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Alexander Haindorf

Geboren am 2. Mai 1782 als Angehöriger einer alten jüdischen Familie in Lenhausen im kurkölnischen Sauerland als Sohn eines Händlers. Kam nach dem Tod seiner Eltern zu seinen Großeltern mütterlicherseits nach Hamm, wo er, schon fast 22jährig, das Gymnasium besuchte. Studierte nach dem Abitur von 1807 bis 1810 in Würzburg, Bamberg, Erlangen und Heidelberg Medizin und Psychologie. War nach der Promotion und Habilitation seit 1811/12 Privatdozent an der Universität Heidelberg und 1815, im Anschluß an eine Studienreise nach Frankreich, Privatdozent an der Universität Göttingen. Kam durch die Freiheitskriege nach Westfalen zurück und war etwa ein Jahr preußischer Militärarzt in Münster. Ließ sich hier anschließend als praktischer Arzt nieder. Hielt später parallel dazu an der Medizinisch-chirurgischen Lehranstalt Vorlesungen über Chirurgie, Geburtskunde, Anthropologie und Psychiatrie. Verzog 1854 nach Hamm, um der Familie nahe zu sein. Verstarb am 16. Oktober 1862.

Haindorf wirkte weitreichend auf dem Gebiet der Bildung, Erziehung und Kunstpflege. Er initiierte 1825 in Münster die Gründung eines Vereins "zur Beförderung von Handwerken unter den Juden in Verbindung mit einer Schulanstalt", aus dem die angesehene Marks-Haindorf-Stiftung, eine Ausbildungsstätte für Lehrer, der eine Elementarschule angeschlossen war, hervorging. Er erlangte zudem Bedeutung als Kunstförderer und Kunstsammler. 1831 war er Mitbegründer und langjähriges Vorstandsmitglied des "Westfälischen Kunstvereins". Wesentliche Teile seiner privaten Kunstsammlung gelangten als Sammlung Loeb-Calenhof in das Westfälische Landesmuseum in Münster.

Selbständige Veröffentlichungen: Versuch einer Pathologie und Therapie der Gemüths- und Geisteskrankheiten. Heidelberg: Braun 1811 – Beiträge zur Culturgeschichte der Medizin und Chirurgie Frankreichs, [...]. Göttingen 1815 [Rez.: Jenaer Allg. Literatur-Ztg. 1816, Nr.44] – Geschichte der Deutschen. Ein historisches Lesebuch für Frauen und Mädchen aus den gebildeten Ständen. Von einer Erzieherin. Hamm 1825 [anonym] – Geschichte von Spanien und Portugall [!]. Ein historisches Lesebuch von derselben Erzieherin. Hamm 1830 [anonym] – Geschichte von Italien. Historisches Lesebuch für gebildete Leser und Leserinnen. Münster 1834 [anonym] – Jahresberichte des Vereins für Westphalen und Rheinprovinz zur Bildung von Elementarlehrern und Beförderung von Handwerken und Künsten unter den Juden 1826-1830 – verschied. Preisschriften, s. die unten genannten Nachschlagewerke.

Unselbständige Veröffentlichungen in: Nasse: Zeitschr. für psychische Heilkunde 1818 [med. Beitr.].

Übersetzungen: John Reid's Versuche über hypochondrische und andere Nervenleiden [aus dem Engl.]. Essen, Duisburg: Bädeker 1819.

Zeitgenössische Zeugnisse: Salomon Friedländer: Lebensbeschreibung Alexander Haindorfs. Berlin 1850 – Salomon Ludwig Steinheim: Biographische Bruchstücke: Kindheitserinnerungen, in: Schoeps 1966, S. 187 – Sophie Mondiano: Spät erklingt, was früh erklang [Roman]. Konstanz 1963 [porträtiert Haindorf in der Gestalt des Medizinprofessors Alexander Alsbach].

