit Behinderung beschäftigen. "Dieses Engagement ist auch gut für die öffentlichen Kassen. Denn ein Arbeitsplatz in einem Integrationsbetrieb kostet rund 7.100 Euro pro Jahr, für die Beschäftigung eines Menschen in den Werkstätten für behinderte Menschen zahlt der Steuerzahler jährlich 14.500 Euro", rechnet Kirsch vor.

"mobiles lernen"
Das Unternehmen stattet Notebook-Klassen in allen 21 Schulen in Unna mit Notebooks über Leasingverträge aus. "Damit ist die Stadt Unna absoluter Vorreiter, deshalb melden viele Eltern aus Nachbarstädten wie Dortmund hier ihre Kinder an den Schule an", so Vertriebsleiter Gerd Pothmann. Ziel dieser Klassen ist es, den Schülern die wichtigsten Office-Programme beizubringen und ihnen so das Rüstzeug für eine technologie-intensive Welt zu geben. "mobiles lernen" stattet immer ganze Klassen mit dem gleichen Gerät aus. Die Eltern zahlen 30 Euro Leasingrate pro Monat für einen Laptop - ein Bildungsfonds unterstützt benachteiligte Familien mit bis zu 50 Prozent der Leasingrate. Dafür bekommen sie immer ein aktuelles Gerät. Geht etwas am Laptop kaputt, was beim Einsatz in der Schule keine Seltenheit ist, reparieren es die Mitarbeiter entweder gleich in der Schule oder sie nehmen es mit und die Schüler bekommen solange ein Austauschgerät.

Das Integrationsunternehmen "mobiles lernen" wurde 2010 gegründet. Es hat elf sozialversicherungspflichtige Beschäftigte, darunter drei Menschen mit Behinderung.

Bistro auf Schalke
Das Sozialwerk St. Georg hat im Jahr 2013 gemeinsam mit medicos AufSchalke, dem bundesweit größten Anbieter ambulanter Rehaleistungen, die Idee entwickelt, das Bistro auf Schalke zukünftig durch die INTZeitArbeit zu bewirtschaften. Das Bistro befindet sich direkt neben dem Stadion von Schalke 04. Das wichtigste Standbein des Bistros ist die Patientenversorgung: Wochentags geben die 16 Beschäftigten, darunter acht Menschen mit Behinderung 340 Essen an Reha-Patienten aus. Dazu kommen noch rund 35 Essen für die medicos-Mitarbeiter. Einen eigenen Buffet-Bereich im Bistro gibt es für Schalke-Mitarbeiter. Dazu zählen auch der Trainerstab, die Nachwuchs- und die Profifußballer des Bundesligisten. Rund 60 von ihnen kommen täglich zum Essen ins Bistro. Wenn Heimspiele auf dem Spielplan stehen, hat das Bistro auch am Wochenende geöffnet. Dann wird es für das Bistro-Team be¬sonders arbeitsreich, denn vor den Schalke-Heimspielen bietet das Bistro das Schalke 04-Buffet an. "Wer da keinen Tisch reserviert hat, bekommt kaum einen Platz", so Adrian van Eyk. Der Leiter der Emscher Werkstätten freut sich besonders darüber, dass Menschen mit Behinderung, die bislang in Werkstätten für Menschen mit Behinderung gearbeitet haben, einen Arbeitsplatz im Bistro auf Schalke gefunden haben. Zusätzlich arbeiten elf Menschen mit Handicap in einer Außenarbeitsgruppe der Werkstatt im Service und in der Küche mit. "So wollen wir sie darauf vorbereiten, den Schritt auf den ersten Arbeitsmarkt zu schaffen", erklärt van Eyk.
Das Integrationsunternehmen INTZeitarbeit gGmbH wurde 2010 in Gelsenkirchen gegrün¬det. Gesellschafter sind zu 80 Prozent das Sozialwerk St. Georg und zu 20 Prozent die Sozialwerk St. Georg-Werkstätten gGmbH. Das Unternehmen ist in verschiedenen Branchen tätig. Insgesamt arbeiten 21 Personen sozialversicherungspflichtig in dem Unternehmen, davon zehn Menschen mit Behinderungen.

