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Fritz Hüser

Geboren am 4. Oktober 1908 in Mülheim/R. als Sohn eines Bergmanns. Er wuchs in Dortmund-Dorstfeld in einem sozialdemokratisch geprägten Umfeld auf. Bereits in früher Jugend zeigten sich literarisches Interesse und bibliothekarische Begabung. Nach der Schulzeit arbeitete er 17 Jahre lang als Former und Kernmacher in Hüttenbetrieben, Ma- schinenfabriken und im Bergbau. Zudem engagierte er sich in der Arbeiterbildungsbewegung. Nach einem Arbeitsunfall 1931 musste er seinen erlernten Beruf als Former aufgeben. 1942 wurde er Diplombibliothekar. Zunächst übernahm er die Leitung von Werkbibliotheken, 1945 übertrug ihm die Stadt Dortmund den Aufbau der Dortmunder Volksbüchereien. Er nahm maßgeblichen Einfluss auf das öffentliche Bibliothekswesen der 1950er und 60er Jahre. Seine schon in den 1920er Jahren begonnene Sammlung zur Arbeiterliteratur fand als Archiv für Arbeiterdichtung und soziale Literatur weit über Dortmund hinaus Beachtung. Mit dem Schriftsteller Max von der Grün, dem Gewerkschaftssekretär Walter Köpping u. a. gründete er 1961 die Dortmunder Gruppe 61 als Arbeitskreis für künstlerische Auseinandersetzung mit der industriellen Arbeitswelt. Hier wirkte er als Mentor für Autoren und Autorinnen. Von 1973 bis 1979 leitete er das von der Stadt Dortmund übernommene Institut für Deutsche und ausländische Arbeiterliteratur ehrenamtlich. Er starb am 4. März 1979 Dortmund.

Die Nachkriegsliteratur in Dortmund beginnt mit dem Jahr 1961 – könnte man behaupten – und damit auf die Bedeutung der Gruppe 61 verweisen, auf die Werkkreise, auf Autoren wie Reding, Max von der Grün, Wolfgang Körner. Aber die Gruppe 61 hatte ihren Mentor. Ja, das literarische Leben der Stadt Dortmund wäre ohne die als Vermittler tätigen Journalisten, Kulturredakteure, Bibliothekare, Lehrer und Büchereiangestellten nicht denkbar. Exemplarisch für die genannten Berufe muß aber als der Mentor Dortmunder Literatur Fritz Hüser hervorgehoben werden. Ihn kann man durchaus mit dem Initiator der Gruppe 47, dem Schriftsteller Hans Werner Richter, vergleichen. Auch Richter wurde nicht durch die Singularität seines literarischen Schaffens berühmt, sondern durch sein Organisationstalent und durch sein Gespür für literarische Talente. Hüser wie Richter dürften auch übereinstimmen in ihrer demokratisch-sozialen Grundhaltung. Doch unterscheiden sich beide darin, daß Hüser jenen Kontakt zur Arbeiterschaft und ihrer Literatur(-geschichte) aktualisierte, über den Richter nie verfügte. Fritz Hüser [...] trug [...] privat eine Sammlung zur Arbeiterliteratur zusammen, die zur Basis des heutigen Fritz-Hüser-Institutes für deutsche und ausländische Arbeiterliteratur wurde. [...] Arbeiterliteratur war für Hüser aber weitgehend identisch mit Arbeiterdichtung in der Tradition von Autoren wie Barthel, Engelke, Lersch und Paul Zech, die – zusammen mit den seit 1912 publizierenden „Werkleuten auf Haus Nyland“ – Vorläufer der Gruppe 61 wurden. Hüsers Bemühungen ist die Neuherausgabe der Werke älterer Arbeiterdichter ebenso zu danken wie – durch persönliche Schreiben an Verlage bedingt – die Hereinnahme von Texten aus der Industrie- und Arbeitswelt in die deutschsprachigen Schullesebücher. So kann der jetzige Leiter des Institutes, Rainer Noltenius, das Jahrzehnt von 1958-68 als Zeit der Wiederentdeckung der Arbeiterdichtung bezeichnen: „Die Arbeiterliteratur, von 1933-45 verboten und verbrannt, von 1945 bis 1960 weitgehend vergessen, war im Dortmunder Archiv von Hüser gegen den Geist der Zeit der Adenauer-Ära gesammelt worden.“ Hüser wurde „Geburtshelfer, geistiger Vater, Mäzen und Pate“ jener Gruppe 61, die man sich – in Analogie zur Gruppe 47 gegründet – unter dem Symbol der Arbeitswelt, dem Förderturm, versammelt denken muß. Die Gruppe besitzt zwar ein Entstehungsdatum, sie hat sich aber offiziell nie aufgelöst, wenn auch ihre Aktivitäten zu Beginn der siebziger Jahre endgültig versiegen. Die von Fritz Hüser und dem Gewerkschaftsfunktionär Walter Köpping geförderte Gruppe 61 stieß zu Beginn der sechziger Jahre in eine „Marktlücke“. (A. Lenhard 1984, s.u.)

