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Gustav Höfken

Geboren am 14. Juni 1811 in Hattingen/R. als Sohn eines Großhändlers und Exporteurs. Besuch der Volksschule in Hattingen und der Bürger- und Gewerbeschule in Hagen. 1828 Eintritt in das preußische Pionier- und Ingenieurcorps. Besuch der Ingenieur- und Artillerieschule in Berlin. 1830 Ernennung zum Offizier. Angesichts der politischen Restauration und der unterdrückten Meinungs- und Pressefreiheit beteiligte er sich an öffentlichen Protestversammlungen, die ihn in Konflikt mit der Regierung brachten. 1831 wurde er im Bezirk Koblenz zur Festungshaft auf dem Ehrenbreitstein verurteilt. Die Haftbedingungen ermöglichten es ihm, der bereits Englisch und Französisch beherrschte, die spanische Sprache zu studieren. Nach der Freilassung ging er über Belgien und Frankreich nach Spanien, um an dem im Herbst 1836 beendeten 1. Karlistenkrieg teilzunehmen. Hierauf verweilte er zwei Monate in Madrid. Anschließend eignete er sich während eines zweimonatigen Aufenthalts in den Niederlanden, hauptsächlich in Amsterdam, Kenntnisse in der niederländisch-flämischen Sprache und Literatur an. 1837 Für kurze Zeit Rückkehr ins Elternhaus. In dieser Zeit begann er auch journalistisch tätig zu werden, indem er für die von Cotta herausgegebene Augsburger „Allgemeine Zeitung“ korrespondierte. Die ersten nachweisbaren Artikel stammen aus dem Herbst 1837. Anfang 1838 bot ihm Georg von Cotta eine Korrespondentenstelle in Spanien an, worauf Höfken jedoch nicht einging. 1838 neben der Fortsetzung seiner Arbeit für die Allgemeine Beginn seiner Mitarbeit an Cottas Deutscher Viertel-Jahrsschrift und Cottas Morgenblatt für gebildete Leser. Im selben Jahr Umzug nach Berlin. Aufgrund seiner kritischen Haltung gegenüber Preußen und Metternich verbüßte er 1838/1839 eine etwa einjährige Haftstrafe wegen Mitarbeit an auswärtigen Zeitungen, Aufreizung und Verbreitung von Mißvergnügen sowie des Verdachts geheimer landesgefährlicher Verbindungen. Schon im Begriff, als Korrespondenz für die Augsburger Allgemeine nach Madrid zu gehen, erhielt er 1842 das Angebot, Hauptredakteur der neu gegründeten Rheinischen Zeitung zu werden, eine Stellung, die er annahm, jedoch aufgrund von Meinungsverschiedenheiten bald aufgab. Rückkehr nach Westfalen, wo Höfken weiterhin für die Allgemeine und Die Grenzboten arbeitete. Längere Reisen nach Spanien und Italien. Anfang 1843 Übernahme einer festen Tätigkeit bei der Allgemeinen, aus der er, nach Differenzen mit Cotta, zu Neujahr 1848 ausschied. Im selben Jahr Promotion zum Dr. phil. in Heidelberg. Sein Plan, an der Universität als Dozent zu wirken, kam nicht zur Ausführung, weil er im Zuge der Märzrevolution vom Dortmund-Bochumer Wahlbezirk in die deutsche Nationalversammlung gewählt wurde. Über den Verlauf der Verhandlungen lieferte er regelmäßig Berichte an die Dortmunder und Bochumer Presse. Später folgte Höfken dem Rumpfparlament und hielt sich eine Zeitlang in Ravensburg auf. Anschließend ging er mit seiner Familie in die Schweiz. In Frankfurt hatte er seine Bekanntschaft mit dem aus Elberfeld stammenden Karl von Bruck vertieft, der im November 1848 österreichischer Handelsminister wurde. Auf dessen Aufforderung hin Eintritt in den österreichischen Staatsdienst, wo Höfken als Ministerialsekretär, seit 1850 als Sektionsrat und später im Finanzministerium Reformen auf den Weg zu bringen versuchte (Höfken in einer Selbsteinschätzung: Gar vieles wurde in Angriff genommen und bis auf einen gewissen Punkt fortgeführt, dann brach es plötzlich, oft spurlos, wieder zusammen – Zitate nach Koszyk). Er verfaßte zahlreiche amtliche Denkschriften und bezog in verschiedenen Zeitschriften, vor allem in der von ihm redigierten Austria, zu aktuellen wirtschaftspolitischen Fragen Stellung. Er galt als das publizistische Sprachrohr des Ministers, hat aber auch selbst einige von dessen wegbereitenden Maßnahmen angeregt. (NDB) Mit der Entlassung und dem Tod Brucks (1860) verlor Höfken seinen Einfluß. 1866 vorzeitige Pensionierung infolge eines Lungenleidens. Er verfaßte in der Folge neben vereinzelten wissenschaftlichen und publizistischen Studien einige Lustspiele von geringer literarischer Bedeutung. [...] 22 Jahre lang lebte Höfken zurückgezogen. Kaiser Franz Joseph ehrte ihn 1867 durch die Erhebung in den Adelsstand [...]. (ebd.) Er starb am 14. Juli 1889 in Wien.