Hintergrund: Integrationsunternehmen in Westfalen
In Westfalen-Lippe gibt es zur Zeit rund 150 Integrationsunternehmen oder -abteilungen in größeren Firmen aus Industrie, Handel und Gewerbe, in denen rund 1450 Menschen mit Be-hinderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten. Zum Vergleich: Anfang 2008 gab es erst 57 Integrationsunternehmen in Westfalen-Lippe. Die Betriebe, die in der Regel zwischen 25 und 50 Prozent Mitarbeiter mit Handicaps beschäftigen, sind rechtlich und wirtschaftlich selbstständig. Sie müssen sich wie jedes andere Unternehmen am freien Markt behaupten, sie werden aber vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) unterstützt. "Wir helfen auf diese Weise die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen tagtäglich umzusetzen", stellt LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch heraus. "Unser Ziel ist die Inklusion - jeder soll die gleichen Chancen haben, am Leben in unserer Gesellschaft teilzunehmen."

Dazu leisten die Integrationsunternehmen einen Beitrag: "Die Mitarbeiter mit Behinderung gewinnen durch ihren Arbeitsplatz Selbstvertrauen, fühlen sich anerkannt und sind stolz darauf, ihren Lebensunterhalt auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt selbst verdienen zu können. Sie wollen, dass ihr Arbeitsleben an Normalität gewinnt. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe engagiert sich hier seit Jahren", so Kirsch.

Über die Landschaftsverbände werden die Integrationsfirmen in Nordrhein-Westfalen mit Mitteln aus der Ausgleichsausgabe unterstützt. Diese Abgabe leisten Unternehmen, die nicht mindestens fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Mitarbeitern besetzen. "Die Unternehmen sind wie jedes andere Unternehmen am Markt auch dem Wettbewerb unterworfen", betont LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch. An der Finanzierung beteiligen sich auch die Bundesagentur für Arbeit und das Land Nordrhein-Westfalen über das Programm "Integration unternehmen!". Diese Arbeitsplätze sind für den LWL, rechnet Kirsch vor, im Schnitt mit 7.100 Euro pro Jahr deutlich kostengünstiger als Plätze in Werkstätten für Men-schen mit Behinderung (14.500 Euro pro Jahr) - und damit letztlich auch gut für den Steuerzahler.

Unter dem Strich gibt allein der LWL rund zehn Millionen Euro im Jahr für sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze von schwerbehinderten Menschen in den bestehenden und neu gegründeten Integrationsunternehmen aus. Dazu gehören regelmäßige Zahlungen als Nachteilsausgleiche wie auch Investitionskostenzuschüsse. Arbeitgeber erhalten als Starthilfe einen Investitionszuschuss, der die Einrichtung des Arbeitsplatzes ermöglicht. In den Integrationsunternehmen übernimmt der LWL bis zu 80 Prozent dieser Kosten, maximal 20.000 Euro je Neueinstellung. Um Minderleistungen der Mitarbeiter mit Handicap auszu-gleichen, erhält der Arbeitgeber unter anderem Lohnkostenzuschüsse, die in der Regel bei 30 Prozent des Arbeitnehmerbruttolohns liegen. Für den besonderen Betreuungsaufwand am Arbeitsplatz bekommen die Unternehmen monatlich 210 Euro pro Mitarbeiter mit Behinderung.

Messe der Integrationsunternehmen
"Arbeit, Qualität, Inklusion" unter diesem Titel präsentieren sich am Mittwoch, 9. April, in Mün-ster zum dritten Mal nach 2010 und 2012 Integrationsunternehmen und -abteilungen aus Westfalen-Lippe einer breiten Öffentlichkeit. Die LWL-Messe der Integrationsunternehmen bietet neben einer ganztägigen Leistungsschau zeitgleich kostenfrei ein breites Vortrags- und Workshop-Programm. Es richtet sich thematisch besonders an Unternehmer und Arbeitgeber, die ein Integrationsunternehmen gründen oder eine Integrationsabteilung in ihrem Betrieb einrichten wollen.

Kurz vor der LWL-Messe am 9. April werden unter http://www.lwl-messe.de die Themen und Referenten des Kongresses veröffentlicht. Zugleich weist das LWL-Integrationsamt für Westfalen auf das Internetportal zu sämtlichen Integrationsunternehmen in Westfalen-Lippe hin, das der LWL produziert hat. Auf den Seiten unter: http://www.integrationsunternehmen-westfalen.lwl.org finden Interessierte Unternehmensporträts, Interviews, Hintergrundtexte, Datenbanken und alle weitere Informationen zum Thema. Außerdem hält der LWL die Öffentlichkeit über den Facebook-Account http://www.facebook.com/iu.westfalen auf dem Laufenden. Zudem ist in den App-Stores von Apple und Android eine App zur Messe erschienen.

