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LWL-Industriemuseum | Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur

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Ihren Ursprung haben die lippischen Zieglervereine im 19. Jahrhundert. Foto: Veit Mette

28.10.2018-19.5.2019

Gut Brand

Fotografien der Festumzüge der Zieglervereine Bega und Cappel-Mossenberg-Wöhren von Veit Mette

Der Bielefelder Fotograf und Kulturpreisträger der Stadt Bielefeld, Veit Mette, begleitete 2017 den Umzug des Zieglervereins Bega zu dessen 125-jährigem Jubiläum und den Umzug des Zieglervereins Cappel-Mossenberg-Wöhren. Die ausdrucksstarken Bilder zeigen die Pflege der Zieglertradition und vermitteln Eindrücke vom Leben im Kreis Lippe.

Tradition heute

Die Zieglervereine sind heute noch wichtiger Bestandteil des dörflichen Kultur- und Festlebens in Lippe. Hinsichtlich ihres regional begrenzten Vorkommens, ihrer Vielzahl und Langlebigkeit stellen sie innerhalb Deutschlands ein einzigartiges Phänomen dar. Der Schwerpunkt der Vereinsarbeit liegt in der Traditionspflege und im kulturellen und geselligen Engagement innerhalb ihrer Heimatorte. Der Höhepunkt des heutigen Vereinslebens ist der Festumzug zu jedem fünfjährigen Vereinsjubiläum. Daran nehmen die Zieglervereine aus Lippe und häufig auch die örtlichen Schützen- und Heimatvereine unter anderem mit ihrer Vereinsfahne teil. Der Umzug führt durch das Dorf und der Tag schließt mit Festreden, der Fahnenweihe und dem anschließenden geselligen Beisammensein im Dorfkrug oder im Festzelt ab.

 

Traditionspflege und kulturelles Engagement sind heute Schwerpunkte der Vereinsarbeit. Foto: Veit Mette
Zwei Mitglieder des Zieglervereins präsentieren stolz ihre Fahne. Foto: Veit Mette

Die Ursprünge der lippischen Zieglervereine

Die ersten Zieglervereine entstanden im ehemaligen Fürstentum Lippe nach 1880 als Folge des Vereins- und Versammlungsgesetzes 1883. Um 1910 existierten ca. 70 Vereine in Lippe. Die lippischen Wanderziegler, die rund um Berlin, in Norddeutschland und im Ruhrgebiet als Saisonarbeiter arbeiteten, gründeten die Vereine ursprünglich als Berufsvereinigungen, die Interessenvertretung und Geselligkeit miteinander verbinden sollten.

Das Vereinsleben spielte sich bis zum Ersten Weltkrieg ausschließlich in den Wintermonaten ab, da sich die Ziegler nur in dieser Zeit in ihrer Heimat aufhielten. Sie veranstalteten Vereinsfeste, die der geselligen Zusammenkunft, als Heiratsmarkt, aber auch der Arbeitsvermittlung dienten. Hier schlossen sich die Ziegler zu Arbeiterkolonnen zusammen, die in der kommenden Arbeitssaison gemeinsam eine Ziegelei in der Fremde betrieben. Zu diesen Festen erschienen auch die anderen Zieglervereine der Region mit ihrer Vereinsfahne und es wurden Festreden gehalten. Eine weitere Funktion der Vereine war die Unterstützung von Mitgliedern nach Unfällen und Krankheiten. Noch heute betreiben viele Vereine eine Sterbekasse.

Der Fotograf

Veit Mette begleitete 2017 und 2018 die Umzüge der Zieglervereine Bega und Cappel-Mossenberg-Wöhren. Dabei hielt er mit seiner Kamera Momentaufnahmen des heutigen Zieglervereinslebens fest. Seine Fotografien zeugen von einer feinen Ironie und einer gewissen Verschmitztheit, mit denen er die Menschen in ihrem Alltag porträtiert. So erlaubt Veit Mette einen völlig anderen Blick auf diese Situationen, wie man ihn vermutlich nur durch die Linse einer Kamera entdecken kann. Seine Bilder sind nie voyeuristisch, aber er bleibt immer sehr nah an den Menschen und ihrem Alltag.

Seit 1990 arbeitet Veit Mette als Fotograf für Zeitungen und Magazine sowie für Unternehmen und Stiftungen in den Bereichen Reportage, Porträt und Werbung. Neben journalistischen Veröffentlichungen in Printmedien wie Stern, Süddeutsche Zeitung, Geo und Die Zeit präsentiert er seine künstlerischen Arbeiten in zahlreichen Büchern und Ausstellungen. Veit Mette lebt und arbeitet in Bielefeld. Er ist Mitglied der Bildagentur laif (Köln) und erhielt 2015 den Kulturpreis der Stadt Bielefeld.