Pseudonym: Gustav von (van) Hoven.

Selbständige Veröffentlichungen: (in Ausw.) Tirocinium eines deutschen Offiziers in Spanien. 4 Bde. Stuttgart: Cotta 1841f. (StUB Köln) [auch als Ms. im Nachlaß mit dem Titel: Leben und Freiheit. Gedenkbücher (1836-1837)] – Der deutsche Zollverein in seiner Fortbildung. Stuttgart: Cotta 1842. XLII, 596S. (StUB Köln) – Belgien in seinem Verhältnis zu Frankreich und Deutschland mit Bezug auf die Frage der Unterscheidungszölle für den Zollverein. Stuttgart: Cotta 1845. I, 436S. (StUB Köln) – Englands Zustände, Politik und Machtentwicklung, mit besonderer Beziehung auf Deutschland. 2 Bde. Leipzig: Mayer 1846 (StUB Köln) – Vlämisch-Belgien. 2 Bde. Bremen: Schlodtmann 1847. XII, 277S.; 316S. [mit Bildn.] (ULB Münster, StUB Köln) – Die Reform der direkten Besteuerung in Österreich auf Grund der Anträge des K.K. Finanzministeriums. Wien: K.K. Hof- und Staatsdr. 1860. 158S. – Scherz und Ernst. Dramatische Spiegelbilder modernen Lebens. Wien: Gerold 1872. 340S. [Inhalt: Der Gallomane; Der vielbeschäftigte Minister; Die soziale Frage; Pseud. Gustav von Hoven] – steuerrechtliche und polit. Abhandlungen.

Unselbständige Veröffentlichungen in: Frankfurter Konversationsbl. [zwischen 1832-1862] – Unterhaltungsbl. für Stadt und Land 1836-1848 – Augsburger Allg. Ztg. 1837-1848 – Leipziger Allg. Ztg. 1837f. – Dt. Vjs. 1838ff. – Morgenbl. 1838-1848 – Wiener Ztg. 1839ff. – Dt. Monatsschr. für Lit. und öffentl. Leben 1842-1845 – Schwäb. Museum 1843-1845; Die neue Zeit 1846 – Zollvereinsbl., Stuttgart, 1843 – Steinmann: Lit. Monatsschr. 1844-1846 – Dt. Monatsschr. 1845 – Die Grenzboten 1842-1848 – Dt. Ztg. 1848 – Dortmunder Anzeiger 1848 – Austria 1849ff. – Hamburger lit. und krit. Blätter – Lesefrüchte vom Felde der neuesten Lit.

Redaktion: Rhein. Ztg. [1842 kurzfristig Hauptredakteur] – Augsburger Allg. Ztg. 1843-1848 – er war außerdem im Redaktionsstab der Heidelberger Dt. Ztg.