Fakten zur Messe
LWL-Messe der Integrationsunternehmen
Arbeit, Qualität, Inklusion
Halle Münsterland in Münster
9. April von 9 bis 17 Uhr geöffnet.
Der Eintritt zur Messe ist kostenlos.
Weitere Informationen unter http://www.lwl-messe.de



Integrationsunternehmen: Arbeit, Qualität und Inklusion
LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch im Interview


Herr Dr. Kirsch, der LWL fördert jährlich mit zehn Millionen Euro mittlerweile rund 150 Integrationsunternehmen und -abteilungen in ganz Westfalen-Lippe. Was ist das Besondere an dieser Unternehmensform?
Ob es die Mitarbeiter mit oder ohne Behinderung sind oder die Unternehmer - sie alle eint, dass sie gute Produkte und Dienstleistungen liefern wollen. Von der besonderen Unternehmensform profitieren dabei alle Beteiligten. Die Menschen mit Behinderungen stärken durch ihren Job auf dem ersten Arbeitsmarkt ihr Selbstvertrauen und können ihren Lebensunterhalt selbst verdienen. Die Arbeit trägt dazu bei, dass ihr Leben an Normalität gewinnt. Die Firmen haben ebenfalls Vorteile. Sie bekommen gute, motivierte Arbeitskräfte, die - so sagen es viele Unternehmer - besonders loyal und zuverlässig gegenüber den Betrieben sind.

Die Inklusion auch im Arbeitsleben spielt also eine wichtige Rolle?
Sie ist mitentscheidend für mehr Normalität für die Menschen. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe engagiert sich seit Jahren in diesem Bereich. Wir helfen, die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen in die Realität umzusetzen. Jeder soll die gleichen Chancen haben, am Leben in unserer Gesellschaft teilzunehmen - und mit den Integrationsunternehmen gehen wir einen wichtigen Schritt in diese Richtung. Außerdem rechnet sich das Engagement auch für die öffentlichen Kassen.

Woran machen Sie das fest?
Wir ermöglichen momentan 1450 Menschen die Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt, in dem wir Gründungen von neuen Integrationsunternehmen unterstützen. Außerdem fördern wir die bestehenden Betriebe mit regelmäßigen Zahlungen zum Nachteilsausgleich oder als Investitionskostenzuschüsse. Ein Arbeitsplatz in einem Integrationsunternehmen kostet rund 7.100 Euro pro Jahr. Zum Vergleich: Für die Beschäftigung eines Menschen in den Werkstätten für behinderte Menschen zahlt der Steuerzahler jährlich 14.500 Euro. Diese Vorteile wollen wir weiter nutzen und bauen auf eine erfolgreiche Geschichte auf: Seit 2008 haben wir gemeinsam mit den Arbeitgebern, dem Land Nordrhein-Westfalen und den Agenturen für Arbeit die Zahl der Integrationsunternehmen fast verdreifacht. Das gilt auch für die Zahl der neuen Arbeitsplätze in diesen Unternehmen.

Wie wollen Sie die Zahl steigern?
Unsere Mitarbeiter des LWL-Integrationsamtes Westfalen sind ständig im Gespräch mit Unternehmen und mit potentiellen Gründern. Außerdem veranstalten wir seit 2010 im zweijährigen Rhythmus die LWL-Messe der Integrationsunternehmen. Sie findet zum dritten Mal am 9. April in Münster statt und steht unter dem Motto "Arbeit, Qualität, Inklusion". Diesen Dreiklang müssen die Integrationsunternehmen oder -abteilungen erfüllen. Die Beschäftigen machen eine sinnvolle Arbeit mit hoher Qualität, damit ihre Firmen am Markt bestehen können - und damit die Inklusion auch im Berufsleben dauerhaft verankert werden kann. Rund 90 Firmen stellen sich auf der Messe vor. Interessierte Unternehmer können sich darüber informieren, wie sie selbst ein Integrationsunternehmen gründen können. Fachvorträge und Diskussionen runden das Programm ab.



Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org



LWL-Einrichtung:
LWL-Inklusionsamt Arbeit
Von-Vincke-Str. 23-25
48143 Münster
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Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 17.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 18 Museen sowie zwei Besucherzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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