Selbständige Veröffentlichungen: Gräflich Schaffgotsche Werke G.m.b.H. Bücherverzeichnis. Werkbücherei Generaldirektion. 1942 [anonym; masch.]; dass. Gleiwitz: Gräfl. Schaffgotsch’sche Werke GmbH 1942 [masch.].

Herausgabe, Bearbeitung: National-Sozialistische Deutsche Arbeiter-Partei, Gau Oberschlesien, Kreisleitung Gleiwitz, Kreisschulungsamt, Hauptstelle Bücherei. Bücherverzeichnis der Schulungsbücherei. Gleiwitz [1942; masch.] – Schaffgotsch-Werkbüchereien. Seefahrt ist Not! Ein Sonder- und Auswahlverzeichnis. Gleiwitz: Gräfl. Schaffgotsch’sche Werke GmbH 1942 [masch.] – Deutsche und ausländische Arbeiterbildung. Arbeiter und Buch, Arbeiterbüchereiwesen. 1953 – Arbeiter und Buch. Arbeiter und Bücherei. Ein Literaturnachweis. Dortmund: Städt. Volksbüchereien 1954 – Dichter und Denker unserer Zeit. Bd. 24: Gerrit Engelke. 1958; Bd. 26: Max Barthel. 1959; Bd. 27: Heinrich Lersch. 1959; Bd. 28: Paul Zech. 1961; Bd. 40: Alfons Petzold. 1972 – Paul Zech. 19. Februar 1881 bis 7. September 1946. Hg. in Verbindung mit dem Archiv für Arbeiterdichtung und Soziale Literatur. Dortmund: Städt. Volksbüchereien 1961 – Wir tragen ein Licht durch die Nacht. Gedichte aus der Welt des Bergmanns. Bochum: Verlags-Gesellsch. der Industriegewerkschaft Bergbau 1960; Köln: Bund 1961 [mit W. Köpping] – Neue Arbeiterdichtung in Westdeutschland? A. Granitzki: Gedichte. 1965 – G. Westerhoff: Gedichte und Prosa. 1965 – H. Wohlgemuth: Gedichte. 1965 – Neue Industriedichtung. J. Büscher: Gedichte. 1965 – Erlebtes Land, unser Revier. Das Ruhrgebiet in Literatur, Grafik und Malerei. Stadt-Sparkasse Gelsenkirchen. Duisburg: Mercator Wohlfarth 1966 [mit F. Oppenberg] – M. Mander: Summa Bachzelt und andere Erzählungen. 1966 – Aus der Welt der Arbeit. Almanach der Gruppe 61 und ihrer Gäste. Hg. von F. Hüser und M. von der Grün in Zusammenarbeit mit W. Promies. Neuwied, Berlin: Luchterhand 1966 – Neue Prosa der Gruppe 61. 1966 – Von der Arbeiterdichtung zur neuen Industriedichtung der Dortmunder Gruppe 61. Abriß und Bibliographie. Recklinghausen: Paulus 1967 [erweit. Nachdr. aus dem Almanach Aus der Welt der Arbeit. 1966] – Texte, Texte. Prosa und Gedichte der Gruppe 61. Recklinghausen: Bitter 1969.