Herausgabe: Volkswohl. Monatsschrift für soziale und politische Reform. Frankfurt/M.: Frankfurter Lit. Anstalten; Heidelberg: Mosler 1849.

Briefe von Höfken: Familienbriefe, 7 Briefe an Georg von Cotta, 4 Briefe an G.G. Gervinius, Brief an F. Schlodtmann u.a., in: Koszyk 1978 [s.u.].

Zeitgenössische Zeugnisse: Nachruf, in: Kölnische Ztg., Nr. 228 vom 18.8.1889 [anonym] – Friedrich List: Schriften, Reden, Briefe. Bd. 8. Berlin 1933, S. 631ff., 639f. [Erwähnungen] – J. Hansen (Hg.): Rheinische Briefe und Akten zur Geschichte der politischen Bewegung 1830-1850. Essen 1919; Nachdr. Bonn 1942 [s. Reg.].

Unselbständige Veröffentlichungen über Höfken: P. Freisewinkel, in: Heimatbl. für den Ennepe-Ruhr-Kreis 1, 1949, Nr. 1f. – W. Schulte: Gustav Höfken (1811-1889), in: Westf. Nachrichten vom 31.1.1953; ders.: „Wachen Sie unerbittlich streng über meine Tätigkeit im Reichstag.“ Der Abgeordnete aus Hattingen: Publizist und Nationalökonom, in: Westfalenspiegel 1968, H. 4, S. 22f. [mit Bildn.; Abb. Geburtshaus] – K. Koszyk: Gustav Höfken. Ein Lebensbild aus dem 19. Jahrhundert, in: Beitr. zur Gesch. Dortmunds und der Grafschaft Mark 71, 1978, S. 9-110; dass. in: K. Koszyk: Publizistik und politisches Engagement. Lebensbilder publizistischer Persönlichkeiten. Münster 1999, S. 39-107.

Erwähnungen in: Sellmann 1935.

Bildnis: 1. Fotogr. (WLA Hagen) – 2. Fotogr. (ULB Münster) – 3. Fotogr. (StLB Dortmund) – s. die Angaben in der o.g. Literatur.

Nachlaß, Handschriftliches: 1. Österr. SA Wien, Abt. Haus-, Hof- und SA: unveröff. Drama Westfälische Patrioten (1812f.]; Korrespondenzen, Schriften, Tagebücher (1 Karton, 17 Bde.) – 2. DLA Marbach (Cotta-Archiv): Korrespondenz mit Georg von Cotta (62 Briefe von Cotta 1837-1862, Cotta-Copierbuch I, S. 379; 81 Briefe an Cotta 1837-1867); Beitr. Höfkens – 3. Bayer. SA München: Briefe an Franz Schlodtmann – 4. UB Heidelberg (Nachlaß Georg Gottfried Gervinius): Briefwechsel mit Gervinius; Beitr. Sozialismus und Pauperismus (3.5.1848) – 5. UB Heidelberg: Brief an die Dt. Ztg., 3.5.1848; an Georg Gottfried Gervinius, 1847; 3 Briefe an Ignaz Kuranda, 1847; weitere Autographen in: Bayer. SB/SB Augsburg; UB Bonn; StLB Dortmund; SB/UB Frankfurt/M.; Bayer. SB München; UB Heidelberg – zum Inhalt s. Mommsen 1971, Nr. 1705.

Sammlungen: 1. StA Münster: Zeitungsausschnittslg. – 2. WLA Hagen: Materialslg.

Nachschlagewerke: ADB, Bd. 50,1, 1905 – NDB, Bd. 9, 1972 – Österr. Biogr. Lex. , Bd. 2, 1951 – Schulte: Westf. Köpfe, 3. Aufl. 1984 – Wurzbach-Tannenberg, Bd. 19, 1885 – Kosch, 3. Aufl., Bd. 7, 1979 – Dt. biogr. Archiv, N.F. Fiche 595, Sp. 93f.