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Auf Entdeckungsreise außerhalb des Klassenzimmer gehen. Bildungspartner NRW bringt Schulen und kommunale Partner zusammen. Foto: Dominik Schmitz/LVR-ZMB

Partnerschaftlich zum Erfolg

Bildungspartner NRW unterstützt die Kooperation von Schulen und Lernorten

NRW – Außerschulische Lernorte können wesentlich mehr sein als lediglich willkommenes Ausflugsziel. Insbesondere wenn Schule und Lernort eng zusammenarbeiten und verbindliche Übereinkünfte treffen, entstehen gewinnbringende Partnerschaften. Solche systematischen Kooperationen auf den Weg zu bringen und zu unterstützen, hat sich Bildungspartner NRW seit 2005 auf die Fahne geschrieben. Wir haben mit der Geschäftsführerin der landesweiten Initiative Christiane Bröckling gesprochen.

Katharina Schunck: Warum raten Sie Lernorten, feste Kooperationen im Rahmen von Bildungspartner NRW mit Schulen einzugehen?

Christiane Bröckling: Eine Kooperationsvereinbarung gibt beiden Partnern, der Schule und dem außerschulischen Lernort, eine Sicherheit. Beide Parteien arbeiten gemeinsam an einem Konzept und den Zielen, die sie erreichen wollen und können Lernangebote und auch Verantwortlichkeiten miteinander abstimmen. In der Regel unterschreibt eine Schulleitung die Kooperationsvereinbarung  für eine Bildungspartnerschaft. Das bedeutet, nicht nur ein Lehrer, der sich für eine Kooperation mit zum Beispiel einem Museum oder einer Bibliothek einsetzt, sondern die ganze Schule steht mit der Unterschrift des Schulleiters dahinter. Das schafft eine schriftlich festgehaltene Verbindlichkeit zwischen der Schule und dem Lernort.

Schunck: Welche Vorteile bieten solche Partnerschaften für die Schulen?

Bröckling: Kommunale Bildungs- und Kultureinrichtungen wie z.B. Archive, Bibliotheken oder Musikschulen bieten sehr viele Angebote, von denen Schülerinnen und Schüler profitieren können. Ein Museum eröffnet neue Kulturen und ermöglicht den unmittelbaren Bezug von historischen Themen im Lebensumfeld der Kinder und Jugendlichen. Eine Gedenkstätte bietet Raum für Diskussionen über die heutige Verantwortung für vergangenes Unrecht. So können die Lernenden eigene Standpunkte entwickeln und vertreten. Das ist in dieser Form in der Schule nicht erlebbar. Außerdem vermitteln die Expertinnen und Experten in den Einrichtungen noch einmal andere Methoden und Perspektiven, mit denen sie Schülerinnen und Schüler erreichen können.

Schunck: Wie muss ich mir eine Kooperationsvereinbarung zwischen Lernort und Schule genau vorstellen?

Bröckling: Wichtig ist ein offenes Kooperationsangebot für alle Schülerinnen und Schüler mit dem Ziel der langfristigen Zusammenarbeit. Sobald die von beiden Partnern unterzeichnete Kooperationsvereinbarung bei Bildungspartner NRW eingereicht ist, wird die Bildungspartnerschaft offiziell registriert. Eine Musterkooperationsvereinbarung steht auf unserer Website zur Verfügung.


Bisher gibt es acht verschiedene Bildungspartnerinitiativen:


Schunck: Wie unterstützen Sie die Bildungspartnerinstitutionen bei ihrer Arbeit? Bieten Sie beispielsweise Fortbildungen an?

Bröckling: Wir unterstützen Kooperationen von Schulen und außerschulischen Partnern durch individuelle Beratung und die kostenfreie Bereitstellung zahlreicher Materialien – vom Infoflyer über Planungshilfen zum Unterrichtsmodul. Praxisbeispiele gelungener Zusammenarbeit werden aufbereitet und gebündelt zur Verfügung gestellt. Unser regelmäßiger Bildungspartnerkongress sowie Fachtagungen informieren über aktuelle Entwicklungen und ermöglichen eine NRW-weite Vernetzung. Der nächste, bereits 7., Bildungspartnerkongress „Gutes Morgen! Zukunft wird von uns gemacht“ steht im Zeichen der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Er findet am 13.10.2017 in Essen statt. Bei unserem Wettbewerb „Kooperation. Konkret.“ können Partner ihre Konzepte einer breiten Fachöffentlichkeit präsentieren und Preisgelder gewinnen. Unser Fortbildungsangebot unterstützt Bildungspartner vor Ort, wenn es dem Aufbau oder der Weiterentwicklung von Bildungspartnerschaften dient.

Schunck: Welche Lernorte können Bildungspartner NRW werden und kommen perspektivisch weitere außerschulische Partner  hinzu?

Bröckling: Derzeit können alle nordrhein-westfälischen Archive, Bibliotheken, Gedenkstätten, Medienzentren, Museen, Musikschulen, Sportvereine und Volkshochschulen Bildungspartner NRW werden. Insgesamt gibt es über 1600 registrierte Bildungspartnerschaften mit über 1300 Schulen und 370 Institutionen. Nach mehr als zehn Jahren der erfolgreichen Zusammenarbeit haben die Landesregierung und die Kommunale Spitzenverbände im März die Gemeinsame Erklärung „Kommunale Bildungs- und Kultureinrichtungen und Schulen sind Bildungspartner in NRW“ offiziell unterzeichnet, um die Initiative für das außerschulische Lernen bis zum Jahr 2025 voranzubringen. Es gibt  weitere Bildungs- und Kultureinrichtungen, die vielfältige, attraktive Potenziale für das schulische Lernen und die individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler bieten, zum Beispiel Theater oder Biologische Stationen. Eine Erweiterung des bestehenden Netzwerkes ist deshalb durchaus denkbar.


Foto: Jan Hüsing/LVR-ZMB

Zur Person:

Christiane Bröckling ist Diplom-Pädagogin. Nach ihrem Studium in Dortmund und Köln arbeitete sie als Referentin in der außerschulischen Kinder- und Jugendbildung sowie in der Jugend- und Familienhilfe. Darüber hinaus qualifizierte sie sich zur IT-Managerin Neue Medien. Seit 2001 ist Christiane Bröckling wissenschaftliche Referentin im LVR-Zentrum für Medien und Bildung. 2015 übernahm sie die Geschäftführung von Bildungspartner NRW.


Publikationsdatum: 18.05.2017

Themen: Praxistipps, Kooperation, außerschulisch Lernen