Selbständige Veröffentlichungen über Haindorf: W. Beckmann: Alexander Haindorf (1782-1862). Leben und Wirken eines jüdischen Arztes, Schriftstellers, Professors und Philantropen. Diss. Münster 1960 – S. Kessemeier: Kunstwerk des Monats Mai 1988 [des Westfälischen Landesmuseums für Kunst und Kulturgesch. Münster; über Caspar Gökes Gemälde: Alexander Haindorf und seine zwei Enkelkinder. 1854].

Unselbständige Veröffentlichungen über Haindorf: L. Schücking: Professor D. Alexander Haindorf [Nekrolog], in: Allg. Ztg. des Judentums 1862, Nr. 47 – A. Herzig: Haindorfs Bedeutung für die Pädagogik in Westfalen, in: Westf. Forschungen 23, 1971, S. 57f. – I. v. Scheven: Mediziner, Kunstsammler, Menschenfreund. Eng mit Hamm und Westfalen verbunden: Professor Dr. Alexander Haindorf (1782 - 1862), in: Unser Westfalen 1994, S. 39-41 – S. Kessemeier: Zander Abrahams Sohn aus Lenhausen - Alexander Haindorf, in: Jüdisches Leben im Hochsauerland. Fredeburg 1994 (=Hochsauerlandkreis-Schriftenreihe; 3), S. 17-20 – S. Freund: Alexander Haindorf. Grenzgänge zwischen jüdischer und christlicher Kultur, in: Grenzgänge. Hg. von F. Siegert. Münster u.a. 2002 (=Münsteraner Judaistische Studien; 11), S. 174-193 – E. Richter: Alexander Haindorf (1784-1862). Schrittmacher jüdischer Emanzipation in Westfalen, in: Jahrbuch Hochsauerlandkreis 2006 (2007), S. 99-106.

Erwähnungen in: S. Friedländer: Der Verein für Westfalen und die Rheinprovinz zur Bildung von Elementarlehrern und zur Beförderung von Handwerken und Künsten unter den Juden zu Münster. Brilon 1850 – 28. Jahresbericht über die Marks-Haindorfsche Stiftung. Münster 1878, S. 12f. – L. Quante: Anfänge der Neurologie und Psychiatrie bei der I. medizinischen Fakultät in Münster. Diss. Münster 1943 – A. Herzig: Judentum und Emanzipation in Westfalen. Münster 1973 – D. Aschoff: Die Juden in Münster. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Münster 1981 (=Gesch. original, am Beispiel der Stadt Münster 5) – G. Wunderlich: Krankheits- und Therapiekonzepte am Anfang der deutschen Psychiatrie (Haindorf, Heinroth, Ideler). Husum 1981 (=Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften; H. 41) [Univ., Diss., Berlin 1981].

Bildnis: Caspar Görke: Alexander Haindorf und seine zwei Enkelkinder. 1854 (WLMKuK Münster).

Gedenkstätte: Grabstätte auf dem Jüdischen Friedhof in Münster.

Nachlaß, Handschriftliches: Neuß/Rh. (Privatbesitz): Nachlaß – zum Inhalt: Mommsen 1971, Bd. 1, Nr. 5425.

Nachschlagewerke: Seibertz, Bd. 1, 1819; Bd. 2, 1823 – Raßmann, 2. Nachtr. 1818; 3. Nachtr. 1824 – Pütter, Bd. 3, 1820; Bd. 4, 1838 – Hamberger/Meusel, 5. Aufl., Bd. 18, 1821; Bd. 22,2, 1831 – Rotermund, Bd. 2, 1823 – Raßmann 1866 – ADB, Bd. 10, 1879 – Westf. Lebensbilder 11, 1975, S. 97-111 (H.-J. Schoeps) – Schulte: Westf. Köpfe, 3. Aufl. 1984 – Dt. Biogr. Archiv, Fiche 462, Sp. 69-86 – Datenbank www.juedischeliteraturwestfalen.de.