Ziegeleimuseum Lage

LWL-Industriemuseum | Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur

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Feldbahnbetrieb im Hartsteinwerk der Fa. Claas in Harsewinkel Anfang der 1950er Jahre. Foto: CLAAS

7.7.-27.10.2019

Feldbahngeschichten

Von hängenden Loren und fliegenden Gleisen

In der ehemaligen Direktorenvilla stellen historische, bis zu 100 Jahre alte Fotografien, und Texte die vielfältigen Einsatzgebiete der Transportmittel in Industrie und Landwirtschaft vor. Alle Beispiele stammen aus Westfalen und Lippe. Auf Gleisen im Freigelände des Museums sind ein Dutzend Originalfahrzeuge zu besichtigen.

Weltweit wichtiges Transportmittel

Der Name "Feldbahn" geht auf eine Erfindung des französischen Gutsbesitzers Paul-Armand Decauville zurück, der 1875 für die Ernte ein einfaches, wetterunabhängiges Transportsystem suchte. Er entwickelte ein transportables, leicht verlegbares Schienen- und Fahrzeugsystem, das zuerst auf seinen Feldern zum Einsatz kam. Ihre Flexibilität und Anpassungsfähigkeit machte die Feldbahn schon bald weltweit zu einem wichtigen Transportmittel. Schnell verlegbare Gleise und Kipploren wurden auf Baustellen, in Wäldern, beim Torfabbau und in Ziegeleien eingesetzt. Die meisten Wagen wurden geschoben, manchmal bewegten Pferde und Ochsen die Wagen. Größere Betriebe beschafften auch Dampfloks, später Dieselloks.

 

Transport von Torfsoden mit Feldnbahnloren, 1930er Jahre. Foto: Hauptarchiv der von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel
Eine Feldbahn des Kalkwerks Müller kreuzt die B 68 in Künsebeck (1966).

Im Bergbau an der Ruhr gab es im 18. Jahrhundert Wagen mit Holzschienen für den Kohlentransport, unter Tage und über Tage. Schon 1790 begann man, Eisenstücke auf die Holzschienen zu nageln, aus der Schiebebahn wurde eine Eisenbahn. Zunächst bewegten Pferde und Ochsen die Wagen. Die ersten Feldbahnlokomotiven wurden wie ihre großen Schwestern mit Dampf betrieben, wenig später bereits mit Elektrizität. Doch der Dieselmotor setzte sich durch. Die Hersteller von Feldbahnloks - Henschel, Jung, Deutz, Schöma, Diema und viele andere - bauten Gleise, Loks und Loren für Feldbahnen und Grubenbahnen.

Die Feldbahnen fuhren auf allen großen Baustellen, halfen beim Bau von Schifffahrtskanälen und den ersten Autobahnen. Trümmerbahnen transportierten die Schuttberge nach 1945 aus den Städten. Torfbahnen ermöglichten den industriellen Abbau der trockengelegten Moore. Seit den 1960er-Jahren ersetzten Gabelstapler, Förderbänder und Lastwagen das traditionelle Transportmittel.

Fahrbetrieb

Dieselloks der Ziegelei Beermann aus Sylbach drehen an Betriebstagen ihre Runden. Die nächsten sind: 7.7., 4.8., 1.9., 6.10. und 13.10.2019.

 

Fahrtag der Feldbahn im Ziegeleimuseum. Die Lok wurde 1964 von der Maschinenfabrik "Schöma" gebaut.