Bibliographie: Fritz-Hüser-Bibliogr. Informationen des Fritz-Hüser-Inst., Nr. 28/83.

Selbständige Veröffentlichungen über Hüser: Hedwig Bieber, H.E. Käufer, A. Klotzbücher (Hg.): Dienst an Büchern, Lesern und Autoren. Festschr. für Fritz Hüser [zum 65. Geb. am 4. Okt. 1973]. Hg. u.a. im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft der Großstadtbibl. im Verband der Bibliotheken des Landes NRW]. Berlin: Dt. Bibliotheksverband. 1973 – Kultur als Fenster zu einem besseren Leben und Arbeiten. Hg. von der Fritz-Hüser-Gesellschaft unter der Leitung von V. Zaib. Bielefeld 2003 (Veröffentlichungen der Literaturkommission für Westfalen 9) [darin: H. Palm: "Nützt die aufgezwungene Freizeit zu Eurer Fortbildung, lest Bücher!". Fritz Hüser: Sammler, Bibliothekar, Literaturvermittler, Mentor, S. 333-366; V. Zaib: Visuelles Gedächtnis der Kultur einer Mehrheit. Die Fotosammlung im Fritz-Hüser-Institut, S. 569-585] – J. Grande: Fritz Hüser 1908 - 1979. Briefe. Oberhausen 2008.

Unselbständige Veröffentlichungen über Hüser: H.-E. Käufer: Bibliothekar und Sammler, Herausgeber und Autorenförderer. Fritz Hüser wird 65 Jahre alt, in: Buch und Bibl. 27, 1973, S. 804-808 – H. Bieber: Der Beginn einer selbständigen Volksbüchereiarbeit in Dortmund nach dem Zweiten Weltkrieg, in: A. Klotzbücher (Hg.): Von Büchern und Bibl. in Dortmund. Beitr. zur Bibliotheksgeschichte einer Industriestadt. Dortmund 1982, S. 109-123 – R. Noltenius: Fritz Hüsers Inst. für Arbeiterliteratur und das zeitgenöss. lit. Leben, in: ebd., S. 125-141 – A. Lenhard: Bewohner des Förderturms? Zur Dortmunder Literatur, in: A. Klotzbücher: Lit. Leben in Dortmund. Beitr. zur Geschichte von Literatur, Buchhandel und Vereinen. Hg. von A. Klotzbücher. Dortmund 1984 – A. Klotzbücher: Fritz Hüser, in: H. Bohrmann (Hg.): Biogr. bedeutender Dortmunder. Dortmund 1994, S. 51-55 [Fotogr.]

Nachlaß, Handschriftliches: I. Bestände in westfälischen Archiven – – II. Weitere Handschriften in Westfalen: 1. ULB Münster: Rundbrief an die Gruppe 61, 5.12.1962; Briefe an Fr. Kaiser, 4.2.1976, 26.12.1976 – – III. Bestände und Handschriften außerhalb Westfalens: DLA Marbach: Briefe an W. Lehmann, 27.4.1962 und Kurt Pinthus, 19.12.1960, 9.2.1961, 1.7.1971; Brief von Kurt Pinthus, 2.3.1961

Sammlungen: umfangreiche Zeitungsausschnittsslg. im „Biogr. Archiv“ des WHB.

Nachschlagewerke: von Heydebrand 1984 – Westf. Literaturführer 1992 – Brauneck 1995 – Lenhard 1984 – Dt. Biogr. Enzyklopädie, Bd. 52, 1997 – Dt. Bibliothek.